Berlin-Mitte ist inzwischen eine Gedenklandschaft, wo an verschiedene
Opfer des Nationalsozialismus erinnert wird. Zwei Orte werden noch hinzukommen, ein
Museum des Exils am Anhalter Bahnhof und ein Dokumentationszentrum, das an die Geschichte
der deutschen Besatzung, vor allem in Osteuropa, erinnert. Der Beschluss ist vom Bundestag gefasst, von Politikern aller ernstzunehmenden Parteien, ein "
Meilenstein". Aber Stefan Reinecke
wundert sich in der
taz sehr, das in der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht über dieses Projekt diskutiert wurde: "Das jetzige Desinteresse der Öffentlichkeit ist ein Indiz, dass die
Historisierung des Nationalsozialismus ein abgeschlossener Prozess zu sein scheint. Jenseits der mitunter hysterisch geführten Debatte um Israel lassen sich mit NS-Geschichte keine
diskursiven Distinktionsgewinne mehr erwirtschaften oder identitätspolitische Gewinne verbuchen. Ob der Vernichtungskrieg im Osten erinnert oder vergessen wird, berührt das Selbstbild der bundesrepublikanischen Gesellschaft offenbar nicht. Die NS-Zeit ist zwar noch keine sedimentierte Schicht wie der Erste Weltkrieg oder das Kaiserreich. Aber sie gilt 2020 als
zu Ende erzählt."
Und noch ein Gedenkort, und vielleicht ein besonders notwendiger. Im Berliner Bendlerblock wurde die "
Gedenkstätte Stille Helden" eröffnet (
Website). Andreas Kilb berichtet in der
FAZ. Bisher wurde in Berlin nur Deutscher gedacht, die Juden geholfen hatten. Nun geht es "nicht mehr nur um Helmuth Groscurth, Maria von Maltzan, Harald Poelchau und Oskar Schindler, sondern auch um den Letten
Jänis Lipke, der mit seiner Familie Dutzende Deportierte aus dem Getto von Riga rettete, um die Kirchengemeinde von
San Gioacchino in Rom, die unter dem Dach ihres Gotteshauses jüdische Italiener verbarg, oder um den Albaner
Refik Veseli, der eine jüdische Familie aus Serbien in seinem Elternhaus in den Bergen versteckte."