Auf ein empörendes Kapitel der
deutschen Verlagsgeschichte macht Karina Urbach in der
Zeit aufmerksam. Deutsche und österreichische Verlage "arisierten" nicht nur jüdischen Besitz, sondern auch
Bestseller jüdischer Autoren, indem sie sie regimefreundlichen Autoren zuschrieben, die den Inhalt nur änderten, wenn sie, wie im Kochbuch der Großmutter von Urbach jüdische Rezeptnamen ("Omelette Rothschild") austauschten: "In einem Land, in dem Juden ihren rechtlichen Schutz von 1933 an sukzessive verloren, war auch deren geistiges Eigentum der Willkür preisgegeben: Jeder 'arische' Autor und jeder Verlag konnte sich
an diesem Eigentum bedienen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen." Der Fall des "
Palandt", eines juristischen Kommentarwerks des C.H. Beck-Verlags, ist bekannt (und durch den Verlag selbst 2013 erforscht worden). Weniger bekannt ist, dass auch
Knaurs einst so populäres
Gesundheitslexikon dem prominenten jüdischen Arzt
Josef Löbel "weggenommen" wurde. Erst jetzt, achtzig bis neunzig Jahre nach den Ereignissen, an denen sich der Verlage
jahrzehntelang bereicherten, werden die Geschichten aufgearbeitet, so Urbach. Auch das Kochbuch von Alice Urbach wir wieder unter ihrem Namen erscheinen. Ausführlich kann man Urbachs Geschichte
hier nachlesen.
Außerdem:
Alteuropäische Großmächte wie Russland, Ungarn oder die Türkei haben den
Verlust ihres Imperiums bis heute nicht überwunden,
meint der Historiker Rasim Marz in der
NZZ.