
In Hamburg, im
Museum der Arbeit, gibt es zur Zeit auch die Ausstellung "Grenzenlos -
Kolonialismus,
Industrie und Widerstand". Sie beleuchtet "die Wertschöpfung mit Kolonialgütern vom Herkunftsort bis zum Bestimmungsland" und blickt dabei in
vier Hamburger Fabriken,
erzählt in der
Welt Stefan Grund. "Erklärtes Ziel der Kuratoren Sandra Schürmann und Christopher Nixon: 'Wir wollen die menschenverachtenden Verhältnisse zeigen, die hinter der romantisierenden Bezeichnung '
Hamburger Kaufmannsindustrie' stecken.' ... Wie das Elfenbein wurden pflanzliche Rohstoffe mit hohem Arbeitseinsatz der indigenen Bevölkerung, die
zum Teil versklavt, zum Teil schlecht bezahlt wurde, nach der Ernte zur Verschiffung vorbereitet und transportiert. Karawanen für Elefanten-Stoßzähne umfassten zum Beispiel bis zu 2.000 afrikanische Träger. Die Arbeitsbedingungen auf den Kakao-Plantagen waren wie jene bei der Kautschukernte unmenschlich. Die Arbeiter hatten eine Sechstagewoche mit
täglich 18 Arbeitsstunden. Auf den Pflanzungen des Hamburger Unternehmers
Adolph Woermann wurden widerständige Arbeiter in einen
Hungerturm gesperrt. Allein im Jahr 1913 starben auf einer seiner Plantagen 65 von 213 Arbeitern. Die
Prügelstrafe war allgegenwärtig, in der deutschen 'Vorzeigekolonie' Togo stand auf kleinste Vergehen die Strafe von
50 Peitschenhieben, die häufig zum Tode führte."
Die
Ukraine hat die Schirmherrschaft für eine
deutsch-ukrainische Historikerkommission niedergelegt, berichtet Reinhard Veser in der
FAZ. Anlass war ein bitterer Streit über die Frage, ob der "
Holodomor", der millionenfache Hungermord an zumeist ukrainischen Bauern, als
Genozid anzuerkennen sei. Die selbst in dieser Fragen streitenden Historiker wollten eine entsprechende Petition an den Bundestag nicht unterzeichnen, so Veser: "Der Dissens besteht
nicht über das Ausmaß des Verbrechens und die direkte Verantwortung Stalins dafür, sondern darüber ob es dessen Ziel war, die Ukrainer als ethnische Gruppe '
als solche' zu vernichten, wie es in der UN-Konvention gegen Völkermord heißt. Es sprechen
starke Argumente für diese These, doch es gibt auch gewichtige Gegenargumente. Denn die Hungersnot 1932/33 traf nicht nur Ukrainer, sondern Kasachen und Bauern in einigen Teilen Russlands. Allen Opfergruppen war gemeinsam, dass Stalin sie als antisowjetische Elemente betrachtete."