Laut Koalitionsvertrag will sich die Ampelregierung um eine
Neuregelung des Paragrafen 218 kümmern. Weil das bisher geltende Gesetz Schwangere bevormundet und Abbrüche kriminalisiert, "wird es in Deutschland immer schwieriger, keine problematischen Erfahrungen beim Abbruch zu machen", meint
Stephanie Schlitt, Vize-Vorsitzende von Pro Familia, im
FR-Gespräch mit Bascha Mika. Pro Familia fordert einen "Paradigmenwechsel, der den Fokus auf die schwangere Person setzt": "Nur weil eine Person schwanger ist, verliert sie ja nicht ihre
Menschenrechte. Und dazu gehört das Recht auf eine
selbstbestimmte Familienplanung und auf die entsprechende Gesundheitsversorgung. (…) Schwangere bringen den Respekt vor dem werdenden Leben mit - selbst wenn sie sich für einen Abbruch entscheiden."
In
Paraguay ist Abtreibung überhaupt nicht möglich. In
Spon berichtet Nicola Abé, wie religiöse Aktivisten beispielsweise in der Casa Rosa María
junge Mädchen zwingen, ungewollte Kinder auszutragen. "Paraguay war schon immer erzkonservativ, nun tobt ein Kulturkampf, den meist die illiberalen Kräfte gewinnen. Als eines der ersten Länder weltweit führte der Staat 2017 ein '
Register für ungeborenes Leben' ein, wo im Mutterleib verstorbene Babys eingetragen werden. Im selben Jahr war Paraguay das erste Land, welches das Konzept und das Wort 'Gender' gänzlich aus dem Lehrplan verbannte. Für beides lobbyierten nicht nur religiöse Gruppen vor Ort; Schützenhilfe erhielten sie von evangelikalen Organisationen aus den USA. Das Beispiel Paraguay zeigt, wie mächtige Akteure sich
international vernetzt haben, um eine Agenda wider jeden gesellschaftlichen Fortschritt voranzutreiben."
Die
Linke sollte nicht mehr wie paralysiert auf die Rechte starren und faule Kompromisse machen, um nur ja niemanden zu verärgern,
fordert in der
taz Robert Misik: "'Vorherrschende Meinungen' oder Konventionen sind keine unveränderbaren Konstanten.
Je furchtsamer man ist, umso weniger wird man sie vielleicht in eine progressive Richtung verändern.... Falsch ist dennoch nicht, dass es Maß und Ziel braucht. Man wird die eigenen progressiven Werte erfolgreicher verfechten, wenn man sie
in einer Sprache vorbringt, die mit dem Alltagsverstand und den Werten breiter und verschiedener Milieus und Segmente der Gesellschaft eine Verbindung findet. "
Früher wollte man unbedingt einen Jungen, heute ein Mädchen: In der
NZZ blickt der Soziologe Walter Hollstein bedrückt auf das
Männerbild, das heute oft verbreitet werde: "Die medialen Bilder infiltrieren dabei mehr und mehr die soziale Wirklichkeit. So haben verschiedene internationale
Fluggesellschaften festgelegt, dass
allein reisende Männer nicht mehr neben Kindern sitzen dürfen. Die generelle Verteufelung von Männern, wie sie in feministischen Zirkeln gang und gäbe ist und immer weiter um sich greift, ist menschlich verwerflich und sozial problematisch. Denn sie hat Folgen: Junge Männer ziehen sich
zunehmend aus der Gesellschaft zurück, das hat eine Studie des 'Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung' bereits 2007 gezeigt."
Außerdem: In der
Welt macht die Literaturwissenschaftlerin
Anne Meinberg sehr deutlich, was sie vom
Gendern hält: Nicht viel. "Was ist das überhaupt für ein Frauenbild, das hinter der Forderung steht, die Frau in jedweden Kontexten
erst sichtbar machen zu müssen?"