Harald Martenstein hat sich im Streit um eine seiner Kolumnen, die die Chefredaktion aus dem Netz genommen hat, vom
Tagesspiegel getrennt. Er hatte das Tragen von "
Judensternen" von Impfgegnern mit der Aufschrift "Ungeimpft" als "eine Anmaßung, auch eine Verharmlosung" verurteilt und "für die Überlebenden schwer auszuhalten", aber es sei "sicher
nicht antisemitisch" (
hier die Stellungnahme der Chefredaktion, Martensteins Kolumne kann man jetzt auf Martensteins
eigener Website lesen).
In der
Welt wundert sich Henryk M. Broder ganz generell über die Aufregung um die "Judensterne", die sich
Impfgegner so gern anstecken. Man ist doch sonst nicht so empfindlich, wenn der Holocaust relativiert wird. "So geschichtsvergessen die Selbstdarstellung der Ungeimpften, die sich mit einem Judenstern schmücken, auch sein mag: Sie richtet sich
nicht gegen Juden. Und sie stellt den Holocaust nicht infrage. ... Der Vorwurf, die ungeimpften Möchtegern-Juden würden den Holocaust 'instrumentalisieren', führt zwar in die Irre, aber dennoch zum Ziel: Eine Handvoll 'Covidioten' (Saskia Esken ) wird instrumentalisiert, um den
Protest gegen die Pandemie-
Politik zu delegitimieren. Wie war das noch mal mit dem 'Generalverdacht', vor dem man sich hüten muss, wenn irgendwo eine Bombe explodiert und ein Bekennerschreiben mit den Worten '
Allahu akbar' anfängt? Verallgemeinerungen und pauschale Schuldzuweisungen sind Ausdruck 'gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit' und deswegen tabu. Ausgrenzungen von Gruppen, die den gesellschaftlichen Konsens gefährden, sind dagegen okay - ungeachtet aller Bekenntnisse zur Offenheit, Vielfalt,
Diversität und des Rechts auf Meinungs- und Demonstrationsfreiheit."
In der
SZ ist Holger Gertz froh, dass die
Olympischen Spiele in Peking zu Ende sind. Die Verantwortlichen - allen voran IOC-Präsident
Thomas Bach - dafür möchte er allerdings
noch lange nicht vom Haken lassen: "Die Olympier sind Großmeister der Bildersprache, aber die schönen Bilder haben am Ende, jedenfalls in Deutschland, nicht dazu beigetragen, dass diese Spiele von einem Luftkissen der Euphorie getragen wurden und zu fliegen begannen, trotz der vielen Medaillen. Zu beschwerend die Debatten um Menschenrechtsverletzungen,
zu bleiern das Schweigen des IOC zu diesen Themen. Und als IOC-Chef Thomas Bach in seiner Schlussansprache von Solidarität predigte und sagte, man müsse Seite an Seite stehen - da klang das mal wieder wie der altbekannte
kalt servierte Zynismus, mit Blick auf diejenigen, die vom Regime in China drangsaliert und traktiert und unterdrückt werden."
Im online nachgereichten
Interview mit der
Zeit fragt die britische Autorin
Otegha Uwagba, warum wir so wenig über
unser Vermögen und unser Einkommen reden. Wären wir in Geldfragen transparenter, meint sie, würde das "die falsche Annahme beheben, dass wir
in einer Meritokratie leben; dass Menschen zu Reichtum gekommen sind, weil sie hart arbeiten oder sich besonders anstrengen. Das stimmt einfach nicht. Die
soziale Mobilität in Großbritannien ist eine der schlechtesten in Europa. Die allermeisten sterben in der sozialen Klasse, in die sie hineingeboren wurden. ... Ohne diese Transparenz kann man sich nicht
gegen Klassendynamiken wehren. Solche Ungleichheiten sind schlecht für die Gesellschaft."
Ein Schweizer und ein französisches Team haben unabhängig von einander herausgefunden, wer hinter den verschwörungstheoretischen Texten der "
QAnon"-
Bewegung steht. Beauftragt waren sie von der
New York Times, deren
Recherche Michael Hanfeld resümiert in der
FAZ nacherzählt: "Ihr Ergebnis ist von feinster Ironie. Denn hinter 'Q' sollen zwei Männer stecken:
Ronald Watkins, der Administrator des Internetforums 4chan, auf dem die Botschaften von 'Q' zum ersten Mal auftauchten; und der südafrikanische Journalist
Paul Furber, der in Serie erste Artikel über 'Q' schrieb." Für die Anhänger der Theorie muss das eine Enttäuschung sein, so Hanfeld, denn der Legende nach war '
Q'
ein Insider, der alle Hintergründe kennt, wahrscheinlich ein hochrangiger Militär, ein Mastermind, der sie zum Widerstand aufruft."