9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

858 Presseschau-Absätze - Seite 2 von 86

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.04.2019 - Internet

Gestern tagte das EU-Parlament zur Frage terroristischer Inhalte und beschloss, dass soziale Medien solche Inhalte innerhalb einer Stunde löschen müssen, berichtet Tomas Rudl  in Netzpolitik. Uploadfilter wurden von den Abgeordneten aber abgelehnt. "Im Gesetzentwurf verblieben sind jedoch schwammige Terrorismus-Definitionen. Je nach Auslegung könnte dies dazu führen, dass Aufrufe zu bestimmten Protestformen, etwa Straßenblockaden bei Öko-Protesten, als 'terroristische' Aktionen gewertet und künftig geblockt werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.04.2019 - Internet

Vor dreißig Jahren hat Tim Berners-Lee das World Wide Web erfunden, das er jetzt gerne neu justieren würde. Evgeny Morozov - man ahnt es - glaubt nicht daran, verkündet er in der NZZ. Bevor Berners-Lee neue Tools entwickelt, möchte Morozov in der NZZ nämlich erst mal festlegen, wer künftig noch was darf: "Es gibt keine digitale Ermächtigung ohne politische Ermächtigung - und die ist nur zu haben, wenn wir uns das World Wide Web nicht mehr als Medium oder Tool denken, sondern als Träger von Infrastrukturen, dank denen wir besser leben, arbeiten und kooperieren können. Zunächst brauchen wir eine Politik für diese Infrastrukturen, die auch Aspekte wie deren politische Ökonomie, die Besitzverhältnisse und die Verteilung der Risiken zwischen diversen öffentlichen und privaten Akteuren einbegreift. Erst dann können wir uns der profaneren Aufgabe zuwenden, die richtigen Mechanismen und Plattformen zu finden, um alle Bestandteile in eine gemeinsame Struktur einzubinden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.04.2019 - Internet

Im Aufmacher auf der ersten Seite der NZZ erklärt Thomas Fuster, wie klimaschädlich massenhaftes Video-Streaming wirklich ist: Diese verhältnismäßig neue Form der Internetnutzung treibt die Energiebilanz des Internet massiv nach oben - und entsprechend auch die Emissionen. "Der Anteil der ICT-Branche an den weltweiten Treibhausgasemissionen wird auf 3,7 Prozent geschätzt; das ist fast doppelt so viel wie der Beitrag der zivilen Luftfahrt (2 Prozent) und knapp die Hälfte des Schadstoffausstosses aller Personenfahrzeuge und Motorräder (8 Prozent). Sorgen macht den Studienautoren vor allem die rasche Zunahme des digitalen Energieverbrauchs um zirka 9 Prozent pro Jahr. Setzt sich dieser Trend fort und steigt das Datenvolumen im Internet weiterhin um rund 30 Prozent pro Jahr, wäre die ICT-Branche schon 2025 für 8 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.04.2019 - Internet

Die Repressionspolitik der Chinesen gegen die uigurische Minderheit erreicht immer neue Grade der Unheimlichkeit, berichtet Paul Mozur in der New York Times: "Dokumente und Interviews zeigen, dass die Behörden auch ein riesiges, geheimes System fortschrittlicher Gesichtserkennungstechnologie einsetzen, um die Uiguren, eine weitgehend muslimische Minderheit, als Gruppe zu überwachen und zu kontrollieren. Es ist das erste bekannte Beispiel einer Regierung, die willentlich künstliche Intelligenz für 'Racial Profiling' verwendet, sagten Experten."

Der bekannte Whistleblower Daniel Ellsberg verteidigt Julian Assange im Interview mit Dorothea Hahn von der taz. Er fürchtet, dass die Vereinigten Staaten ihre Einstellung gegen ihn verschärfen, sobald er ausgeliefert ist: "Ich glaube, dass diese Anklagen dazu dienten, Großbritannien dazu zu bringen, ihn auszuliefern. Und Ecuador zu ermuntern, ihn fallen zu lassen. Wenn er erst mal hier ist, kann die Anklage erweitert werden. Die US-Regierung wollte einen Angeklagten haben, um die Veröffentlichung von geheimen Daten illegal zu machen. Und sie wollte die einhellige Unterstützung durch Journalisten und die Verfassungsbedenken durch Rechtsgelehrten verhindern."

Im Interview mit Svenja Bergt von der taz freut sich die Politologin Annegret Falter, dass Whistleblower in der EU einen etwas besseren Schutz erhalten sollen - gegen den Widerstand vor allem deutsche Politiker.

Alan Rusbridger, einst Chefredakteur des Guardian, wendet sich in der Daily Mail gegen ein "White Paper" der britischen Regierung, das eine stärkere Internetregulierung durchsetzen will. Rusbridger fürchtet Zensur, denn neben Kinderpornos oder Unterstützung von Terrorismus ist in dem Papier auch viel vager von "Online-Fehlverhalten" die Rede, "das 'unsere gemeinsamen Rechte, Verantwortung und Chancen zu Integration' verletzt. Das ist ein sehr weites Spektrum potenziell kontroversen Inhalts und wirft die Frage nach dem Wer auf: Wer wird entscheiden, ob Inhalte als schädlich gelten und wer soll diesem vermeintlich sichersten Platz der Erde  Regeln geben?" Als schlechtes Beispiel einer überscharfen Internetregulierung beschreibt Rusbridger übrigens das deutsche  Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG), das bereits - etwa bei Facebook - zu Sperrungen völlig harmloser Inhalte geführt habe.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.04.2019 - Internet

Der Journalist und frühere Wikileaks-Mitarbeiter James Ball hält im SZ-Interview jede Kritik an Julian Assange und Wikileaks für berechtigt, die Anklage aber dennoch für fatal: "Denken Sie an Edward Snowden. Das Erste, was Journalisten sich anhören mussten, war: Die Regierung kann euch unter dem 'Espionage Act' verfolgen. Wir müssen die Norm verteidigen, dass Journalisten nicht verfolgt werden. Sie erodiert nicht, indem der Chefredakteur der New York Times angegriffen wird. Man greift Außenseiter wie Assange an, den viele Leute nicht verteidigen wollen. Das kriminalisiert den Journalismus an sich."

Im New Yorker ahnt John Cassidy schon, dass die Strategie aufgeht. Weder New York Times noch Washington Post machten sich wirklich für Julian Assange stark. Dabei soll er schließlich nicht angeklagt werden, weil er mit russischen Hackern Hillary Clintons Wahlkampf torpedierte, sondern für die Leaks mit Chelsea Manning, in denen es um die Tötung von Zivilisten und Journalisten durch amerikanische Soldaten im Irak ging. Und die hätten Times, Post, Guardian und der Spiegel alle veröffentlicht.

Weiteres: Julian Assanges hatte eigentlich mehr Substanz als Aura, überlegt Andrian Kreye in der SZ, doch seine Ruhmsucht habe ihn zu seinen größten Fehlern verleitet: "Assanges unerbittliche Strategie, Wikileaks zu einer fast schon messianischen Bewegung mit nur einem Kopf zu machen, hat ihm langfristig geschadet." Wikileaks sei ohne Julian Assange besser dran, meint in der FAZ Michael Hanfeld: "Julian Assange hat immer nur für sich gespielt und wähnte sich auf Augenhöhe mit den Mächtigen der Welt, denen er es zeigen wollte. Die Dokumente, die ihm zugespielt wurden, betrachtete er nicht als Vehikel der Wahrheitsfindung, sondern als Instrument der politischen und persönlicher Machtausübung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.04.2019 - Internet

Wikipedia verzeichnet einen "Mitarbeiter"-Schwund von einst 13000 auf knapp 6000, immer mehr Artikel sind veraltet, konstatieren in der NZZ die Philosophin Anna-Verena Nosthoff und der Wirtschaftswissenschaftler Felix Maschewski: "Die Wikipedia-Gemeinde scheint sich nach einer starken, etwas anarchischen Wachstumsphase um das Jahr 2007 und den darauffolgenden regulatorischen Anpassungen zu einem recht hermetischen, fast hierarchischen Zirkel entwickelt zu haben. Aufgrund höherer Qualitätsstandards und verschärfter Regeln gelingt es neuen Autoren nur schwer einzusteigen, geschweige denn sich für administrative Aufgaben zu empfehlen. Nicht selten werden neu erstellte Artikel - mit Blick auf Verschwörungstheorien oder PR-Content durchaus begründet - abgelehnt, Änderungen recht willkürlich widerrufen oder editorische Arbeiten in end- und fruchtlose Debatten gewendet. "

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.04.2019 - Internet

Bald ein Jahr nach Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung hat sich für die Internetnutzer wenig geändert und die Betreiber von Websites sind nach wie vor verunsichert, berichtet Leonie Schöler in der taz. Immer noch fühlten sich viele nicht genug informiert und verunsichert: "Die aufgeregte Berichterstattung habe die Öffentlichkeit weiter gespalten und zum Unmut und Misstrauen gegenüber der DSGVO beigetragen, sind sich Expert*innen einig. Ein Sprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber meint, dass vor allem 'Pseudoskandale und Fehlinformationen' in den Medien dazu geführt hätten, dass 'das Image der DSGVO zu Unrecht gelitten hat'. Dabei sei die Verordnung insbesondere aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher eines der 'wichtigsten Gesetze der letzten Jahre'."

Tobias Schmid antwortet in der FAZ auf ein Papier Mark Zuckerbergs, der neulich mehr Regulierung im Netz forderte (unsere Resümee) und bewirbt sich in seiner Eigenschaft als Direktor der Landesanstalt für Medien NRW schon mal als zuständiger Behördenleiter: "Die Medienaufsichtsbehörden in der Bundesrepublik ebenso wie in den europäischen Nachbarstaaten nehmen diese Aufgabe überall dort, wo sie eine rechtliche Grundlage haben, inzwischen verstärkt wahr."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.04.2019 - Internet

Mark Bergen bringt bei Bloomberg eine für Youtube ziemlich peinliche Recherche. Während Facebook immerhin daran arbeite, seine Inhalte zu bereinigen, tue man bei Youtube so gut wie nichts, um Verschwörungstheoretiker, Impfgegner oder Rechtsradikale auszuschließen, berichtet Bergen, der mit vielen Mitarbeitern und Ex-Mitarbeitern des Google-Ablegers gesprochen hat. Das einzige, was für die Youtube-Chefin Susan Wojcicki zähle, sei Reichweite. Nicht, dass es intern nicht Versuche gegeben hätte, Problemlösungen zu finden. "Ein Mitarbeiter wollte problematische Videos, die nicht weit von Hassrede entfernt waren, markieren und sie Usern nicht weiter empfehlen. Ein anderer wollte diese Videos tracken, um ihre Popularität zu beobachten. Ein dritter, der sich über die Verbreitung von 'alt right'-Videos Sorgen machte, schuf eine interne Übersicht, die zeigte, wie populär sie waren. Jedes Mal bekamen sie mehr oder weniger dieselbe Antwort: Bring das Boot nicht zum Kentern."

Gestern haben wir auf einen Artikel in Meedia über die Bloggerin Berit Müller verlinkt, die ihr Mode-Blog wegen der Abmahnungen durch den Fotografen Axl Jansen schließt (unser Resümee). Der Fall sorgt seit mehreren Tagen für interessante Diskussionen im Netz, unter anderem, weil der Modekonzern Zalando der Bloggerin diese Fotos mit der Bitte um Veröffentlichung geschickt hatte. Zalando hatte dabei aber nicht erwähnt, dass die Rechte für die Fotos auf sechs Monate befristet waren - eine absurde Frist, wie Müller in ihrem Abschiedspost schreibt, denn in diesem Zeitraum war die Kollektion von Eleonora Carisi, um die es ging, noch im Handel. Bei piqd.de hat der Blogger Felix Schwenzel auf diese Geschichte verlinkt und ein paar interessante Details nachgetragen.

"Ärgerlich ist dreierlei", schreibt Felix Schwenzel: "Zalando weigerte sich, der Bloggerin zu helfen, der Fotograf scheint bei seinen Abmahnungen einen Bogen um größere Verlage zu machen und sich auf leichte Beute zu konzentrieren und der Gesetzgeber macht keinerlei Anstalten, das Urheberrecht auch für Urheber ohne Rechtsabteilung navigierbar und praktisch anwendbar zu machen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.04.2019 - Internet

In der NZZ stellt der Kulturwissenschaftler Roberto Simanowski das neue Projekt von Tim Berners-Lee vor, das das Internet aus den Klauen der Konzerne befreien soll: Solid (Social Linked Data). "Mit Solid wohnt mein Kommentar zu einem Foto nicht mehr auf der Website oder in der App, wo ich ihn gemacht habe, sondern bei mir oder einem Solid-Provider meiner Wahl. Wann immer die Website oder die App aufgerufen wird, erscheint der Kommentar unter dem Foto - oder er erscheint eben nicht, wenn ich die Zugriffsberechtigung wieder entzogen habe. Dies ändert prinzipiell das Machtverhältnis im Internet: Ich überlasse nicht mehr Plattformen wie Facebook als Eintrittspreis für deren Nutzung meine Daten, sondern kann den Zugriff auf diese jederzeit blockieren. Solid ist die Rückkehr zur Zukunft, die einst, als unsere Daten noch nicht in der Cloud wohnten, im täglichen Plebiszit unserer Computer lag.

Skeptisch äußert sich Bundesjustizministerin Katarina Barley zu den Vorschlägen Mark Zuckerbergs für mehr Datenschutz (unser Resümee), berichtet Friedhelm Greis bei Golem und zitiert die Ministerin: "'Facebook hätte bereits heute alle Möglichkeiten, um, unabhängig von staatlicher Regulierung, höchstmöglichen Datenschutz für die User zu garantieren. Stattdessen vergeht kaum ein Monat ohne einen neuen Sicherheitsskandal', sagte Barley. Die Ministerin kündigte an, das europäische Datenschutz- und Wettbewerbsrecht 'klar und hart durchsetzen' zu wollen. 'Und wir brauchen neue Regeln für Algorithmen und den Schutz vor uferlosem Tracking.'"

Skeptisch klingen auch Leon Kaisers Erläuterungen zu Zuckerbergs Äußerungen bei Netzpolitik: "Wie wenig glaubwürdig sein Vorschlag einer Internetregulierung für alle ist, zeigt seine Idee zur Datenportabilität. 'Echte Datenportabilität sollte so ähnlich aussehen, wie wenn Leute unsere Plattform nutzen, um sich bei einer App anzumelden', schreibt er und versucht damit, seine Plattform als globalen Standard darzustellen. Was vielen Menschen mehr helfen würde, wären Regeln für Interoperabilität. Das hieße, dass Menschen etwa mit datenschutzfreundlichen Messenger-Diensten wie Signal Nachrichten an WhatsApp oder Facebook-Nutzer:innen verschicken könnten."

Die Mode-Bloggerin Berit Müller schließt ihr Blog, weil ein Fotograf sie wegen Fotos abmahnt, die Zalando ihr als Pressefotos zur Verfügung gestellt hatte, berichtet Felix Disselhoff bei Meedia. Zalando hatte nicht mitgeteilt, dass die Lizenz für die Fotos nur auf ein paar Monate erteilt worden war. Hier die Erklärung der Bloggerin, die den Namen des Fotografen nicht nennt.

Außerdem: Zuckerberg kündigte in einem Gespräch mit Springer-Chef Mathias Döpfner an, auf Facebook mehr News zu bringen, meldet (der zu Springer gehörende Dienst) Politico.eu.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.04.2019 - Internet

Mark Zuckerberg fordert in einem Blogbeitrag (deutsch in der FAS)  eine internationale Regulierung der Internets. Die europäische DSGVO sieht er dabei als Vorbild: "Ich bin überzeugt, dass anstelle nationaler Regulierungen ein gemeinsamer globaler Rahmen notwendig ist, um eine Fragmentierung des Internets zu verhindern, damit Unternehmer nützliche Produkte entwickeln können und alle Menschen den gleichen Schutz erhalten. Unterschiedliche Regelungen in verschiedenen Regionen würden eines der wichtigsten Merkmale des Internets zunichte machen: eine gemeinsame Plattform, die jedem Menschen gleichermaßen zugänglich ist." Bei golem.de gibt es eine gute Zusammenfassung von Zuckerbergs Artikel.

"In der Theorie sind es vernünftige, teils sogar spektakuläre Forderungen", bewertet Simon Hurtz bei sueddeutsche.de Zuckerbergs Artikel.Aber er betont auch, dass die Macht von Facebook abnimmt: "Kommunikation verlagert sich zunehmend aus dem öffentlichen Raum in geschlossene Gruppenchats und private Nachrichten." Einige Politiker hätten eher skeptisch auf Zuckerbergs Vorschläge reagiert, meldet ein Ticker bei Spiegel online.

Außerdem: Die Saudis sollen Jeff Bezos' Telefon gehackt und eventuell eine Rolle bei der Berichterstattung der amerikanischen Postille National Inquirer über Bezos Amouren gespielt haben, berichtet Bezos' Sicherheitschef Gavin de Becker in The Daily Beast. Hintergrund ist die Berichterstattung der Washington Post, die Bezos gehört, über den wohl von Mohammed bin Salman angeordneten Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi.