9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.05.2015 - Internet

Selbst mit dem postumen Debattenband "Technologischer Totalitarismus" erzeugt Frank Schirrmacher noch einmal "epochale Schwingungen", und Mara Delius erschaudert unter ihnen in der Welt auch entsprechend freudig. Und sie lernt, was das Silicon Valley vom Feuilleton in der Frage der digitalen Revolution unterscheidet: "Verschieden sind nicht die Voraussetzungen, sondern die Einstellung zu den Mitteln des Geistes - können Begriffe Entwicklungen steuern? Im deutschen Feuilleton ja, in der Digitalwirtschaft des Silicon Valley nein."

Die Filterblase sind wir meist selbst, weiß Christian Meier in der Welt, nachdem er eine - von drei Facebookmitarbeitern durchgeführte Studie - gelesen hat: "In erster Linie seien es die individuellen Nutzer selbst, die es vorzögen, nicht mit kontroversen Ansichten konfrontiert zu werden. Anders gesagt: Sie bekommen demnach zwar Inhalte ausgespielt, die ihren eigenen Überzeugungen zuwiderlaufen, doch sie klicken diese nicht an."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.05.2015 - Internet

Bastian Brinkmann berichtet in der SZ von der Berliner Bloggerkonferenz re:publica in Berlin, deren großer Antistar natürlich Günther Oettinger war. "Finding Europe" ist der Titel der Konferenz: "Der Medienwissenschaftler Ethan Zuckerman stellte im Eröffnungsvortrag vier Ansätze vor, um eine Gesellschaft zum Besseren zu verändern. Das gehe über Gesetze, über Marktkräfte, über neue Normen - und über Programmcode, die Anleitungen für Computer. Das Internet verändert nicht auf magische Weise die Welt zum Besseren, sagt Zuckerman. Gesellschaftliche Updates müssen anstrengend programmiert werden, sie seien dringend nötig."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.04.2015 - Internet

In der Zeit kann Ulrich Greiner Ijoma Mangolds Eloge auf Facebook natürlich nicht unwidersprochen lassen: "In schöner Offenheit sagt Mangold, die Facebook-Debatten seien der "Backstagebereich der gedruckten Zeitungswelt". Backstage! Ist das nicht der Ort, wo die Groupies und die Möchtegernkünstler hinstreben? Solange es die wunderbare Bühne der Zeitungen noch gibt, sollten wir dort unser Können zeigen."
Stichwörter: Facebook, Groupies

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.04.2015 - Internet

Ron Amadeo erzählt auf Arstechnica die Geschichte von Youtube, das zehn Jahre alt wird und die Video- und Fernsehwelt revolutioniert. Allerdings hat "Google noch Arbeit. Laut Wall Street Journal ist Youtube immer noch nicht profitabel, es stehe kurz vor dem break-even. Susan Wojcicki - Google-Angestellte Nummer 16, früher Vizepräsidentin für Werbung und Handel und treibende Kraft hinter Adsense - hat 2014 die Leitung von Youtube übernommen. Anzeigen und Rentabilität sind auf der Plattform immer noch in der Projektphase. Aber die Nummer-3-Website im Netz hinter Google und Facebook zu besitzen, hat für Google viele Vorteile."
Stichwörter: Wall Street Journal, Youtube

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.04.2015 - Internet

Deprimierend liest sich Christian Heises Resümee der Netzpolitik der Bundesregierung bei sueddeutsche.de: "Acht Monate nach der Veröffentlichung der "Digitalen Agenda" der Bundesregierung kann man festhalten: Die Netzpolitik der schwarz-roten Koalition ist ein Witz. Sie ist gekennzeichnet durch fehlenden Sachverstand und eine grundlegende Abwehrhaltung gegenüber der Digitalisierung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.04.2015 - Internet

Weil Printmedien dazu neigen, für ihre Meinungen eine letztverbindliche Deutungshoheit zu beanspruchen, finden die wirklich lebhaften Debatten längst bei Facebook statt, schreibt Ijoma Mangold in der Zeit: "So wie man früher eine Zeitung abonniert hat, ist man jetzt auf bestimmte Facebook-Hosts abonniert, weil unter ihrem Dach der Diskurs irritationsoffen und beweglich bleibt. Da hat jeder seine Vorlieben, aber gute Hosts sind schnell netzbekannt. Sie nutzen Facebook nicht einfach nur als Distributionsmedium, sondern als Ort der Selbstreflexion und Selbstirritation. Sie speisen Artikel ihrer Zeitungen ein und öffnen sie dann geschickt der Vertiefung und Ausdifferenzierung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.04.2015 - Internet

Einen rätselhaften Vorschlag macht in der FAZ der CDU-Politiker Axel Wintermeyer mit Blick auf eine Reduzierung der Marktmacht von Internetgiganten wie Facebook oder Google: "Auch die anstehende politische Debatte, welche heute noch linearen Medienangebote, also Hörfunk und Fernsehen, zukünftig in welchem Umfang im Internet stattfinden dürfen, bietet Ansatzpunkte für eine Diskussion mit der Internetwirtschaft über die Frage, wie viel Entgegenkommen für ein Mehr oder Weniger staatlicher Regulierung sie zu zahlen bereit ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.04.2015 - Internet

Aus Wikileaks wird "Lächerleaks", meint Patrick Beuth von Zeit online in einem Kommentar zu den von Wikileaks öffentlich gemachten Sony-Dokumenten. Diese Daten seien keineswegs politisch relevant: "Handynummern von Botschaftsmitarbeitern und Staatssekretären, E-Mail-Adressen von Sony-Angestellten, Schauspielern und Produzenten sowie private Korrespondenz und Hollywood-Klatsch sind nicht newsworthy, sondern in vielen Fällen explizit schützenswert."
Stichwörter: Wikileaks, Assange, Julian, Sony

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.04.2015 - Internet

Ohne dass wir es merken, nimmt der Einfluss von Algorithmen immer zu, sagt die Techniksoziologin Zeynep Tufekci im Gespräch mit Meike Laaff (taz). Tufekci macht auf mögliche Konsequenzen von immer handlungsmächtigeren Algorithmen aufmerksam und fordert mehr Kontrolle und Transparenz: "Die Leute in der Wissenschaftscommunity könnten sich weigern, daran zu arbeiten. Unternehmen können sich selbst regulieren und Verhaltenskodizes entwickeln, so wie im Bereich Nukleartechnologie. Regierungen können Gesetze erlassen, die besagen, dass man nichts verkauft bekommt, wenn automatische Erfassung stattfindet. Wenn wir den Maschinen Entscheidungen mit so weitreichenden Konsequenzen anvertrauen, dann brauchen wir irgendeine Form von Zugang, von Überprüfung und von Transparenz. Das sind schwierige Fragen. Aber so war das auch bei Nuklearwaffen. Und da haben wir auch nicht gesagt: Dann baut halt jeder eine Atombombe, und wir schauen, was passiert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.04.2015 - Internet

Google wird sich in Brüssel gegen Monopolvorwürfe verteidigen müssen. Matthew Panzarino veröffentlicht in Techcrunch ein internes Papier mit Argumentationsstrategien für Google-Mitarbeiter: "Google nennt die üblichen Verdächtigen inklusive Bing und Yahoo als Konkurrenten, spricht aber auch Dienste wie Siri und Cortana an, die suchähnliche Fähigkeiten bieten. Google nennt auch Online-Shoppong-Portale und macht einen Punkt, wenn es Amazon als Produktsuchmaschine nennt, die anstatt Google genutzt wird."

Lily Hay Newman stellt auf slate.com die interaktive Dokumentation "Do Not Track" vor, die sich pädagogisch innovativ mit der Privatsphäre im Netz befasst: "Zum Beispiel analysiert der Film Ihre IP-Adresse und sagt Ihnen, in welchem Land Sie sich gerade aufhalten, wie das Wetter ist und was für einen Computer sie benutzen. Das ist ein wirksamer Moment, der zeigt, wie persönlich der Film sein wird."