Hartmut Gieselmann
plädiert bei
heise.de unter Bezug auf den Medienwissenschaftler Leonhard Dobusch für
öffentlich-rechtliche soziale Medien. Und sie sollten mit "Rundfunkräten" aus Kirche, Gewerkschaften et cetera operieren: "Die Gremien sollten jedoch nicht direkt über Inhalte entscheiden, sondern darüber, wie Algorithmen Beiträge künftig einstufen und verbreiten. In Zusammenarbeit mit Soziologen müsste an Stelle der Likes und Follower
ein neues Bewertungssystem entstehen, das nicht auf Aufmerksamkeits- und Profitmaximierung ausgerichtet ist, sondern
konstruktive Beiträge nach oben spült und Teilnehmer belohnt, die respektvoll mit ihrem Gegenüber umgehen." Gieselmann erläutert nicht, ob Youtube und Facebook nach dieser
Pasteurisierung des Diskurses eingestellt werden sollen oder wie genau sonst der Erfolg dieser Hart-aber-fair-Plattformen gewährleistet werden soll.
Nun sind die größten Zampanos in den sozialen Medien häufig gar keine authentischen Internettrolle, sondern
Journalisten traditioneller Medien, die durch deren Reichweite
als Person zur Marke werden, wie
Jan Fleischhauer in seiner
Abschiedskolumne für
Spiegel online klarmacht: "Bevor sich allerdings alle, die auf diesen Tag hingefiebert haben, zu sehr freuen, vielleicht ein Wort der Ernüchterung. Ich werde
weiter schreiben, ab August nur an einem anderen Ort, nämlich beim
Focus. Wer in den sozialen Netzen unterwegs ist, bleibt also auch in Zukunft nicht verschont. So leicht entkommt man einem Kolumnisten nicht, jedenfalls nicht, wenn er über eine ausreichende Zahl an Followern verfügt. Das Internet kann
in dieser Hinsicht brutal sein."
"Die
Algorithmen werden immer smarter." Einen selten gewordenen fröhlichen Optimismus verbreitet der 22-jährige amerikanische KI-Forscher und -Unternehmer
Sam Ginn im
Interview mit der
NZZ. "Es gibt diese These - dass Maschinen nur im Zusammenspiel mit Menschen gut funktionieren. Das ist letztlich eine metaphysische Frage. Ich persönlich sehe darin eher eine Schutzbehauptung, die die Menschen angesichts der
unglaublichen technischen Fortschritte beruhigen soll. In absehbarer Zeit werden Maschinen viele Aufgaben erledigen, die heute Menschen wahrnehmen: Auto fahren, Texte schreiben, Alltagsprobleme lösen."