9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.06.2019 - Internet

Wir werden uns noch nach den Zeiten zurücksehen, in denen uns Facebook nur unsere Privatsphäre und unsere Wahlkämpfe kaperte, unkt Evgeny Morozov im Guardian - wenn es nämlich das globale Finanzsystem zerschlagen hat: "Dafür hat Facebook sein Libra angekündigt, eine Währung, eine Infrastruktur, ein Netzwerk - eine ehrgeizige digitale Einheit, die alles für alle sein kann, und unter der noblen Domain .org daherkommt. Es ist die Schrödingers Katze der digitalen Ökonomie: Blockchain/Nicht-Blockchain, es wird als Geld/Nicht-Geld Facebook/uns retten/begraben. Wie dieses amorphe Projekt im Einzelnen aussehen soll, ist noch nicht raus, aber man spürt den allumfassenden Ehrgeiz. Mit ihm können Nutzer, die unglücklicherweise kein Bankkonto, aber glücklicherweise einen Facebook-Account haben, echtes Geld in Libra umtauschen, virtuell sparen oder an andere verschicken oder einfach mit ihm bezahlen. Facebook ummäntelt dieses Unternehmen als humanitäre Aktion. Libra soll natürlich der Welt helfen, Bankgeschäfte zu erledigen, und ihr nicht die verbleibenden Guthaben abknöpfen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.06.2019 - Internet

Facebook hat bekanntgegeben, eine Kryptowährung namens Libra zu schaffen, um seine Milliarden Nutzer noch mehr zu vernetzen. Zu dem Konsortium gehören neben Finanzinstituten Unternehmen wie Spotify, denen es vor allem darum geht, Finanztransaktionen zu verbilligen, schreibt Marcel Weiß in einer Presseschau zum Thema in seinem Neunetz: "Sie Gründe können höchst banal sein: Spotify arbeitet in einem margenarmen Bereich. Die Transaktionsgebühren von Kreditkarten sind signifikant, besonders prozentual gesehen bei circa 10 Euro pro Monat pro Nutzer. Diese Transaktionsgebühren werden mit Libra massiv fallen. Der Hauptgrund, warum Endnutzer-gerichtete Abonnements wie jenes von Spotify auslaufen, sind abgelaufene Kreditkarten. Ein intensiv, täglich genutztes Libra wird für Spotify auch dieses Problem lösen." Auch ddie taz bringt ein Erklärstück zu diesem Schachzug von Facebook.

In der SZ möchte der Soziologe Jan-Hendrik Passoth die Infrastruktur fürs Internet nicht mehr den Amerikanern überlassen und plädiert für den Aufbau alternativer, offener digitaler Infrastrukturangebote in Europa, wie sie auch der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm vorschlage: "Die deutsch-französische Agenda zur Umsetzung des Vertrags von Aachen ist dafür eine Chance. An einer 'digitalen Plattform' könnten sich öffentlich-rechtliche und private Rundfunkanbieter, Verlage, Institutionen aus Wissenschaft und Kultur sowie zivilgesellschaftliche Akteure beteiligen. Dabei wird es auch um die Frage gehen, wie Cloud-Angebote, Suchtechnologien und Filter- und Personalisierungssysteme gestaltet sein sollen, um europäischen Werten zu folgen und Nutzern maximale Kontrolle über ihre Daten zu geben. Die so entstehenden Infrastrukturen können von vornherein für andere Sektoren nutzbar sein, wenn sie vor allem auf offene Technologien und Standards setzen. So kann schrittweise ein europäisches digitales Gesamtökosystem entstehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.06.2019 - Internet

Facebook schafft zusammen mit Finanzunternehmen wie Paypal und Visa eine eigene Währung. Libra, so heißt sie, wird anders als Bitcoin nicht zur Spekulation dienen, schreibt Jürgen Geuter auf Spiegel online, denn sie wird an den Euro und andere Währungen gekoppelt sein. Eher wird die Währung dazu dienen Die Position von Facebook als eine Art Staat unter Staaten zu festigen: "Mit fast 2,4 Milliarden aktiven Nutzern (Stand April 2019) ist das Konstrukt Facebook fast doppelt so bevölkerungsreich wie die Volksrepublik China. Der Wert der Facebook-Aktien am Markt beträgt mehr als 450 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Bundeshaushalt 2019 umfasst etwa 356 Milliarden Euro. Facebook ist kein Staat, aber es ist aufgrund seiner Größe und seines Wertes als Unternehmen so einflussreich wie einer. Und nun schafft Facebook - mit der Unterstützung anderer - eine neue Währung, die perspektivisch überall im Internet gelten soll."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.06.2019 - Internet

Hartmut Gieselmann plädiert bei heise.de unter Bezug auf den Medienwissenschaftler Leonhard Dobusch für öffentlich-rechtliche soziale Medien. Und sie sollten mit "Rundfunkräten" aus Kirche, Gewerkschaften et cetera operieren: "Die Gremien sollten jedoch nicht direkt über Inhalte entscheiden, sondern darüber, wie Algorithmen Beiträge künftig einstufen und verbreiten. In Zusammenarbeit mit Soziologen müsste an Stelle der Likes und Follower ein neues Bewertungssystem entstehen, das nicht auf Aufmerksamkeits- und Profitmaximierung ausgerichtet ist, sondern konstruktive Beiträge nach oben spült und Teilnehmer belohnt, die respektvoll mit ihrem Gegenüber umgehen." Gieselmann erläutert nicht, ob Youtube und Facebook nach dieser Pasteurisierung des Diskurses eingestellt werden sollen oder wie genau sonst der Erfolg dieser Hart-aber-fair-Plattformen gewährleistet werden soll.

Nun sind die größten Zampanos in den sozialen Medien häufig gar keine authentischen Internettrolle, sondern Journalisten traditioneller Medien, die durch deren Reichweite als Person zur Marke werden, wie Jan Fleischhauer in seiner Abschiedskolumne für Spiegel online klarmacht: "Bevor sich allerdings alle, die auf diesen Tag hingefiebert haben, zu sehr freuen, vielleicht ein Wort der Ernüchterung. Ich werde weiter schreiben, ab August nur an einem anderen Ort, nämlich beim Focus. Wer in den sozialen Netzen unterwegs ist, bleibt also auch in Zukunft nicht verschont. So leicht entkommt man einem Kolumnisten nicht, jedenfalls nicht, wenn er über eine ausreichende Zahl an Followern verfügt. Das Internet kann in dieser Hinsicht brutal sein."

"Die Algorithmen werden immer smarter." Einen selten gewordenen fröhlichen Optimismus verbreitet der 22-jährige amerikanische KI-Forscher und -Unternehmer Sam Ginn im Interview mit der NZZ. "Es gibt diese These - dass Maschinen nur im Zusammenspiel mit Menschen gut funktionieren. Das ist letztlich eine metaphysische Frage. Ich persönlich sehe darin eher eine Schutzbehauptung, die die Menschen angesichts der unglaublichen technischen Fortschritte beruhigen soll. In absehbarer Zeit werden Maschinen viele Aufgaben erledigen, die heute Menschen wahrnehmen: Auto fahren, Texte schreiben, Alltagsprobleme lösen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.06.2019 - Internet

Rezo und kein Ende - aber das liegt daran, dass die CDU und verbündete Medien wie die FAZ konsequent weiter Mist bauen in ihren Reaktionen, meint Sascha Lobo in seiner Spiegel-online-Kolumne. Und findet über das Beispiel zu tieferen Einsichten über den Konservatismus im Medienwandel: "Die Ära der sozialen Medien aber ist eine ungünstige Zeit für Bigotterie, ständig wird man vom Digitalpöbel mit seinen eigenen Aussagen von früher konfrontiert oder gar selbst an den proklamierten Werten gemessen. Man kann dann nach trumpscher Manier entweder in eine Parallelrealität wechseln. Oder man verheddert sich in bizarro-bigotten Selbstwidersprüchen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.06.2019 - Internet

Die Künstliche Intelligenz, die zum Beispiel autonome Elektroautos in umweltschonenden Netzen bewegen soll, hat einen Nachteil, schreibt Joachim Müller-Jung in der FAZ. Sie ist ein Energiefresser ohnegleichen. Ein anderes Beispiel: "Der Münchener Energiemarktspezialist Christian Stoll hat in einer Arbeit über den weltweiten bargeldosen, rein digitalen Markt der Kryptowährungen den gewaltigen Appetit der Computer nach Strom in Zahlen gefasst: 45 Terawattstunden Energieverbrauch pro Jahr, das entspricht gegenwärtig fast 23 Milliarden Tonnen Kohlendioxid-Emissionen weltweit - damit liegt der Handel mit den Bitcoins auf Höhe des Energieverbrauchs ganzer Kleinstaaten wie der Schweiz oder Jordaniens."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.06.2019 - Internet

Kai Biermann und Daniel Müller legen sich auf ZeitOnline ins Zeug, Meldungen zu dementieren, nach denen neue Gesetze geplant seien, damit Behörden Geräte wie Alexa abhören können. Gar nichts sei geplant, nur Klärungsbedarf angemeldet, und überhaupt: Eine Gesetzesänderung scheint gar nicht nötig: "Die bestehenden Gesetze reichen aus, damit die Strafverfolger Daten von Alexa oder von einem smarten Kühlschrank beschlagnahmen, wenn sie solche Geräte bei Ermittlungen finden."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.06.2019 - Internet

Die Meldung wird weder Google noch den großen Internetmedien gefallen: "Bürgerrechtsorganisationen setzen Datenschutzbehörden mit Massenbeschwerden unter Druck. So wollen sie den Kontrollverlust der Nutzer bei Echtzeit-Auktionen für verhaltensbasierte Internetwerbung beenden", berichtet Christiane Schulzki-Haddouti. Es geht um personalisierte Werbung, wie sie auch im Perlentaucher mit Einschränkungen ausgepielt wird: "Die Methode stößt auf Kritik, da mit ihr massenweise personenbezogene Daten übertragen werden. Dazu gehören Indikatoren über Sexualität, Ethnizität und politische Meinungen. Außerdem bezweifeln die NGOs, dass die Branche die Kontrolle über die Verbreitung personenbezogener Daten nach deren Übertragung überhaupt behalten kann. Sie sehen nach dem Profiling-Artikel der DSGVO 'keine rechtliche Grundlage für eine solche allgegenwärtige und invasive Profilerstellung und Verarbeitung personenbezogener Daten aus Profitgründen'." Die Branchenverbände beteuern, der DSGVO gerecht zu werden.

"Hat es Stalin davon abgehalten, die Estländer nach Sibirien zu verschleppen, weil er keinen digitalen Staat hatte?", winkt Estlands Präsidentin Kersti Kaljulaid im SZ-Interview mit Kai Strittmatter die Nachfrage ab, was passiere, wenn in einem Staat alle Daten digital sind und dann die Demokratie ins Autoritäre kippen. Sie wirbt für mehr Digitalisierung der Politik in Deutschland: "Estland ist nicht der Wilde Westen der digitalen Welt. Es ist alles streng reguliert. Wenn ein Beamter sich die Daten eines Bürgers anschaut, muss er sich persönlich einloggen. Ich weiß genau, welcher Polizist wann und wie lange meine Daten ansieht. Und wenn sie es tun, dann habe ich das Recht auf Nachfrage."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.06.2019 - Internet

"Ich weiß, wie unpopulär es klingt, aber ich glaube tatsächlich, dass eine funktionierende Öffentlichkeit nur mit gewissen Zugangsbeschränkungen möglich ist", sagt Eva Menasse im Zeit-Gespräch mit Adam Soboczynski, in dem sie dem Internet die Schuld am Niedergang der Öffentlichkeit gibt: "So wie wir jetzt leben, haben wir vor fünf Jahren einfach noch nicht gelebt. Der Riss, der durch die Generationen geht, ist gewaltig. Viele Menschen unter 30 können Ihnen keinen deutschen Verlag mehr nennen und lesen keine Zeitung, die noch die gesamte Gesellschaft adressiert. Sie lesen das, was gerade ihren Interessen in ihrem Milieu entspricht. Die Explosion der veröffentlichten Meinungen hat zu einer Unübersichtlichkeit geführt, die keine großen Schnittmengen in den Debatten mehr zulässt."

Ähnlich sieht es Thomas Bauer, Professor für Arabistik und Islamwissenschaft an der Universität Münster, der in seiner in der FAZ abgedruckten Preisrede für den Sachbuchpreis der Wissenschaftlichen Buchpreisrede klagt: "Es möchte jeder überall mitreden können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.06.2019 - Internet

Apple will Itunes abschaffen. Hannes Schrader erklärt der Generation Z in Zeit online noch einmal, was es damit auf sich hatte: "Als iTunes 2001 vorgestellt wurde, war es eine App, um die eigene Musiksammlung zu sortieren.  Als Apple dann den iPod vorstellte, wurde die Musik mit iTunes auf den iPod übertragen. Anschließend kam der iTunes Music Store, in dem man Musik kaufen konnte, Podcasts wurden integriert, und Hörbücher."
Stichwörter: Apple, Itunes, Generation Z, Podcasts