Aus dem Streit um den Youtuber
Rezo, der, wie Michael Hanfeld in der
FAZ ermittelte, ein bei der
Werbefirma Ströer verdingbarer Influencer ist (ab 15.000 Euro), wird jetzt ein Streit um
Youtube. Hier informiere sich die Jugend, Youtube sei nach Google selbst die zweitgrößte Suchmaschine, und der Journalismus solle daraus lernen,
meint Alexander Graf in der
taz: "Zwar mag es stimmen, dass professioneller Journalismus höhere Sorgfaltsstandards erfordert, als sie die meisten YouTube-Videos bisher erfüllen. Genauso wahr ist aber auch, dass
nicht jeder redaktionelle Beitrag diesen Ansprüchen selbst gerecht wird. Zumal sich auf der Plattform mittlerweile viele Kanäle finden lassen, die bestimmte Themen facettenreicher und fundierter behandeln, als
so manche Tageszeitung."
Michael Hanfeld beklagt dagegen heute eine "
Regelungslücke" im Internet, und
Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, stimmt ihm im
FAZ-Interview selbstverständlich zu: "Die Einhaltung dieser Standards überwachen bei der Presse der Presserat und beim privaten Rundfunk die Landesmedienanstalten, die generell auch für die Überwachung der Medienangebote im Netz zuständig sind. Aber ausgerechnet bei der
Gefährdung durch Desinformation in journalistischen Inhalten im Netz können wir nicht einschreiten, weil das Gesetz genau diesen Fall ausgenommen hat. Eine Regelung, die aus einer vergangenen Zeit stammt und bestenfalls historisch verständlich ist, bei der wir aber aufpassen müssen, dass das Absurde nicht
zur Tragödie wird."
Wer
Rezo "
Meinungsmache" vorwirft, hat die "Zeichen der Zeit" nicht begriffen, schreibt indes
Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele, in einem flammenden
Plädoyer im
Tagesspiegel, in dem er am liebsten eine "
Generation Rezo" ausrufen möchte: "Rezo ist eine
Systemfolge der Schröderjahre. Weil 'die Gesellschaft' nach Lage der Fakten eben nicht gewährleistet, dass diese Spätgeborenen auf die Rettung ihrer Zukunft hoffen dürfen, bleibt nur die kleine YouTube-Ich-AG. Und die solidarisiert sich jetzt selbst. Arme SPD, das war mal euer Versprechen. Arme CDU, die jetzt versucht, grün zu werden, statt christlich. Niemand von den etablierten Parteien war bislang in der Lage, auf dieses Video adäquat Antwort zu geben. Und so werden sie, die sich auf der Überholspur drängeln, auf der Kriechspur überholt."
Ingo Dachwitz und Lorenz Mrohs
analysieren in
Netzpolitik der
Werbeausgaben der Parteien vor der Europawahl bei Facebook: "Ganz vorne liegen
die Grünen mit knapp einer halben Million Euro Werbeausgaben bei Facebook. Dicht folgen die alten Volksparteien CDU/CSU und SPD, während Linkspartei und AfD am wenigsten ausgegeben haben. Interessant ist auch: Besonders in der Woche vor der EU-Wahl wurde am meisten Geld ausgegeben. Sogar am Wahlsonntag investierten viele Parteien noch einmal in Werbung bei Facebook."
Mit
Julian Assange wird in den USA die Idee der
Hackerkultur vor Gericht gestellt, schreiben Jannis Brühl und Mirja Hauck in der
SZ: "In den USA lautet der Vorwurf gegen ihn: Spionage als Komplize von Manning. Man kann es so sehen, dass diese Anklage die Pressefreiheit in Frage stellt. Verhandelt wird aber auch die Grundüberzeugung einer immer einflussreicher gewordenen Subkultur: dass alle Information
aus dunklen Computerspeichern befreit und jegliches Herrschaftswissen beseitigt werden muss. Alles für alle. Assange ist der einzige
Anarchist, der im 21. Jahrhundert Weltpolitik gemacht hat."
Außerdem porträtiert Kai Strittmatter für die Seite 3 der
SZ Audrey Tang, als "postgender" lebende Ex-Hackerin und aktuelle
Cyberministerin in Taiwan, die sich der "digitalen Neuerfindung der Demokratie" widmet und vom Magazin
Foreign Policy unter die "100 wichtigsten Denker weltweit" gewählt wurde.
Alexander Fanta
porträtiert bei
Netzpolitik den Internetforscher und Hacker
Claudio Agosti, der ein Programm entwickelt hat, das es Nutzern erlaubt, den
Facebook-Algorithmen auf die Spur zu kommen: "Das im Webbrowser versteckte Programm liest mit, wenn der oder die Teilnehmer:in Facebook durchscrollt. Es ignoriert private Einträge von Freundinnen und Freunden, sammelt aber alle öffentlichen Posts, die den Leuten angezeigt werden. Jedes Mal, wenn jemand seine Timeline aufruft, gewinnt Agostis Projekt mehr Daten. Ihren Nutzerinnen und Nutzern verrät die Software, wie oft ihnen Posts einer bestimmten Seite oder Gruppe angezeigt werden. Das helfe dabei,
die eigene Filterbubble auszumessen, sagt Agosti."