9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.07.2019 - Internet

Der Netzpublizist Michael Seemann macht sich bei www-mag.de Gedanken über die Frage, ob die großen Netzmonopole wie Google, Facebook oder gar Amazon in irgendeiner Weise zu vergesellschaften (nicht verstaatlichen) wären. Im Detail klingt das recht kompliziert: "Die Metadatenbank ist in erster Linie eine Liste der Instanzen, die sich den Mindeststandards der Meta-Governance unterordnen. Eine Aufgabe der Metadatenbank ist es, die Streams mit Daten der Instanzen und Nutzer*innen aufzunehmen und damit öffentlich auffindbar zu machen, sofern sie das wollen."
Stichwörter: Internet, Soziale Medien

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.07.2019 - Internet

In der NZZ fürchtet Adrian Lobe die Macht von Google Maps: "Wenn der Raum informatisiert ist - wie lassen sich diskursiv Grenzen bestimmen? Politik bedeutet ja auch, Räume zu gestalten, zu öffnen, zu schließen, zu definieren. Doch was ist der Raum des Politischen, wenn der physische und der virtuelle Raum von privaten Konzernen kontrolliert werden?"
Stichwörter: Google Maps, Lobe, Adrian

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.07.2019 - Internet

An seinen Grenzen verhält sich der Staat immer öfter wie "der Grundherr, der am Stadttor Wegezoll kassierte", schreibt Nicolas Richter in der SZ mit Blick auf die chinesische Datensammel-App, die Smartphones von Touristen ausspioniert (Unser Resümee). Auch andere Staaten agieren immer drastischer: "Wer etwa ein US-Visum beantragt, muss neuerdings seine Nutzernamen für soziale Medien preisgeben sowie frühere E-Mail-Adressen und Telefonnummern. Aktivitäten im Netz können viel verraten über politische oder religiöse Überzeugungen; im Land der Meinungs- und Religionsfreiheit USA darf der Staat solche Informationen eigentlich nicht abfragen. Aber es gelten eben strengere Regeln für jene, die reinwollen."

25 Jahre Amazon
. Der Konzern hat zunächst mal den ganzen Buchmarkt auf den Kopf gestellt, dann den übrigen Markt. Die taz bringt ein Dossier, und Svenja Bergt lässt kein gutes Haar an dem Konzern: "Wenn alle Mitarbeiter:innen in den Lagern ausgebeutet und genügend Händler und Hersteller verprellt sind, könnte Amazon auffallen, dass man alleine von Kund:innen eben doch nicht leben kann."

Ein Autor namens "olb" ergänzt bei heise.de: "US-Präsident Donald Trump schießt immer wieder gegen den Konzern, den er unter anderem für die Finanznöte der US-Post verantwortlich macht. Als Hauptgrund für Trumps Argwohn gilt jedoch eher, dass er mit der US-Zeitung Washington Post auf Kriegsfuß steht, die häufig kritisch über ihn berichtet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.07.2019 - Internet

Es findet eine zunehmende "Balkanisierung des Internet" statt, konstatiert Johannes Kuhn in der SZ mit Blick auf die Tendenz zahlreicher User, sich aus der Netzöffentlichkeit ins Dark Social zurückzuziehen. Extreme Stimmen werden dadurch stärker wahrgenommen, erläutert ihm Andre van Loon von der Digital-Marktforschungsagentur "We Are Social" am Beispiel einer Fokusgruppe von Muslimen: "Die Teilnehmenden dort hätten ihm erklärt, sie meldeten sich nach islamistischen Terroranschlägen nicht mehr über Twitter oder Facebook zu Wort. Denn obwohl sie Empathie mit den Opfern zeigten, seien sie zu oft wegen ihrer Herkunft angegriffen worden. Ähnliches berichten Angehörige anderer Minderheiten, die für explizite politische Äußerungen mit Drohungen rechnen müssen. Den frei gewordenen Raum besetzen oft genau diejenigen, die andere zum Schweigen gebracht haben. Der Diskurs verschärft sich, weitere Teilnehmer wenden sich ab und geben zusätzliche Bandbreite für das Extreme frei."
Stichwörter: Dark Social

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.07.2019 - Internet

Ganz interessant liest sich, was Adrian Lobe in der SZ über Bestrebungen schreibt, Gesetze, die Algorithmen betreffen - die etwa selbstfahrende Autos steuern - auch in Code zu formulieren, so dass sie direkt in die Systeme integriert werden können. Seine Folgerung klingt allerdings bizarr: "Dass solche Steuerungsformen anschlussfähig an rechte Strömungen sind, ist klar. Denn die Idee, den Rechtsstaat mit einem opaken Formelwerk umzubauen, entspringt ja nicht nur den libertären Machbarkeitsvisionen einer kleinen Programmierelite, sondern auch der Geisteshaltung der Demokratieverächter." Hm, aha. Dann war Stalin also ein Rechter?

Die bekannte Internetkritikerin Shoshana Zuboff wiederholt im Guardian ihre Forderungen nach Gesetzgebung, um den "Überwachungskapitalismus" von Google und Facebook zu beenden: "Die Forschung der letzten zehn Jahre deutet darauf hin, dass 'Nutzer' Schutz und Alternativen wollen, wenn sie über die geheimen Operationen des Überwachungskapitalismus informiert werden. Wir brauchen Gesetze und Vorschriften, die Unternehmen zugute kommen, die mit dem Überwachungskapitalismus brechen wollen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.07.2019 - Internet

In vielen Geräten von Smart Homes stecken Mikrofone, von denen die Nutzer gar nichts wissen, erklärt im Interview mit Zeit online der IT-Sicherheitsexperte Michael Steigerwald, der das als "massiven Eingriff in die Privatsphäre des Kunden" kritisiert. Die Missbrauchsmöglichkeiten seien gewaltig: "Wenn ich mich als Angreifer in ein Gerät hacke, habe ich Zugriff auf das ganze lokale Netzwerk und alle damit verbundenen smarten Geräte. So gelange ich an sensible private Daten, die ich zum Beispiel für Doxing oder zu Werbezwecken missbrauchen kann. Ebenfalls kann ich eine Identität missbrauchen, also etwa im Internet via Filesharing Musik herunterladen. Gehe ich über Ihren Internetanschluss, müssten Sie den Schaden bezahlen." Helfen kann da nur eins, so Steigerwald: "Smarte Küchengeräte ohne Akku vom Strom trennen, wenn Sie sie nicht nutzen".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.06.2019 - Internet

Facebook ist längst nicht mehr so cool, wie es mal gewesen ist. Die Zahl der Interaktionen sinkt. Das liegt an den Skandalen, die Facebook ausgelöst hat, an den Änderungen an den Algorithmen, die diese Skandale eindämmen sollen, Facebook aber noch uninteressanter machen, und an der Intransparenz, schreibt Alexander Fanta bei Netzpolitik: "Facebooks ständiges Frickeln am eigenen Produkt macht deutlich, dass der Konzern keine Ahnung hat, was das soziale Netzwerk eigentlich sein soll. Facebook will für Freundinnen und Freunde da sein, für die berufliche Vernetzung, für Gewerbetreibende und Nachrichten - und natürlich für die Werbeindustrie. Wer alles für alle sein will, bietet am Schluss für niemanden Wert." Fanta sieht in der Ratlosigkeit des Giganten auch eine Chance für neue Alternativen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.06.2019 - Internet

In der FAZ bringt der Netzpolitikberater Stefan Herwig in der Debatte um Anonymität im Netz eine neue Variante ins Spiel: Er fordert eine verpflichtende Pseudonymisierung, ähnlich wie im Straßenverkehr, wo man als Fußgänger und Radfahrer anonym unterwegs sein kann, aber als Autofahrer mit Kennzeichen: "Im Netz jedoch laufen die Funktionen von öffentlichen und privaten Räumen komplett durcheinander: Wir haben keine funktionierende Privatsphäre im Netz und keinen Datenschutz, zugleich ist die Rechtsstaatlichkeit schwer durchzusetzen. Im Netz ist die latente Störung der öffentlichen Ordnung fast der Normalfall."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.06.2019 - Internet

Auf Netzpolitik weist Markus Reuter auf eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung hin, nach der im Europawahlkampf besonders Afd und Die Partei die sozialen Medien dominierten: "Die Studie kommt aber noch zu einem anderen interessanten Ergebnis: Instagram sei spätestens seit dieser Wahl zu einer der wichtigsten und relevantesten Plattformen für die politische Kommunikation geworden. Die Anzahl der Likes und Kommentare übertrifft bei vielen SpitzenkandidatInnen die Interaktionen auf den viel länger bestehenden und größeren Facebookseiten."

In der SZ dröselt Adrian Lobe auf, wie Wikipedia gegen PR und Schleichwerbung kämpft. Auf Slate.fr berichtet Hakim Mokadem unterdes, dass etliche Autorinnen Wikipedia nach konstanter Belästigung verlassen haben. In der FAZ graut es Nina Rehfeld noch einmal gründlich davor, was Deepfake-Videos in der politischen Arena anrichten können: "In der afrikanischen Republik Gabun wurde ein womöglich gefälschtes Video des Präsidenten als Auslöser für einen Militärputsch zitiert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.06.2019 - Internet

In der FAZ setzt die Soziologin Mona Sloane keine große Hoffnungen in eine ethische KI. Künstliche Intelligenz arbeitet mit den historisch und systemisch vorgegebenen Mustern und verstärkt somit auch nur bestehende Diskriminierungen: "Das ProPublica-Team belegte schon 2016, dass automatisierte Risikobewertungssysteme im amerikanischen Strafjustizsystem systematisch Afroamerikaner benachteiligt. Ein Team vom Georgia Institute of Technology veröffentlichte jüngst eine Studie, die belegte, dass automatische Objekt-Erkennungssysteme, wie sie beispielsweise im autonomen Fahren verwendet werden, Fußgänger mit einer dunkleren Hautfarbe mit viel höherer Wahrscheinlichkeit falsch klassifizieren. Aber auch in Deutschland finden sich Bespiele. Die Bertelsmann-Stiftung arbeitet derzeit mit 'Algorithm Watch' und 'Open Knowledge Foundation' an einem umfangreichen Projekt, welches ähnlich diskriminierende Strukturen in der automatisierten Bonitätsauskunft durch die Schufa belegen will. Diese wichtigen Initiativen zeigen vor allem eines: KI-Systeme werden zunehmend als Medium der sozialen Organisation wahrgenommen. Diese Neuordnung betrifft fast jeden. Sie beeinflusst, ob wir einen Kredit bekommen, welche Krankenversicherungsprämie wir zahlen müssen oder ob unser Lebenslauf im Mülleimer landet." Der Artikel scheint auf einem Vortrag zu beruhen, den Sloane im Mai am Weizenbaum Institut in berlin hielt.

Und auf Politico berichtet Janosch Delcker, dass die KI-Experten der EU darauf drängen, Künstliche Intelligenz zu zähmen und zu verhindern, dass sie für einen Hightech-Überwachungsstaat nach chinesischem Muster genutzt wird: "In einem 48-setigen Entwurf, drängen die Experten die Entscheidungsträger, für riskante KI-Applikationen rote Linie zu definieren, wie Systeme zur Überwachung von Einzelpersonen oder sie nach ihrem Verhalten zu klassifizieren."

Auf ZeitOnline hat Lisa Hegemann das neue Smarthomegerät von Google ausprobiert. Leider hat das Nest Hub einen miserablen Sound und ist extrem neugierig: "Die WLAN-Daten übernimmt das Gerät vom Smartphone, wenn ich zustimme. Ähnlich wie Google Home wünscht sich auch der Nest Hub möglichst viele Datenpunkte von seinen Besitzerinnen: Ich kann ihn nur nutzen, wenn ich meinen Standort freigebe (der ist bei mir standardmäßig ausgeschaltet), und selbst dann will der Nest Hub am Liebsten noch eine genaue Adresse. Die muss ich aber immerhin nicht verpflichtend angeben. Auch sonst will das Gerät auf möglichst viele Smartphonedaten zugreifen und weist darauf hin, dass es sie mit Drittanbietern möglicherweise teile. Alles, was ich sage, wird unter Aktivitäten gespeichert. Das ist so, als würde die neue Mitbewohnerin erst einmal alle meine Passwörter wissen wollen, bevor sie mit mir spricht. Und dann alles aufzeichnen." Und dann kennt es nicht einmal die Heute-Show!