9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.10.2015 - Kulturmarkt

Erstmals gab dieses Jahr auf der Frankfurter Buchmesse einen Bereich für Selfpublishing, berichten Marcella Melien und Ana Maria Michel in der FAZ: "Hier, wo die Bücher Titel wie 'Schokolade zum Verzehren', 'Traummänner und deren Hirngespinste' oder 'Die Katzen Lady' tragen, haben sie sich also versammelt. 42 Autoren beziehungsweise Autorinnen, denn es sind fast nur Frauen, wollen hier ihre Leser treffen. Sie alle sind Selfpublisher, sie veröffentlichen ihre Bücher ohne einen Verlag: Krimis, Thriller, Softpornos und natürlich Liebesromane. Ein Cover ist knalliger als das andere. Auf dem roten Sofa im Barockstil sitzen die stolzen Autorinnen und machen Fotos voneinander. Aufregend ist das."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.10.2015 - Kulturmarkt

Marcella Melien berichtet in der FAZ, dass jetzt auch Verlage auf Crowdsourcing-Modelle setzen. Als erster Großverlag probiert Carlsen das Modell, der Mikrotext-Verlag arbeitet damit schon länger. Klar: "Transparenz ist entscheidend: Die Unterstützer wollen wissen, wofür ihr Geld benötigt wird und was sie dafür bekommen."
Stichwörter: Crowdsourcing

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.10.2015 - Kulturmarkt

Das Urteil datiert schon vom April, darum ist es ein Signal, dass das FAZ-Feuilleton den Oberreaktionär der Digitalisierungskritik im Buchwesen, Roland Reuß, zu Beginn der Buchmesse von der Leine lässt, um eine "Kriegserklärung gegen das Buch" anzuprangern. Er nimmt es ganz allein mit "Bibliotheksverband, DFG, BMBF, Google und Konsorten" auf und polemisiert insbesondere gegen die EU-Abgeordnete von der Piratenpartei Julia Reda und den Vorsitzenden des EU-Parlaments (und einstigen Liebling des FAZ-Feuilletons) Martin Schulz. Natürlich ohne ihre Namen zu nennen, wie es sich für ein führendes Feuilleton gehört! Am BGH-Urteil stört Reuß, dass es Bibliotheken erlaubt, Bücher zu digitalisieren (mehr hier) und dass es die Perspektive des Leser stärkt: "Es ist, als könnte die von Google, Amazon, Facebook und den Bibliotheksvertretern von morgens bis abends eingehämmerte, allein relevante Konsumentenperspektive nunmehr unbefragt auch in der Jurisdiktion ein quasi natürliches Monopol für sich beanspruchen - und hier wird es auch in einer Demokratie gefährlich, denn es gibt auch einen Terror der Mehrheit, die Freibier für alle will."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.10.2015 - Kulturmarkt

Es gibt einen Overkill an Zeitgenössischer Kunst, sagt Christiane Lange, Direktorin der Stuttgarter Staatsgalerie, im Gespräch mit Julia Voss in der FAZ. Museen kommen da kaum mehr hinterher und haben nicht genug Etat. Und darum stellt sie die fällige Frage: "Sollen wir sagen, wir machen 2015 die Schotten dicht - und kaufen keine zeitgenössische Kunst mehr? Adäquat sammeln auf dem qualitativen Niveau, wie wir das bislang getan haben, können wir sowieso nicht. Dann sparen wir das Geld lieber, um den Meister von Messkirch zu kaufen oder das Oskar-Schlemmer-Wandbild. Wir schließen damit wichtige Lücken in unserer Sammlung, anstatt dem Kunstmarkt noch Geldbeträge hinterherzuwerfen."

Silvio Berlusconis Verlagskonzern Mondadori wird nun tatsächlich seinen Gegenspieler Rizzoli übernehmen und damit 40 Prozent des italienischen Buchmarktest halten, meldet der ORF. Monatelang gab es von Autoren wie Umberto Eco und Sandro Veronesi Proteste gegen den Zusammenschluss.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.09.2015 - Kulturmarkt

Der Verkauf von Ebooks ist in den USA seit Jahresbeginn um 10 Prozent gesunken, während sich das Printbuch wesentlich besser hält, als noch vor ein paar Jahren vermutet, schreibt Alexandra Alter in der New York Times: "Die digitale Apokalypse ist nie angekommen, oder jedenfalls nicht nach Plan. Analytiker sagten voraus, dass Ebooks Print 2015 ablösen würden, statt dessen geht ihr Verkauf deutlich zurück."

Walter Isaacsons in der Tat lesenswerte Steve-Jobs-Biografie war von Jobs selbst in Auftrag gegeben, der dem Autor freie Hand gab. Die jetzt bei Apple herrschenden Tempelwächter sind da weniger liberal, schreibt Nils Jacobsen bei Meedia: "Tatsächlich teilt Cupertino erstaunlich oft und erstaunlich offen gegen jede Form der mutmaßlichen Majestätsbeleidigung aus. Bereits Isaacsons Buch, keinesfalls ein Schmähwerk, wurde von Apples Managementriege härter zerrissen als von Marcel Reich-Ranicki einst der größte Schund im Literarischen Quartett. "Das Buch hat ihm einen enormen Schaden zugefügt", machte Apple-Chef Tim Cook dieses Jahr noch einmal aus seiner Ablehnung des Bestsellers keinen Hehl."" Auch Designchef Jony Ive hat an dem Buch kein gutes Haar gelassen (mehr hier). Und Cook hat angekündigt, den auf dem Buch basierenden Film keinesfalls sehen zu wollen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.09.2015 - Kulturmarkt

Oyster, ein Streamingdienst für Ebooks, macht zu, aber Google übernimmt sein gesamtes Personal, meldet Peter Kafka bei recode.net. Der einstige FDP-Politiker Hermann Otto Solms spricht sich in der Welt in seiner frischgebackenen Eigenschaft als Vorsitzender der Stiftung Eigentum gegen das Kulturgutschutzgesetz aus, auch in seiner abgemilderten Form.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.09.2015 - Kulturmarkt

Auch in Japan nimmt der Internetbuchhandel den stationären Geschäften immer mehr Kundschaft weg. Jetzt hat sich die größte Buchhandelskette des Landes, Kinokuniya, auf die Hinterbeine gestellt: Von den 100.000 Exemplaren des neuen Murakami hat sie 90.000 abgegriffen, erzählt ein amüsierter Ulrich M. Schmidt in der NZZ. "Mit diesem Vorgriff hat Kinokuniya dafür gesorgt, dass am Ausgabetag, wenn möglichst alle Murakami-Fans ihr Buch haben wollen, die großen Netzanbieter mit ziemlich leeren Händen dastehen. ... In einem Akt der Solidarität mit anderen Buchhandlungen hat Kinokuniya zugesichert, dass man das Buch auch an kleinere Buchgeschäfte verkaufen werde".
Stichwörter: Schmidt, Ulrich M.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.08.2015 - Kulturmarkt

Was Ebooks angeht, sind deutsche Verlage eher Getriebene als Gestaltende, stellt Marcella Melien in einer interessanten Reportage für die FAZ fest. Immerhin probieren seit einiger Zeit auch die Qualitätsverlage das neue Format aus - nicht nur mit elektronischen Ausgaben von Hardcovern, sondern auch mit Büchern, die von vornherein nur als Ebooks geplant sind. Rowohlt zum Beispiel hat seit Juni 2013 "zwanzig reine E-Book-Titel" veröffentlicht: "Erzählungen, Reportagen und Manifeste mit Umfängen von zwölf bis dreihundert Seiten. Die Preise liegen zwischen 0,99 und 4,99 Euro." Das ist allerdings noch viel Luft drin!

Die Schweizer Buchverlage leiden unter der Frankenaufwertung, berichtet Roman Bucheli in der NZZ: "Die Umsätze im Buchhandel gingen im ersten Halbjahr 2015 hauptsächlich währungsbedingt um rund sechs Prozent zurück." Erleichterung bringen soll eine staatliche Verlagsförderung in Höhe von insgesamt zwei Millionen Franken jährlich.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.07.2015 - Kulturmarkt

Die Europäische Kommission leitet kartellrechtliche Untersuchungen gegen Giganten der Kulturindustrie wie Sky UK, NBCUniversal and Warner Bros ein, denen sie vorwirft, Rechte nur auf nationaler Basis und nicht europaweit auszuhandeln, schreibt Nicholas Hirst in Politico. Als international tätige Personen haben die Kommissarinnen da so ihre Erfahrungen: "Margrethe Vestager, die Wettbewerbskommissarin, beklagte sich, dass sie ihre Lieblingssendungen aus dem dänischen Fernsehen auf Reisen nicht sehen kann, während Andrus Ansip, der Vize der Kommission für die den digitalen Markt, bedauert, dass er im Ausland keinen estnischen Fußball sehen kann. "Europäische Konsumenten wollen die Pay-TV-Kanäle ihrer Wahl sehen, egal wo sie sich gerade in der EU aufhalten", sagte Vestager in einem Statement."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.07.2015 - Kulturmarkt

Apple, also jener Konzern, der nicht versteht, dass ihm die Welt immer noch nicht ganz gehört, kriegt wieder Ärger mit Kartellbehörden, berichtet Micah Singleton in The Verge: "Die amerikanische Kartellbehörde FTC hat eine Untersuchung der Vereinbarungen zwischen Apple und konkurrierenden Musikstreamingdiensten im Apple App Store begonnen. Die Untersuchung zielt auf den 30-Prozent-Anteil, den Apple für Nutzer nimmt, die über den App Store abonnieren."