9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

1451 Presseschau-Absätze - Seite 61 von 146

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.05.2021 - Kulturpolitik

Mit einem Hilfsprogramm von 2,5 Milliarden Euro will die Bundesregierung die durch die Pandemie betroffene Kulturbranche unterstützen, meldet der Tagesspiegel mit AFP: "Der geplante Sonderfonds hat zwei Säulen: Zum einen sollen die Zahlungen an Veranstalter gehen, die wegen der Corona-Auflagen nur eine reduzierte Zahl von Zuschauern zulassen dürfen. (…) Die zweite Säule des Sonderfonds besteht aus einer Ausfallabsicherung für Großveranstaltungen mit mehr als 2000 Besuchern. Damit soll für die Veranstalter das finanzielle Risiko einer pandemiebedingten Absage bereits geplanter Events verringert werden."
Stichwörter: Corona, Pandemie

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.05.2021 - Kulturpolitik

Hans-Dieter Hegner, Bau-Chef des Humboldt Forums, hat in einem Brief an Petra Wesseler, Präsidentin des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung (BBR), "gravierende Funktionsmängel und Sicherheitsprobleme im Humboldt-Forum" beschrieben, berichtet Jörg Häntzschel in der SZ. Grund ist offenbar, dass es keine übergeordnete Koordinierung der IT gibt: Das betreffe vor allem die Steuersysteme von Klima- und Alarmanlagen, Brandschutz, Beleuchtung und Aufzügen, bei denen offenbar jeder für sich und immer schön an der zentralen Firewall vorbei gearbeitet hat. "Bei 'mehr als 100' IT-Systemen, 'darunter mindestens vier Windows-10-Clients, einem Windows-Server und mindestens 50' Linux-Systemen, könnten Hacker-Angriffe und Malware wie der 'Wanna-Cry-Virus' 'im Zweifel nicht abgewehrt werden und sind schlussendlich ein Risiko für das Kulturgut und die Besucher'."
Stichwörter: Humboldt Forum, Linux

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.05.2021 - Kulturpolitik

In der FAZ freut sich Matthias Alexander, dass auch unter der neuen Regierungskoalition in Frankfurt die Kulturpolitik in den Händen der SPD bleibt und damit bei der "hochkulturaffinen" Dezernentin Ina Hartwig: "Die Aussichten für die Frankfurter Kulturwelt unter der neuen Koalition, die für sich selbst noch einen schöneren Namen als V-Ampel oder Ampel Plus finden möchte, wären also ziemlich hell, wenn da nicht die Ungewissheit wäre, woher das viele Geld kommen soll."
Stichwörter: Hartwig, Ina

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.05.2021 - Kulturpolitik

Wie das so ist bei vornehmen Institutionen der öffentlichen Hand: Untergeordnete Tätigkeiten lagern sie in Tochterfirmen aus, wo nicht gleich die schönen Standards des öffentlichen Dienstes gelten. So auch das Humboldt-Forum, das seinen Besucherdienst von der "Humboldt Forum Service GmbH" organisieren lässt. Dort soll es zu rassistischen Ausfällen gekommen sein, berichtet Christiane Habermalz im Deutschlandfunk. Das Humboldt Forum und Monika Grütters zeigen sich entsetzt: "Für das angeschlagene Image des Humboldt-Forums steht einiges auf dem Spiel. Der Besucherservice soll das weltoffene Aushängeschild für das Humboldt Forum sein, ein diverses, multiethnisches Team, kompetente und freundliche Ansprechpartner für Besucher aus aller Welt. Doch bereits vor einigen Monaten gab es Beschwerden wegen rassistischer und sexueller Bemerkungen im Team - zwei Mitarbeitern war deswegen fristlos gekündigt worden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.05.2021 - Kulturpolitik

Der Kolonialismushistoriker Jürgen Zimmerer greift in der taz Götz Alys Recherchen zum im Humboldt-Forum ausgestellten Südseeboot von der Insel Luf auf, das für ihn Symbol eines fortwährenden Skandals der Aufarbeitung ist. Immerhin scheint sich aber eine Einigung in den Verhandlungen über den Völkermord an den Herero und Nama abzuzeichnen, die ihm Hoffnung macht: Für eine echte Dekolonialisierung reiche es aber es nicht, "Objekte zurückzugeben und Kunst zu verteilen - es gilt, Wohlstand und Lebenschancen zu teilen. Vielleicht wäre jetzt der Moment, beide Themen sichtbar zu verbinden. Warum nicht den Schlüterhof mit Sand aus der Omahekewüste auffüllen, wo deutsche Kolonialtruppen 1904 die Herero zugrunde gehen lassen wollten, oder die Barockfassade mit Stacheldraht brechen, der an die damaligen Konzentrationslager erinnert?" Peter Rawert berichtet unterdessen in der FAZ über Diskussionen über die Umbenennungen von Straßen in Berlin, deren Namengeber historisch kontaminiert sind.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.05.2021 - Kulturpolitik

Stephan Löwenstein berichtet in der FAZ über eine Petition einer "Europäischen Allianz der Akademien" an die Adresse der EU. Die Allianz protestiert gegen die Kulturpolitik Viktor Orbans, dessen neueste Strategien Löwenstein en passant darstellt: "Statt Zentralisierung und direktem Zugriff der Regierung setzt er auf Auslagerung öffentlicher Institutionen in Stiftungen. Das betrifft derzeit vor allem Hochschulen. Nach Lesart der Regierung werden sie aus staatlicher Abhängigkeit in eine echte Autonomie entlassen. Freilich werden die Kuratorien vom zuständigen Minister besetzt, das bedeutet angesichts der realen Machtverhältnisse: von Orbán selbst, an dem nichts vorbeigeht."
Stichwörter: Ungarn, Orban, Viktor

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.05.2021 - Kulturpolitik

Der Historiker Götz Aly, der gerade ein Buch geschrieben hat über die Raubzüge deutscher Kolonialisten in der Südsee, in deren Folge auch das große Boot von der Insel Luf nach Berlin gelangte, zeigt im Interview mit der Zeit, wie man über Kolonialgeschichte sprechen kann, ohne pausenlos mit dem Finger auf andere zu zeigen. Was also tun mit den Objekten aus der Südsee? "Zunächst sollten wir uns - konkret die Stiftung Preußischer Kulturbesitz - als Treuhänder und Bewahrer dieser Kulturschätze verstehen. Ich bin unbedingt dafür, dass sie öffentlich gezeigt werden. Ich plädiere aber auch dafür, in den Museen endlich damit zu beginnen, die kolonialen Gewaltgeschichten zu erzählen. Der Betrachter soll mit dem Zwiespalt zwischen jahrtausendealter Hochkultur und moderner Brutalkultur konfrontiert werden. Wie der Staat Papua-Neuguinea auf die Dauer reagiert, das werden wir sehen, aber ich bin dafür, dass wir diesen Staat rückwirkend als Treugeber betrachten und uns nicht als Eigentümer sehen. Wie es dann weitergeht, das ist eine Aufgabe für die nächste Generation. Es sollte nichts übereilt geschehen."

Marc Zitzmann zieht in der FAZ eine sehr kritische Bilanz des noch amtierenden Louvre-Chefs Jean-Luc Martinez. Vor allem wirft er ihm häufiges oganisatorisches Versagen vor, auch in der Organisation des komplexen Hauses: "Mit Abstand am schwersten wiegt hier die Verlegung der zuvor an 68 Orten im und um den Louvre-Palast verstreuten Depots in einen - architektonisch durchaus gelungenen - Neubau bei Lens. Für die Konservatoren stellt der Gang in den unsichtbaren Teil der Sammlung nunmehr eine Tagesreise dar, so sie die entsprechenden Spesen überhaupt bewilligt bekommen. Geleitet wurde das Centre de conservation du Louvre bis vor kurzem durch einen Nicht-Konservator - erklärtermaßen sollen dort keine Konservatoren rekrutiert werden, 'damit eine gewisse Neutralität gewahrt wird'." Der Posten des Louvre-Chefs müsste eigentlich neu besetzt werden, so Zitzmann, aber Emmanuel Macron, der bei solchen herausgehobenen Posten das letzte Wort hat, ist sich wohl noch nicht schlüssig. Nebenbei kritisiert Zitzmann übrigens die französische Presse, die die Missstände zu spät thematisiert habe - Ausnahme ist das Online-Magazin La Tribune de l'Art.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.05.2021 - Kulturpolitik

Eindringlich hat Winfried Nerdinger, Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, am letzten Freitag in der SZ gegen die Behandlung der Kunst in der Coronakrise protestiert. Sie werde durch die Politik geradezu zur Disposition gestellt: "Aber zuvor darf die Würde des Menschen durch den Friseur wiederhergestellt werden." Dagegen protestiert heute eine Gruppe prominenter Akademiemitglieder - aber in der FAZ: "Herr Nerdinger tut so - in einer Zeitung, die ihm eine halbe Seite dafür einräumt -, als müssten wir alle vor einer Regierung niederknien, die uns mundtot macht. Von welchem Staat redet er? Mit derart abenteuerlichen Thesen diskreditiert Herr Nerdinger ausgerechnet jenes elementare Recht, auf das wir gerade jetzt unter den Bedingungen der Einschränkung von Grundrechten den allergrößten Wert legen: das Recht auf Kritik."

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die gerade von Götz Aly erfahren hat, dass ihr prachtvolles Südseeboot von der Insel Luf nicht "erworben", sondern geraubt wurde, hat jetzt erklärt, sie wolle "das Boot weiterhin zeigen", meldet Jörg Häntzschel in der SZ, "nur jetzt als 'Mahnmal der Schrecken der deutschen Kolonialzeit'. Auf die Herkunft des Boots und die Strafexpedition, in deren Zuge etwa die Hälfte der Bewohner getötet wurde, soll in der Ausstellung eingegangen werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.05.2021 - Kulturpolitik

Jürgen Habermas hat den Sheikh Zayed Book Award wegen der undemokratischen Politik der Arabischen Emirate letztlich abgelehnt (unser Resümee). Andreas Fanizadeh ist ihm in der taz dafür dankbar und kritisiert eine auswärtige Kulturpolitik, die gern mit solchen Regimes kooperiert und auch Habermas drängte, den Preis anzunehmen: "Wo politisch nichts mehr geht, da geht oft noch etwas mit Kultur, so das Credo der mit auswärtiger Kulturpolitik Beschäftigten. Und sie haben oftmals recht. Das Goethe-Institut bietet in manchen Ländern tatsächlich Oasen für einen freieren Kulturaustausch. Die Softpower Kultur unterschätzen autoritäre Regimes häufig, die jeweiligen Zivilgesellschaften schätzen sie um so mehr. Habermas' Schriften zirkulieren im Arabischen. Sollten sie wegen seiner Ablehnung in den Emiraten nun unterm Tisch gehandelt werden, wäre die Wirkung aufgrund seiner Redlichkeit nur um so größer."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.05.2021 - Kulturpolitik

Noch immer wird um Franz Marcs Gemälde "Füchse" gestritten. Patrick Bahners und der Richter Friedrich Kiechle lehnten eine Rückgabe ab, weil das Bild nach der Emigration des Besitzers Kurt Grawi frei verkauft worden sei (unser Resümee). Hans-Jürgen Papier, Mitglied der beratenden Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, erklärt heute in der FAZ, warum die Kommission anders entschied: "Nach Ansicht der Kommission war das keine freiwillige Entscheidung, sondern ein Verkauf unter dem unmittelbaren Druck der Verfolgung, auch wenn das Rechtsgeschäft letztlich in New York abgewickelt wurde. Deshalb hat die Kommission eine Rückgabe des Bildes empfohlen."