Der Historiker
Götz Aly, der gerade
ein Buch geschrieben hat über die
Raubzüge deutscher Kolonialisten in der Südsee, in deren Folge auch das große Boot von der Insel Luf nach Berlin gelangte, zeigt im Interview mit der
Zeit, wie man über Kolonialgeschichte sprechen kann, ohne pausenlos mit dem Finger auf andere zu zeigen. Was also tun mit den Objekten aus der Südsee? "Zunächst sollten wir uns - konkret die Stiftung Preußischer Kulturbesitz - als
Treuhänder und Bewahrer dieser Kulturschätze verstehen. Ich bin unbedingt dafür, dass sie öffentlich gezeigt werden. Ich plädiere aber auch dafür, in den Museen endlich damit zu beginnen, die
kolonialen Gewaltgeschichten zu erzählen. Der Betrachter soll mit dem Zwiespalt zwischen jahrtausendealter Hochkultur und moderner Brutalkultur konfrontiert werden. Wie der Staat Papua-Neuguinea auf die Dauer reagiert, das werden wir sehen, aber ich bin dafür, dass wir diesen Staat
rückwirkend als Treugeber betrachten und uns nicht als Eigentümer sehen. Wie es dann weitergeht, das ist eine Aufgabe für die nächste Generation. Es sollte nichts übereilt geschehen."
Marc Zitzmann zieht in der
FAZ eine sehr kritische Bilanz des noch amtierenden Louvre-Chefs
Jean-Luc Martinez. Vor allem wirft er ihm häufiges
oganisatorisches Versagen vor, auch in der Organisation des komplexen Hauses: "Mit Abstand am schwersten wiegt hier die Verlegung der zuvor an 68 Orten im und um den Louvre-Palast verstreuten
Depots in einen - architektonisch durchaus gelungenen - Neubau
bei Lens. Für die Konservatoren stellt der Gang in den unsichtbaren Teil der Sammlung nunmehr eine
Tagesreise dar, so sie die entsprechenden Spesen überhaupt bewilligt bekommen. Geleitet wurde das Centre de conservation du Louvre bis vor kurzem durch einen Nicht-Konservator - erklärtermaßen sollen dort keine Konservatoren rekrutiert werden, 'damit eine gewisse Neutralität gewahrt wird'." Der Posten des Louvre-Chefs müsste eigentlich
neu besetzt werden, so Zitzmann, aber Emmanuel Macron, der bei solchen herausgehobenen Posten das letzte Wort hat, ist sich wohl noch nicht schlüssig. Nebenbei kritisiert Zitzmann übrigens die
französische Presse, die die Missstände zu spät thematisiert habe - Ausnahme ist das
Online-Magazin La Tribune de l'Art.