9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.07.2018 - Kulturpolitik

Restitution von geraubten Museumsobjekten kann nicht alles, meint Rebekka Habermas in der SZ. Im Gegenteil, so entledige man sich doch nur der gemeinsamen Geschichte, schreibt sie. "Wäre es nicht sinnvoller, die Objekte, die nicht zurückgefordert werden, zu nutzen, um genau dieser gemeinsamen Geschichte den Platz im europäischen Selbstverständnis einzuräumen, der ihr gebührt? Eröffnet sich hier nicht eine einmalige Chance zu lernen, wie viel das, was man Europas kulturelles Erbe nennt, diesen überaus gewalttätigen Kontakten verdankt? So könnte die Diskussion dafür genutzt werden, um mit den Nachkommen der ursprünglichen Besitzer kolonialer Objekte ins Gespräch zu kommen, etwa darüber, wie in Europa mit den Dingen in den letzten hundert Jahren umgegangen wurde, welche Erkenntnisse europäische Wissenschaften auf der Grundlage der Käfer, ausgestopften Tiere und der Benin-Bronzen gewonnen haben und wie viel die Entwicklung der ästhetischen Moderne manchen Ethnographica verdankt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.07.2018 - Kulturpolitik

Die Buchpreisbindung abzuschaffen wäre "kulturpolitische Eselei", schreibt in der SZ der ehemalige SPD-Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin und erinnert an die "ethische Dimension von Markteingriffen". Er verweist darauf, dass etwa im Vergleich zu Großbritannien nicht nur eine höhere Anzahl von Buchhandlungen, sondern auch eine größere Vielfalt von Buchproduktionen gewährleistet werde: "Der Effekt der Buchpreisbindung zur Förderung der Vielfalt tritt aber nur ein, wenn implizit oder explizit eine Praxis der Quersubventionierung im jeweiligen Verlag erfolgt. Konkreter: einzelne Bücher, von denen man sich einen großen Verkaufserfolg erwartet, ermöglichen es dem einzelnen Verlag, Bücher - zum Beispiel auch Gedichtbände - zu produzieren, von denen von vornherein anzunehmen ist, dass sie keinen Gewinn einspielen werden. Die Verantwortung des Unternehmenstyps Verlag für die kulturelle Entwicklung, natürlich immer in den Grenzen, die das eigene ökonomische Überleben sichern, ist die Voraussetzung dafür, an der Buchpreisbindung festzuhalten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.06.2018 - Kulturpolitik

Rückgaben aus Museen sind überfällig, auch wenn es schmerzt, schreibt Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung anlässlich des in Berlin tagenden Europäischen Erbe-Gipfels. Aber was ist mit jenen Objekten, in denen sich verschiedene "Moral-Ebenen und Identitätsansprüche" überlagern, fragt er: "Nehmen wir den Paradefall, die Büste der Nofretete. Sie ist seit ihrer ersten öffentlichen Präsentation 1924 bei weitem länger in Berlin zu sehen als jemals in dem Bildhaueratelier in Tell-Amarna, wo sie 1912 gefunden wurde. Aus einer kulturhistorischen Sicht gehört diese Büste längst zum 'deutschen' oder 'europäischen' Erbe wie zu dem 'der Moderne' und zu dem 'Ägyptens' - lassen wir hier einmal die Frage beiseite, ob das heutige Ägypten überhaupt mit dem antiken identisch ist."
 
Weitere Artikel: Die Einheitswippe steht aufgrund von Koalitionsstreitigkeiten schon wieder auf der Kippe, meldet Christiane Peitz im Tagesspiegel.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.06.2018 - Kulturpolitik

Ulrich Gutmair berichtet in der taz über ein Symposion von Museumskuratoren und Kulturfunktionären zum Gedächtnis an Martin Roth, der von sich reden machte, als er das Victoria & Albert-Museum wegen des Brexit verließ (weniger rühmlich war seine Rolle bei der Aufklärungsausstellung in Peking, als zeitgleich Ai Weiwei ins Gefängnis gesteckt wurde, mehr hier). Gutmairs entscheidender Satz:  "Das heikle Thema, wie demokratische Gesellschaften mittels kulturellen Austauschs den Dialog mit Gesellschaften führen können, die sich im eisernen Griff von Autokraten und Diktatoren befinden, wurde von der Konferenz ausgeblendet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.06.2018 - Kulturpolitik

Hans Stimmann, Ex-Senatsbaudirektor von Berlin, kann es in der FAZ kaum glauben: Ausgerechnet der rotrotgrüne Berliner Senat will das ursprünglich geplante - autofreie - Bürgerforum streichen und eine Straße, die nur als provisorische Anlage gedacht war, bis der Tiergartentunnel fertig ist, "dauerhaft" rechtlich sichern (mehr dazu im Tagesspiegel): "Der mit den Ansprüchen des Autoverkehrs begründete Bau einer Straße anstelle des Forums ist ein erbärmlicher, für Berlin aber typischer Umgang mit großen städtebaulichen Ideen. Die Form des klammheimlichen Abschieds vom Band des Bundes mit einem B-Plan für eine Straße, als handele es sich um eine x-beliebige Erschließungsmaßnahme eines Gewerbegebietes am Stadtrand, ist nicht nur planungsrechtlich bedenklich, sondern markiert einen Tiefpunkt der Kultur städtebaulichen Planens."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.06.2018 - Kulturpolitik

2014 haben erstmals weniger als die Hälfte der Deutschen Bücher gekauft. Insgesamt ist die Zahl der Buchkäufer zwischen 2013 und 2017 um fast achtzehn Prozent zurückgegangen. Der Umsatzrückgang konnte größtenteils durch höhere Buchpreise aufgefangen werden. Schuld ist natürlich das Internet, wie eine Studie des Börsenvereins ergab, berichtet Sandra Kegel in der FAZ: "Die Flut einstürzender Informationen, die blinkend und piepsend unentwegt Aufmerksamkeit einfordern, führe zu einem Gefühl der Abhängigkeit und des Ausgeliefertseins, sagen die Exleser, eben weil es ihnen kaum noch möglich sei, sich aus der digitalen Dauerbeschäftigung loszureißen", so Kegel. "Teile der potenziellen Buchkäufer leiden unter einem kollektiven Aufmerksamkeitsstörungssyndrom", diagnostiziert Volker Breidecker in der SZ.

In Georgien wächst der Buchmarkt unterdessen stetig - nicht zuletzt, weil die georgische Gesellschaft nach Jahrzehnten der Zensur und der Gerüchte wissen will, was national und international  passiert, weiß Claudia Mäder in der NZZ. Und auch mit Blick auf Frauen in Führungspositionen ist der georgische dem deutschen Buchmarkt voraus: "Anders als etwa im deutschsprachigen Buchwesen, wo ein Heer von Mitarbeiterinnen die Presse- und Administrationsarbeit der meist von Männern geleiteten Verlage erledigt, wird in Georgien nicht nur der größte Verlag, sondern auch das nationale Buchzentrum, das Literaturhaus und der Buchhändler- und Verlegerverband von einer Frau geführt."

Weitere Artikel: In der NZZ hat Judith Leister mit der neuen Direktorin des NS-Dokumentationszentrums in München, Mirjam Zadoff, gesprochen, die das Haus thematisch öffnen will, auch für Zielgruppen, "die das Land vielleicht erst in Zukunft mitprägen werden, wie die Migranten der jüngsten Zeit. Hier gelte es, Erfahrungen wie Flucht und Diktatur in den gesamtgesellschaftlichen Diskurs zu integrieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.06.2018 - Kulturpolitik

In einem von der Zeit online nachgereichten Artikel macht Thomas E. Schmidt auf die vielen gesetzlichen Hürden aufmerksam, die die Rückgabe von Kolonialkunst nicht gerade erleichtern - laut Kulturgutschutzgesetz ist etwa der gesamte Bestand öffentlicher Museen nationales Kulturgut, das nur nach einem Genehmigungsverfahren ausgeführt werden darf.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.06.2018 - Kulturpolitik

Was tun mit den Bauten der sechziger und siebziger Jahre, die jetzt renovierungsbedürftig werden? Abreißen? Umbauen? Eins steht für den Architekten Andreas Hild jedenfalls fest. Mit Denkmalschutz allein kommt man dem Problem nicht bei. Er schlägt in der SZ deshalb ein neues Umbaurecht vor: "Beispielsweise kann man dem Bauherren ja folgenden Deal anbieten: Du erhältst an dieser Stelle ein Gebäude, aus Gründen der Ökologie, des Denkmalschutzes und des sozialen Miteinanders, aber weil du dadurch weniger Rendite erzielst, gewähren wir dir zum Ausgleich an anderer Stelle ein höheres Baurecht. Insgesamt rechnet sich das. Und die Stadt kann bestimmte stadtbildprägende Bauten besser schützen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.06.2018 - Kulturpolitik

Hilmar Hoffmann ist im Alter von 92 gestorben, der Doyen aller Kulturpolitiker, der in einer glücklichen Zeit agieren konnte, als es immer mehr umzuverteilen gab. Claus-Jürgen Göpfert würdigt ihn in der FR: "Er hat der Nachwelt einen Auftrag hinterlassen, den er Zeit seines Lebens umzusetzen versuchte: 'Kultur für alle'. Kultur nicht länger als ein Privileg der Bessergestellten und Wohlhabenden in der bürgerlichen Gesellschaft, als Zeitvertreib für mächtige Müßiggänger." Außerdem nimmt Christian Thomas Abschied. Im Tagesspiegel schreibt Ulrich Amling, in der FAZ schreibt Jürgen Kaube.
Stichwörter: Hoffmann, Hilmar

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.05.2018 - Kulturpolitik

Die Monopolkommission, die die Bundesregierung in Wettbewerbsfragen berät, empfiehlt die Abschaffung der Buchpreisbindung, berichtet u.a. der Tagesspiegel mit der dpa. Kulturministerin Monika Grütters hat das schon mal weit von sich gewiesen: "'Die Empfehlung der Monopolkommission macht mich fassungslos', sagte Grütters laut Mitteilung. Sie unterhöhle die jahrelangen Bemühungen der Bundesregierung, den unabhängigen Buchhandel und die Verlage als Garanten der literarischen Vielfalt zu schützen. Sie werde sich weiterhin mit aller Kraft für den Erhalt der Buchpreisbindung einsetzen, sagte die Politikerin."