Der Ethnologe
Fritz W. Kramer ruft die Europäer in der
Zeit dringend dazu auf, von dem
eitlen Täter-Opfer-Schema abzulassen, in dem nur die raubenden Europäer als Subjekte und die ihrer Kulturgegenstände "beraubten" Naturvölker als Objekte dastehen. Zwar hat es natürlich klare Fälle von Raub gegeben, vielfach wurden die heutigen Objekte ethnologischer Museen aber
durch Tausch oder sogar durch
Anfertigung erworben: "Dass nicht nur, aber insbesondere
Bilder produzierende Gesellschaften das Faible der Sammler zu ihrem Vorteil zu nutzen verstanden, ist für viele Gebiete nachgewiesen worden, etwa für die Nordwestküste Nordamerikas oder für das Mittlere Bantugebiet. So begannen Werkstätten im Kongoreich schon im 15. Jahrhundert,
Elfenbeinschnitzereien für Portugiesen und damit für die Wunderkammern europäischer Höfe herzustellen; und um 1900, in der Blütezeit ethnografischen Sammelns, profitierten Kongolesen wie Europäer im Kongo-Freistaat gleichermaßen vom schwunghaften Handel mit
Ethnographica."
In Berlin steht der
Abriss der Komödie am Kurfürstendamm bevor. Das Theater war in den zwanziger Jahren von Oskar Kaufmann auf Wunsch von Max Reinhardt erbaut worden. Heute ist es eingebettet in ein ziemlich trostloses Einkaufszentrum. Der ganze Komplex wurde vom Berliner Senat 1994 für
zwei Millionen D-Mark verscherbelt. In der
Berliner Zeitung liefern Gabriela Keller und Kai Schlieter den
ersten Teil einer Reportage, die aufzeigt, wie der Berliner Senat durch
Schlamperei und systematische Torpedierung verhinderte, dass das Theater unter Denkmalschutz gestellt wurde. Und die Käufer? "Über
den Eigentümer möchte offenbar keiner der heute amtierenden Senatoren etwas wissen. Der Investor reißt das Theater nun ab, weil er ein Shoppingparadies bauen möchte. Damit kennen sich die Financiers in Russland aus, führen ihre Spuren doch in ein Paradies der Reichen, an
tropische Offshore-Finanzplätze, nach
Belize, die ehemalige Kolonie
Britisch-Honduras, und bis in die
Nähe des Kreml. Das Drama beginnt im Theater selbst, am Kurfürstendamm, Ecke Uhlandstraße."
Ebenfalls in der
Berliner Zeitung fragt - reichlich spät, aber immerhin - Nikolaus Bernau, warum der neue
Berliner Flughafen irrsinnig teuer, dabei aber architektonisch nicht mehr als eine "
Primitiv-Kiste" wird. Selbst in Rostock waren sie ambitionierter! "In Berlin dagegen teilte uns der Geschäftsführer der Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH, Engelbert Lütke Daldrup, Ende vergangener Woche mit, dass er für den ersten Erweiterungsbau des noch gar nicht fertigen Flughafens eines
auf gar keinen Fall wolle:
eine Kathedrale des Verkehrs. Stattdessen soll eine kantige Blech- und Betonkiste mit offen liegenden Leitungen und simpelster Baukonstruktion entstehen, immerhin mit einigen Glasfronten, damit der Anstand gewahrt wird. Das ist
Provinz reinsten Wassers."