9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

2293 Presseschau-Absätze - Seite 13 von 230

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.04.2025 - Medien

Der russischen Propaganda ist es nicht schwergefallen, von absoluten Dämonisierung zur Lobpreisung der USA unter Trump zu wechseln, erklärt der russische Journalist Ilya Shepelin im Interview mit dem unabhängigen Medium Cherta Media (Meduza bringt den Text in englischer Übersetzung). So sei zum Beispiel der ehemalige General Andrej Guruljow nicht mehr zu sehen. "Und er sagt ständig verrückte Dinge, wie zum Beispiel, dass wir eine Atombombe auf Großbritannien werfen oder ein Viertel der russischen Bevölkerung auslöschen sollten, weil sie alle westliche Agenten sind. Doch plötzlich landete dieser Mann auf der schwarzen Liste der staatlichen Sender. Er verschwand aus dem Äther, nachdem er Trump einen 'Banditen' genannt hatte, der nicht an einem Tisch [mit Putin] sitzen sollte. Und zu diesem Zeitpunkt hatte Trump bereits angefangen, nette Dinge über Putin zu sagen."

Vielen Journalisten drohen in der Türkei im Moment langjährige Haftstrafen, zum Beispiel dem türkischen Journalisten Cevheri Güven, mit dem Alexandra Welsch für die FAZ spricht. Güven hat 2017 in Frankfurt "den Verein 'International Journalist Association' (IJA) gegründet. 'Unser vorrangiges Ziel ist es, Exil-Journalisten bei der Fortführung ihrer Arbeit zu unterstützen', erläutert er. (...) Es stimmt ihn hoffnungsvoll, dass Exiljournalismus bei allen Repressalien eine wachsende Bedeutung gewinnt und über neue, digitale Kanäle weiter seine Kontrollfunktion wahrnehmen kann. 'Das hat großes Potenzial', glaubt er. Trotzdem würde er gerne möglichst bald wieder von der Türkei aus publizieren," denn "'diese Situation ist nicht normal.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.04.2025 - Medien

Die Schriftstellerin Kathrin Röggla war zwei Jahre Mitglied des RBB-Rundfunkrats. Eher frustriert klingt, was sie im Gespräch mit Matthias Dell für die FAS über diese Arbeit sagt: "Man wird so dermaßen mit Arbeit zugeschüttet, dass man zu inhaltlichen Punkten kaum kommt. Ich wollte Kultur und Kunst vertreten, hatte aber keine Chance, wirklich tiefer tätig zu werden. Wir hatten eine Intendantin und den Verwaltungsrat zu wählen und einen Skandal nach dem anderen, dazu noch Medienstaatsvertrag, Satzung und Geschäftsordnung. Das war mit viel Arbeit verbunden und mit vielen Konflikten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.04.2025 - Medien

Die Zeit legt die Print- und die Onlineredaktion zusammen, künftig gibt es mit Giovanni di Lorenzo und dem bisherigen Online-Chef Jochen Wegner zwei Chefredakteure. Und das ist nicht alles, amüsiert sich (mit höchstens einem Hauch von Neid) Willi Winkler in der SZ. "Schon jetzt verfügt die Zeit in ihrem Impressum über mehr Zierrat als jede schwäbische Barockkirche. Neben dem bereits erwähnten Chefredakteur, der sich gerade verdoppelt, findet sich da ein Herausgeberrat (4 Stück), gibt es einige stellvertretende Chefredakteure (5), Chef/innen vom Dienst (4), erstaunlicherweise nur einen (!) Chefreporter, dafür aber vier Textchefs und neben den geschäftsführenden (2) und den Redakteuren für besondere Aufgaben (3) noch einen Editorial Director." Angesichts der vielen neu hinzukommenden Chefs kommentiert Winkler: "Jesus, muss man sagen, war vergleichsweise sparsam, er kam, um seine frohe Botschaft zu verbreiten, mit zwölf Jüngern aus."

Wenig begeistert ist FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld über die Passagen des Koalitionsvertrags, die sich mit Medien befassen: "Die unabhängige Presse bekommt nämlich nichts, oder genauer: einen Tritt in den Hintern." Wieder wird eine Förderung für die Auslieferung der wenigen verbliebenen Printexemplare nicht konkret in Aussicht gestellt! Hanfeld schimpft auch noch über den Lobbyismus von "Journalismus-Outlets, die allein digital publizieren", während es ihm selbst ausschließlich ums Wohl der Menschheit zu tun ist.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.04.2025 - Medien

In der FAZ bezieht die Intendantin des RBB Ulrike Demmer Stellung zu den Sparmaßnahmen des Senders und zur "Causa Gelbhaar", bei der in der "Abendschau" eine fingierte Zeugenaussage gezeigt wurde, die dem Grünen-Politiker eine erneute Kandidatur für den Bundestag unmöglich machte (unsere Resümees). Der verantwortliche Chefredakteur David Biesinger wird nicht entlassen, sondern wechselt den Posten - Demmer rechtfertigt die Entscheidung: "David Biesinger hat Konsequenzen gezogen und wird nicht mehr redaktionell arbeiten. Das ist eine Entscheidung, die Respekt verdient. Dass er das Haus verlassen müsste, sehe ich nicht. Wir haben die Verantwortungskultur gestärkt. Wir jagen Menschen, die Fehler machen oder verantworten, nicht gleich aus dem Haus. Die Kopf-ab-Attitüde teile ich nicht. Wir haben mehr als genug Erfahrung mit zeit- und geldraubenden Nachspielen vor Gericht und sind auch deshalb gut beraten, mit Augenmaß vorzugehen. Die Zeiten, in denen im RBB willkürliche Entscheidungen getroffen wurden, sind vorbei. "

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.04.2025 - Medien

Bisher entschied das Presseteam des Weißen Hauses gemeinsam mit der Korrespondentenvereinigung WHCA (White House Correspondents' Association), welchen Journalisten und welchen Medien Zugang zur Regierung gewährt werden sowie an offiziellen Veranstaltungen, Pressekonferenzen und Regierungsreisen teilnehmen können. Ziel des rotierenden Pools ist es, ein möglichst großes Publikum zu erreichen, weiß Hans-Jürgen Mai in der taz. Damit soll jetzt Schluss sein: "Laut Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, wird in Zukunft die Regierung selbst darüber bestimmen, wer im Pressepool vertreten ist. (…) New York Times Journalist Peter Baker, der in seiner Karriere auch aus Moskau berichtet hatte, sagte: 'Als Korrespondent in Moskau in den frühen Tagen von Putins Herrschaft erinnert mich das daran, wie der Kreml seinen eigenen Pressepool übernahm und dafür sorgte, dass nur folgsame Journalisten Zugang erhielten', schrieb Baker in einem X Post. Das neue System könnte vor allem Medien aus dem rechten Lager begünstigen."

Axel Weidemann gibt auf den Medienseiten der FAZ einen Überblick über den Umgang der deutschen Medien mit X: Die Öffentlich-Rechtlichen Sender erwägen weitgehend den Rückzug, die Zeitungen sind weiterhin unschlüssig: "Auch bei der FAZ (...), die auf X zudem ihre Abonnements bewirbt, will man abwarten." Weidemann scheint dafür zu plädieren, X zu verlassen: "X hat drei Einnahmequellen: das Anzeigengeschäft, das Geschäft mit Datenlizenzierung und seine Premiummitgliedschaft. Zwar ist der Erlös aus Anzeigen seit der Übernahme von Twitter durch Musk um etwa die Hälfte eingebrochen, er macht dennoch den Löwenanteil der Einnahmen aus - mit 2,5 Milliarden Dollar rund 75 Prozent des Gesamterlöses im Jahr 2023. Die Nutzerzahl (aktuell geschätzte 206 Millionen Aktive weltweit) bestimmt die Reichweite der auf X geschalteten Anzeigen, und die Reichweite bestimmt den Preis, den X für Anzeigen verlangen kann. Weniger Nutzer hieße demnach weniger Reichweite und geringere Erlöse aus Anzeigen. Einig sind sich Experten auch, dass, sollten namhafte Publikationen und Politiker das Netzwerk verlassen, seine Bedeutung rasch schrumpft."
Stichwörter: X, Twitter, Whca

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.04.2025 - Medien

Kaum ensteht eine neue digitale Technologie wie jetzt die Künstliche Intelligenz, wollen die traditionellen Medien "Leistungsschutzrechte". Tatsächlich beziehen viele Medien bereits jetzt substanzielle Einnahmen von den großen KI-Playern, berichtet Quirin Hacker in der FR: "Das in Glasgow ansässige 'Centre for Regulation of the Creative Economy' hat Ende Februar eine Übersicht erstellt, welche Lizenzierungen KI-Betreiber mit Datengebern wie Pressehäusern, Bilddatenbanken oder sozialen Medien bereits abgeschlossen haben. 83 dieser Verträge haben die Forschenden ausfindig gemacht. In einigen Fällen ist die Summe öffentlich, die geflossen ist. So hat OpenAI 25 Millionen US-Dollar an Axel Springer gezahlt, um auf die Inhalte von Politico, Business Insider, Bild und Welt zugreifen zu dürfen - auch auf jene Artikel, die sonst hinter der Bezahlschranke versteckt sind."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.04.2025 - Medien

Die von Trump vorgesehenen Kürzungen für Radio Free Europe/Radio Liberty bedeuten ein enormes Risiko für die Meinungsfreiheit in vielen zentralasiatischen Ländern, berichtet Nikita Danilin in der taz aus Kasachstan: "In Kasachstan gibt es kaum noch unabhängige Medien. Sie sind buchstäblich an einer Hand abzuzählen. Der kasachische Politikwissenschaftler Dimasch Alschanow schätzt Radio Azattyk (der Name von Radio Liberty in Kasachstan) derzeit als die einzige ernst zu nehmende professionelle Quelle für alternative Informationen im Land ein. 'Wenn dieses Projekt endet, wird es praktisch keine professionellen Medien mehr für die Gesellschaft in unserem Land geben. Die Kasach*innen werden keine Wahl mehr haben, aus welchen Quellen sie sich informieren.' Dabei gebe es genug drängende Probleme, über die berichtet werden müsse, wie häusliche Gewalt, die Unterdrückung von Minderheiten, Korruption. Häusliche Gewalt ist in allen Ländern Zentralasiens an der Tagesordnung. In Kasachstan (knapp über 20 Millionen Einwohner*innen) registrierten die Strafverfolgungsbehörden 2024 offiziellen Angaben zufolge rund 100.000 Anrufe wegen häuslicher Gewalt."

Der RBB hat die Ergebnisse, der vom Sender beauftragten externen Beratunsgsfirma Deloitte zum Fall Gelbhaar (unsere Resümees) vorgelegt - und die Ergebnisse sind "vernichtend" für den Sender, bemerkt Vivien Timmler in der SZ: "Demnach seien Zitate 'ungeprüft' verbreitet, journalistische Grundregeln missachtet und nachgestellte Szenen 'fahrlässig' in den Bericht eingeschnitten worden. 'Die Autor:innen haben schwere journalistische Fehler begangen', lautet das Fazit der Analyse." Die beauftragten Redakteure hatten zudem keine Erfahrung im investigativen Journalismus, entnimmt Timmler dem Bericht, besonders hart gegen die Prüfer mit Ex-Chefredakteur David Biesinger ins Gericht, der sich mit dem Inhalt der Recherchen "gar nicht erst befasst" habe. "Die sechs Seiten lesen sich wie das Exposé für einen Medienkrimi, enthalten freilich nichts, was man nicht schon wüsste und was Journalisten von außen - insbesondere der Tagesspiegel- nicht schon aufgedeckt hätten", kommentiert Michael Hanfeld in der FAZ: "Die Frage, wie die innerparteiliche Intrige gegen den Grünenpolitiker Gelbhaar beim RBB derart Raum greifen konnte, ist nicht beantwortet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.04.2025 - Medien

90 Prozent der Linken sind sowohl gegen die Hamas als auch gegen Israel oder zumindest Netanjahu, ist sich Robert Misik in seiner taz-Kolumne sicher. Er sehe es jedenfalls so, äußere sich aber nicht, weil er Angst habe, zwischen den Fraktionen der radikalen Extreme rechts und links zerrieben zu werden. Schuld ist jedenfalls das Netz: "Der Philosoph Harry Lehmann spricht von 'Gruppenpolarisierungsprozessen', welche 'sich in der digitalen Medienwelt exponentiell verstärken'. In dieser neuen Ordnung der Diskurse ist eine Person, die eine Ansicht hat, die leicht von der eigenen Überzeugung abweicht, nicht nur eine Person mit einer anderen Meinung, sondern wird ganz schnell auch zu einem moralisch verdammenswerten Subjekt, wie in unserem Exempel (entweder 'Antisemit' oder 'Komplize des Genozids'). Völlig durchgeknallte Spinner haben durch die neue Technologie nicht nur leichtes Spiel, es gibt sogar einen inhärenten Anreiz, zu einem durchgeknallten Spinner zu werden."

Die Propagandisten des Kreml füttern Chatbots solange mit Falschinformationen, bis diese als vermeintlich objektive Sachinhalte wiedergegeben werden, entnimmt Robin Steinmetz (FAZ) einem Bericht des auf die Überprüfung von Netzinhalten spezialisierten Unternehmens News Guard Technologies: "Anfang März legte News Guard dar, dass das im April 2022 gestartete, von Moskau aus operierende Netzwerk 'Prawda', das auch unter dem Namen 'Portal Kombat' bekannt ist, gezielt westliche KI-Anwendungen mit russischer Propaganda füttert. 'Prawda' nimmt laut News Guard 49 Länder in Dutzenden von Sprachen in den Blick. Mehr als 3,6 Millionen Nachrichtenartikel habe das Netzwerk allein 2024 in das Gedächtnis der zehn meistgenutzten Chatbots - ChatGPT, Smart Assistant, Grok, Pi, Le Chat, Copilot, Meta AI, Claude, Gemini und Perplexity - eingespeist. In 33 Prozent der überprüften Fälle hätten die Chatbots Falschdarstellungen der russischen Propaganda übernommen, die das Prawda-Netzwerk verbreitet hatte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.04.2025 - Medien

Recep Tayyip Erdogan hat es auch auf den unabhängigen türkischen Journalismus im Land abgesehen, wie das zehntägige Sendeverbot für oppositionelle Sender zeigt, konstatiert Raphael Geiger in der SZ. Der Opposition kommt dabei ausgerechnet Elon Musks Definition der Meinungsfreiheit gelegen. "Dass die CHP ihre Kundgebungen schlicht als Livestream auf ihren X-Accounts überträgt, kann die Regierung zumindest bisher nicht verhindern. Elon Musk hat sich immerhin geweigert, mehrere Hundert Accounts auf seiner Plattform zu schließen, die der türkischen Regierung unliebsam geworden waren. Deren Drohung richtet sich auch gegen ausländische Medien, auch wenn Korrespondentinnen und Korrespondenten bisher einigermaßen frei berichten können. In den vergangenen Jahren reisten auch immer wieder Reporter ins Land und arbeiteten in der Türkei, ohne dass sie sich vorher beim Presseamt akkreditiert hatten. Offiziell gilt immerhin Medienfreiheit. Jetzt aber will die Regierung offenbar durchsetzen, dass niemand mehr ohne türkische Pressekarte aus der Türkei berichten kann."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.03.2025 - Medien

Ähem. Sehr stolz vermelden die Perlentaucher, dass Mitgründerin Anja Seeliger und Mitgründer Thierry Chervel gestern auf der Buchmesse Leipzig die Goldene Ehrennadel des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels erhalten haben - persönlich überreicht von Vorsteherin Karin Schmidt-Friderichs. Der Preis gilt Verdiensten um die Buchbranche. Ebenfalls ausgezeichnet wurde Michael Lemling, Geschäftsführer der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl. Schmidt-Friderichs sagte in ihrer Perlentaucher-Würdigung: "Thierry Chervel und Anja Seeliger leben mit ihrem gemeinsamen Projekt Perlentaucher nicht nur ihre eigenen Leidenschaften und Kompetenzen, sie treten auch den Beweis an, dass die digitalen Medien keineswegs Gegner des traditionellen Journalismus sein müssen, sondern dass sie ihn bereichern und erweitern können." Mehr auf den Seiten des Börsenvereins.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Börsenverein (@boersenverein)


Stichwörter: Perlentaucher, Börsenverein