Verbreitet die
New York Times Verschwörungstheorien, besonders wenn es gegen Israel geht? In einem Fall wohl ja, hat Ali Sadrzadeh für die
taz herausgefunden. Es geht um den israelisch-iranischen Zwölftagekrieg im Juni. Die
New-York-Times-Redakteurin Farnaz Fassihi hatte
behauptet, dass beim israelischen Schlag gegen das berüchtigte
Evin-Gefängnis in Teheran nicht nur Verwaltungstrakte getroffen wurden, sondern auch ein Trakt mit
hundert Transgenderpersonen, die alle verschwunden seien - man müsse annehmen, sie seien tot. Niemand sonst hat die Meldung gebracht, aber inzwischen beziehen sich
antiisraelische Aktivisten und die Wikipedia auf sie. Die
taz-Redaktionhat bei der
Times nachgefragt und nur die trockene Antwort bekommen: "Hallo, wir haben dem, was wir in dem Artikel berichtet haben, nichts weiter hinzuzufügen. Danke." Die
Times gibt den iranischen Rechtsanwalt
Reza Shafakhah als Quelle an, der das Gefängnis gut kennt. Sadrzadeh: "Als ich Rechtsanwalt Shafakhah, die einzig genannte Quelle des
New-York-Times-Artikels, im Gespräch direkt danach fragte, war er
außer sich. Er bestreitet vehement, je so etwas gesagt zu haben. Auch Kollegen der
BBC hätten ihn deswegen schon angerufen. 'Ich habe
weder von vermissten Transgender gesprochen noch von einem zerstörten Trakt, weder eine Zahl genannt noch weiß ich überhaupt, wie viele Transgender in iranischen Gefängnissen einsitzen.'"