9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

2293 Presseschau-Absätze - Seite 14 von 230

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.03.2025 - Medien

Das Informationsfreiheitsgesetz, also jenes Gesetz, das gewährleistet, dass jeder einen Anspruch auf Zugang zu amtlichen Unterlagen hat, soll laut Verhandlungspapier der kommenden Koalition abgeschafft werden - nicht nur Journalisten, sondern sämtliche Bürger müssten empört sein, mein Benjamin Stibi in der Welt, denn: "Würde Journalisten die Möglichkeit genommen, Akteneinsicht zu beantragen, würden gute Beziehungen zu Regierungsmitarbeitern wieder wichtiger. Nur wer brisante Dokumente auf irregulärem Wege zugespielt bekäme, hätte eine Chance auf eine Enthüllung. Das ist nicht im Sinne der Öffentlichkeit, die zurecht einen Journalismus verlangt, der die Distanz zu Regierungsstellen wahrt. Aus Verhandlungskreisen heißt es, man wolle das IFG-Recht nicht ersatzlos abschaffen, aber zumindest auf den Prüfstand stellen. In der Union, von der die Forderung nach der Abschaffung des IFG stammt, stört man sich offenbar daran, dass die Auskunftsrechte von Parlamentariern teils weniger weitreichend sind als die allen Bürgern zustehenden Rechte nach dem IFG. … Es ist ein fatales Signal, wenn man Bürger, Journalisten und Abgeordnete gegeneinander ausspielt, indem man den einen Rechte wegnimmt, um sie den anderen zu geben."

"Nur 33 Prozent der Amerikaner schauen noch regelmäßig Fernsehnachrichten, während 39 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 angeben, Tiktok als Nachrichtenquelle zu nutzen - ein neues Abhängigkeitsverhältnis zeichnet sich ab", schreibt die in St. Petersburg geborene und in Dallas lebende Literaturwissenschaftlerin Jana Talke in der SZ. Das liegt unter anderem daran, dass es um die internationale Berichterstattung in den USA schlecht bestellt ist, so Talke: "Es gibt nur eine Handvoll Sendungen, die sich explizit nichtamerikanischen Nachrichten widmen. Tiktok- und Youtube-Nutzer freuen sich daher, dort über ganz neue globale Themen aufgeklärt zu werden - auch wenn diese oft von Laien fehlerhaft dargelegt werden. Beiträge von Fox, CNN und anderen werden hier in einer knappen Form präsentiert, und der Nutzer kann entscheiden, wann er sie wegswipt. ... Die ohnehin sehr unvollkommenen Kabelnachrichten werden nun also von noch schlechter recherchierten und noch parteilicheren Stimmen überboten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.03.2025 - Medien

Ein Bundesrichter hat das Aus von Radio Free Europe (unsere Resümees) vorerst verhindert, meldet die FAZ. Die Finanzierung geht vorerst weiter. Im Interview mit Artur Weigandt betonen zwei Redakteure der Ukraine-Redaktion, Marina Drach und Rostyslav Khotin, wie wichtig ihre Arbeit ist, nicht nur für die Ukraine. In Russland freut man sich sehr über die Geldprobleme, erzählen sie: "Russlands Regierung verfolgt imperialistische Ziele und strebt ein 'neues Sowjetreich' an, wobei der Ukraine-Konflikt das sichtbarste Beispiel ist. Auch Moldawien, Georgien und Zentralasien stehen unter Druck. Ein zentralasiatischer Diktator sagte: 'Wir stehen, weil ihr in der Ukraine steht.' Viele dieser Länder sind noch nicht fest im westlichen Lager verankert und brauchen Unterstützung gegen russische Einflussnahme. Unsere Arbeit ist entscheidend: Wir sind das einzige Medium mit einem tschetschenischen Dienst und einem russischsprachigen Kaukasus-Dienst. Wir erreichen Menschen, die sonst kaum unabhängige Informationen erhalten. Es bleibt viel zu tun, um diese Länder zu stärken."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.03.2025 - Medien

Die israelische Polizei hat Christian Meier, FAZ-Korrespondent für den Nahen Osten, im Westjordanland festgenommen und gegen eine Auflage freigelassen: Er darf 15 Tage lang das Westjordanland nicht betreten, berichtet Nicholas Potter in der taz: "Auf eine taz-Anfrage reagierte ein Sprecher der israelischen Polizei bis Redaktionsschluss nicht. Die Vereinigung der Auslandspresse in Israel hat nun eine Beschwerde eingereicht. Und die FAZ fordert die israelischen Behörden auf, die Arbeit von Korrespondenten nicht zu behindern: Die Pressefreiheit müsse auch im Westjordanland gewährleistet werden. 'Es ist leider bei Weitem nicht das erste Mal, dass gewaltbereite Siedlerinnen und Siedler auf Medienschaffende losgehen', sagt Christopher Resch von Reporter ohne Grenzen (ROG) der taz. 'Es ist aber ebenso inakzeptabel wie das Verhalten der israelischen Polizei.' Dass Meier dazu gezwungen sei, für 15 Tage nicht aus dem Westjordanland zu berichten, ist für Resch ein 'illegaler Eingriff in die Pressefreiheit'. 'Weder Behörden noch Siedlerinnen und Siedler dürfen journalistische Arbeit behindern.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.03.2025 - Medien

Ali Çelikkan berichtet in der taz, wie massiv der türkische Staat gegen die freie Presse vorgeht. Durch Sendeverbote und Lizenzentzug versucht die türkische Medienaufsichtsbehörde RTÜK die wenigen verbliebenen kritischen Medien seit der Festnahme von İmamoğlu zum Schweigen zu bringen: "Hinzu kommen Verhaftungen: In den frühen Morgenstunden des Montags wurden neun Journalisten, die über die Proteste in verschiedenen Städten berichtet hatten, festgenommen. Zudem wurden mehr als 700 Social-Media-Accounts auf X blockiert. … Wie schon während der Gezi-Park-Proteste vor zwölf Jahren versucht das Erdoğan-Regime, die Demonstranten zu isolieren und zu kriminalisieren, indem es den Zugang zu unabhängigen Informationen blockiert. Die zahlreichen von der Regierung kontrollierten Medien verbreiten systematisch Falschinformationen und verleumden Menschen, die für ihre demokratischen Grundrechte auf die Straße gehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.03.2025 - Medien

Die Zerschlagung des US-Auslandssenders Voice of America lässt vor allem die Autokraten dieser Welt jubeln, konstatiert Josef Joffe auf Zeit Online. "Eine neue Achse des Bösen - aber nicht wie bei Reagan, der den weltweiten Widerstand predigte. Diesmal, horribile dictu, wäre Trump ein Pfeiler der axis of evil. Ein Feind just der liberalen Weltordnung, die Amerika 80 Jahre lang gestützt und bewacht hat. Und eine unamerikanische Figur, die zu Hause unaufhörlich versucht, die Fundamente der liberalen Demokratie zu demolieren. Die Voice of America ist bloß eine Etappe."

In der FAZ schreibt der CDU-Politiker und ehemalige Intendant der Deutschen Welle Dieter Weirich zum Thema. Er würdigt erstmal die Rolle der Sender sowohl in der Nazizeit als auch in der Ära des kalten Krieges - sie brachten den Bürgern dieser Länder als einzige stichhaltige Informationen. Nun also die Abwicklung durch Trump: "Irritieren muss uns in der 'alten Welt', wie wenig Widerstand dieser ebenso gefährliche wie törichte Kurs in Trumps Regierungspartei und in der US-Öffentlichkeit findet. Hierzulande ist das Vertrauen in die US-Führung dahin. Erfreulich ist, wie rasch Europa nach einem Vorstoß der tschechischen Regierung reagiert. Deutschland und neun weitere Staaten erklärten ihre Bereitschaft zu Finanzhilfen, um die Pressefreiheit und die Demokratie zu schützen. Die Niederlande, Belgien, Österreich, Schweden, Litauen und Slowenien sind an Bord, weitere dürften dazukommen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.03.2025 - Medien

In der FAZ blickt Niklas Zimmermann, der unter anderem mit der Historikerin Anna Bischof gesprochen hat, auf die Geschichte von Radio Free Europe, das manchmal auch im demokratischen Westen angegriffen wurde: "Als nach dem Ende eines strikt antikommunistischen Zeitgeistes im Kalten Krieg Wandel durch Annäherung das Gebot der Stunde war, wurde der Sender vor allem aus dem linken Lager heraus angegriffen. Er galt als Hindernis für eine Verständigung mit dem sozialistischen Staatenblock. In München gab es Demonstrationen gegen den 'Kriegssender'. Bischof sagt, dass auch die osteuropäischen Regime während der Verhandlungen zu den Ostverträgen der Ära Willy Brandts von der Bonner Regierung die Einstellung des Münchner RFE-Sendebetriebs forderten. Kurz nach dessen Aufnahme im Jahre 1950 waren es dagegen konservative Vertriebenenverbände, die sich darüber empörten, dass die von tschechischen Exilanten geprägte tschechoslowakische Redaktion fundamental anders auf die Nachkriegsvertreibung der Deutschen blickte."

Außerdem: Der SWR stellt das Interview mit Thierry Chervel zum 25. des Perlentaucher online.
Stichwörter: Radio Free Europe

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.03.2025 - Medien

Donald Trump hat der Medienorganisation USAGM die Mittel gestrichen, berichtet Helmut Hartung in der FAZ. Betroffen sind unabhängige Sender, wie Voice of America und der Auslandssender Radio Free Europe/Radio Liberty (unser Resümee). Nun will die Deutsche Welle mit europäischen Auslandssendern, zum Beispiel der BBC oder Radio France International beraten, wie  das "Informations- und Wahrheitsdefizit" ausgeglichen werden kann, so Hartung: "Nach Einschätzung des DW-Intendanten Peter Limbourg hat die weitgehende Ausschaltung der amerikanischen Auslandssender 'dramatische Folgen für einen demokratischen, fundierten Journalismus' weltweit. Die Anordnung Trumps, die 1.300 Mitarbeiter von Voice of America ab sofort beurlaubt, sei durch nichts zu rechtfertigen, schwäche die Demokratie und stärke autoritäre Regime. Ein Aushöhlen, eine Auflösung oder der Verlust der journalistischen Unabhängigkeit von USAGM hätten unvorhersehbare Auswirkungen auf Weltregionen, in denen der Zugang zur freien Presse und dem freien Internet ohnehin eingeschränkt sei, sagte Limbourg."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.03.2025 - Medien

Über die Angriffe gegen Journalisten bei antiisraelischen Demos haben wir schon berichtet. Einer der Betroffenen ist der taz-Redakteur Nicholas Potter. Die Aktivisten verbünden sich mit prorussischen Medien, so Potter, der eine interessante Parallele sieht: "Diese Ablehnung von Qualitätsmedien kennt man schon von verschwörungsideologischen Protesten während der Coronapandemie. Damals griffen Aktivist*innen die Presse regelmäßig an, oft gewaltsam. Sie bastelten Fahndungsplakate mit den Fotos unliebsamer Journalist*innen, erklärten die 'Staatsmedien' zum Feind. Stattdessen setzten sie auf 'alternative Fakten' und wirre Verschwörungsmythen, die sie auf Telegram oder russischen Desinformationskanälen fanden."

Donald Trump löst die  amerikanischen Auslandssender wie Voice of America oder Radio Free Europe auf, die seit Jahrzehnten Informationen für Länder ohne freie Presse lieferten. 1.300 Mitarbeiter sind schon entlassen, berichtet unter anderem Michael Hanfeld in der FAZ. Der Chef von Radio Free Europe, Stephen Capus, veröffentlichte seine letzten Worte noch auf den Seiten des Senders: "Die Kündigung der Zuschüsse füür Radio Free Europe/Radio Liberty wäre ein riesiges Geschenk an die Feinde Amerikas. Die iranischen Ayatollahs, die kommunistischen Führer Chinas und die Autokraten in Moskau und Minsk können den Untergang von RFE/RL nach 75 Jahren feiern. Wenn wir unseren Gegnern diesen Sieg bescheren, würden sie stärker und Amerika schwächer."

Weitres: Stefan Niggemeier steigt als Gesellschafter bei den Übermedien aus, will aber weiter Autor bleiben - neuer Gesellschafter ist der Mediendienst DWDL.de, meldet Übermedien in eigener Sache.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.03.2025 - Medien

Dass Wilhelm Reissmüller, der im Ingolstadt der Nachkriegszeit allmächtige Verleger des Donaukuriers, in seiner frühen Zeit ein glühender Nazi war, erstaunt ja eigentlich nicht. Dass er es schaffte, sich als Widerständler aufzuplustern, schon eher. Thomas Schuler kommt in der SZ auf diese sehr charakteristische Geschichte (unsere Resümees) zurück. Bis in die jüngste Zeit, haben die Honoratioren der Stadt das Thema äußerst verklemmt angefasst, so Schuler: "Es waren die Lokalpolitiker der CSU, die Reissmüller 1976 zum Ehrenbürger wählten und ihn jahrelang allen Belegen und Widersprüchen zum Trotz unterstützt haben. In der Verdrängung der NS-Vergangenheit kooperierten Wilhelm Reissmüller und der CSU-Oberbürgermeister Josef Listl, der vor 1945 die Stadt für die NSDAP regiert hatte. Der später viele Jahre amtierende CSU-Oberbürgermeister Peter Schnell unternahm in seiner Amtszeit (1972 bis 2002) nichts, um die NS-Vergangenheit von Listl oder Reissmüller aufzuarbeiten. Ebenso war es unter seinen beiden Nachfolgern. Ausstellungen und Publikationen des Stadtarchivs zur NS-Zeit mieden das Thema." Nun wurde eine Studie in Auftrag gegeben, die 2028 vorliegen soll...

Weiteres: RBB-Programmdirektorin Katrin Günther und Chefredakteur David Biesinger treten zurück, meldet unter anderem die FR. Grund ist die fahrlässige Berichterstattung des Senders zu gefälschten Missbrauchsvorwürfen gegen den Berliner Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar (unsere Resümees) - vernichtend klingt das jüngste Anwaltsschreiben von Gelbhaars Kanzlei Schertz + Bergmann zu der Sache, das die Anwälte auf Twitter veröffentlichten.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.03.2025 - Medien

Im großen Welt-Interview mit Christian Meier holt der Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen Philipp Peyman Engel zum Rundumschlag gegen den deutschen Medienbetrieb aus: Wo war die große Berichterstattung über die deutsch-israelische Familie Bibas (unser Resümee)? Engel attestiert dem Großteil des deutschen Medienbetriebs, dass dieser nicht auf der Grundlage von Fakten, sondern auf der Grundlage von persönlicher Einstellung Israel gegenüber berichterstatte. "Ich stehe im regen Kontakt mit Journalisten der genannten Medien, die immer wieder ziemlich frustriert von ihren Versuchen berichten, fair über Israel zu schreiben. Redaktionen sind ja zum Glück nie homogen, es gibt auch hier eine Bandbreite an Positionen, selbst beim israelfeindlichen Spiegel. Und nicht wenige Kollegen würden in der Tat gern berichten, dass es beispielsweise nicht Israel ist, das ein Geiselabkommen immer wieder verhindert hat, sondern - wen mag das überraschen - die Terrororganisation, die ihre Morde an Frauen, Kindern, Familienvätern und Holocaust-Überlebenden live im Netz gestreamt haben. Und diese Kollegen erzählen mir dann, dass sie mit dieser Position in ihrer Redaktion kein Bein auf den Boden bekommen."

Der taz-Journalist Nicholas Potter, der viel zu den Themen Antisemitismus und zur antiisraelischen Szene recherchiert, ist seit Monaten einer Rufmord-Kampagne und extremen Anfeindungen ausgesetzt, berichtet die Welt. In der Jüdischen Allgemeinen äußert sich der Zentralrat der Juden zu dem Fall: "'Der Fall Nicholas Potter muss eine Warnung sein, dass radikale Gruppen unsere Medienöffentlichkeit unterlaufen wollen', erklärte ein Sprecher des Zentralrats. Er betont: 'Wir haben Potter als einen mutigen Journalisten kennengelernt, der stets an der Wahrheit einer Geschichte interessiert ist. Wer ihn bedroht und diffamiert, der hat keine Argumente. Wir dürfen das als Gesellschaft nicht zulassen."

Die Angriffe auf Journalisten häufen sich, halten die Pressereferentinnen von "Reporter ohne Grenzen", Katharina Viktoria Weiß und Christopher Resch in der taz fest. 2024 gab es hundert gemeldete Angriffe auf Reporter, fünfzig davon bei propalästinensischen Demonstrationen: "Die dju (Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union) nutzt eine leicht andere Technik bei der Zählung als wir bei Reporter ohne Grenzen. Aber auch wir beobachten, dass für 2024 Übergriffe rund um Nahost-Demonstrationen die aktuell größte Gruppe darstellen und damit zum ersten Mal seit langer Zeit Übergriffe rund um Rechts-außen-Demonstrationen und Versammlungen abgelöst haben. Es ist allerdings wichtig, zu erwähnen, dass sich die meisten der Fälle, von denen wir bei Reporter ohne Grenzen erfahren haben, auf die Metropolregion Berlin konzentrieren. Hier sind viele Medienschaffende sehr gut mit Pressefreiheitsorganisationen wie Reporter ohne Grenzen oder der DJU vernetzt. Das heißt, es gibt ein riesengroßes Dunkelfeld."

Der zweite Anschlag in Mannheim, bei dem der Täter ein Deutscher und Rechtsextremist war, hat weit weniger mediale Berichterstattung nach sich gezogen, als die vorigen Anschläge, in denen es sich um Männer mit Migrationshintergrund handelte, schreibt Sonja Zekri in der SZ. Können sich Medien nicht diesem Muster entziehen? "Der Dynamik der sozialen Medien, dem atemlosen Taumel durch echte und falsche Informationen, Rede und Gegenrede, Jubel und Absturz kann sich kein Sender, keine Zeitung ganz entziehen. Sie ist Gift für alle Differenzierungsbemühungen. Versuchen muss man es trotzdem, zumal sich die Frage der Grenzsicherung und der tödlichen Bedrohung gerade auf ganz andere und bestimmt nicht weniger beunruhigende Weise stellt. Wer die Liste tödlicher Anschläge um Hanau und Halle erweitert, um den Mord an Walter Lübcke und die Morde des NSU, wer in Rechnung zieht, dass die Zahl rechtsextremer Gewalttaten steigt und steigt, der entdeckt möglicherweise ein anderes Ordnungsmuster: jenes von Menschen, die in diesem Land friedlich zusammenleben möchten, und ihren Feinden."

Bei Spon erklärt der Bildhistoriker Markus Wurzer, was die von der Trump-Regierung angeordnete Löschung von 26.000 Bildern aus den Archiven der amerikanischen Armee bedeutet: "Das ist hochproblematisch. Politische Akteure können mit Bildern Ansprüche durchsetzen. Wenn in den USA im großen Stil Bilder von 'GIs of Color' von den Internetseiten gelöscht werden, könnte zum Beispiel die Illusion entstehen, dass vorwiegend weiße US-Amerikaner an der Befreiung Europas 1944/45 teilgenommen hätten." Die Geschichtswissenschaft sei "darauf angewiesen, dass Institutionen wie die Armee ihre Bildprodukte möglichst umfassend in die öffentlichen Archive geben. Davon hängt ab, welche Fragestellungen wir in der Zukunft bearbeiten können. Sollte der freie Zugang zu Bildern von gesellschaftlichen Minderheiten in der amerikanischen Armee nachhaltig eingeschränkt werden, dann wäre das ein großes Problem für eine kritische Auseinandersetzung mit ihrer Historie, zum Beispiel mit der Kultur- und Geschlechtergeschichte der US-Streitkräfte."

Weiteres: Gerrit Bartels gratuliert dem Perlentaucher im Tagesspiegel zum 25. Geburtstag und würdigt besonders, die im Perlentaucher verfolgte Debatte über Boualem Sansal, "so ausdauernd und intensiv, wie es das kein Feuilleton tut".