9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.09.2017 - Medien

In der Welt staunt Christian Meier über die Steigerungsrate vor allem bei den Gehältern der ARD-Intendanten (unser Resümee): "Als vor rund sieben Jahren die erste Transparenzwelle durch die ARD-Führungsetage schwappte, sahen die Gehälter noch ganz anders aus. Die damalige WDR-Chefin Monika Piel kam im Jahr 2009 auf ein Grundgehalt von 308.000 Euro." Der jetzige WDR-Chef Tom Buhrow verdient 399.000 Euro. "Zwischen diesen sieben Jahren liegt demnach ein Sprung von 22 Prozent."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.09.2017 - Medien

(Via turi2) Der Medienkolumnist Kai-Hinrich Renner kommentiert beim Abendblatt die von der ARD-Vorsitzenden Karola Wille  betriebene Offenlegung der ARD-Gehälter - besonders gut verdienen neben den Intendanten die Sportreporter und gar die "Experten": "Wille ist mit der Veröffentlichung der Ausgabenstruktur aber nicht der ganz große Wurf gelungen. Das hat drei Gründe: Das Zahlenwerk ist auf der ARD-Webseite gut versteckt. Wer es finden will, muss sich dort schon etwas auskennen. Man gelangt zu ihr über den Reiter 'Die ARD' und dann weiter über das Submenü 'Womit wir arbeiten - Budget'. Dass die Zahlen seit dem 1. September im Netz stehen, hat die ARD nirgends verkündet. Einem findigen Redakteur des Nachrichtendienstes EPD ist es zu verdanken, dass die Aufstellung nun bekannt wurde." Außerdem, so Renner, fehlen die Gehälter wichtiger Funktionäre aus der zweiten Reihe. Sehr kritisch schreibt Joachim Huber im Tagesspiegel über diese Zahlen.

Weiteres: In der FAZ erzählt Joseph Croitoru, was südkoreanischen Journalisten passieren kann, wenn sie ein kritisches Buch über Nordkorea rezensieren: Sie werden von Nordkorea in Abwesenheit zum Tode veruteilt!

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.09.2017 - Medien

Eine Gruppe von Medienwissenschaftlern, aber auch Politikerinnen wie der Grünen Tabea Rößner, Netzaktivisten wie Markus Beckedahl und linken Verlegern wie Karl-Heinz Dellwo legt ein sehr ausführliches Papier pro Öffentlich-rechtliche Sender vor. Man will nicht nur keine Sparmaßnahmen, sondern eine viel stärkere Ausbreitung der Sender ins Netz - die Sender sollen auch mit anderen gemeinnützigen Trägern wie etwa der Bundeszentrale für politische Bildung kooperieren. Unter anderem wird dort behauptet, dass es eine freie Öffentlichkeit am ehesten unter Bedingungen der Subventioniertheit geben kann: "Aufgrund ihrer öffentlichen Beauftragung und Finanzierung können sie von sich heraus leisten, was privaten Anbietern aufgrund ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit nicht oder nur begrenzt möglich ist: eine journalistisch-redaktionelle Selbstbeobachtung der Gesellschaft im öffentlichen Interesse. " Selbst Jörg Schönenborns Neusprech-Vokabel für die Rundfunkgebühren macht sich die Gruppe zueigen: "Nur wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk von der Allgemeinheit durch eine Demokratieabgabe finanziert und im Hinblick auf Auftragserfüllung und Finanzierung öffentlich kontrolliert wird, können diese Standards und Ziele erreicht werden." Im Tagesspiegel berichtet Kurt Sagatz, bei Netzpolitik schreibt der Unterzeichner Leonhard Dobusch. 

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.09.2017 - Medien

Der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, baut den Sender radikal um, um Redaktionen über die Mediengrenzen hinweg zu verschmelzen und "Trimedialität" bei weniger Stellen zu erreichen, berichten Claudia Tieschky und Katharina Riehl in der SZ. Die Stimmung im Sender sei schlecht, Stellenabbau wird an die Wand gemalt. Selbst die Kirche macht sich Sorgen! "Der Rundfunkratsvorsitzende Lorenz Wolf ist Jurist, Priester und im Hauptberuf Leiter des Katholischen Büros Bayern. Er sagt: 'Dass die Sparzwänge so hart würden, wurde vor dem Amtsantritt von Ulrich Wilhelm so nicht erkannt.'"

Die prominenten Moderatoren, die Angela Merkel und Martin Schulz beim TV-Duell zu sozialer Ungerechtigkeit und berechtigten Sorgen der Bürger befragten, stellten eine recht homogene Gruppe dar, merkt Wolfgang Michael im Freitag an - sie sind alle mehr oder weniger Millionäre: "Alle vier sind erfolgreiche Unternehmer in eigener Sache. Das ist auch gar nicht zu kritisieren... Aber fragen wird man schon dürfen, ob es thematisch nicht zu extremen Verzerrungen kommt, wenn sich die Fragesteller biografisch kaum unterscheiden, wenn sie alle den gleichen sozialen Status und das gleiche Alter aufweisen und mehr verdienen als Kanzlerin und Herausforderer zusammen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.09.2017 - Medien

Eine neue "wertige" und "konservative" Zeitschrift namens Cato kommt auf den Markt - die Protagonisten stammen aus Kreisen um die AfD, den Verlag Manuscriptum und die Junge Freiheit, schreibt Johan Schloemann in der SZ: "Die Tendenz wird aber auch schnell am Inhalt des ersten Heftes klar: Da liest man eine Kritik moderner Architektur, eine Homestory beim Bombenkrieg-Historiker Jörg Friedrich, Rubriken wie 'Gefährdete Gesten' (erste Folge: 'Der Händedruck') und 'Was ist deutsch?' sowie eine Verteidigung des ebenfalls abgedrifteten Historikers Rolf Peter Sieferle ('Finis Germania') aus der Feder des Chefredakteurs." In der taz berichtet Andreas Speit.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.09.2017 - Medien

Der österreichische Wirtschaftswissenschafter Leonhard Dobusch ist Mitglied im ZDF-Rundfunkrat und Verfechter der Öffentlich-Rechtlichen. Unter kurzem Bezug auf die Staatsfunk-Debatte (unsere Resümees) stellt er bei Netzpolitik er einige Reformvorschläge vor, die allerdings sicher auch bei den Sendern nicht so gut ankommen würden. Er fordert etwa eine "offene Finanzierung", zumindest bei Internetangeboten: "Ein substanzieller Anteil des öffentlich-rechtlichen Kuchens sollte nicht über die Anstalten, sondern im Rahmen offener und dezentralisierter Vergabeprozesse verausgabt werden. Denkbar wären hier verschiedene Lösungen, von Crowdfunding bis hin zu einer demokratisch legitimierten Internetintendanz." Außerdem will Dobusch, dass sich die Sender für Kooperationspartner (allerdings nur gemeinnützige) öffnet. Und er fordert mehr Transparenz, "um die Legitimität öffentlich-rechtlicher Angebot im Netz zu sichern".

Jan Böhmermann
scheint einmal mehr beweisen zu wollen, dass er keinen Humor hat. Er will Angela Merkel verklagen, weil sie sein "Ziegenficker"-Gedicht, als "Schmähgedicht" bezeichnet hat. In einem Schreiben an das Kanzleramt wirft Böhmermanns Berliner Rechtsanwalt Christian Schertz Merkel vor, sie habe mit ihrer Kritik an dem Auftritt eine 'juristische Bewertung des Werkes meines Mandanten vorgenommen, die einer Vorverurteilung gleichkommt', schreibt Jost Müller-Neuhof im Tagesspiegel.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.09.2017 - Medien

Eher skeptisch berichtet Karoline Meta Beisel bei sueddeutsche.de über spendenfinanzierten Journalismus beim Guardian und der New York Times: "Die Kennzeichnung macht die Unterschiede jedenfalls für interessierte Leser transparent, trotzdem bleibt die Frage: Wie stark ist der Einfluss, den die Spender auf die Themensetzung nehmen?"

Die Printausgabe der Village Voice, mit 250.000 verkauften Exemplaren einst das erfolgreichste Wochenblatt der USA, wird eingestellt, berichtet Andrea Köhler in der NZZ. "Kein anderer Name verkörpert so genuin jene Mischung aus Sex, Sound und Underground, für die das Greenwich Village einst weltweit stand. Doch die Zeiten, als das Schwimmen gegen den Mainstream noch goutiert oder gar lukrativ bewirtschaftet wurde, sind bekanntlich vorbei. Die Online-Ausgabe der VV unterscheidet sich denn auch nicht wesentlich von den anderen Stadtmagazinen mit ihren Food- und Veranstaltungstipps." Im Freitag notiert Lukas Hermsmeier: "Ganz nüchtern ließe sich auch festhalten, dass die Zeitung in den letzten Jahren sowieso kaum noch gelesen wurde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.09.2017 - Medien

Hüstel - nun expandieren die Sender aber tatsächlich in Bereiche, die mit Nähe zu Sendungen nichts mehr zu tun haben: Die Medienkolumne Altpapier, deren stolzer Name sich einst aus der digitalen Herkunft in der seligen Netzeitung ableitete, wandert vom Evangelischen Pressedienst zum öffentlich-rechtlichen Sender MDR, berichtet Markus Ehrenberg im Tagesspiegel: "Das kommt etwas überraschend. Inhaltlich soll die Kolumne, die morgendlich einen Blick auf die Medienberichterstattung in der Republik wirft, auch unter dem öffentlich-rechtlichen Dach aber nicht verändert werden."

Außerdem: Marc Felix Serrao wirft für die NZZ einen Blick in die neue Zeitschrift Cato, die ab nächsten Freitag alle zwei Monate rechtskonservativen Autoren eine Stimme geben will.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.08.2017 - Medien

Für die taz liest Tilman Baumgärtel einige Studien zur Medienberichterstattung über die Flüchtlingskrise 2015, die ein unangenehm insiderhaftes Bild von deutschen Medienbetrieb abgeben: "Der Vorwurf, dass die deutschen Berichterstatter sich weniger für die Flüchtlinge per se, sondern eher für die politischen Streitereien, die sie auslösen, interessieren, wird auch in einer gerade erschienen Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung untermauert, die sich mit der Illustration von Texten zum Flüchtlingsthema beschäftigt. Viel zu oft gehe es auch hier um die Standpunkte von Politikern - immer wieder illustriert mit stereotypen Symbolbildern von Frauen mit Kopftuch."

Das Sommergekabbel zwischen der FAZ und den längst wieder vorsichtig schweigenden Öffentlich-Rechtlichen Sendern geht munter weiter. Michael Hanfeld greift nochmal die spöttische Bemerkung der Deutschlandfunk-Autorin Brigitte Baetz (unser Resümee) über die ehemaligen Dienstwagen der FAZ-Redakteure auf, spricht allerdings nicht ganz ehrlich nur von "Dienstwagen im Journalismus" und untersucht, wer bei den Sendern so Dienstwagen fährt und Betriebsbenzin zapft.

ZDF-Intendant Thomas Bellut verteidigte unterdessen die neue Strategie der Sender, ins lange belächelte Internet zu expandieren, berichten Uwe Mantel und Thomas Lückerath in dwdl.de, der einen Auftritt Belluts vor deutschen, das Internet eher fürchtenden Produzenten beobachtete: "ZDF-Intendant Thomas Bellut nutzte nun den Produzententag seines Senders in Berlin, bei dem er rund 280 Produzenten zu Gast hatte, um.. nochmal zu betonen, für wie wichtig man eine wettbewerbsfähige Mediathek halte. "Die Zukunftsfähigkeit des ZDF hängt entscheidend von der Mediathek ab. Ein attraktives Onlineangebot folgt den Nutzerbedürfnissen und bietet den Produzenten neue Formen der Zusammenarbeit', so Bellut."

Außerdem: FAZ-Online-Chef Mathias Müller von Blumencron verteidigt im Gespräch mit der Werbe-Branchenmagazin Horizont Print und neue zahlbare Angebote in der Digitalabteilung der Zeitung.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.08.2017 - Medien

Handelsblatt-Redakteur Klaus-Peter Siebenhaar, selbst Autor eines kritischen Buchs über die Öffentlich-Rechtlichen (wobei er allerdings zur Lobby-Perspektive der Zeitungsindustrie neigt) greift bei Meedia in den Streit zwischen FAZ und Sendern um den Begriff "Staatsfunks" ein, den er gerechtfertigt findet: "Die Staatsnähe von ARD, ZDF und Deutschlandradio gehört zur DNA des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie ist kein inhaltliches Durchregieren wie im Fall von Ungarn oder Polen, sondern eine personelle, strukturelle und ökonomische Symbiose... Strukturell ist die gegenseitige Abhängigkeit allgegenwärtig. Die fein nach 'schwarz' und 'rot' sortierten Aufsichtsgremien der Anstalten sorgen seit jeher dafür, dass bei der Besetzung von Spitzenpositionen politisch nichts daneben geht. Die Staatsnähe zahlt sich für beide Seiten aus. Die Politik erhält die mediale Plattform des Gebührenrundfunks, und der Gebührenrundfunk seine Milliarden von den Bürgern durch die uneingeschränkte Rückdeckung der Politik."