9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.09.2017 - Medien

(Via turi2) Wieder einmal wurde bewiesen, wie wichtig die Medien für das Funktionieren von Demokratie sind! "Die Berichterstattung im Vorfeld der Bundestagswahl hat die Umfragewerte der AfD steigen lassen. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Untersuchung von BuzzFeed News und dem Lehrstuhl für Political Data Science an der Hochschule für Politik München", schreibt Macus Engert bei buzzfeed.com und zitiert den Wahlforscher Simon Hegelich: "Hätten die Medien mehrere Wochen lang gar nicht über die AfD berichtet, wären die Umfragewerte unseren Berechnungen zufolge fünf Punkte niedriger. Wird viel über die AfD berichtet, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Umfragewerte steigen." Allerdings schränkt Hegelich dann auch gleich wieder ein: "Hätten die Medien einfach nicht mehr über die AfD berichtet, wären sie ihrem Auftrag sicherlich nicht nachgekommen. Vielmehr muss man sich fragen, wieso die Berichterstattung, obwohl sie ja meist negativ ist, einen positiven Effekt auf Leute hat."

Außerdem: Bei Spiegel online kritisiert die Medienjournalistin Ulrike Simon die leicht hysterische Debatte zwischen Zeitungen und Öffentlich-Rechtlichen. In der FAZ stellt Stephan Löwenstein das von Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz gesponsorte Internetmagazin Addendum vor.
Stichwörter: AfD, Addendum, Buzzfeed, Bundestagswahl

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.09.2017 - Medien

Dinah Riese sucht in der taz nach Gründen, warum Printmedien bei Facebook neuerdings schlechter ankommen. Es könnte unter anderem daran liegen, dass Facebook mit Youtube konkurrieren will: "'Facebook ist einer der größten Reichweitenbringer für Verlage', sagt ein Unternehmenssprecher. 'Wir sind für die Unternehmen unheimlich wichtig.' Das stimmt - und somit ist es ein Problem für die Verlage, wenn ihre Text- und Link-Posts auf der Seite wegen des stärker werdenden Trends zum Video nicht mehr so gut ankommen wie früher." Riese bezieht sich auf einen Artikel in Meedia, der wiederum auf amerikanische Quellen Bezug nahm.
Stichwörter: Facebook, Medienwandel

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.09.2017 - Medien

Im Gespräch mit Michael Hanfeld von der FAZ fordert Zeitungslobbyist Mathias Döpfner eine Ausdünnung der Öffentlichkeit im frei verfügbaren Netz: Die kostenlosen Angebote der Sender machten es den Zeitungen schwer, zahlbare Angebote im Netz zu etablieren (nur ein Drittel der Zeitungen täten das, behauptet er). Was Döpfner über den Einfluss der Sender auf die Politik sagt, ist nicht ganz von der Hand zu weisen: "Politiker sind, besonders auf Landesebene, sehr stark von ihrer Präsenz in den öffentlich-rechtlichen Programmen abhängig. Es gibt eine Interessenallianz, die dazu führt, dass kaum ein Politiker es wagt - schon gar nicht in Wahlkampfzeiten -, sich mit den Öffentlich-Rechtlichen anzulegen, weil man auf deren Wohlwollen angewiesen ist. Hinzu kommt die Verflechtung durch die Besetzung der Gremien der Rundfunkanstalten." Vor den Zeitungen haben die Politiker allerdings genauso Angst, wie das vermurkste Leistungsschutzrecht zeigt, das nur auf Wunsch der Zeitungen zustande kam!

Ebenfalls in der FAZ verteidigt Hermann Eicher, Justitiar des Südwestrundfunk, den Status quo.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.09.2017 - Medien

(Via turi2). Nur eine Verknappung der Information im kostenlos zugänglichen Netz, also eine Ausdünnung der Öffentlichkeit, kann Zeitungen noch retten, meint Jakob Augstein im Gespräch mit Profil und Horizont, denn "die Tageszeitungen müssen sich bald online finanzieren. Wenn ihnen das nicht gelingt, dann fehlt mir die Vorstellungskraft, wie sie überleben können.  Der Übergang vollzieht sich schleppend. Die kostenlosen Angebote sind noch zu gut. Und der Widerstand in den Printredaktionen ist immer noch viel zu groß. Es ist auch eine Generationenfrage. Es gibt zu viele Kollegen um die 50, die sich ausrechnen, dass ihr Arbeitgeber bis zu ihrer Rente noch durchhalten wird, und die sich darum gegen einen Wandel sperren. Das ist irgendwie ganz schön ­deprimierend."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.09.2017 - Medien

Mathias Döpfners Bockwurst ist eine Fake News. Sie kam in seiner Rede vor dem Zeitungsverlegerverband (unser Resümee) vor,  und illustrierte die These, dass westliche Gesellschaften Forderungen von extremistischen Muslimen nachgeben, etwa indem man im Stadtbad von Neuss keine Bockwurst mehr serviert. Das ist leider falsch, schreibt Stefan Niggemeier in den Uebermedien: "Journalisten von der Funke-Mediengruppe haben die Behauptungen nachrecherchiert - vorbildlich, wie Döpfner das fordert, sollte man denken. Sie stellten fest, dass niemand irgendetwas durchsetzte oder sich unterwarf. Es habe einfach nicht mehr genug Abnehmer für die Würstchen gegeben, sagte die Betreiberin, weil insgesamt kaum noch Leute ins Freibad kämen, und jeder vierte von denen, die noch kämen, Moslem sei." Und wir dachten immer: Fake News gibt es nur in sozialen Medien, und wir brauchen die Zeitungen, um sie zu korrigeren!

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.09.2017 - Medien

Die öffentlich-rechtlichen Anstalten konzedieren ihren Gebührenzahlern seit neuestem einige Rudimente von "Transparenz" - so wurden einige Gehälter höherer Funktionäre offengelegt. WDR-Intendant Tom Buhrow wehrte sich laut Spiegel online gegen Kritik an seinen knapp 400.000 Euro jährlich: "Man kann das immer weiter treiben mit dem Neid". Zugleich wurde  eine Studie (hier als pdf-Datei) des ehemaligen Verfassungsrichters Paul Kirchhof vorgestellt, der schon häufiger nach Argumenten für die Anstalten suchte und diesem Fall von einer allzu offenen Politik der Anstalten abrät: "So dürfe der Wettbewerb zwischen Rundfunkanstalten und privaten Unternehmen etwa um Programme und Rechte nicht dadurch verfälscht werden, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk zu durchgehender Transparenz verpflichtet würde."

Klaus Weise fordert in der Zeit mehr Platz für Kultur, die in den Nachrichtensendungen von ARD, ZDF und Co praktisch nie vorkomme: "Um sich diesen Luxus nachrichtlichen Verschweigens leisten zu können, gerade in Zeiten hedonistischer Individualisierung und der Trockenlegung metaphysischer Bedürfnisse, dazu bräuchten die Fernsehredaktionen eigentlich triftige Gründe. Doch die haben sie nicht. Immerhin hält die Kultur unsere Gesellschaft zusammen, verleiht ihr Identität oder verunsichert sie dort, wo es Verhärtungen gibt. Doch die Nachrichtensendungen in ARD und ZDF üben sich in Ignoranz."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.09.2017 - Medien

Mathias Döpfner hatte in seiner gestrigen Rede vor dem Verband der Zeitungsverleger die Politik um Hilfe gebeten, weil die Presse sonst nicht mehr als vierte Gewalt fungieren könne (unser Resümee). Nebenbei hat er die Öffentlich-Rechtlichen als "Staaatsfunk" bezeichnet, wofür ihm  Benno Stieber in der taz gleich AfD-Ähnlichkeit bescheinigt. Und im übrigen haben es die Sender im Netz sowieso nicht sehr weit gebracht, schreibt Stieber: "Selbst eine Studie von McKinsey konnte die Befürchtung, von den Internetangeboten der Öffentlich-Rechtlichen abgehängt zu werden, nicht stützen. Denn unter den Top-40-Angeboten im Netz sind in Deutschland 14 Webseiten von Verlagen, aber mit tagesschau.de und sportschau.de nur zwei Öffentlich-Rechtliche."

In der FAZ schildert Jürg Altwegg die Zeitungskrise in der Schweiz, für die er durchaus die Verlage mitverantwortlich macht: "Seit dem Jahr 2000 brach die Gesamtauflage der zwölf größten Tageszeitungen von 2,3 Millionen um eine Million ein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.09.2017 - Medien

Die Welt stellt ja nicht mehr so viel online. Aber dass die Rede des Springer-Verlegers und Vorsitzenden des Verbandes der Deutschen Zeitungsverleger Mathias Döpfner an die Öffentlichkeit kommt, die heute allein durchs Internet hergestellt wird, wurde sichergestellt! Döpfner macht eine lange Tour d'horizon durch die beklagenswerte Weltlage - Terrorismus, Künstliche Intelligenz -, um im letzten Drittel zum Eigentlichen zu kommen und an die Politik zu appellieren. Denn "Journalismus informiert, unterhält und bildet - und prägt damit letztlich den wahren Souverän der Demokratie: den mündigen Bürger. Nur dieser mündige Bürger und nicht etwa der bevormundete oder durch monopolistische Plattformen unmündig gemachte Bürger kann auf Basis von richtigen und relevanten Informationen und Erkenntnissen richtig entscheiden, was er will. Auf dass die von ihm gewählten Politiker dann die Weichen richtig stellen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.09.2017 - Medien

(Via turi2). Google wirbt weiter um das Wohlwollen der Zeitungsverlage. Nun will der Konzern den Verlagen helfen, Bezahlinhalte zu verkaufen - die Daten der Nutzer will Google dafür an die Verlage weiterreichen, berichtet Jan Hauser auf den Wirtschaftsseiten der FAZ: "Google (will) mit seinen Daten Verlagen ermöglichen, die Zahlungsbereitschaft der Nutzer zu erfahren und den Bestellvorgang zu erleichtern. Wenn der Internetkonzern Informationen über den Nutzer wie die E-Mail-Adresse oder die Kreditkarte etwa durch ein Google-Konto kennt, sollen auch Verlage dies nutzen können. Dann müssten interessierte Nutzer weniger Daten eingeben und würden den Bezahlvorgang schneller abschließen."

(Via dwdl.de) Günther Oettinger, ehemaliger Digitalkommissar der EU (und jetzt für Finanzen zuständig) setzt sich im Interview mit Markus Grabitz von der Stuttgarter Zeitung weiter für die von ihm ersonnene europäische Linksteuer für Aggregatoren ein, die die Zeitungen schützen soll:  "Diese Plattformen verdienen auch damit gutes Geld, dass sie Artikel der Online-Ausgaben von Zeitungen in einem Anreißer zusammenfassen. Sie selbst investieren allerdings wenig in die Qualitätssicherung der Medien, in die Ausbildung von Journalisten und in Vollzeitarbeitsplätze. Hier gibt es große Mitnahmeeffekte. Daher setze ich mich dafür ein, dass Verleger und auch die Journalisten einen Teil des Werbeaufkommens von den sozialen Medien erhalten sollten." Außerdem will Oettinger das "geistige Eigentum" stärken und schlägt sich im Territorialstreit zwischen Zeitungen und Öffentlich-Rechtlichen, die beide das Internet für sich beanspruchen, auf die Seite der Zeitungen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.09.2017 - Medien

Indien war schon immer ein gefährliches Land für Journalisten, doch mehrere Morde in kurzer Zeit haben eine neue Lage heraufbeschworen, schreibt Mukul Kesavan in der NYR Daily. Gauri Lankesh, Narendra Dabholkar, Govind Pansare und M.M. Kalburgi seien nicht ermordet worden, weil sie eine unbequeme Wahrheit aussprechen wollten, sondern weil sie sich gegen die Hindu-Orthodoxie ausgesprochen haben: "Diese Morde scheinen keine instrumentelle Taten gewesen zu sein, um bestimmte Enthüllungen zu verhindern. Es geht nicht nur darum, was die Morde die freie Meinung und den Journalismus bedeuten, sie nur als eine extreme Form der Zensur zu betrachten, hieße, das Ausmaß der Verbrechen zu unterschätzen. Diese Morde waren ideologische Vollstreckungen und mit ihnen sollte politische Abweichung bestraft werden."