9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.07.2019 - Religion

Es hatte ja (kaum fruchtende) Proteste gegen die Besetzung eines islam-theologischen Instituts an der Humboldt-Uni gegeben (unsere Resümees). Unter anderem hatten sich Schwulenverbände wegen der Homophobie der beteiligten Islamverbände beschwert. Aber beim Institut für Katholische Theologie an der HU ist es eigentlich nicht so viel anders, schreibt Stefan Hunglinger in der taz. Auch dort unterliegen die von jedem (und nicht nur Kirchenmitglieder) bezahlten Stellen dem kirchlichen Lehr- und Arbeitsrecht: "Konkret bedeutet das, dass weder offen Homo- oder Intersexuelle, noch wiederverheiratete Geschiedene oder trans*Personen die gut dotierten staatlichen Stellen bekommen können. Denn der Berliner Erzbischof Heiner Koch und die päpstliche Bildungskongregation müssen sowohl der Arbeit als auch dem Lebensstil von Lehrstuhl-Kandidat*innen zustimmen, bevor diese von der HU berufen werden können. In Folge einer zweiten Heirat oder anderer Verfehlungen gegen die römische Lehre können bereits ernannte Professor*innen ihre Posten auch wieder verlieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.07.2019 - Religion

"Der Papst und die Bischöfe vollzögen keinen Paradigmenwechsel und keinen Bruch mit der kirchlichen Tradition, wenn sie sich für die Weihe verheirateter Männer zu Priestern aussprechen", hatte der Kirchenhistoriker Hubert Wolf letzte Woche in der FAZ geschrieben. Darauf antwortet heute Kardinal Walter Brandmüller mit einer vehementen Verteidigung des Zölibats, jener Institution, die laut dem Kriminologen Christian Pfeiffer neulich in der Zeit eine der Hauptursachen für den Missbrauchsskandale in der Katholischen Kirche ist (Unser Resümee). Brandmüllers Argument: "Der Priester, der am Altar das Opfer Christi feiert, tut dies 'in Persona Christi' und kraft des Weihesakraments, das er durch Handauflegung des Bischofs empfangen hat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.07.2019 - Religion

Die Zahl der Kirchenaustritte steigt und steigt. Die Zeitungen bringen nur Ticker, hier etwa die Welt:  "216.000 Menschen haben 2018 die katholische Kirche verlassen. Bei den Protestanten traten 220.000 Menschen aus der Kirche aus, 23.000 mehr als 2017." Insgesamt gibt es noch 23 Millionen Katholiken und 21 Millionen Protestanten. Aber ein Trost bleibt für die Kirchen: "Durch die positive Entwicklung der Löhne und Einkommen sei das Kirchensteueraufkommen 2018 trotz des Rückgangs leicht auf 5,79 Milliarden Euro gestiegen", meldet die Evangelische Kirche. Und bei den Katholiken dürfte die Summe noch etwas höher liegen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.07.2019 - Religion

Das Land Baden-Württemberg backt sich seine muslimische Kirche jetzt selbst. Der deutschen Politik fehlt bekanntlich ein Gegenüber, um Religionsunterricht, vom Staat bezahlt, von den Religionsgemeinschaften ausgerichtet, auch für Muslime anzubieten. Mit den umstrittenen Islamverbänden, die häufig von der Türkei, Saudi Arabien oder dem Iran gesteuert sind, will die grün-schwarze Stuttgarter Landesregierung unter Winfried Kretschmann nicht zusammenarbeiten, berichtet Rüdiger Soldt in der FAZ: "Deshalb hat die grün-schwarze Landesregierung anderthalb Jahre an dem Modell einer Stiftung öffentlichen Rechts gearbeitet, das den islamischen Religionsunterricht in den nächsten Jahren organisatorisch absichern soll. Das Vorhaben geht auch auf die Initiative Kretschmanns zurück, der als katholischer Christ an religiösen und staatskirchenrechtlichen Fragen ein großes Interesse hat."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.07.2019 - Religion

Rudolf Neumaier ahnt in der SZ schon, wie obskurante Kräfte das Buch des Münsteraner Theologen Hubert Wolf attackieren werden, der 16 Thesen gegen den Zölibat zusammengetragen hat und keinen theologisch haltbaren Grund sieht, warum die Kirche daran festhalten soll: "Zu den rührendsten Rechtfertigungen gehörte der Wunsch von Papst Pius X., dass Priester durch den Glanz ihrer heiligen Keuschheit 'den Engeln ähnlich' werden sollen. Dies beschere ihnen die Hochachtung der Gläubigen und verleihe ihnen 'übernatürliche Segenskraft'. Segenskraft durch Verzicht auf Sex? Zweifellos konnten sich schon im Jahr 1908, als Pius' Lehrschreiben erschien, nur noch die ergebensten unter den Kirchentreuen vorstellen, dass die Enthaltsamkeit flächendeckend praktiziert wurde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.07.2019 - Religion

"Die Deutschen sind tolerant - nur nicht gegenüber dem Islam", titelt der Tagesspiegel. Die Erkenntnis bezieht er aus einem Agenturticker zu einem "Religionsmonitor", den die Bertelsmann-Stiftung vorgestellt hat. Etwa die Hälfte der Bevölkerung nimmt demnach den Islam als Bedrohung wahr: "Offenbar würden viele Menschen den Islam derzeit weniger als Religion, sondern vor allem als politische Ideologie ansehen, erklärte die Religionsexpertin der Stiftung, Yasemin El-Menouar. Auch durch die gesellschaftlichen Debatten und Medienberichte der vergangenen Jahre sei der Islam häufig in einen negativen und kritischen Kontext gerückt worden." Dann wäre noch zu fragen, warum eigentlich über den Islam debattiert wird und ob die Meinungen der Bevölkerung generell von Medien gesteuert sind?

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.07.2019 - Religion

Eine Journalistin von Correctiv hat Klage gegen die Katholische Kirche eingelegt, um Auskunft über die Verwendung von Kirchensteuern zu bekommen. Da es sich um eine Steuer handelt, so die Journalistin, müsse die gleiche Transparenz gelten wie bei anderen Steuern. Das Gericht gab der Kirche recht, da sie keine Behörde sei - ließ aber Berufung in höheren Instanzen zu. Der "Koordinierungsrat säkularer Organisationen" (Korso e.V.) begrüßt dies bei hpd.de: "In der Tat muss sich die katholische Kirche die Frage gefallen lassen, wie sie es rechtfertigt, sich das Beste aus beiden Welten herauszupicken ohne die entsprechende Verantwortung zu übernehmen. Erst staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen und sich auf diese Weise staatliche Autorität zu verschaffen und sich dann, nachdem die staatlichen Behörden ihren Zweck erfüllt haben, auf die Privilegien ihrer speziellen Rechtsform zurückzuziehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.07.2019 - Religion

Im Iran wird der Sufismus immer beliebter: Er bietet eine Möglichkeit, seine Religion auszuleben, ohne mit dem Regime gemeinsame Sache zu machen. Den herrschenden orthodoxen Klerikern im Land passt das überhaupt nicht, berichtet Elisabeth Kiderlen in der SZ: "Immer wieder wurden in den letzten Jahren Gebets- und Versammlungsorte der Sufis geschlossen, manchmal, wie in den Städten Ghom und Isfahan, auch mit Bulldozern planiert. Sie wurden geschlagen und ins Gefängnis geworfen. Ihre Beliebtheit löst bei der Geistlichkeit Konkurrenzängste aus, denn sie trifft die Religionsgelehrten auf ihrem ureigenen Terrain. Allein durch ihr Dasein unterlaufen die Sufis die enge Verbindung von Politik und Religion."
Stichwörter: Iran, Sufismus

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.07.2019 - Religion

Friederike Haupt, eine bekennende Nicht-Muslimin, hat für die FAS mal ein paar Tage mit der "Euro Fatwa App" gelebt, die von einer den Muslimbrüdern nahestehenden Organisation herausgegeben wird. Die App gibt Rat in allen Lebenslagen. Zum Beispiel bejaht eine Fatwa das Recht der Frauen auf Fahrradfahren: "Die zweite Hälfte des Textes handelt von der Wahrscheinlichkeit, dass jungen Mädchen beim Radfahren das Jungfernhäutchen reißt. Passiere dies, könnten Leute 'schlecht von ihnen denken' oder sie später einer Sache 'beschuldigen', obwohl die Mädchen unschuldig seien. Also jungfräulich. Ich stelle mir vor, was Fünftklässlerinnen denken, wenn sie diese Fatwas lesen. Die App wurde in den sozialen Netzwerken beworben, Tausende haben sie schon runtergeladen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.06.2019 - Religion

In Dortmund wird der evangelische Kirchentag gefeiert. Die Stadt subventioniert das Ereignis mit knapp drei Milionen Euro, berichtet Daniela Wakonigg bei hpd.de. Begründet wird das mit positiven wirtschaftlichen Folgen des Ereignisses. Doch "mit dem städtischen Zuschuss ist der öffentliche Geldsegen für den Kirchentagsveranstalter noch lange nicht zu Ende. Auch vom Land NRW fließen einige Millionen in das christliche Sommerfest. Bereits im März 2015 hatte die damalige rot-grüne Landesregierung unter der zum Protestantismus konvertierten Ministerpräsidentin Hannelore Kraft dem Event 3,5 Millionen Euro aus Landesmitteln zugesagt. Ohne jegliche öffentliche Diskussion im Landtag. Aus den 3,5 Millionen wurden unter der aktuellen schwarz-gelben Regierung von NRW im Dezember 2018 zunächst 3,9 Millionen Euro und im März 2019 schließlich 4,5 Millionen Euro. Auf der Webseite des Evangelischen Kirchentags ist die zusätzliche Million aus Landesmitteln übrigens nicht erwähnt." Vom Bund kommt dann auch noch eine halbe Million.