9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.09.2014 - Religion

Einer der bekanntesten französischen Literaturpreise neben dem Goncourt ist der Prix Fémina, dessen Jury ausschließlich aus Frauen besteht. Diese Jury tagte bisher in den konfortablen Räumen des Pariser Hotels Meurice. Nun hat die Jury beschlossen, einen anderen Ort zu wählen, da das Meurice dem Sultan von Brunei gehört, der in seinem Land die Scharia wieder einführt, berichtet Alain Beuve-Méry in Le Monde: "Die Dorchester Collection, die dem Sultanat von Brunei gehört, umfasst zehn Luxushotels, darunter das Plaza Athénée und das Meurice in Paris, das Dorchester in London und das Beverly Hills Hotel in Los Angeles. In Kalifornien haben bereits mehrere Frauenrechtsorganisationen und Künstler dazu aufgerufen, die Häiuser nicht mehr zu frequentieren, solange die Behörden des Landes die Anwendung des islamischen Rechts nicht revidieren, die unter anderem Auspeitschung für Frauen vorsieht, die abgetrieben haben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.09.2014 - Religion

Einige junge Iraner haben vor einem Jahr ein Video veröffentlicht, in dem sie nach Pharell Williams" Hit "Happy" tanzen. Dafür sind sie zu sechs Monanten Gefängnis und 91 Peitschenhieben verurteilt worden. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, berichtet Fleur Burlet in den Inrockuptibles. "Im Laufe ihrer Untersuchungsdhaft mussten die Jugendlichen sich auf Weisung des iranischen Polizeichefs in einem nationalen TV-Sender entschuldigen, dass sie einen "so vulgären Clip, der die öffentliche Keuschheit verletzt", ausgestrahlt haben."

Stichwörter: Iran

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.09.2014 - Religion

Katajun Amirpur, Professorin für Islamische Theologie, ist in der taz empört darüber, dass Distanzierungen von islamistischer Gewalt, wenn sie von Muslimen kommen, nicht zur Kenntnis genommen werden: "Mich ärgert jedoch nicht nur, wie wenig diese Distanzierungen wahrgenommen werden. Mich ärgert auch die allgemeine Ignoranz. Denn es sind doch Muslime, die versuchen, dem sogenannten Islamischen Staat das Handwerk zu legen. Wieso glaubt man, deutsche Muslime seien den Muslimen näher, die Jesiden und Christen verfolgen, statt denen, die ihnen zu Hilfe eilen und ihnen Unterschlupf gewähren?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.09.2014 - Religion

In Antwort -auf Martin Rhonheimer Essay "Töten im Namen Allahs" (hier unser Resümee) skizziert Necla Kelek die Unterschiede zwischen Christentum und Islam, die es für sie unmöglich machen, die beiden Religionen gleichzusetzen: "Die Christen haben sich seit dem ersten Konzil in Nizäa im Jahr 325, also schon dreihundert Jahre vor Mohammeds Auftreten, organisiert und institutionell um ihr Glaubensbekenntnis gestritten und führen diesen Diskurs um ihren Glauben bis heute fort. Das war und ist von Rückschritten und Fehlurteilen begleitet, führt aber dazu, dass die christlichen Kirchen in der Lage sind, ihre Lehren den Gegebenheiten anzupassen. Die islamische Lehre hat sich solcher Erneuerung verweigert.

Der Soziologe Wolfgang Sofsky weigert sich in seinem Blog, die als religiöse Snuff Videos inszenierten Morde des "Islamischen Staats" als symbolische Taten anzusehen: "Die Taten der Halsdurchschneider sind weder Provokationen noch kriegerische Akte oder gar religiöse Bekenntnisse. Sie sind Zerstörung, Vernichtung, nichts sonst. Die Halsdurchschneider tun nur so, als seien sie Henker, die mit dem Richtschwert die Strafe eines Gerichts vollstrecken. Sie sind keine Henker, und ihre Morde sind keine Hinrichtungen. Es sind Akte der Destruktion ohne Hintersinn."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.09.2014 - Religion



Information is Beautiful. Eine Grafik gengt, um sich die verschiedenen Spielarten des Islam zu merken. Dank David McCandless müssen Sie nie wieder fragen, was der Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten ist, wo die Ismaeliten beheimatet sind und wie hoch der Anteil der Salafisten im Nahen Osten ist.
Stichwörter: Salafisten, Sunniten, Schiiten, Grafik

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.09.2014 - Religion

Wenn die Meldung aus Spiegel Online stimmt (in Australien wurden Anhänger des Islamischen Staats festgenommen, die auf der Straße Exekutionen planten), dann sollte man Hamed Abdel-Samads Warnung in der heutigen Zeit ernst nehmen: Die religösen Obszönitäten des "Islamischen Staats" haben Modellcharakter. "Mit den militärischen und medialen Erfolgen des Kalifats geraten Gruppen wie Al-Qaida unter Zugzwang. Islamisten in Algerien und Pakistan lösen sich von Al-Qaida und bekennen sich zum IS. Al-Qaida kündigte die Gründung einer neuen Gruppe in Indien an."

Auch Paul Berman schreibt auf der heute eher säkular orientierten Glauben und Zweifeln-Seite der Zeit. Ihn schreckt vor allem die Unbekümmertheit westlicher Intellektueller beim Thema Islamismus, den er als "dritten großen Totalitarismus" sieht: "Er folgt auf den stalinistischen Kommunismus und den Faschismus mit seinem Traum von der Wiedererrichtung des Römischen Reichs. Wie ihre totalitären Vorbilder in Europa betreiben Islamisten einen öffentlichen Kult des Todes."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.09.2014 - Religion

Uwe Justus Wenzel liest für die NZZ Martha Nussbaums Verteidigung des Rechts, Burka zu tragen. Sie weist alle Argumente gegen diesen Ausdruck von Freiheit mühelos vom Tisch, meint er, bis auf eins: "Es besagt, die Sichtbarkeit des Gesichts sei grundlegend für den sozialen Austausch und damit auch für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Dieses Bedenken kann Nussbaum nicht ganz so überzeugend entkräften. Sie weist unter anderem auf Träger von Sonnenbrillen (zumal verspiegelten) im Straßenbild hin - und vergisst dabei die Mimik, die zwischenmenschliche Kommunikation zu einem erheblichen Teil ausmacht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.09.2014 - Religion

Ayaan Hirsi Ali sollte gestern Abend in Yale reden - falls sie es geschafft hat, sich über den Widerstand der Yale"s Muslim Students Association (MSA) hinwegzusetzen, über den Christine Emba in The Criterion berichtet: "The group has asked for Hirsi Ali"s invitation to be rescinded, for her to be prohibited from speaking about Islam, or for the addition of a second speaker with more credentials to provide a "more balanced" talk. Last week, representatives from thirty-five campus groups and organizations signed a letter drafted by the MSA expressing concern over the event. In the days since, several organizations have withdrawn their signatures, claiming that they never gave full support."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.09.2014 - Religion

Claudia Mende berichtet in der NZZ vom Kongress "Horizonte islamischer Theologie" in Frankfurt, der im Schatten des islamistischen Terrors stand.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.09.2014 - Religion

Nix zu machen. Der Islam ist kriegerisch, und man muss es aussprechen, schreibt Leon de Winter in der Welt: Zwar ist es "eine unbestrittene Tatsache, dass die meisten Muslime auf der Welt friedlich sind, während eine winzige Minderheit von einigen Tausend jungen Leuten nach Syrien reist, um der Welt den Lebensstil Arabiens im siebten Jahrhundert aufzuzwingen. Und die weltweit 1,3 Milliarden Muslime bleiben zu Hause. Sie verharren verwirrt, zweifelnd, schweigend - sie gehen nicht auf die Straße, um gegen die islamischen Mörder des IS zu protestieren. Sie bleiben zu Hause, weil sie wissen, dass diese Mörder die Regeln des Propheten wörtlich nehmen - und sie selbst nicht."

Özlem Topcu fordert in der Zeit die Muslime auf, nicht zum Terror religiöser Fanatiker zu schweigen: "Warum fällt es so leicht, für ein totes Kind in Gaza zu Tausenden auf die Straße zu gehen - und so schwer, dasselbe für ein jesidisches oder christliches Kind zu tun? Geht nicht beides? ... Warum sind wir nicht erschüttert?"
Stichwörter: Islam, Islamismus, Winter, Leon de