9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

835 Presseschau-Absätze - Seite 81 von 84

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.08.2014 - Religion

In der FR gratuliert Joachim Frank dem Kirchenhistoriker Arnold Angenendt zum 80. Geburtstag.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.08.2014 - Religion

Religion, warnt der protestantische Theologe Friedrich Wilhelm Graf auf einer ganzen Seite in der FAZ, ist "nicht als solche gut", vielmehr habe Gewalt "ihren Ursprung im Zentrum religiösen Glaubens". Das bringe die Fixierung auf einen allmächtigen Gott und eine kosmische Ordnung mit sich: "Denn wenn die gegebene, durch diffuse Vieldeutigkeit, Widersprüche und bleibendes Elend geprägte Welt als eine verderbte Gegenwelt zur wahren, gottgewollten Ordnung erlitten wird, entsteht für die Schöpfungsfrommen der Zwang, die Welt, so wie sie leider ist, auf die ideale und ursprüngliche Ordnung Gottes hin zu überwinden. Gewaltbereitschaft für Gott, genauer: für den je eigenen Gott, ist der Versuch, die erlittene kognitive Dissonanz zwischen den bösen, sündhaften Verhältnissen und der geglaubten Gottesordnung durch kämpferisches Glaubenszeugnis zu überwinden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.08.2014 - Religion

Die Bundestagsabgeordnete Cemile Giousouf (CDU) erhofft sich im Gespräch mit Swantje Karich in der FAZ einen milderen Islam durch deutsche Universitäten: "Deutschland ist eines der wenigen Länder in Europa, in denen islamische Theologie an Hochschulen gelehrt wird. Damit können hier zum Beispiel die Weichen für die islamische Koranexegese, also die Auslegung des Islams in Europa, gestellt werden." Im Gespräch äußert sie sich sehr kritisch zu Tayyip Erdogans politischer Radikalisierung. 

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.07.2014 - Religion

Wer angesichts der Christenverfolgung durch die grandguignoleske Isis-Truppe ausruft "Das ist nicht der wahre Islam", liegt nicht ganz richtig, schreibt Hamed Abdel-Samad in der Zeit: "Wirklich nicht? Aber was ist der wahre Islam? Isis besteht aus höchstens 20.000 Kämpfern, die auf Syrien und den Irak verteilt sind. Allein in Mossul leben rund zwei Millionen Muslime, viele davon sind bewaffnet. Warum finden sich unter ihnen keine "wahren" Muslime, die ihren christlichen Mitbürgern zu Hilfe eilen? Oder taucht der "wahre" Islam immer nur auf, um den Islam zu verteidigen." Im Nahost-Schwerpunkt auf den vorderen Seiten der Zeit warnt der Religionspädagoge Mouhanad Khorchide vor antisemitischen Auslegungen des Korans.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.07.2014 - Religion

Was Propaganda und was Realität ist, sei hinsichtlich der Zerstörungswut der radikal wahhabistischen Jihadisten des Isis nicht immer klar erkenntlich, meint Joseph Croitoru in der NZZ. Sicher ist, dass die "Vergehen an Kulturdekmälern" im Irak nicht nur Schiiten und Sufisten in Aufruhr versetzen, sondern über die Landesgrenze hinaus alarmieren."Nicht nur im Irak, wo zahlreiche Anhänger des Sufismus leben, ist die Entrüstung über den barbarischen Zerstörungsakt in Muhallabiya groß. Auch in Kairo... sorgte die Nachricht beim dortigen Rifai-Orden für Entsetzen. Hier ist man sich schon seit längerem der Gefahr bewusst, die vom salafistisch-wahhabitischen Lager für die sufistische Auslegung des islamischen Glaubens ausgeht."
Stichwörter: Irak, Isis, Sufismus, Schiiten

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.07.2014 - Religion

Einen wichtigen und selten thematisierten Aspekt in der Kopftuch- und Burka-Debatte spricht Susan Vahabzadeh in der SZ an: Viele verteidigen das Recht muslimischer Frauen auf Totalvermummung. Aber in ihr stecke ein Vorwurf und eine Behauptung moralischer Überlegenheit gegenüber westlichen Frauen. Darum sei auch "das Recht westlicher Frauen zu verteidigen, nicht in die Defensive zu geraten": "Es gibt durchaus Argumente gegen den Nikab, den Vollschleier mit Augenschlitz und die Burka, wo auch die Augen noch hinter Gittern verschwinden, die weder fremdenfeindlich sind noch intolerant, sondern so gemäßigt feministisch, dass sie auch für weite Teile der islamischen Welt gelten."

Wieso der Entscheid des Europäischen Gerichtshof zum Burka-Verbot in Frankreich mehr als kontraproduktiv und obendrein ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft ist, erklärt Khola Maryam Hübsch in der Welt. "Denjenigen Frauen, die dazu gezwungen werden, eine Burka zu tragen, sind nun vermutlich die letzten Chancen auf ein Ausbrechen durch Kontakt mit der Außenwelt genommen. Wem nützt also ein Burka-Verbot? Ist eine pluralistische, liberale Gesellschaft nicht in der Lage die wenigen Grenzfälle auszuhalten, die am Rande auftauchen?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.07.2014 - Religion

In der SZ ermuntert Stefan Weidner alle Muslime, die Beschreibung des Kalifats im Koran als theoretische Grundlage für eine Demokratisierung der arabischen Welt zu nehmen: "Der Koran sagt im einhundertfünfundsechzigsten Vers der sechsten Sure ebenso wie in einigen weiteren, ähnlichen: "Er (Gott) ist es, der Euch (Menschen) zu Nachfolgern (Kalifen) auf Erden machte." Womöglich liegt darin die Keimzelle für eine islamische Begründung der Demokratie. Ob wir wollen oder nicht: Laut Koran sind wir alle Kalifen!"
Stichwörter: Weidner, Stefan, Kalifat

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.07.2014 - Religion

Von einem "fundamentalistischen Bildersturm" des Isis informiert Joseph Croitoru in der NZZ: Vor nichts würde sie halt machen - Ikonen, Statuen und Moscheen - und der Feldzug sei noch lange nicht beendet. "Die Befürchtungen werden nun zusätzlich genährt durch die jüngst kursierende Meldung, die Isis-Banden hätten den Imam der Jona-Moschee, in welcher der Prophet Jona begraben liegt, ermordet. Die Tatsache, dass es sich um ein islamisches Gotteshaus handelt, schützt den Ort keineswegs vor dem Zerstörungswahn der Extremisten. Erst kürzlich hatte der Isis eine prächtige Moscheeanlage im syrischen Raqqa durch Sprengung zerstört und damit in der islamischen Welt helles Entsetzen ausgelöst."

In der FAZ erklärt Wolfgang Günter Lerch (jetzt online), was es mit dem Kalifat auf sich hat, das die Isis verkündet: "Die endgültige Zerschlagung des Osmanischen Reiches zwischen 1922 und 1924 nach dem Ersten Weltkrieg - obwohl dieses Imperium für die muslimischen Araber auch vierhundert Jahre der Fremdherrschaft bedeutet hatte - ist in den Augen vieler Islamisten von heute das Urverbrechen gegen den Geist des Islams gewesen, wie sie ihn interpretieren. Das in Europa entstandene Konzept unabhängiger Nationalstaaten, das sich auf die Volkssouveränität gründet, gilt ihnen als Götzendienst, denn nun werde die Nation anstelle Gottes angebetet und zum höchsten Wert erklärt."

Skandalös findet in der Welt Alan Posener die Begründung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte für das Burkaverbot: "Das Entscheidende an den Menschenrechten bleibt außen vor: dass sie gelten, auch und gerade wenn deren Wahrnehmung die Mehrheit vor den Kopf stößt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.07.2014 - Religion

Hamed Abdel-Samad erklärt im Interview mit der Zeit, welchen Hintergrund die Isis hat und warum wir nicht zwischen einem richtigen und falschen Islam unterscheiden sollten: "Al-Kaida, Boko Haram, IS, die Muslimbrüder, die Mullahs und auch Erdoğan. Wer hat den Islam denn richtig verstanden? Ein paar taz-Redakteure? ... Außerdem gibt es muslimische Intellektuelle, die ein gutes Bild vom Islam abgeben wollen. Navid Kermani wurde mal gefragt, was der Sinn des Lebens für ihn sei, und er hat geantwortet: Gott zu dienen. Angesichts der Katastrophen, die wir erleben, wünsche ich mir dringend intelligente Muslime, die das Kind beim Namen nennen. Denn wir steuern auf eine fundamentalistische Katastrophe zu. Also, lieber Navid Kermani, helfen Sie uns - statt in die Poesie zu flüchten!"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.07.2014 - Religion

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat das französische Gesetz gegen die Burka nicht verurteilt. Franck Johannes erläutert in Le Monde: "Die große Kammer des Gerichts sieht zwar, dass das französische Gesetz vom 11. Oktober 2010, das die Totalverschleierung an öffentlichen Orten untersagt, eine "dauerhafte Einmischung" in das Recht auf Privatleben und die Religionsfreiheit darstelle. Aber sie findet, dass diese Einmischung zwei legitime, in der Verfassung festgeschriebene Ziele hat: die "öffentliche Sicherheit" und der "Schutz der Rechte und der Freiheit anderer"."

In vielen angelsächsischen Medien sorgt die Entscheidung für Unverständnis. Louise Roug schreibt in Mashable: "Bitte kämpfen Sie nicht gegen dieses Recht in meinem Namen. Ich verschleiere mein Gesicht nicht, aber ich finde, ich sollte das Recht haben, wenn ich es wollte, vor allem in dem so freiheitsliebenden Frankreich, dem Land, das uns Voltaire schenkte."

In der Welt begrüßt Richard Herzinger die Entscheidung ohne Wenn und Aber: "Menschenrechte schützen den Einzelnen nicht nur vor der Willkür des Staates, sondern auch übermächtiger religiöser oder "kultureller" Kollektive. Diese Prinzipien wollen islamische Ideologen systematisch verwirren. Deshalb geben sie die Vollverschleierung, die zur Stigmatisierung und Ausgrenzung der Frau aus dem öffentlichen Raum ersonnen wurde, als Angelegenheit der "Privatsphäre" aus. Die Unterwerfung unter religiös verfügte Unterdrückungspraktiken soll so als Ausdruck freier Entscheidung erscheinen."