"Die Coronakrise ist mit Sicherheit
keine existentielle Bedrohung für die Menschheit", sagt der israelische Historiker
Yuval Noah Harari in der
SZ im Gespräch mit Thorsten Schmitz. Menschen hätten in den vergangenen Jahrhundert weit schlimmere Pandemien erlebt, meint er. Er befürwortet
Corona-
Apps, aber "unabdingbar ist, dass man weder dem Militär noch der Polizei eines
Staates die Hoheit überlässt für solch ein
Überwachungssystem. Das muss eine unabhängige Gesundheitsorganisation sein, deren einziger Fokus es sein muss, Epidemien zu verhindern, und die die gesammelten Informationen mit niemand anderem teilen darf. Auch enorm wichtig: Wenn man die Überwachung von Bürgern erhöht, muss man gleichzeitig die
Regierung im selben zunehmenden Ausmaß
überwachen."
Im
Zeit-Online-
Interview mit Dirk Peitz spricht der britische Journalist und Autor
Peter Pomerantsev über die Verbreitung von
Fake-
News in der Coronakrise und die Krise des Informationszeitalters. Er fordert neben einer öffentliche
Aufsicht für Algorithmen auch allgemeine
Algorithmenbildung: "Wir können jedenfalls alle kaum nachvollziehen, wie die Informationsumgebungen gestaltet sind, aus denen wir Inhalte beziehen. Dieser Zustand an sich ist eine Form von
unsichtbarer Zensur. Um überhaupt kritikfähig zu werden gegenüber dem, was wir da sehen und lesen, müssen wir verstehen, warum es uns in unsere Feeds hineinläuft. Mehr noch als ein Verständnis für die Verbreitung von Informationen braucht es ein
radikal transparenteres Netz als das, mit dem wir es immer noch zu tun haben. Dafür bedürfte es den politischen Willen, das, was etwa Facebook und Google als ihr Geschäftsgeheimnis behandeln, ihr Algorithmendesign, zu brechen."
Es wäre "
riskant und töricht", eine
Corona-
App zur Voraussetzung für Lockerungen der Kontaktbeschränkung zu machen,
warnt der Informatiker Henning Tillmann auf
Zeit Online: "Denn wie unter
Laborbedingungen bewegen wir uns im Alltag kaum. Es kommt also darauf an: Ist das Smartphone in der Hand? Wie liegt es in der Hand, sprich: Wird dadurch die Signalstärke verringert? Liegt es auf einem Tisch? Oder ist es in einer Handtasche zwischen einer Metallbox, dem Taschenspiegel und weiteren Gegenständen? Gegenstände oder auch Körperteile in unmittelbarer Nähe können die Sende- und Empfangsleistung beeinträchtigen. Wird das Gerät in Räumen oder im Freien benutzt? Ist zwischen zwei Personen eine dünne Plexiglasscheibe? Eine Corona-App erkennt
nur die Signalstärke zwischen zwei Geräten - nicht, wie und wo sie zustande kommt."