Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.07.2023 - Film

"Wenn Du Barbie hasst, ist dieser Film für Dich" - Werbezeile im Trailer zu Greta Gerwigs "Barbie" mit Margot Robbie und Ryan Gosling

Claire Beermann spricht im ZeitMagazin ausführlich mit der Filmemacherin und Schauspielerin Greta Gerwig, die mit auf Festivals gefeierten Low-Budget-Indiefilmen über eigensinnige Frauen bekannt wurde und jetzt den "Barbie"-Blockbuster mit Margot Robbie und Ryan Gosling in die Kinos bringt. Ein Bruch im Werk? Eher nicht, sagt Gerwig: "Für mich steckt in Barbies Reise eine sehr alte, spirituelle Geschichte. Sie beginnt an einem Ort, in einem Zustand, der kein Altern kennt, keinen Tod, keinen Schmerz, keine Selbstreflexion. Und plötzlich wird sie sich all dieser Dinge bewusst. Barbie wird aus dem Paradies vertrieben. Wir kennen diese Geschichte, sie kommt in vielen Religionen vor: Wie geht man von einem Zustand, der perfekt erscheint, ins Menschsein über? Alle Filme, die ich geschrieben und gedreht habe, basieren auf solchen alten Erzählungen. ... Ursprünglich sollte ich nur das Drehbuch schreiben, ich habe dafür Noah (Baumbach) als Co-Autor reingeholt. Als ich während des Schreibens merkte, dass es wirklich gut wird, wollte ich es nicht mehr aus der Hand geben. Ich bin eine persönliche Filmemacherin. Ich musste keinen Barbie-Film machen. Ich wollte diesen Barbie-Film machen."

Außerdem: Disney zieht massenhaft Eigenproduktionen aus seinem Streamingportal ab, darunter auch aktuelle Serien und Filme, aber auch ein paar Klassiker, meldet Ingo Pakalski auf Golem: Auch eine Serie, die in diesem Monat als Premiere angekündigt war, ist darunter. "Die Titel werden nicht als DVD oder Blu-ray veröffentlicht und auch nirgends zum Digitalkauf angeboten." Dietrich Leder denkt im Filmdienst über den Boom dokumentarischer Sportserien nach. Axel Timo Purr fasst für Artechock den Schwerpunkt Neues Deutsches Kino des Filmfests München zusammen. Dunja Bialas resümiert für Artechock die Vergabe der Starter-Filmpreise beim Filmfest München. Und Christel Strobel sah für Artechock neue Kinderfilme beim Filmfest München. In der SZ bringt Tobias Kniebe Updates zur juristischen Auseinandersetzung zwischen Til Schweiger und Drehbuchautorin Anika Decker, die von Schweiger eine höhere Gewinnbeteiligung an seinen Erfolgsfilmen fordert.

Besprochen werden François Ozons "Mein fabelhaftes Verbrechen" mit Isabelle Huppert (Artechock, Welt, unsere Kritik hier), Pietro Marcellos "Die Purpursegel" (Artechock, unsere Kritik), Christopher Quarries neuer "Mission Impossible"-Film mit Tom Cruise (Filmdienst), die neue Staffel der SF-Serie "Black Mirror" (Presse), Dieter Berners "Alma & Oskar" (Artechock), James C. Strouses "Love Again" (Tsp) und die auf Amazon gezeigte Mockumentary-Serie "Jury Duty" (Jungle World).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.07.2023 - Film

In den Trümmern neues Leben aufbauen: "Unser Fluss... unser Himmel" (Barnsteiner Film)

Die Exil-Regisseurin Maysoon Pachachi wirft mit ihrem Film "Unser Fluss... unser Himmel" einen Blick zurück auf die Gewalt in Bagdad in den Nullerjahren.. Es geht ihr nicht so sehr darum "die damaligen Ereignisse in den Blick zu nehmen, sondern den Zustand, der sich daraus ergeben hat: eine Alltäglichkeit in extremis, ein Leben in einem eigentlich untragbaren Widerspruch, ein Leben angesichts allgegenwärtigen Todes", schreibt Bert Rebhandl online nachgereicht in der FAZ. "Sie sucht nach einer allgemeineren, anthropologischen Ebene. Sie deutet vor allem an, dass es mit der Rolle der Frauen zu tun hat, wie eine Gesellschaft ihre Konflikte lösen kann. ... Die Ermächtigung der Frauen ist gewiss kein Allheilmittel, aber noch in den Verhältnissen des Kinos spiegeln sich die traditionellen Verhältnisse wider: Amerika erzählt sein eigenes Scheitern im Irak als Kriegsfilm, während das internationale Arthousekino dann die Frauen schickt, um in den Trümmern ein neues Leben aufzubauen."

Ausblick auf die Möglichkeit einer besseren Welt: Juliette Jouan in "Die Purpursegel"

Ein Kriegsheimkehrer und seine Tochter in der französischen Provinz, die Vermittlerin zwischen beiden und der Welt ist die Kunst - das ist der Stoff, den der italienische Autorenfilmer Pietro Marcello in "Die Purpursegel" erzählt. Perlentaucher Lukas Foerster sieht den Kern des Films vor allem in der Tochter Juliette: "Anstatt seine Protagonistin in eine gegebene Form hineinzuwachsen zu lassen, entwirft der Film, in der Musik und auch im utopischen Versprechen der Liebe, die Ahnung eines anderen, neuen Seins, das im Hier und Jetzt noch nicht ganz Bild werden kann. Die Purpursegel des Titels künden nicht nur von einer (sowieso stets nur vorläufig) geglückten individuellen Emanzipation; sondern von der Möglichkeit einer besseren Welt. Einer Welt, die der Immanenz und Permanenz des Leids ein Ende setzen könnte. Oder zumindest einer Welt, die nicht dazu verdammt ist, wieder und wieder, Generation für Generation, dieselben Traumata zu reproduzieren." Sehr glücklich ist SZ-Kritiker Philipp Stadelmaier mit dem Film: Marcello "liefert den Beweis, dass Kino am schönsten ist, wenn es als Handwerk verstanden wird. Gedreht ist der Film analog auf 16-Millimeter-Material, was den Bildern einen haptischen, körnigen Charakter verleiht. ... Auf eingestreute Aufnahmen von Bienen, Blättern, wanderndem Sonnenlicht und fliegenden Pollen folgen die Bewegungen des Meisels auf einem Holzstrunk. Was für Raphaël das Holz ist, ist für Marcello die Wirklichkeit." Weitere Besprechungen in der FAS (online nachgereicht) und taz.

Weiteres: Kira Taszman spricht für den Filmdienst mit François Ozon über dessen Krimikomödie "Mein fabelhaftes Verbrechen" mit Isabelle Huppert. "Dieser nur unterschwellig böse Film stellt sich den Verbitterungstendenzen mit einem breiten Grinsen entgegen", freut sich Perlentaucher Robert Wagner über Ozons Film, den auch tazlerin Arabella Wintermayr bespricht. Besprochen werden außerdem der neue "Mission Impossible"-Film mit Tom Cruise (NZZ, Presse)  und die DVD-Ausgabe von Anita Rocha da Silveiras brasilianischen Horrorfilm "Medusa" (taz). Außerdem informiert die SZ kurz und knapp, welche Filme sich in dieser Woche lohnen und welche nicht.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.07.2023 - Film

David Steinitz plaudert in der SZ mit IMAX-Chef Rich Gelfond über den internationalen Erfolg seiner Kuppelleinwand-Kette, der sich in Deutschland mit gerade einmal zehn Leinwänden noch nicht recht spüren lässt. Den Streit ums Kinoauswertungsfenster sieht er als erledigt an: "Die Studios und die Streamingdienste haben jahrelang davon geträumt, die Kinos aus der Verwertungskette zu kegeln. Aber wie man im Englischen sagt: Be careful what you wish for. Die Pandemie hat ihnen erlaubt, dieses Modell auszuprobieren - aber es hat nicht funktioniert. Alle haben viel Geld verloren. ... Außerdem liefen Filme, die eine Kinoauswertung hatten, online viel besser als Filme, die gar keine Kinoauswertung hatten."

Im NZZ-Gespräch trauert der scheidende Locarno-Präsident Marco Solari den guten alten Zeiten nach, als für einen Festivalchef in der Filmbranche noch der rote Teppich ausgerollt wurde: "'Heute ist eine Generation von Managern tätig, die ganz andere Vorstellungen hat.' Alles sei aufs Marketing versessen, klagt er. Und er müsse dem Sekretariat 'schon fast ein CV schicken, bevor ich überhaupt mit den Leuten reden darf'."

Weitere Artikel: Der Nachlass von Peter Ustinov wird versteigert, meldet Bettina Wohlfarth in der FAZ. Besprochen werden François Ozons Krimikomödie "Mein fabelhaftes Verbrechen" mit Isabelle Huppert (Tsp), Pietro Marcellos "Die Purpursegel" (Tsp), Emad Aleebrahim-Dehkordis "Chevalier Noir" (Filmdienst), Franziska Pflaums Komödie "Mermaids Don't Cry" (Standard) und die auf Sky gezeigte Gangsterserie "Last King of the Cross" mit Tim Roth (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.07.2023 - Film

Marius Nobach resümiert im Filmdienst das von Sparzwängen durchaus gebeutelte Filmfest München, wo sich traditionell auch immer der deutsche Filmnachwuchs präsentiert. Es geht in Richtung Genre und "polyglotte Ausrichtung", erfahren wir, etwa im "stilsicheren, wenn auch überzogenen Nacht-Neo-Noir 'Schock' von Denis Moschitto und Daniel Rakete Siegel oder den im Meer vor Malta spielenden Tauchthriller "The Dive" von Maximilian Erlenwein. Vor allem die deutschen Genre-Filme kündeten von einer Bereitschaft zu herausfordernden harten Sequenzen, womit sie beim 40. Filmfest München durchaus im internationalen Trend lagen. Auch in den anderen Sektionen präsentierten die Filme keine Erzählungen im Schongang, sondern drangen bevorzugt in die dunkleren Bereiche von Menschheit und Welt vor."

Weitere Artikel: Isabelle Huppert schwärmt im Tagesspiegel-Gespräch von der erneuten Zusammenarbeit mit dem Regisseur François Ozon bei der Krimigroteske "Mein fabelhaftes Verbrechen". Im Tagesspiegel empfiehlt Fabian Tietke die Werkschau Apichatpong Weerasethakul im Berliner Kino Arsenal. Besprochen wird Dieter Berners "Alma und Oskar" (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.07.2023 - Film

Katrin Hillgruber (Tsp) und Jörg Seewald (FAZ) resümieren das Filmfest München. Stefan Stileto führt im Filmdienst durch die philosophischen Tiefen der Pixar-Animationsfilme. Elmar Krekeler plaudert für die Welt mit dem Schauspieler Tom Wlaschiha. Marion Löhndorf schreibt für die NZZ einen Nachruf auf den Schauspieler Alan Arkin. Besprochen wird die Apple-Serie "Hijack" (Zeit).
Stichwörter: Filmfest München

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.07.2023 - Film

Trotz "Berlin Babylon"-Erfolg: Sky stellt die Produktion deutscher fiktiver Formate ein, meldet Joachim Huber im Tagesspiegel: Ist das "eine Solonummer oder ein Fanal für die gesamte Produktions- und Kreativbranche in Deutschland? Von der Goldgräberstimmung ist wenig übrig, Katzenjammer heißt der Soundtrack." Matthias Heine erzählt in der WamS von seiner Begegnung mit Francois Ozon, dessen neuer Film "Mein fabelhaftes Verbrechen" demnächst anläuft (hier die Besprechung im Filmdienst). Bernadette Conrad porträtiert für die Berliner Zeitung ein Paar aus Berlin, das in Sachsen-Anhalt ein Kino gekauft und wiederaufgebaut hat. Philipp Bovermann schreibt in der SZ einen Nachruf auf den Schauspieler Alan Arkin. Artechock liefert Kurzkritiken vom Filmfest München.

Besprochen werden James Mangolds "Indiana Jones und das Rad des Schicksals" (Artechock, unsere Kritik), die Serien "Jury Duty" (Freitag) und "The Crowded Room" (Freitag).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.06.2023 - Film

"20.000 Arten von Bienen" von Estibaliz Urresola Solaguren

Mit ihrem Film "20.000 Arten von Bienen" über ein Kind, das seine Trans-Identität entdeckt, ist Estibaliz Urresola Solaguren derzeit der absolute Liebling der Kritik (hier unser Resümee, dort die Berlinale-Kritik von Perlentaucher Thierry Chervel). Im Filmdienst spricht die Regisseurin unter anderem über die Dreharbeiten - und darüber, dass in Spanien immer mehr Frauen Filme drehen: "Das ist das Resultat langer Arbeit, besonders von Pionierinnen wie etwa Icíar Bollaín. Die haben sich in einer vollkommen männlichen Filmwelt behaupten müssen. ... Heute bemühen sich staatliche Stellen oder auch die Filmschulen darum, Frauen und Frauenprojekten den Zugang zur Filmindustrie zu erleichtern. So ist ein kreatives Ökosystem entstanden, in dem weibliche Talente wachsen und blühen können. Aber es ist immer noch so, dass Frauen, die ihren ersten Film machen, im Durchschnitt viel älter sind als ihre männlichen Kollegen. Wir sind etwa 37 oder 38 Jahre alt, wenn wir unseren Debütfilm fertig haben. Woher kommt das? Wir müssen anscheinend immer noch viel mehr und über einen viel längeren Zeitraum beweisen, dass wir etwas taugen, bevor man uns ein Projekt anvertraut."

Außerdem: Der Branchenverband HDF Kino beklagt sich über explodierende Kosten, die nötige Investitionen behindern könnten, berichtet Helmut Hartung in der FAZ. Jörg Seewald bringt in der FAZ Updates vom Filmfest München. Kristina Thomas berichtet im Tagesspiegel vom Queeren Filmfestival in Kiew.

Besprochen werden Marion Desseigne Ravels Debüt "Besties" über zwei Mädchen in den Banlieues (Tsp), Lars Kraumes RomCom "Die Unschärferelation der Liebe" (Welt) und die letzte Staffel von "Jack Ryan" (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.06.2023 - Film

Anders leben, schon vor hundert Jahren: "Eldorado" wirft einen Blick in die Geschichte queerer Lebensentwürfe und deren Unterdrückung (Netflix)

Die Netflix-Doku "Eldorado - alles, was die Nazis hassen" wirft einen Blick auf den legendären Nachtclub der Berliner Zwanziger- und Dreißigerjahre gleichen Namens, in dem queeres Leben sich ausleben konnte - Nazis und andern Deutschnationalen war das Etablissement natürlich verhasst. Warum haben solche Stoffe gerade Konjunktur, fragt sich Heike Huppertz in der FAZ. "Der 'Tanz auf dem Vulkan', der Wendepunkt, die Bedrohung der damals jungen Demokratie, die weltwirtschaftlichen und weltgeschichtlichen Verwerfungen bieten anscheinend Anlass für Analogien zur Gegenwart. Freilich auch für Kurzschlüsse. 'Eldorado - Alles, was die Nazis hassen' dagegen ist sorgfältig in Darstellung und Analyse und stellt im Exposé fest: Es finde sich 'kaum ein anderer Zeitpunkt in der Geschichte, wo Freiheit und Unterdrückung so nah zusammenliegen'. ... In neunzig Minuten, die überborden vor Quellenmaterial, Dokumenten, Einschätzungen von Experten und biografischen Darstellungen, setzt diese Gleichzeitigkeit der Vernichtungsideologie der Nazis und der Verfolgung queeren Lebens den Ton."

Harrison Ford ist wieder da als Indiana Jones. Könnte aber auch Jack Ryan sein.

Es hat schon seinen Grund, dass der neue "Indiana Jones"-Film, für den Harrison Ford mit 80 nochmal den Schlapphut aufsetzt, von Zeitreisen handelt, schreibt Perlentaucher Patrick Holzapfel: Der Film ist ja selber eine Sehnsuchtsreise in die Vergangenheit und steht damit exemplarisch für den Zustand der Filmindustrie selbst. "Man erstickt in Selbstreferentialität" und das "trägt auch zum allgemeinen Gefühl der Irrelevanz eines Mediums bei, das den Kontakt zur Wirklichkeit verloren hat. Man schaut und vergisst. Ob es den Film gibt oder nicht, ob er von gestern oder heute ist, spielt keine Rolle. Letztlich existiert er, damit sich alle an die alten Indiana-Jones-Filme erinnern können. Die Feuilletons überschlugen sich dementsprechend mit Rekapitulationen der ursprünglichen Trilogie. Das Kino kreiert keine Mythen mehr, es verwaltet die bereits erzählten." Weitere Besprechungen in FR und Welt, mehr zum Film bereits hier.

Weitere Artikel: Thomas Abeltshauser spricht für die taz mit der Regisseurin Estibaliz Urresola Solaguren über ihren (im Tagesspiegel besprochenen) Film "20.000 Arten von Bienen", der von einem achtjährigen Kind handelt, das seine Trans-Identität entdeckt (mehr dazu bereits hier). Andreas Busche wirft für den Tagesspiegel einen kurzen Blick auf die von Prigoschin produzierten Kriegsfilme, die wohl vor allem als Rekrutierungs-PR dienen sollen (mehr dazu bereits hier). Frankreich streitet darüber, ob Léonor Serraille als weiße Filmemacherin wirklich die richtige ist, um das Drama "Un petit frère" über eine afrikanische Familie in Frankreich zu inszenieren, meldet Matthias Lerf im Tages-Anzeiger. In der Kracauer-Essayreihe des Filmdiensts versenkt sich Morticia Zschiesche noch einmal in Francis Ford Coppolas "Apocalypse Now". Bert Rebhandl empfiehlt dem Wiener Publikum eine Tati-Retrospektive im Gartenbaukino.

Besprochen werden Kamila Andinis "Before, Now & Then" über das Indonesien der Fünfziger (Perlentaucher, taz), Marion Desseigne Ravels Filmdebüt "Besties" über junge Frauen in den Banlieues (ZeitOnline), die sechste Staffel der Science-Fiction-Serie "Black Mirror" (NZZ) und Lars Kraumes RomCom "Die Unschärferelation der Liebe" (Filmdienst). Außerdem informiert die SZ, welche Filme sich in dieser Woche lohnen und welche nicht.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.06.2023 - Film

Sieht geduldig hin: "20.000 Arten von Bienen" von Estibalz Urresola Solaguren

Die Filmkritik ist hingerissen von Estibaliz Urresola Solagurens spanisch-baskischem "20.000 Arten von Bienen", in dem ein achtjähriger Junge seine Trans-Identität entdeckt. Die junge Sofía Otero bekam für diese Darstellung im Februar den Silbernen Bären der Berlinale als beste Schauspielerin. In dem Film "geht es gleich auf mehreren Ebenen um Verwandlungen und Offenbarungen diesseits und jenseits von Grenzen, und es geht ums Geraderücken des Verdrehten und Falschen", schreibt Cosima Lutz in der Welt. "Elegant öffnet der Film das Thema Transsexualität damit hin zu universellen Erfahrungen" und das "ohne die fragile Leichtigkeit eines Kindheitssommers mit Bedeutungen zu überfrachten. Alles strömt in großer Selbstverständlichkeit ineinander." Auch Marian Wilhelm freut sich im Standard über diese gelassene Selbsverständlichkeit, mit der der Film sein Thema anpackt. Der Silberne Bär für Otero müsste eigentlich ein Regiepreis sein, findet Andreas Kilb in der FAZ: "Wer genau hinschaut, sieht das Wunder an Geduld und Aufmerksamkeit, das in den Bildern steckt, die kleinen Momente von Wahrheit, die sich zu einem großen Mosaik ergänzen. Estibaliz Urresola Solaguren hat das geduldige Hinsehen als Dokumentarfilmerin gelernt. In ihrem Spielfilmdebüt stellt sie es in den Dienst der Fiktion." Im Perlentaucher hatte Thierry Chervel den Film bei seiner Berlinale-Aufführung besprochen.

Susan Vahabzadeh schaut für die SZ die im Netz kursierenden Kriegs-Propagandafilme, hinter denen vermutlich Jewgenij Prigoschin und dessen Wagner-Gruppe stecken, darunter etwa "The Best in Hell". Der Film "sieht, mit seinen Explosionen und rasanten Kamerafahrten, aus wie eine professionelle Großproduktion aus Hollywood - ein moderner Kriegsfilm im Stil des Irakkriegsdramas 'The Outpost', bloß mit mehr Satellitenbildern und weniger Handlung. Was hier ganz bestimmt nicht im Mittelpunkt steht: die Menschen, die man sieht. Frühere Produktionen aus der Reihe muten eher an wie Actionfilme aus den Achtzigern. ... Meistens geht es so: Panzer mäht Baum um, Granate zerstört Hauswand, Verletzter mit halb explodiertem Gesicht torkelt aus Gebüsch, dazu Dialoge vom Feinsten: '7896!' - 'Korrigiere: 7895!' -'Feuer!'"

Außerdem: Susanne Gottlieb porträtiert im Standard die Schauspielerin Phoebe Waller-Bridge, die im neuen (in taz und Standard besprochenen) "Indiana Jones"-Abenteuer an der Seite von Harrison Ford zu sehen ist (mehr zum neuen Indy-Film bereits hier). Vom Pumuckl gibt es neue Folgen, meldet Max Sprick in der NZZ, wobei die charakteristische Stimme von Hans Clarin mittels K.I. über die Stimme des Kabarettisten Maximilian Schafroth gelegt wird. Maria Wiesner schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den Schauspieler Julian Sands. Besprochen werden Lars Kraumes romantische Komödie "Die Unschärferelation der Liebe" (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.06.2023 - Film

Überaffirmativ zur Kenntlichkeit verzerrt: The Weeknd und Lily-Rose Depp in "The Idol" (HBO)

Schon seit Monaten kündigt sich Sam Levinsons HBO-Serie "The Idol" als Skandalaufreger der Saison an. Darin spielt Lily-Rose Depp den von der Branche nach Strich und Faden drangsalierten und ausgebeuteten, aufstrebenden Teenie-Star Jocelyn nach Britney-Spears-Art. Daneben gibt der Popstar The Weeknd einen Nachtclubbesitzer als sardonisch-düstere Gestalt. Chris Schinke zeigt sich in der Jungle World trotz einiger Schwächen von der Serie fasziniert: "Zu tief scheinen die Phänomene, die den Kulturbetrieb derzeit umtreiben, die Serie zu prägen. All die Obsessionen mit Schönheit, Ruhm, Prominenz, Sex, Konsum und Social Media werden hier satirisch verhandelt. Nicht im Modus negativer Kritik, sondern vielmehr in einer durchgehend überaffirmativ anmutenden Ästhetik, die ihren Gegenstand bis zur Kenntlichkeit verzerrt und in satte, betörende Bilder übersetzt. Als Grundgefühl der Serie bleibt eine gewisse Abgestumpftheit zurück, eine numbness, die ihren Ausdruck auch in Jocelyns leerem, gleichgültigem Gesichtsausdruck findet, während sie eine Zigarette nach der anderen wegraucht. Sam Levinsons 'The Idol' ist keine Serie, die gemocht werden will. Darin steckt vielleicht ihre größte Anziehungskraft."

NZZ-Kritiker Daniel Haas vermisst die Haltung: "Die Serie zitiert in notorisch-koketter Weise die pathologischen Evergreens der Entertainmentgeschichte. ... Fragt sich nur, ob die Serie nicht selbst in jene Falle tappt, die sie den Unrechtsverhältnissen und deren Akteuren stellen will. Aus welcher Perspektive wird 'The Idol' eigentlich erzählt? Wie ist die moralische Agenda verfasst, die jede schlüssige (Film-)Narration implizit bewegen und lenken muss? Bekommen wir Jocelyns Entwicklungsroman zu sehen, der den Wandel vom Medienopfer zum Sinn- und Schaffenssouverän über die eigenen Werke nachzeichnet? Oder doch wieder die Krankengeschichte eines Talents, die die Grausamkeit des Business glamourös bestätigt?"

Weiteres: Kurt Sagatz plaudert für den Tagesspiegel mit dem Schauspieler Tom Wlaschiha. Besprochen werden James Mangolds "Indiana Jones und das Rad des Schicksals" (Tsp, mehr dazu hier), die auf Disney+ gezeigte Serie "About Sasha" über eine intersexuelle Jugendliche (eine der "sehenswertesten und erstaunlichsten Serie der vergangenen (mindestens) anderthalb Jahre", schwärmt Patrick Heidmann in der taz), Tuki Jencquels "Jackie the Wolf" (Filmdienst), Kamila Andinis "Before, Now & Then" (Filmdienst) und der auf Netflix gezeigte Animationsfilm "Nimona" nach dem gleichnamigen Comic (Tsp).