Alle Reels stehen still, wenn Dein starker Arm es will: Erstmals seit 63 Jahren streiken in
Hollywood wieder zwei zentrale Gewerke. Der
Drehbuchstreik hält weiter an, nun hat aber auch die
Gewerkschaft der Schauspieler nach ergebnislosen Verhandlungen mit den Studios einen
Streik ausgerufen. 160.000 Gewerkschaftsmitglieder legen
laut Hollywood Reporter die Arbeit nieder: Damit kommt die US-Filmindustrie de facto zum
Stillstand, auch auf promoträchtigen Premieren zeigen sich die Schauspieler nicht (weshalb etwa die "Oppenheimer"-Premiere in London um eine Stunde nach vorne verlegt wurde, um nicht nackt dazustehen,
meldet die
Welt). "
Wir sind die Opfer hier", rief Gewerkschaftspräsidentin Fran Drescher in ihrer wütenden Rede, "eine
habgierige Instanz schikaniert uns. ... Dies ist ein Moment der Geschichte, ein Moment der Wahrheit. Wenn wir uns jetzt nicht gerade machen, werden wir alle in Zukunft gehörige Probleme bekommen. Uns allen droht die Gefahr,
von Maschinen ersetzt zu werden."
ZeitOnline hat via
dpa eine informative FAQ
erstellt, um was es bei dem Streik genau geht: Wie die Drehbuchautoren leiden auch die Schauspieler an sinkenden Budgets und Honoraren trotz höherer Produktionvolumen und dem Wegfall von Tantiemen durch Wiederholungen, die es im Streaming de facto nicht mehr gibt (mehr dazu
hier). "Zudem hatte SAG-AFTRA mitgeteilt, dass es eine 'reale und unmittelbare Bedrohung' darstelle, wie
animierte KI-
Charaktere die Schauspielerei von Mitgliedern täuschend echt nachbilden könnten."
Aktuelle Produktionen sind damit einem erheblichem
Stresstest ausgesetzt, schreibt Hanns-Georg Rodek auf
Welt+: Manche Produktionen konnten rechtzeitig abgeschlossen werden, "weniger Glück haben die dritte Staffel von 'White Lotus' oder der Serien-Ableger von Ridley Scotts 'Alien', die zwar in Thailand drehen, aber mit SAG-AFTRA-Schauspielern in führenden Rollen besetzt sind: Verschiebt man die Produktion in der Hoffnung auf einen kurzen Streik oder besetzt man um? Natürlich könnte man australische oder britische Darsteller nehmen, aber für deren weitere Karriere in Hollywood-Filmen wäre
eine Art inoffizielles Streikbrechen gar nicht zuträglich. Auch das von US-Stars abhängige Festival in Venedig (Beginn: 30. August) könnte stark leiden. ... Mit einem kurzen Streik sollte nicht gerechnet werden, dafür sind die Streitpunkte zu komplex."
Zurück nach Berlin: Mit einer gewissen (und ja auch durchaus berechtigten) Häme
nimmt Rüdiger Suchsland auf
Artechock zur Kenntnis, dass die
Berlinale nun durch schieren Druck von oben dazu gezwungen ist, Suchslands seit Jahren am Festival geäußerte Kritik in die Praxis umzusetzen (mehr dazu
hier und
dort). Ihre Chance, diesen Umbau selber zu gestalten, habe die 2019 neu eingerichtete Festivalleitung nicht ǵenutzt. Suchsland bekräftigt daher weitere Forderungen: "Man muss die Berlinale einmal
völlig auf Null stellen und neu starten." Das "bedeutet auch: Die Berlinale braucht einen
neuen Standort. Auch hier sind ein klarer Schritt und viel Mut nötig. Wenn die Berlinale sich wirklich neu erfinden will, muss sie das auch
formal,
ästhetisch,
also räumlich signalisieren. Darum sollte sie auf das Messegelände im Westen ziehen! Die Berlinale könnte im leerstehenden
ICC eine neue herausragende Heimat finden, die auch einen Neuanfang symbolisiert."
Weitere Artikel: Das Team von
critic.de - darunter auch die
Perlentaucher-Autoren Lukas Foerster, Andrey Arnold, Michael Kienzl und Robert Wagner -
erzählt von seinen Fundstücken beim italienischen Festival
Il Cinema Ritrovato, das sich ganz auf die Bergung filmhistorischer Schätze spezialisiert hat. Von "Barbenheimer" zu "Oppenbarbie" und zurück: Andreas Scheiner
macht sich in der
NZZ ernsthaft Sorgen, dass die für nächste Woche angesetzten Blockbuster "Barbie" und "Oppenheimer" vom aktuellen Hype darum eher Schaden nehmen. Fritz Göttler
fragt sich in der
SZ, ob es von
Orson Welles' seinerzeit vom Studio stark gekürzten Film "Magnificent Ambersons" noch eine Originalversion gibt. In der
Jungle World erinnert Dierk Saathoff an die Serie "Orange Is the New Black", mit der
Netflix vor zehn Jahren auf sich aufmerksam macht.