Magazinrundschau - Archiv

Al Ahram Weekly

202 Presseschau-Absätze - Seite 12 von 21

Magazinrundschau vom 24.10.2006 - Al Ahram Weekly

Freude über den Literatur-Nobelpreis für Orhan Pamuk kommt bei dem libanesischen Autor Elias Khoury nicht richtig auf. Eher stützt sein Beitrag die These, die Entscheidung der Schwedischen Akademie sei politisch motiviert gewesen: "Hat Pamuk den Preis stellvertretend für einen armenischen Autor bekommen? Ist Pamuk Held eines Romans geworden, den er selbst nie geschrieben hat? Dieses Verwechselspiel fasziniert mich. Es ist die Rache des Textes am Autor, der glaubt, seine Intelligenz ermögliche es ihm, die Suppe, die er den Helden seiner Romane auszulöffeln gab, selbst nicht essen zu müssen. War dies nicht das Schicksal von Salman Rushdie, Kafka und Emile Habibi?"

Weitere Artikel: Hani Mustafa resümiert den Wettbewerb der Ramadan Soaps im ägyptischen Fernsehen und stellt fest, dass religiöse Themen sehr gefragt waren. Und angesichts der Entwicklungen im Irak, Iran und Libanon sorgt sich Rasha Saad um das friedliche Zusammenleben von Sunniten und Schiiten in Ägypten: "Ob in den Medien oder innerhalb der muslimischen Gemeinde - die Schiiten geraten zunehmend ins Schussfeld."

Magazinrundschau vom 03.10.2006 - Al Ahram Weekly

In einem langen Interview gibt der britische Historiker Paul Kennedy der Regierung Bush einen Crashkurs in Sachen Demokratie-Implementierung: "Demokratie nach dem Schema 'ein Mann, eine Stimme', ohne Berücksichtigung einer marktwirtschaftlichen, durch Gesetze geschützten Basis, führt ins Chaos, genau wie in Ex-Jugoslawien." Wie die Fährnisse des Mehrheitswahlrechts im Nahen Osten zu umgehen sind, weiß Kennedy auch: "Der Irak und Israel könnten nach dem Schweizer Kantons-Modell funktionieren ... vergleichbar den drei getrennten 'Velayaten' Basra, Mosul und Bagdad im Ottomanischen Reich."

Weitere Artikel: Amal Choucri Catta klingen die Ohren von einem Konzert mit Bruckners Sechster und Händels "Wassermusik" in der Kairoer Oper. Anlässlich des dreijährigen Todestages von Edward Said bespricht Ferial J. Ghazoul dessen postum veröffentlichten Aufsatz-Band "On Late Style". Gleichfalls mit Said fragt der amerikanische Literaturwissenschaftler Bruce Robbins, ob der antisäkulare Trend bei der amerikanischen Linken das Ende der Kritik einläutet.

Magazinrundschau vom 26.09.2006 - Al Ahram Weekly

Dass die islamkritischen Äußerungen Benedikts XVI. aus politischem Kalkül erfolgten, suggeriert ein Beitrag von Gihan Shahine: "Benedikts Rede folgte auf die israelischen Massaker in Libanon und Palästina und auf Bushs Wort vom 'Islamofaschismus' - zu einer Zeit, als die muslimische Welt sich von den Auswirkungen der Mohammed-Karikaturen erholte, und die Welt der Anschläge vom 11. September und der Initiierung eines 'Feldzuges gegen den Terror' gedachte. Die Bemerkungen des Papstes werden nach den Worten von Irans oberstem Führer Ayatollah Khamenei interpretiert als 'letztes Glied einer Kette der Konspiration, die einen Feldzug einleiten soll'. Indem er Islam und Terror in einen Topf warf, so die Meinung vieler Analysten, gab der Papst grünes Licht für die Okkupationspläne der USA in Nahost und mobilisierte den Westen gegen die europäische Muslimgemeinschaft."

Weitere Artikel: Nehad Selaiha bilanziert das Internationale Festival für Experimentelles Theater in Kairo. Der irische Dramatiker Andrew McKinnon macht sich Gedanken über Professionelle und Amateure beim Theater und findet, Professionalität sollte wieder mehr mit Können zu tun haben, als mit einem festen Gehalt. Und Amira El-Noshokaty sichtet Reaktionen auf das erste Sexualerziehungsprogramm im ägyptischen Fernsehen.

Magazinrundschau vom 12.09.2006 - Al Ahram Weekly

Dass die von Nagib Mahfus verkörperte Idee einer freien, unabhängigen Menschheit mit dessen Tod verschwindet, scheint Abdel-Moneim Said in einem Artikel geradezu zu hoffen: "Bis zum Schluss nahm Mahfus die Veränderungen im Universum nicht wahr. Er war im Koma, als Wissenschaftler den Abgang Plutos aus dem Sonnensystem verkündeten, und auch auf der Höhe seines Bewusstseins war er sich, wie seine ganze Generation, über die gegenwärtigen globalen Veränderungen nicht im Klaren. Die Vorstellung von Unabhängigkeit, Individualität, nationalem Charakter und spezifischem kulturellen Ausdruck bedeutet Isolation von der Welt." Mahfus' Anliegen sieht Said zerrieben zwischen zwei "Projekten der Globalisierung". Dem Willen der USA, die arabische Welt zu kontrollieren, und dem eines auf die Weltbühne drängenden islamischen Fundamentalismus: "Es wurde nie deutlich, wie der Denker Mahfus dazu stand."

Außerdem: Amira El-Nakeeb besucht Dänemarks Nahost-Festival in Kopenhagen. Gihan Shahinen porträtiert den Aktivisten Fadel Soliman, der mit seiner "Bridges Foundation" im Westen für ein besseres Verständnis des Islams wirbt. Und Hassan Nafaa sieht, trotz all dieser Anstrengungen, auch fünf Jahre nach dem 11. September kein Ende des "Krieges gegen die arabisch-muslimische Welt".

Magazinrundschau vom 05.09.2006 - Al Ahram Weekly

Nach George Bushs Wort vom "Islamofaschismus" fordert der in Washinton lebende Publizist Mohamed Hakki in einem Offenen Brief an den US-Präsidenten mehr Respekt vor dem universalen Gott: "Es war ermutigend, dass Sie stets mit Respekt über den Islam gesprochen und ihn als Teil unseres gemeinsamen Erbes am himmlischen Glauben verstanden haben, wie er uns von dem einen Gott, an den wir alle - Christen, Moslems, Juden - glauben, gesandt wurde. Sogar nach Ihrer treulosen Verehrung und der Unterstützung Israels, ja sogar, als die ganze Welt der Zerstörung Libanons beiwohnte, glaubten wir, dies wäre bloß auf einen kaputten moralischen Kompass zurückzuführen. Doch als Sie Islam und Faschismus gleichsetzten, überschritten Sie alle Grenzen des guten Geschmacks."

Außerdem: Nevine El-Aref berichtet von der Karnevalsatmosphäre bei der Verfrachtung der Statue Ramses II. ins neu errichtete Grand Egyptian Museum. Und in einem Dossier zum Tod von Nagib Mahfus erinnert sich Roger Allen an die Soireen auf dem Hausboot des Nobelpreisträgers: "Alle 10 Minuten wurde das Gespräch unterbrochen und jemand schrie Nagib eine Zusammenfassung des Gesagten ins Ohr. Dann warteten alle auf sein Bonmot."

Magazinrundschau vom 22.08.2006 - Al Ahram Weekly

Was haben Hip Hopper wie Mos Def, The Roots und Hidden Force gemeinsam? Sie alle sind praktizierende Moslems. Michael Mumisa von der University of Birmingham hat sich mit Muneera und Sakina von den Poetic Pilgrimage unterhalten, um mehr über dieses Phänomen herauszufinden: "Statt schwerer Goldketten tragen sie handgearbeitete hölzerne Sufi Gebetsperlen und ihre Köpfe sind mit modischen Kopftüchern bedeckt wie es der Islam fordert. 'Wir versuchen unseren Fans das Tragen des Hijab als coolste Sache der Welt erscheinen zu lassen', sagen sie mir. 'Wir haben eine Menge Mails von jungen Mädchen aus Großbritannien, den USA und Kanada erhalten, in denen sie uns erklären, sie hätten den Hijab nie anlegen wollen, bevor sie unsere Rapmusic gehört haben und die Art, wie wir darüber rappen. Wir sagen ihnen in unserer Musik, dass der Hijab cool ist und sie sich dessen nicht schämen müssen.' Es war klar, dass ich mit sehr intelligenten jungen Damen sprach."

Im Interview mit Nermeen Al-Mufti erklärt der amerikanische Linguist und Bush-Kritiker Noam Chomsky die USA zum Partizipanten eines Nahost-Krieges, für den es keine "moralische oder legale Rechtfertigung" gibt und in dem Verbrechen (Chomsky erinnert an die Annexion der Golan Höhen und der West Bank) nach Maßgabe des Zwecks beurteilt werden: "Oberstes Ziel ist die Kontrolle der weltgrößten Energiereserven. Wer nicht kooperiert, muss mit Aggression rechnen. Das ist nichts Neues ... Aber wir sollten wissen, dass Israel immer nur so weit gehen kann, wie Washington mitgeht."

Ferner: Youssef Rakha porträtiert den irakischen Schriftsteller und Filmemacher Samuel Shimon. Und Nevine El-Aref begeht die neue Mumien-Galerie im Ägyptischen Museum Kairo.

Magazinrundschau vom 15.08.2006 - Al Ahram Weekly

Der in London lehrende Kultur- und Medienwissenschaftler Haim Bresheeth wärmt eine alte Verschwörungstheorie auf. Eine die Spitzen US-amerikanischer und europäischer Medien dominierende "jüdische Lobby", so seine Vermutung, verbreite pausenlos israelische Propaganda und unterstütze so auch die "schlimmsten Gewaltexzessse Israels". "Was ist nur aus den Nachfahren der Propheten und der Holocaust-Überlebenden geworden?", fragt Bresheeth und entdeckt in meinungsbildenden "Koryphäen wie Bernard-Henri Levy oder Alain Finkielkraut" einen "neuen Typ des rechten jüdischen Intellektuellen": "Wie kann etwa die britische Öffentlichkeit eine korrekte und genaue Sicht der Ereignisse bekommen, wenn der Chor der Apologeten täglich einstimmig sein Lied singt, uns vor Fakten, Beweisen, der Wahrheit bewahrend und jeden Kritiker israelischer Gewalt als Antisemiten brandmarkend?"

Der Politikwissenschaftler Hassan Nafaa überlegt, warum die Hisbollah es vermochte, die libanesische Gesellschaft und die arabische Welt insgesamt "mit Stolz" zu erfüllen. Zunächst mal sei es 2000 "einer Widerstandsgruppe erstmals in der Geschichte des israelisch-arabischen Konflikts gelungen, die Israelis zum Rückzug aus besetztem arabischen Territorium zu zwingen". Und zum zweiten zeige der jetzige Krieg: "Ein Staat, der seine Bürger nicht beschützen kann, ist seinen Namen nicht wert... In der gegenwärtigen Konfrontation mit Israel sind wir mit gegensätzlichen Bildern konfrontiert. Das eine zeigt Israel, einen militärischen Behemoth ohne Moral. Das andere zeigt den Widerstand, der das Monster herausfordert und demütigt. Die Hisbollah geht aus dieser Konfrontation glänzender hervor als alle arabischen Regierungen zusammen. Und die Libanesen scheinen erfinderischer als alle anderen arabischen Gesellschaften."

Magazinrundschau vom 01.08.2006 - Al Ahram Weekly

Im Gespräch mit Youssef Rakha erklärt der Publizist Hafez El-Marazi die Rolle des Washingtoner Büros des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira, das er seit 2000 leitet: "Wir gehen den schmerzhaften Weg der Simultanübersetzung, um die Sicht amerikanischer Kommentatoren zu vermitteln. US-Medien dagegen lassen befangene, Englisch sprechende 'Nahost-Experten' über uns reden, nie mit uns ... Während wir uns bei der Bush-Regierung unbeliebt machen, verhalten sie sich wie die offiziellen Medien bestimmter arabischer Regime."

Ferner: Nehad Selaiha berichtet vom erfolgreich über die Bühne gegangenen ersten Festival des ägyptischen Theaters. Und Amal Choucri Catta spricht mit Steven Lloyd, Chef der Kairoer Sinfoniker, über seine erste Saison.

Magazinrundschau vom 25.07.2006 - Al Ahram Weekly

Ramzy Baroud, Chefredakteur des amerikanisch-palästinensischen Nachrichtenmagazins Palestine Chronicle, hat sich jahrelang über die "Einseitigkeit" geärgert, mit der Mainstream-Medien wie die BBC über den israelisch-palästinensischen Konflikt berichten. Er ruft zum Bürgerjournalismus auf: "Dieser kann helfen, Verbrechen aufzudecken und die Mächtigen zur Verantwortung zu ziehen. Wenn es zum Beispiel mit Hilfe des Internets gelänge, das Monopol der öffentlichen Meinungsmache aufzubrechen, gäbe es weniger Propaganda und mehr mitbestimmende Demokratie. Dafür gilt es festzustellen, was die Medien falsch machen, und welches die wirklichen Prioritäten sind." (Selbstkritik gehört definitiv nicht zu den Prioritäten des Palestine Chronicle.)

Ferner: David Tresilian stellt ein Buch über die arabische Buchindustrie vor (Franck Mermier: "Le Livre et la ville, Beyrouth et l'edition arabe") und erklärt, warum Beirut ihr unumstrittenes Zentrum ist. Und ein Prosagedicht des palästinensischen Dichters Mahmoud Darwish erinnert an die israelische Invasion des Libanon von 1982: "Let Beirut be what it wants to be: / This, our blood raised high for her, / Is a wall holding at bay my sorrow ..."
Stichwörter: Beirut, Libanon, Monopole

Magazinrundschau vom 04.07.2006 - Al Ahram Weekly

Football rules. Galal Nassar erhebt den rüden Auftritt des Präsidenten von Ägyptens bekanntestem Fußballclub Zamalek während des Ägypten Cup Finales (er bedrohte die gegnerischen Offiziellen mit einem Schuh) zur Staatssache: "Der Niedergang von Recht und Gesetz hat verschiedene Gesichter. Keiner vertraut mehr den Parteien und Institutionen. Das Regime seinerseits respektiert den Willen der Wähler nicht ... Es schickt Truppen, um friedlichen Protest niederzuschlagen und zettelt endlose Reform-Debatten an, die ohne Ergebnis bleiben. Wenn Leute mit dem Schuh in der Hand argumentieren, muss gehandelt werden."

Außerdem: Amira El-Noshokaty beklagt die erneute Zwangsumsiedelung des Kairoer Azbakia-Marktes für antiquarische Bücher als Fanal des kulturellen Verfalls. Und Mohamed El-Assyouti stellt die Filmfassung von Alaa El-Aswanis Roman-Bestseller "The Yacoubian Building" (Leseprobe) vor - ein Sittengemälde des modernen Ägyptens, inszeniert mit dem größten Budget der ägyptischen Filmgeschichte.
Stichwörter: Filmgeschichte