Magazinrundschau - Archiv

Himal

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Magazinrundschau vom 26.09.2023 - Himal

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Seit Generationen ist das Leben von Süd- und Westasiaten in vielfältiger Weise miteinander verknüpft, weiß Namrata Raju. Das Buch "Sovereigns oft he Sea: Omani Ambition in the Age of Empire" der indischen Historikerin Seema Alavi schließt nun endlich die "historische Lücken für diejenigen, die an einer zusammenhängenden Geschichte Omans, Sansibars und Südasiens interessiert sind", freut sich Raju. Entlang den Geschichten von fünf omanischen Sultanen erklärt der Band "die Verflechtung von Südasien, Westasien und Ostafrika durch Politik, Wirtschaft, den anglo-französischen Kolonialismus, den Sklavenhandel und unzählige Gemeinschaftsbeziehungen. Alavis Buch erzählt diese Geschichte aus der Sicht der Sultane und mit Fokus auf den Indischen Ozean von 1791 bis in die 1880er Jahre und lässt den Leser über die strengen Grenzen der Nationalstaaten nachdenken und darüber, ob die heutigen Grenzen jemals angemessen erklären können, wer wir heute sind und woher wir kommen." Der moderne Oman, so Raju, bildet angesichts seiner geschichtsträchtigen Vergangenheit "eine Brücke zwischen der alten und der neuen Welt". Ein Beispiel für die Gemeinsamkeiten der Kulturen, verrät sie, sind die Geschichten über Dschinns, die heute noch immer eine bedeutende Rolle spielen: "Man glaubt, dass Dschinns verborgene Wesen sind, die in einer Parallelwelt zu den Menschen existieren und weder unbedingt gut noch böse sind. Eng verwoben mit dem islamischen Glauben gibt es im Oman auch heute noch Gerüchte über Dschinns. So erzählte mir ein alter Freund in Oman, dass unerschrockene Reisende manchmal davor gewarnt werden, eine ältere Anhalterin mitzunehmen, die bei der Darsait-Überführung in Muscat auftaucht. Ohne dass die Reisenden es merken, entpuppt sich die Dame bald als Dschinn mit Ziegenbeinen. Solche Geschichten sind auch heute noch in der südasiatischen Landschaft anzutreffen. So glaubt man zum Beispiel, dass in Delhis berühmtem Feroz Shah Kotla, der 1354 von Feroze Shah Tuglaq erbaut wurde, Dschinns wohnen."

Magazinrundschau vom 29.08.2023 - Himal

Was Kaschmir für Indien ist, ist Belutschistan für Pakistan: Auch dort kämpft eine starke Bewegung für die Unabhängigkeit, berichtet der pakistanische Politologe Salman Rafi Sheikh. "Das pakistanische Militär ist mindestens seit 2006 in intensive Aufstandsbekämpfungsmaßnahmen in Belutschistan verwickelt, als Akbar Bugti, der Sardar des Bugti-Stammes, in einer von General Pervez Musharraf, dem damaligen Präsidenten Pakistans, genehmigten Operation getötet wurde. Diese Aktion löste das aus, was Belutschen-Nationalisten heute als den 'fünften Unabhängigkeitskrieg' in Belutschistan seit 1948 bezeichnen, als sich ein Teil der Belutschen gegen den Beitritt zum neuen unabhängigen Pakistan erhob. In den letzten zehn Jahren hat sich Pakistans interner Krieg in Belutschistan nicht nur deshalb verschärft, weil der Staat es versäumt hat, den eigentlichen Grund für den separatistischen Aufstand anzugehen - d. h. die Forderung der Belutschen nach Kontrolle über die reichen Bodenschätze der Provinz und nach einem gerechten Anteil an der Macht -, sondern auch, weil sich der Staat bei dem Versuch, den Aufstand niederzuschlagen, in überwältigender Weise auf die Anwendung von Gewalt verlassen hat." Bisher hat das nicht viel genützt, obwohl die Belutschen nicht nur gegen Pakistan kämpfen, sondern auch gegen China. "Für die belutschischen Aufständischen ist China eine moderne Ostindien-Kompanie, die die Ressourcen Belutschistans ausbeutet, ohne der lokalen Bevölkerung irgendeinen Nutzen zu bringen. Chinesische Firmen bauen die Bodenschätze Belutschistans ab, und der Ausbau des Hafens von Gwadar ist die Krönung des chinesisch-pakistanischen Wirtschaftskorridors."
Stichwörter: Pakistan, Belutschistan, Kaschmir

Magazinrundschau vom 22.08.2023 - Himal

Amish Raj Mulmi stellt einige Bücher tibetischer Autoren vor, die im Exil nach einem neuen Zugang zu ihrer alten Heimat suchen. Und auch hier lernt man verstehen, wie sehr die Erfahrung des Exils auf den Menschen lastet: "Wie eine tibetische Prophezeiung voraussagte, sind die 130.000 Exiltibeter auf der ganzen Welt wie Ameisen über die Erde verstreut und größtenteils unsichtbar geworden. Ihre Geschichte wurde unter dem Begriff der 'Tibet-Frage' subsumiert, was bedeutet, dass die individuellen Geschichten der Vertreibung und des Leids in der Regel in Überlegungen zu Politik, Territorium und Souveränität eingeordnet werden, die auf die Annexion der tibetischen Hochebene durch die chinesische Regierung in den 1950er Jahren folgten. Jetzt erhebt eine neue Generation tibetischer Schriftsteller, die in englischer Sprache schreiben, Anspruch darauf, die Stimme des Exils zu sein durch eine Literatur, die bewusst das Trauma der Vertreibung hervorhebt, den vorherrschenden Erzählungen über Tibet widerspricht und den Diskurs von der harten Politik der Tibet-Frage wegbewegt. Die zeitgenössische tibetische Literatur, die aus der Entwurzelung der Tausenden von Menschen entstanden ist, die vor ihnen die eisigen Pässe des Himalaya in ein fremdes Land überquert haben, rebelliert gegen die traditionelle Fetischisierung Tibets und seiner Kultur durch den Westen. Doch ein Vertriebener zu sein, bedeutet unweigerlich auch, performativ zu sein. Wie der Schriftsteller und Übersetzer Tenzin Dickie in der Einleitung zu der bahnbrechenden Anthologie 'The Penguin Book of Modern Tibetan Essays' schreibt: 'Im Exil kann es sich manchmal so anfühlen, als ob wir zu viel reden; wir versuchen immer zu schreien, unser Exil, unsere Unterdrückung zu unterstreichen. Während sich tibetisches Schreiben aus dem Inneren oft wie ein Code wirkt, kann das Schreiben von außen manchmal wie eine Karikatur erscheinen. Sie müssen sich verstecken, und wir müssen auftreten.'"

Magazinrundschau vom 15.08.2023 - Himal

Sehr detailfreudig (und für Außenstehende vielleicht nicht immer ganz einfach nachvollziehbar) perspektiviert Karthick Ram Manoharan das tamilische Gegenwartskino vor dem Hintergrund seiner Geschichte und noch mehr vor dem gesellschaftspolitischen Kampf um das Kastensystem. Sein Befund: Aktuelle Produktionen (wie etwa Mari Selvarajs Polit-Thriller "Maamannan") kritisieren das Kastensystem und sind damit auch den Kinokassen erfolgreich. Sie knüpfen damit zumindest sachte an eine Welle von Filmen aus den Fünfzigern und Sechzigern an, die zumindest zwischen den Zeilen eine vorsichtige Kritik am Kastensystem durchscheinen ließen. Dass solche Entwicklungen nicht linear verlaufen, sondern Konjunkturen und Moden unterliegen, verdeutlicht der Politologe auch: Denn insbesondere das tamilische Kino der Neunzigerjahre zeichnete sich durch aggressiven Nationalismus und eine entschiedene Befürwortung des Kastensystems aus. "Neben 'Thevar Magan' waren auch "Chinna Gounder', 'Yejamaan' und 'Naataamai' im Kino erfolgreich. Die drei letztgenannten handelten von Gounders, einer gesellschaftlich und politisch dominanten Kaste im Nordwesten des indischen Staates Tamil Nadu. Der politische Kontext, in dem diese Filme veröffentlicht wurden, ist ebenfalls vielsagend. Zwischen 1991 und 1996 erlebte Tamil Nadu das erste Regime von J. Jayalalithaa, der Anführerin der Partei 'All India Anna Dravida Munnetra Kazhagam' (AIADMK), die der 'Dravida Munnetra Kazhagam'-Partei (DMK) nachfolgte. Die AIADMK genießt unter den Gounders und Thevaren erheblichen Rückhalt. Diese Gemeinschaften vergrößerten in dieser Zeit ihren politischen Einfluss. Es war auch eine Zeit, als progressive Aktivisten von der Polizei wegen angeblicher Verbidungen zu tamilischen Militanten gejagt wurden und als die Premierministerin in aller Öffentlichkeit ihre religiösen und abergläubischen Sentimente zur Schau stellte. ... Hinzu kam, dass die Neunziger auch die Zeit waren, als die wirtschaftliche Liberalisierung im großen Stil in Indien Einzug hielt. Viele Gemeinschaften in ganz Indien reagierten auf diesen Schub an Neoliberalismus und Globalisierung unter dem Eindruck, dass ihre Auffassungen von Zugehörigkeit und Tradition unter Beschuss waren. Der Erfolg solcher Filme, die ländliche Kasten verherrlichten, kann als Teil dieser Reaktion betrachtet werden."

Magazinrundschau vom 18.07.2023 - Himal

Kanchana N. Ruwanpura analysiert in ihrem Buch "Garments without Guilt?" den Arbeitsmarkt in der Textilindustrie Sri Lankas. Er hat das Image, den Näherinnen bessere Arbeitsbedingungen zu bieten als zum Beispiel Bangladesch. Aber das stimmt nur zum Teil, lernt Dina M. Siddiqi, die das Buch für Himal gelesen hat: "Wie kann es sein, überlegt Ruwanpura gleich zu Beginn, dass 'ein Land scheinbar stabile und sichere Fabrikgelände und Arbeitsbedingungen bieten kann und dennoch keinen existenzsichernden Lohn zahlt?' Anders ausgedrückt: Welche Art von Gerechtigkeit bringen die Verhaltenskodizes der Unternehmen mit sich, und in wessen Augen sind die daraus resultierenden Praktiken ethisch? ... 'Garments without Guilt?' lenkt unsere Aufmerksamkeit auch darauf, wie die Ästhetik ethischer Praktiken ebenso viel verschleiert wie offenbart. So wird beispielsweise ein Verbot der Wochenendarbeit durch längere Arbeitstage kompensiert. Es ist faszinierend zu erfahren, dass für einige Arbeiterinnen und Arbeiter die Bekleidungsfabriken in ihrer schieren materiellen 'Pracht' - glänzend, sauber und neu - eine Art Traumwelt darstellen, Räume, die mit Touristenzielen verwechselt werden könnten."

Magazinrundschau vom 09.05.2023 - Himal

Der Oberste Gerichtshof Indiens hat in einem Urteil Sikkim-Nepalis als Menschen "ausländischer Herkunft" bezeichnet und damit große Empörung ausgelöst in einem Land, in dem Herkunft und Identität von entscheidender Bedeutung sind, erzählt Mona Chettri. Ihr Artikel beschreibt nicht nur den Konflikt, sondern gibt uns auch eine kurze Geschichte Nepalis. Zur Klärung vorab: Nepalesen sind Bürger Nepals, Nepali, so Chettri, bezeichnet hingegen "eine viel breitere kulturelle und sprachliche Verbindung, die über eine einzelne nationale Identität hinausgeht. Als jemand, der in Sikkim geboren und aufgewachsen ist, ist mein indisch-nepalesisches Erbe ein wichtiger Teil meiner kulturellen Identität, auch wenn ich von Nepali und Bhutia-Lepcha abstamme." Das ehemalige Königreich Sikkim, das zwischen China, Bhutan und Nepal liegt, wurde 1975 Teil Indiens. Zu welchem Volksstamm man gezählt wird, hat enorme Auswirkungen auf Eigentums- und politische Rechte, erfahren wir. Aber ob das wirklich gut so ist, fragt sich Chettri zweifelnd: "Identität und Zugehörigkeit sind mächtige, emotionsgeladene Themen, und es ist leicht, ihre politische Potenz zu verstehen, vor allem, wenn man sie in einen Kontext von abnehmendem sozialen Schutz, zunehmendem Wettbewerb um Ressourcen, seismischen Verschiebungen in der Mobilität innerhalb der Region stellt. Doch was geschieht, wenn die Zugehörigkeit einer Gemeinschaft durch eine andere Gemeinschaft in Frage gestellt wird, die ihre eigene Geschichte und Identität zu etablieren sucht, in diesem Fall die 'indischen' Altsiedler von Sikkim? Können wir über unsere historischen und kulturellen Unterschiede hinausschauen, um zu erkennen, was Sikkim als Ort und unsere Zugehörigkeit zu ihm ausmacht? Oder werden wir einfach der Bequemlichkeit einer spaltenden Identitätspolitik nachgeben, die es erfordert, die Kontrolle über all unsere Motive und Handlungen an Unterscheidungen nach Religion, Rasse und Kultur abzugeben?"

Nur eine einzige Frau, Norbu Wangzom, sitzt seit den Wahlen 2023 im Parlament von Bhutan. Das ist eine weniger als nach den Wahlen 2018, erzählt Yangchen C Rinzin, die dennoch die Hoffnung nicht aufgeben will: Immerhin: "In Bhutan haben Frauen gemäß der Verfassung und dem Wahlgesetz des Landes aus dem Jahr 2008 das Recht, gleichberechtigt zu wählen und für ein Amt zu kandidieren. In den Jahren 2012 und 2013 wurden in Bhutan die ersten weiblichen Bezirksgouverneure und Minister gewählt. Frauen haben auch Führungspositionen in politischen Parteien inne, unter anderem als Parteivorsitzende. Historisch gesehen ist Bhutan eine matrilineare Gesellschaft, in der die Töchter von ihren Müttern erben und eine wichtige Rolle in der Führung der Familien spielen. Frauen werden im Allgemeinen als nangi-aum - die Dame des Hauses - betrachtet, auch wenn sich ihre Verantwortung in dieser Rolle auf Landbesitz und Hausarbeit beschränkt. Dennoch sind viele bhutanische Männer und Frauen der Meinung, dass die Führungsaufgaben von den Männern übernommen werden sollten."

Magazinrundschau vom 25.04.2023 - Himal

In Himal träumt der srilankische Autor Dhanuka Bandara von einem sozialistischen Paradies, das auf vielen kleinen Dorfgemeinschaften basiert. Das Konzept von der symbiotischen Beziehung zwischen Dorf, Tempel, Bewässerungstank und Reisfeld basiert auf den Ideen von Martin Wickramasinghe, "einem der führenden singhalesisch-buddhistischen Schriftsteller Sri Lankas des 20. Neben Wickramasinghe sollte auch der Kulturkritiker und Philosoph Ananda Coomaraswamy als einer der führenden Vertreter der Agrarutopie in Sri Lanka angesehen werden." Dass ihre Ideen vor allem buddhistisch-nationalistisch Kreise in Sri Lanka befeuern, weiß Bandara. Aber, hofft er, man kann das ja auch mal anders interpretieren: "Wickramasignhes Vision des autarken Dorfes hat Affinitäten zur linken, anarcho-syndikalistischen Tradition. Insbesondere seine Philosophie in 'Ape Gama' steht derjenigen des russischen anarchistischen Historikers Peter Kropotkin in 'Mutual Aid' nahe. Sowohl Wickramasinghe als auch Kropotkin waren Naturforscher. Wickramasinghe war sehr an der Evolutionstheorie interessiert und schrieb mehrere Bücher in singhalesischer Sprache zu diesem Thema. Sowohl Wickramasinghe als auch Kropotkin stellten sich eine natürliche Ordnung vor, die durch Zusammenarbeit und nicht durch darwinistischen Wettbewerb aufrechterhalten wird. Was Wickramasinghes Vision des autarken Dorfes zugrunde liegt, ist dieses besondere Verständnis von Natur als ein in sich geschlossenes Netzwerk von gleichzeitig unabhängigen und voneinander abhängigen Akteuren. Bei Wickramasinghe ist dieses Verständnis auch in der buddhistischen dialektischen Theorie verwurzelt, die als 'paticca samuppada' oder 'ko-abhängige Entstehung' bekannt ist und die zentrale metaphysische Erklärung im Buddhismus darstellt. Grob vereinfacht besagt sie, dass nichts unabhängig von anderen Dingen entstehen kann. In der Kritik an Wickramasinghe wird diese tiefere philosophische und wissenschaftliche Grundlage seines Denkens oft übersehen."

Magazinrundschau vom 15.11.2022 - Himal

In Afghanistan haben die Taliban Konkurrenz bekommen von noch radikaleren Kräften, berichtet Salman Rafi Sheikh. Davon zeugen vor allem die Terroranschläge des salafistischen IS-K, kurz für: Islamischer Staat-Khorasan. "Die Gruppe hat es nun zunehmend auf hochrangige afghanische Führer abgesehen. Am 11. August 2022 wurde ein Taliban-Kleriker, Rahimullah Haqqani, der für seine gegen den Islamischen Staat gerichteten Ansichten bekannt war, bei einem Selbstmordanschlag getötet. Der IS-K konnte seine Fähigkeit unter Beweis stellen, nicht nur die Taliban direkt anzugreifen, sondern auch ausgeklügelte Anschläge zu planen und durchzuführen. Um das Taliban-Regime weiter zu schwächen und konfessionelle Spannungen zu schüren, nimmt der IS-K gezielt die religiösen Minderheiten Afghanistans ins Visier", insbesondere die Gemeinschaft der Hazara und der Sufis. Das destabilisiert eine Regierung, die zudem nicht in der Lage ist, die Wirtschaftskrise im Land zu bekämpfen. Die Folge könnte sein, "dass sich viele hungernde Afghanen noch extremeren Gruppen anschließen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Woher die das Geld haben, sie zu bezahlen, erzählt Rafi Sheikh nicht.

Magazinrundschau vom 29.08.2022 - Himal

Die Malediven, Traumziel vieler Touristen, sehen sich selbst immer größerem Druck des Islamismus ausgeliefert, schreibt der Menschenrechtsanwalt Mushfiq Mohamed: "Viele aufgeklärte Bürger der Malediven sind inzwischen aus dem Land geflohen oder wurden umgebracht. Radikalisierte Banden halten sich unterdessen in kaum getarnten Verstecken auf und genießen die stillschweigende Unterstützung staatlicher Akteure. Maledivische Minderheiten, die nicht in das zunehmend konservative Mainstream-Narrativ passen, werden als Ziele betrachtet, die eine gewaltsame Verfolgung verdienen. Behörden haben es wiederholt versäumt, Drohungen und Gewalt durch Extremisten gründlich zu untersuchen. Der nationale Diskurs über jedes beliebige Thema, selbst über die gesundheitlichen Vorteile von Yoga, wird zunehmend von konservativen religiösen Führern dominiert."

Tibets Intellektuelle befinden sich in einem doppelten, wenn nicht sogar dreifachen Dilemma: Sie bekommen nicht nur die harten Repressionen des chinesischen Staats zu spüren, sondern oft auch die Kritik des tibetischen Klerus. Von dritter Seite hat sie nun auch der Schriftsteller und Dissident Shokjang attackiert, der in einer scharfen Polemik Tibets Intellektuellen Rückgratlosigkeit vorwarf. Das ist unfair, meint der in New York lehrende Historiker Palden Gyal: "Intellektuelle arbeiten im Allgemeinen in- oder außerhalb des Staates, in öffentlichen oder privaten Einrichtungen, in Universitäten. Zweifellos ist Shokjangs Weigerung, Teil des Staatsapparats der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) zu sein, bewundernswert und steht im Einklang mit seinem Ideal eines öffentlichen Intellektuellen. Dennoch verkennt seine Kritik die materiellen Bedingungen, unter denen tibetische Schriftsteller und Intellektuelle in China leben, und die Tatsache, dass es für sie so gut wie keine nicht-staatlichen Räume gibt, in denen sie überleben, geschweige denn gedeihen können. Diese Politik der Verweigerung und der Verantwortung täuscht über die besondere Zwangslage und Prekarität tibetischer Intellektueller hinweg, die gezwungen sind, entweder neue Wege des Denkens und Handelns zu finden oder die intellektuelle Arbeit ganz zu verweigern. Ironischerweise scheint der Kapitalismus einen Raum relativer Freiheit geschaffen zu haben, in dem tibetische Intellektuelle an kulturellem Schaffen und wirtschaftlichem Unternehmungen in China teilhaben können. Auch wenn Idealisten wie Shokjang sie verachten mögen, so ist dies doch ein Weg, den tibetische Intellektuelle beschreiten können, ohne sich im Tausch gegen die 'eiserne Reisschale' der KPCh ganz zu verkaufen."

Magazinrundschau vom 16.08.2022 - Himal

Abha Lal hat wenig Vertrauen in das neue biometrische Identifikationssystem Nepals, das der französische Anbieter IDEMIA bereit stellt als Nachweis der nationalen Identität, Sozialversicherungskarte, Wählerausweis und als Grundlage für die Inanspruchnahme aller Arten von öffentlichen Dienstleistungen. Von Überwachungsfragen abgesehen, hat nicht jeder einen Anspruch darauf, denn "ein erheblicher Teil der nepalesischen Bevölkerung ist nicht im Besitz eines Staatsbürgerschaftsdokuments, was zumindest teilweise auf eine jahrzehntelange Geschichte von Staatsbürgerschaftsbestimmungen zurückzuführen ist, die Frauen und ethnischen Minderheiten gegenüber feindlich eingestellt sind. Der 'Nicht-Staatsbürger'-Status vieler Nepalis wird wahrscheinlich in biometrischen Stein gemeißelt, was auf Jahrzehnte hinaus negative Folgen haben kann."