Magazinrundschau - Archiv

Himal

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Magazinrundschau vom 31.05.2022 - Himal

Nahal Sheikh wirft einen sehr interessanten Blick auf die Punjabi-Tradition im südostasiatischen Kino. Als Ausgangspunkt dient ihr dabei Saad Khans Dokumentarfilm "Showgirls of Pakistan" (Trailer) über die Geschichte des "mujra", einer Variante des Kathak-Tanzes, der im vorkolonialen Indien noch als höfisch galt, im Zuge der Kolonialisierung aber zu einem Zerstreuungsangebot für plebejische Schichten umgedeutet wurde. "Während es dem Film gelingt, die von Konflikten gezeichnete, aber doch mitreißende Menschlichkeit der Tänzerinnen zu fassen zu kriegen, erinnert er uns auch daran, die übergeordnete Popkultur der pakistanischen Arbeiterklasse freizulegen, als Variante davon insbesondere die Punjabi-Subkultur. Sie ist laut, bunt und intensiv, also alles, was nicht 'dezent' oder 'angemessen' ist. ... Diese Ästhetik entspringt dem Lollywood der 70er und 80er, also der Filmproduktion in Lahore, und zählt mit zum Goldenen Zeitalter des Kinos dieses Landes. Diesen spezifischen Filmstil kennt man vor allem für seine pulsierende Energie, doch viele wissen nicht, dass er auch eine mächtige Widerstandsform während Pakistans repressivster Diktatur unter Muhammad Zia-ul-Haq in den Jahren 1978 bis 1988 darstellte. Die Filme griffen die 'perversen' Stereotype der Punjabi-Kultur auf und spielten unbekümmert damit, um gesellschaftlichen und politischen Anstrengungen der Arbeiterklasse dieser Zeit zum Ausdruck zu bringen. Auf diese Weise transformierten diese Filme diese Grellheit von pervers zu produktiv pervers. ... Sie griffen diese 'negativen' Elemente auf und unterstrichen sie visuell mit Nachdruck oder eigneten sie sich neu an statt sie verleugnen. Sie stellten einen schockierenden Kontrast zur Geschichte der Unterschlagung dar, der die punjabische Kultur über Jahrhunderte ausgeliefert war. Diese Kinoästhetik wurde zum Ausdrucksmittel dafür, was die pakistanische Arbeiterklasse unter der extremen gesellschaftlichen und politischen Unterdrückung unter Zia erdulden musste. Durch Bilder, Text und Sound begünstigten die Filme eine 'Ästhetik des Exzesses', die die Realität der Arbeiterklasse widerspiegelte." Als ein Beispiel dient Nahal Sheikh der Film "Heer Ranjha", der in voller Länge auf Youtube steht:

Magazinrundschau vom 26.04.2022 - Himal

Uditha Devapriya wirft einen Blick in die Filmgeschichte Sri Lankas und hier ganz besonders auf die Filme von Sumitra Peries, eine der ersten Filmemacherinnen des Landes, die zudem noch eine genuin eigene Stimme entwickelte: Die bestimmenden Themen ihres Werks sind "die Unschuld der Kindheit, die Last der Frauen in patriarchalen Gesellschaften, der Abgrund zwischen Reich und Arm und die Qualen jugendlicher Liebe. Ihre Filme ließen das Formelhafte und den fantastischen Rausch der Lied-und-Tanz-Feste des südasiatischen Blockbusters hinter sich und bekamen sodie Nuancen des Landlebens in Sri Lanka zu fassen, ohne in ihrer Kritik des männlichen Chauvinismus und des Patriarchats einzubüßen. Indem sie die Handlungsmacht von Frauen in den Vordergrund rückte, erweiterte Sumitra meisterlich die Geschichte der Frauen, die im Zentrum ihrer Filme liegt, um die Abhängigkeit von Männern zu untersuchen, aber auch wie Männer Frauen ausbeuten und manipulieren. ... Ihre Filme stießen auf viel Lob. Dennoch hat sie auch verletzende Kritik erfahren müssen. Einige Kritiker bezeichneten ihre Filme als 'weibisch' und warfen ihr vor, nicht ausreichend 'feministisch' zu sein, da ihre Frauenfiguren sich ihren Notlagen beugen." Doch "alles in allem zieht sie es einfach vor, sich an die Prinzipien des Kinos der realistischen Ära zu orientieren: 'Ich möchte Frauen so darstellen wie sie sind, statt so, wie sie sein sollten.'" Einen kleinen Eindruck ihres Schaffens vermittelt dieser Trailer:

Magazinrundschau vom 14.09.2021 - Himal

Die Frauen in der ganzen Welt müssten zu den Afghaninnen stehen, ruft Mary Akrami vom "Netzwerk afghanischer Frauen", das eine Reihe von Frauenhäusern in Afghanistan gegründet hatte, von denen nur das in Kabul noch existiert. "Leider - ich habe gerade mit Frauen gesprochen, die im Frauenhaus leben - zahlt die Bank ihnen kein Geld mehr aus. Im Moment sind 50 bis 60 Frauen und Kinder im Frauenhaus untergebracht. Die andere Zweigstelle wurde geschlossen und alle Frauen wurden dorthin gebracht. Ich habe Hunderte von Nachrichten aus dem Frauenhaus erhalten und weiß nicht, was ich tun soll, um diesen Mädchen zu helfen. Sie schicken mir ständig Nachrichten, in denen sie sagen: 'Bitte vergesst uns nicht.' Sie stehen mir näher als meine Familie, und ich bin nicht in der Lage, sie zu retten. Einige von ihnen sind schon seit langer Zeit dort. Das erste Mädchen, das ich 2004 im Heim aufgenommen habe, ist immer noch dort. Sie wurde von ihrer Familie gefoltert. Jetzt hat sie eine Ausbildung und arbeitete in dem Restaurant, das an das Heim angeschlossen war und jetzt geschlossen ist. Diese Frauen haben studiert, sie haben als Sozialarbeiterinnen gearbeitet. Sie haben niemanden, und einige von ihnen kommen aus sehr ländlichen Gegenden. Es ist nicht leicht für Frauen, sich gegen eine solche Situation zu wehren. Ich bin sehr besorgt."
Stichwörter: Afghanistan, Frauenhäuser

Magazinrundschau vom 10.08.2021 - Himal

In Pakistan mischt sich das Militär wieder stärker in die Politik ein, berichtet Salman Rafi Sheikh. Ziel sei es, die Autonomie der Provinzen, die 2010 durch den 18. Verfassungszusatz garantiert wurde, wieder einzuschränken: "Im Jahr 2021 hat das pakistanische Militär die Kontrolle über die Politik deutlich zurückgewonnen, wobei derzeitige und ehemalige Militärangehörige die zivilen Institutionen überschwemmen und praktisch ein 'hybrides Kriegsrechtsregime' bilden. Während die Militarisierung des Gemeinwesens im Allgemeinen die Demokratie schwächt, hat die dominante Rolle des Militärs im pakistanischen Kontext auch schwerwiegende Auswirkungen auf die multiethnische Föderation und untergräbt die Rechte und die Autonomie der Provinzen, die durch den 18. Zusatz zur Verfassung garantiert sind. Es ist allgemein bekannt, dass das pakistanische Militär eine zentralisierte und einheitliche Regierungsform mit einem Präsidialsystem bevorzugt. ... In meinen Gesprächen mit ehemaligen Militärs, die regelmäßig in verschiedenen Medien als 'Analysten' den Standpunkt des Militärs vertreten, wurde deutlich, dass das militärische Establishment starke Vorbehalte gegen den 18. Zusatz hat. Dies liegt nicht nur daran, dass die Bundesprovinzen dadurch finanziell mächtiger geworden sind und das Militär nicht mehr unbegrenzt auf die Staatskasse zugreifen kann, sondern auch daran, dass die Änderung es den Provinzen ermöglicht, ihren eigenen Lehrplan zu erstellen, wodurch sie regionale oder ethnische Identitäten auf Kosten einer nationalen 'pakistanischen Identität' fördern können. Damit weichen sie von einer bestimmten Vision der pakistanischen nationalen Identität ab, die alle pakistanischen Militärregime mit politischen und militärischen Mitteln zu festigen suchten."

Magazinrundschau vom 27.07.2021 - Himal

Die nervigen Affen im Straßenbild von Delhi werden immer mehr zur Last. Neue Jobs werden geschaffen: Leute aus untersten Schichten werden angeworben, um die Affen gezielt zu vertreiben. Das ist nicht etwa eine Zustandsbeschreibung der Lage vor Ort, sondern die Prämisse des allem Vernehmen nach wohl ziemlich grotesken Films "Eeb Allay Ooo!" von Prateek Vats, dem Amish Raj Mulmi bei allem Spiel mit dem Absurden durchaus ernstzunehmende Facetten abgewinnen kann: "Binnen weniger Minuten betreten wir eine Welt der Metaphern und Metonymien. Eingebettet ist sie in die materielle Schräglage der Stadt Delhi und deren verschiedener menschlicher und nichtmenschlicher Bewohner. ... Vats navigiert fortlaufend zwischen dem Allegorischen und dem Realen und verwischt dabei mitunter auch die Grenzen dazwischen. ... In gewisser Hinsicht ist das ein Film über die ereignisarme, alltägliche und doch beängstigende Ungleichheit, die in Delhi herrscht. Er zeigt die Qual auf, keinen Job zu haben, die fundamentale Sehnsucht nach würdevoller Arbeit, aber auch den zerschmetternden Druck und die innere Aufgewühltheit, nicht nur für den eigenen Haushalt und ein sich ankündigendes Kind zu sorgen, sondern auch noch den sich auftürmenden Erwartungen der Familie zu entsprechen. Es ist zugleich ein Film über den Glaube in Südasien und sein Spektrum von Ehrfurcht bis Respektlosigkeit, Aberglaube und Hingabe." Der Trailer ist auch wirklich hübsch absurd:

Magazinrundschau vom 06.07.2021 - Himal

Für die atlantische Welt mag es ein großer Fortschritt sein, die Revolution von Haiti in das Zeitalter der Revolutionen mit einzuschreiben. Aber nicht für die pazifische, betont der Historiker Sujit Sivasundaram, der mit seinem Buch "Waves Across the South: A New History of Revolution and Empire" noch einmal den Blick drehen will, wie er in einem Interview erklärt: "Das Zeitalter der Revolutionen ist geprägt von den großen Ereignissen, der Amerikanischen Revolution, der Französischen oder auch der Haitianischen Revolution. Dieser enge Focus auf Ereignisse, die leicht datiert und als Abfolge von Geschehnissen identifiziert werden können, hat leider dazu geführt, dass unser Verständnis von der Entstehung der modernen Welt von der Atlantischen Welt dominiert wird. Es sind die amerikanischen, französischen und haitianischen Erhebungen in der atlantischen Welt, die unsere Begriffe von Recht, Zugehörigkeit, Widerstand, Vernunft und Nation prägen. 'Waves Across the South' ist ein Experiment in der kritischen Neubewertung des Zeitalters der Revolutionen, das Buch blickt auf die Veränderungen, die im Indischen und Pazifischen Ozean in dieser Ära der Veränderung im Gange waren. In der Welt dieser beiden Ozeane geht es im Zeitalter der Revolutionen nicht um Ereignisse, sondern um Prozesse. Seine Protagonisten sind die Seevölker am Rande der Meere, die eine aufwühlende und beispiellose Welle des Imperialismus erlebten und ihr widerstanden, aber auch die europäischen Imperialisten, die sich den Träumen, der Politik und dem Selbstbehauptungswillen der Seevölker entgegenstellten. Für mich besteht das Zeitalter der Revolutionen in dieser Dynamik aus indigenem Handeln als Revolution und dem Imperialismus als Gegenrevolution."

Als malaysische Version des Magischen Realismus empfiehlt Deepa Bhasthi S Hareeshs Roman "Moustache", in dem Kokospalmen zu sprechen beginnen und Krokodile nach Rache dürsten.

Magazinrundschau vom 04.05.2021 - Himal

Das Magazin bringt einen Artikel von Aditya Bahl, in dem es um die inneren Gegensätze der Bauernproteste in Indien geht: "Derzeit blockieren mehr als eine halbe Million Bauern und Argrararbeiter die Autobahnen rund um Neu Delhi. Sie protestieren gegen die Pläne der Regierung, Agrarkonzerne den landwirtschaftlichen Sektor übernehmen zu lassen. Währen der letzten vier Monate sind so aus Traktoren und Anhängern politische Kommunen auf Rädern entstanden. Sie sind bis zu 15 Kilometer lang, beherbergen Bibliotheken, Gemeinschaftsküchen, improvisierte Schulen, Freiluftkinos und Bühnen für politische Reden und kulturelle Darbietungen. Auch wenn die nationalen Medien sie als Analphabeten oder Terroristen beschimpfen, propagieren die Protestierenden ihre improvisierte Kommune als alternative Volksrepublik, die für einen gleichberechtigten Zugang zu menschlichen Grundbedürfnissen eintritt. Diese Modell-Republik hat allerdings ihre eigenen Probleme. Genau wie die Gesellschaft, die sie hervorgebracht hat, kämpft die Bewegung mit klassen- und kastenbezogenen Gegensätzen, die vielleicht am besten im Slogan 'Keine Bauern, kein Essen' zutage treten … Zunächst gibt es keine Bauern an sich, die indische Bauernschaft ist entlang Klassen- und Kastengrenzen gespalten. Abgesehen von den Gegensätzen, die Kleinbauern und Großbauern trennen, existiert auch ein starker politischer Gegensatz zwischen Bauern und Landarbeitern. Angesichts des Umstands, dass 56 Prozent der indischen Landbevölkerung landlos ist, ist es überraschend, dass ein populärer Slogan wie 'Keine Bauern, kein Essen' die große proletarische Mehrheit im Land ignoriert. Die ohne Grundbesitz teilen sich wiederum in eine Vielzahl von politisch-ökonomischen Teilinteressen, was zu einem Labyrinth von klassenbasierten sozialen Gefügen führt: die Lohnarbeiter, die oft saisonal angestellt sind, die von einem höherkastigen Verpächter lohnabhängigen Arbeiter und die Pächter selbst … Am wichtigsten aber ist die Tatsache, dass Landbesitz in Indien eine Frage der Kaste ist. Im Punjab etwa macht die Dalit-Gemeinde 32 Prozent der Bevölkerung aus, und 86 Prozent aller Landarbeiter sind Dalit, doch nur drei Prozent der Dalit besitzen Ackerland."

Magazinrundschau vom 20.04.2021 - Himal

Es ist immer schwierig zu beurteilen, ob jemand eine bestimmte Position wegen seiner Verdienste erreicht hat oder aufgrund seiner Privilegien - vor allem wenn der Erwerb des einen (Verdienste) ohne das andere (Privilegien) gar nicht möglich gewesen wäre. Wie das in Indien funktioniert, hat der Anthropologe Ajantha Subramanian am Beispiel der Ingenieurausbildung in seinem Buch "The Caste of Merit" beschrieben. "Es ist wichtig zu verstehen, dass die Kaste wie ein Filter wirkt", erklärt er im Interview mit Himal: "Erstens dafür, welche Gruppen Zugang zu Bildung haben; zweitens, wer in der Elite-Hochschulbildung erfolgreich sein kann; und drittens, wer die Hochschulbildung als Sprungbrett in die USA nutzen kann. Die Kastenschichtung der indischen Gesellschaft hat dafür gesorgt, dass die angesehensten und wettbewerbsfähigsten Hochschulen, wie die IITs, weiterhin Räume des Kastenprivilegs und sichere Wege zum Erfolg in der Diaspora sind. Zwar hat sich die soziale Zusammensetzung solcher Institutionen aufgrund der Quoten etwas verändert, doch haben diese Veränderungen noch keine spürbaren Auswirkungen auf die elitärsten Institutionen und auf die Muster der transnationalen Migration. Wenn Quoten für minder privilegierte Gruppen in der öffentlichen Elitebildung oder in der Beschäftigung im öffentlichen Sektor eingeführt wurden, bestand eine typische Reaktion der privilegierten Kasten darin, in den privaten Sektor oder ins Ausland zu gehen. Die spezifische Form von Kapital, über die sie verfügen - akademische und berufliche Qualifikationen - hat den Ausstieg leicht gemacht. Da es sich dabei um eine übertragbare Form von Kapital handelt, hat der Ausstieg auch zur weiteren Akkumulation von Kapital beigetragen. Am dramatischsten ist dies im Fall der IIT-Absolventen, die ihr Kastenkapital genutzt haben, um in die USA zu gelangen und noch mehr Kapital im US-Technologiesektor zu akkumulieren."
Stichwörter: Indien, Meritokratie, Kasten, Diaspora

Magazinrundschau vom 23.03.2021 - Himal

Im Interview mit Himal skizziert die Juraprofessorin Pratiksha Baxi von der Jawaharlal Nehru University in Neu Delhi die verzweifelte Lage von vergewaltigten Frauen in Indien. Oft wird ihnen nicht geglaubt, sie werden obskuren Wahrheitstest unterzogen, psychologische Betreuung ist praktisch unbekannt - nicht mal Ersatzkleider bekommen sie gestellt, wenn sie auf der Polizei ihre Kleidung als Beweisstücke abgeben müssen. Dalit-Frauen sind besonders hart betroffen: In ihrem Buch "Public Secrets of Law" habe sie "versucht zu zeigen, dass die Benennung von Vergewaltigung als Gräueltat in jeder Phase des Strafprozesses auf institutionalisierte Gegenreaktionen stößt", sagt Baxi. "Das Gesetz wurde erlassen, um die unerträgliche Duldung der Vergewaltigung von Dalit-Frauen und -Kindern, die in Praktiken der Unberührbarkeit begründet ist, abzuschaffen. Während meiner Feldforschung in Gujarat stellte ich jedoch fest, dass es eine Reihe von Strategien gibt, um zu vermeiden, dass eine Vergewaltigung als Kastengrausamkeit benannt wird. Eine Strategie ist es, keine Anzeige bei der Polizei zu erstatten oder eine Anzeige abzuschwächen. Medizinisch-juristische Beweise werden, wenn sie nicht vernichtet werden, nicht rechtzeitig oder nicht mit angemessener Sorgfalt gesammelt. Im gesellschaftlichen und juristischen Diskurs werden Dalit-Frauen routinemäßig beschuldigt und als Lügnerinnen bezeichnet. Entschädigung wird nicht als Ersatz, sondern als Motiv zum Lügen gesehen. Wahrheitstechnologien wie die Narkoanalyse, die keinen Beweiswert haben, wurden in den 1990er Jahren eingesetzt, um die Frauen von einer Aussage abzuhalten. Gerichte bestehen auf Kastenzertifikaten, um zu beweisen, dass die Vergewaltigung aus Gründen der Kastenzugehörigkeit erfolgte. Obwohl das Gesetz zur Verhinderung von Gräueltaten in der Folgezeit geändert wurde, hat sich nicht viel geändert. Im Gegenteil, die Repressalien gegen Dalit-Frauen und -Kinder haben sich verschärft."

Außerdem: Die Mehrheit der Myanmaren akzeptiert den Militärputsch in ihrem Land nicht, erklärt im Interview Nai Aue Mon, Direktor einer Menschenrechtsorganisation in Myanmar, der Protest ist nach wie vor groß. Aber auch die internationale Gemeinschaft könnte helfen, so Mon: "In der gegenwärtigen Situation müssen sich alle Anstrengungen darauf konzentrieren, den Geldfluss des Militärs abzuschneiden. Wir müssen ihre Geschäfte boykottieren und Firmen, mit denen sie geschäftlich zu tun haben, ermutigen, dasselbe zu tun. Wir brauchen gezielte Sanktionen gegen sie und ihre Militärkonglomerate, einschließlich der Myanmar Economic Corporation (MEC) und der Myanmar Economic Holdings Limited (MEHL), bei denen der Großteil der Einnahmen dem Militär zugute kommt und nicht dem Volk von Myanmar. Wir fordern auch ein weltweites Waffenembargo und den UN-Sicherheitsrat auf, sofort zu handeln und eine verstärkte Überwachungs- und Interventionsmission nach Myanmar zu entsenden, um die Gewalt gegen friedliche Demonstranten zu stoppen und weitere Verluste an Menschenleben zu verhindern.

Magazinrundschau vom 22.12.2020 - Himal

Wie sehr sich Bangladesch in den letzten fünfzig Jahren verändert hat, kann man nirgends besser sehen als in der Hauptstadt Dhaka, meint Zafar Sobhan: "Dhaka ist heute nicht wiederzuerkennen als die verschlafene, charmante, ruhige Stadt, die sie noch vor einem halben Jahrhundert war. Die Verwandlung von einer vornehmen und behäbigen Stadt mit baumgesäumten Alleen, Teichen, Kanälen und geräumigen Bungalows inmitten von überwucherten Gärten in eine schwindelerregende Metropole mit 12 Millionen Einwohnern, dröhnenden Autos und einem Häuserblock nach dem anderen mit unbemalten Betonwohnungen, soweit das Auge reicht, hat etwas durchaus Erschreckendes. Aber der Unterschied liegt nicht nur in der physischen Transformation, sondern auch im Ton und im Gefühl. Dhaka ist heute eine hochoktanige Megastadt, in der das Leben schnell und rasant ist (mit Ausnahme des Verkehrs, der langsam und träge bleibt), in der Wut und Gewalt unter der Oberfläche brodeln. Die Stadt ist ein Pulverfass, in dem Straßenräuber, Gelegenheitsdiebe und Entführer routinemäßig von wütenden Bürgerwehren zu Tode geprügelt werden; in dem zornige Industriearbeiter jeden Moment die Straßen übernehmen; in dem Gewalt und Anarchie nie weit entfernt sind. Dhaka brodelt, schwillt an, wogt und pulsiert. Vom Rikschafahrer über den Taxifahrer, den Verkehrspolizisten, den Textilarbeiter, den Studenten, den Tagelöhner bis hin zum gut situierten Geschäftsmann - manchmal scheint es, als hätten alle in Dhaka eines gemeinsam: die Wut. Die Wut brodelt ewig unter der Oberfläche dieser einst so friedlichen Stadt und droht jeden Moment überzukochen. Es ist diese Wut, die das Dhaka des 21. Jahrhunderts von dem Dhaka der Vergangenheit unterscheidet. Und es ist die Verrohung, die die einschneidendste und bemerkenswerteste Veränderung ist, die die Geschichte hervorgebracht hat."