
Nach einem neuen Erlass sollen ab dem kommenden Hochschuljahr in Ungarn die Studienfächer der
Gender Studies eingestellt werden. Dies wird auch als weiterer Schritt zur Aufhebung der
Autonomie der Universitäten bewertet, wogegen im In- und Ausland heftig protestiert wird. "Eine endgültige Entscheidung gibt es bisher nicht, doch es ist vielsagend dass die Universitäten während der Sommerpause nur 24 Stunden Zeit bekamen, das Vorhaben zu beurteilen,
berichtet Péter Hamvay. "Es wurden keinerlei Studien beigefügt, die die Auflösung des Studiengangs stützen. Später wurde eine Begründung nachgereicht, wonach der Studiengang
wirtschaftlich nicht rational sei und auf dem ungarischen Arbeitsmarkt keinerlei Bedarf dafür bestehe. Mit dieser Begründung könnten jedoch Fächer von der Altphilologie bis hin zur Assyrologie und Ägyptologie sowie die meisten geisteswissenschaftlichen Fächer eingestellt werden. Die Universitäten lehren und betreiben zahlreiche Wissenschaften, die keinen unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen aufweisen."
Kam die Anordnung von oben? Árpád W. Tóta
glaubt es nicht. "Viktor Orbán interessieren die Sozialwissenschaften nicht. Wahrscheinlicher sind untergeordnete Opportunisten, die mit diesem Vorhaben auf
Anerkennung des Regimes hofft. Der
Bildhauer, der 'nationale Stauten' macht, weil die auf jeden Fall übernommen werden, auch wenn sie wie Stuhlbeine aussehen. Der
Journalist, der keinen originellen Satz schreiben kann und sich somit auf Denunzierungen spezialisiert, weil diese auch bei Polizeiberichten funktionieren. Der
Regisseur, der auf die Bühne Pferde und Kreuze schiebt, weil die so ungarisch sind und weiß, dass er damit keinen Oscar und keinen Goldenen Bären erhalten wird - er hasst jene, die das schafften - aber er weiß auch, wenn er Federgras in den Misthaufen steckt, er das auch verkaufen kann: An den Staat. (...) Kleinliche, primitive Menschen, die zwar nicht laufen können, aber
fürs Beinstellen reicht es gerade. (...) So erging es in den Dreißigern Jahren dem deutschen Atomphysiker, in den Fünfzigern Jahren dem russischen Kybernetiker. Und so erging es in beiden Regimen den Psychologen. Mit Machtinstrumenten ausgestattet, sich ins Fäustchen lächelnd machten jene neidischen nichtsnutzigen "Niemande" Existenzen kaputt und beriefen sich dabei stets auf Heimatliebe und Treue. Sie konnten dies tun, weil niemand gegen sie das Wort erheben und sagen konnte, dass es dem Vaterland schadet, wenn die Politik der Wissenschaft
die Richtung vorschreibt."