
Im Interview mit Tibor Legát
spricht der Filmregisseur
Béla Tarr über
Bedingungen künstlerischen Schaffens im heutigen Ungarn: "Ich müsste Kompromisse schließen, weil für meine Tätigkeit grundsätzlich Geld nötig ist. Wir können sehen, dass es in Ungarn für vieles Geld gibt und es ist offensichtlich, dass auch ich Geld bekäme, wenn ich darum bitten würde, doch dafür müsste ich
einige Spielregeln akzeptieren, wozu ich allerdings nicht fähig bin. Wenn ich es schaffte, mein bisheriges Leben ohne Kompromisse zu leben, dann soll es auch so bleiben. (...) Selbst wenn die Erfolge - zwei Oscars, sowie der Goldene Bär und die Silbernen Bären - aufgrund des Vajna-Systems entstanden wären, würden sie das antidemokratische System nicht legitimieren; so wie
Rubiks Zauberwürfel Kádár und sein Regime nicht legitimierte. Diese Filme sind
persönliche Erfolge, sie wurden von talentierten Menschen gemacht, die selbst wissen, welche Kompromisse sie dafür eingegangen sind. Aber es ist ausschließlich ihr Erfolg und nicht der des Systems. Kultur kann nicht zentral gelenkt werden. (...) (Darum) bin ich auch nicht um die ungarische Kultur besorgt, denn sie entsteht autonom und nicht auf Bestellung. Das Petőfi Literaturmuseum kann enthauptet werden, sie können über Esterházy sagen, dass er 'kulturfeindlich' sei, sie werden trotzdem
nicht gewinnen. Seit 1978 kenne ich das Kulturleben, seitdem gab es
um die 30 Kultusminister und ich weiß gar nicht wie viele 'Zuständige'. Wer erinnert sich an sie? Wir haben uns nicht mal ihren Namen gemerkt. Und mit den jetzigen wird genau dasselbe passieren, während wir uns
an Esterházy erinnern werden, solange es ein geschriebenes ungarisches Wort gibt."