
Nach heftigen Angriffen regierungsnahen Presse auf den Direktor des
Petőfi Literaturmuseums (PIM), Gergely Prőhle, wurde dessen Vertrag durch den zuständigen Minister zum 1. November gekündigt. Ein
Nachfolger wurde bis jetzt
nicht benannt. Prőhle, der zuvor selbst in der Orban-Regierung als Staatssekretär gearbeitet hatte, wurde vorgeworfen, dass er zu viele "linksliberale Schriftsteller" eingeladen und damit Haushaltsmittel "zweckentfremdet" hätte. Auch hätte die Ausstellungen (im Zentrum der Kritik stand eine Ausstellung der ungarische Avantgarde mit Lajos Kassák, der sich selbst als Sozialist bezeichnete) nicht den "bei den Wahlen demonstrierten Volkswillen widerspiegeln". Der Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Kritiker
Dénes Krusovszky erinnert daran, dass es beim PIM um viel mehr geht, als um die Einladung von vermeintlich falschen Gäste oder nicht linientreuen Ausstellungen: "Die institutionelle Arbeit des PIM deckt in Wahrheit den Reichtum der ungarischen schriftlichen Kultur ab - darum können
Verwaltungsprobleme die gesamte Netzwerkstruktur erledigen. Einfacher gesagt, wenn das Literaturmuseum als Institution
funktionsunfähig wird oder nur vor sich hinvegetiert, wird sich das auf die gesamte schriftliche Kultur Ungarns auswirken. Nicht, weil vielleicht unwürdige Schriftsteller und inakzeptable Ausstellungen die Räumlichkeiten des Károlyi-Palastes füllen werden, sondern weil die
eigentliche Arbeit, die Forschung, die Aufarbeitung, Sammlung und Interpretation in Gefahr geraten wird - also alles, was wir Schriftlichkeit nennen. Die eine oder andere schlechte Lesung kann ertragen werden und auch ein Boykott - falls es soweit kommen sollte - ist nicht das Ende der Welt. Doch es wird problematisch, wenn hinter den Kulissen
die Arbeit unmöglich wird."