Magazinrundschau - Archiv

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116 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 12

Magazinrundschau vom 07.07.2026 - New Lines Magazine

Die Blockade des offenen Internets im Iran hat sich lange angebahnt, weiß die iranische Journalistin Fateme Karimkhan. 88 Tage dauerte der Internet-Blackout, der einen Großteil der iranischen Bevölkerung vom Rest der Welt abschnitt. Aber die Bemühungen um ein "nationales Internet", das nach chinesischem und russischem Vorbild vom Regime kontrolliert wird, sind schon alt, erklärt die Autorin. Schon nach der Präsidentschaftswahl 2009 sperrte das Regime eine Zeit lang soziale Netzwerke für iranische Nutzer, in den Folgejahren wurden die Einschränkungen immer weiter ausgebaut, wenn es zu Protesten gegen die Regierung kam. Spätestens seit der Gründung des "Obersten Rates für den Cyberspace" im Jahr 2011 ist die Internetstrategie der Islamischen Republik offensichtlich: "Der Grundgedanke hinter der Entwicklung eines 'nationalen Internets' war, dass der Iran einen Großteil der von seinen Bürgern benötigten digitalen Dienste ohne Abhängigkeit vom globalen Internet bereitstellen könnte. Investitionen und der Druck von Institutionen wie dem Obersten Rat für den Cyberspace förderten den schrittweisen Aufbau heimischer Rechenzentren, lokaler Suchmaschinen, inländischer Messaging-Plattformen und interner Knotenpunkte für den Datenaustausch. Ziel war es sicherzustellen, dass für jeden Dienst oder jedes Netzwerk, das entfernt oder gefiltert wurde, eine inländische Alternative bereitstand, die den umgeleiteten Datenverkehr bewältigen und die entstandene Nachfrage decken konnte. Für den Ausbau dieses Netzwerks, das unter der Oberfläche des globalen Internets wuchs, standen ausreichende Mittel zur Verfügung. Das technische Modell hierfür war bereits in China und teilweise in Russland entwickelt worden." In der "Praxis bedeutete dies, dass iranische Nutzer sich gleichzeitig in zwei Netzwerken bewegten: dem globalen Internet und dem nationalen Netzwerk des Iran. Unter normalen Bedingungen funktionierten beide parallel. In Krisenzeiten konnte das Land jedoch den Zugang zum globalen Internet einschränken und gleichzeitig das nationale Netzwerk aufrechterhalten, sodass Banken, staatliche Systeme und zugelassene Dienste weiterhin erreichbar blieben."

Charles Cuau besucht die wenigen syrischen Familien, die sich noch einer Profession mit langer Tradition in Syrien widmen: der Seidenraupenzucht. Bis zu den sechziger Jahren florierte in Syrien die Seidenherstellung, doch wo einst jährlich 300 Tonnen Seide hergestellt wurden, ist es heute weniger als eine Tonne am Tag: "Zunächst kam die ausländische Konkurrenz, insbesondere aus Asien, sowie der Aufstieg der Kunstseide, die sich als kostengünstiger in der Herstellung erwies. Auch die Verstaatlichung der Spinnereien und die mangelnde Unterstützung der Branche durch das Assad-Regime versetzten ihr einen schweren Schlag. Schließlich brachte der Bürgerkrieg die syrische Seidenraupenzucht fast vollständig zum Erliegen. Zwischen 2011 und 2014 wurde die Produktion komplett eingestellt und ist seither nur in geringem Umfang wieder angelaufen."

Magazinrundschau vom 30.06.2026 - New Lines Magazine

Jared Kushner und Ivanka Trump haben in Albanien eine rasch wachsende Protestbewegung ins Leben gerufen; allerdings unfreiwillig, berichtet Mauro Mondello, durch ihren Plan, eine viele Millionen Dollar teure Luxushotelanlage zu errichten. Entstehen soll sie im albanischen Naturschutzgebiet Vjosa-Narta, das diesen Namen nicht mehr verdient, seit die Regierung des Landes unter Premierminister Edi Rama ein Naturschutzgesetz aufgeweicht hat - um Investoren vom Schlage Kushner und Trump ins Land zu locken. Womit Rama und seine Mitstreiter nicht gerechnet haben: Die bislang, dank jahrzehntelanger autokratischer Unterdrückung im besonders bleiernen Staatssozialismus Albaniens, politisch apathische Bevölkerung hat die Nase voll: "Die Menschen, die sich jeden Abend in Tirana versammeln, fordern einen grundlegenden Wandel. Sie wünschen sich ein anderes Albanien - eines, in dem Emigration eine Entscheidung und keine Notwendigkeit mehr ist. Innerhalb dieser umfassenderen Vision sind die unmittelbaren Forderungen nach der Rücknahme der Änderungen des Gesetzes über Schutzgebiete und Stopp des Resortprojekts Vjosa-Narta zu einem starken Symbol geworden. Sie dienen als Sammelpunkt für eine Bewegung, die ablehnt, was viele Demonstranten als jahrzehntelanges Missmanagement öffentlicher Angelegenheiten durch das politische Establishment Albaniens betrachten. Deshalb richten sich die Sprechchöre, Parolen und Reden nicht nur gegen Rama, die Sozialistische Partei und die derzeitige Regierung. Sie richten sich auch gegen die oppositionelle Demokratische Partei und ihre bekannteste Persönlichkeit, Sali Berisha, der mehr als ein Jahrzehnt lang Ministerpräsident war. Dies sind die Politiker und Parteien, die die albanische Politik seit 1991 geprägt haben. Zunehmend werden sie von den Demonstranten zurückgewiesen, deren prägender Ruf lautet: 'Rama në burg, Berisha në burg' - 'Rama ins Gefängnis, Berisha ins Gefängnis.'"

Außerdem: John Klopotowski erinnert an die Armenierin Vartuhi Kalantar, die 1915 in ein osmanisches Gefängnis geworfen worden war und 1918 freikam: Sie war die erste Frau im Nahen Osten, die ein Gefängnismemoir schrieb, so Klopotowski.

Magazinrundschau vom 22.06.2026 - New Lines Magazine

"Wenn wir heute über Afghanistan sprechen, dann geht es um Terrorismus und Krieg, um die Taliban und Al-Qaida", hält Shabnam Nasimi fest. Fast vergessen ist die komplexe Geschichte des Landes, das einst eine "zentrale Rolle in der Weltgeschichte spielte". Vor Augen geführt wird ihr diese Geschichte bei der Betrachtung einer Münzsammlung im British Museum, die der politische Agent Sir Alexander Burnes zusammengetragen hat, der in den 1830er-Jahren durch Afghanistan reiste und im Auftrag der Ostindien-Kompanie Gebiete kartierte. Obwohl Burnes eine zwiespältige Figur war, da er die Eroberung durch die Briten vorantrieb (und zu deren Ende in Kabul grausam von einem Mob von Einheimischen ermordet wurde), ist Nasimi dankbar für die Münzen, mit denen sie die wenig bekannte Historie entdecken kann: "Das Kuschana-Reich markiert einen Höhepunkt in der Geschichte der Region, eine Zeit, in der Afghanistan tatsächlich das Zentrum der Welt bildete. Der Handel auf der Seidenstraße, die Rom mit China verband, erreichte seinen Zenit, und die Kuschana kontrollierten die entscheidenden Routen durch Zentralasien. An den Fundstätten der Kuschana haben Archäologen römisches Glas, chinesische Seide, indisches Elfenbein und griechische Skulpturen entdeckt - Belege für ein wahrhaft globales Handelsnetzwerk. Auf Münzen und Inschriften der Kuschana-Zeit finden sich Griechisch, Baktrisch, Sanskrit und Prakrit - ein Spiegelbild des mehrsprachigen Charakters dieses Reiches. Es handelte sich um eine hybride Kultur, die sich einer einfachen Kategorisierung entzog. Die Münzen selbst zeugen von dieser Synthese: griechische Buchstaben, die iranische Götternamen wiedergeben; buddhistische Bildmotive im hellenistischen Stil; zentralasiatische Herrscher, die indische Titel annahmen."

Magazinrundschau vom 16.06.2026 - New Lines Magazine

Der ehemalige Fotojournalist und Politologe Shyam Tekwani begleitete zu Beginn des Bürgerkrieges in Sri Lanka die Rebellen der "Liberation Tigers of Tamil Eelam", die gegen die srilankische Regierung und die von Indien entsandten Indian Peace Keeping Forces kämpften. In der Stadt Kokuvil, einem Vorort der nordsrilankischen Stadt Jaffna, machte Tekwani ein Foto von 13 getöteten indischen Soldaten, für das er berühmt wurde: "Ich erinnere mich deutlicher daran, wie ich den Fokus eingestellt habe als an ihre Gesichter. Im Bildausschnitt lagen 13 Jawans (Infanteristen, Anm.d.Red.) dort, wo die Gewalt sie hingeworfen hatte. Einige waren nach vorne gefallen; andere lagen in Winkeln verdreht, die weniger schmerzhaft als unterbrochen wirkten. Der Boden unter ihnen hatte begonnen, sich zu verfärben, nicht dramatisch, aber stetig, während das Blut die flachen Vertiefungen im roten Staub fand und sich dort mit einer Geduld sammelte, die fast zeremoniell wirkte. Ein Soldat war an eine Wand gesunken, neben ihm eine Tiffin-Box, aus der Puris und Aloo Sabji zur Hälfte herausgefallen waren. Ein gefalteter Brief ragte aus seiner Brusttasche hervor, dessen Rand dort fleckig war, wo Schweiß und Blut aufeinandergetroffen waren. Eine Fliege ließ sich auf der Wange eines Soldaten nieder und blieb dort sitzen, als hätte der Nachmittag ihn bereits eingeholt. Die Komposition stammte nicht von mir: Sie wurde mir durch Zufall und durch die Choreografie des Tötens gegeben. Was ich wählte, war nur der Bildausschnitt, der Moment und welcher Tod in den Mittelpunkt gerückt werden sollte." Tekwani schildert, wie ihn das Foto, das in Konferenzräumen, Universitäten und Magazinen auf der ganzen Welt besprochen wurde, nie ganz losgelassen hat. Und wie die Soldaten, trotz der großen Aufmerksamkeit, für immer namenlos blieben: "Ich habe die Namen der 13 nie erfahren. Ich kannte das Datum. Ich kannte die Kreuzung. Ich kannte die genaue Entfernung zwischen mir und dem Soldaten unter den Blumen. Ich konnte die Tiefenschärfe noch aus dem Gedächtnis berechnen. Aber ihre Namen fanden keinen Eingang in mein Notizbuch. In den folgenden Jahren unternahm ich Versuche, sie ausfindig zu machen. Jeder Versuch wurde blockiert - von der indischen Regierung, von der indischen Armee. Die 13 blieben offiziell namenlos, nicht nur für mich, sondern auch für den Staat, der sie entsandt hatte."

Magazinrundschau vom 09.06.2026 - New Lines Magazine

Suzana Vuljevic erinnert an den vor zwanzig Jahren gestorbenen "Gandhi des Balkans", den kosovarischen Politiker Ibrahim Rugova. Der studierte Literat und Intellektuelle Rugova, der 1989 zum Vorsitzenden der Demokratischen Liga des Kosovo gewählt und später Präsident wurde, vertrat mit seiner "Theorie der ästhetischen Verweigerung" eine Denkweise, die gewaltlosen politischen Widerstand und Literatur eng zusammendachte: "Die entschiedenste, die 'wahre' Form der Verweigerung, beruhte auf Überzeugung und Argumentation und konnte von Einzelpersonen oder Kollektiven vorgebracht werden. Seiner Ansicht nach ließen sich die intimsten Momente des Lebens - Freude, Bitterkeit oder Liebe angesichts von Unterdrückung, Knechtschaft oder Zwang - auch als Ausdruck von Widerstand verstehen." Mit dieser Haltung protestierte Rugova gegen die Unterdrückung der Albaner im Kosovo durch das serbische Regime unter Slobodan Milošević: Um "dem entstehenden Apartheid-System Widerstand zu leisten, schlossen sich verschiedene politische Strömungen im Kosovo unter Rugovas Führung zusammen und bildeten einen Parallelstaat. Dieser bestand aus Untergrundschulen in Privathäusern, Geschäften und Scheunen sowie einem parallelen Gesundheitssystem", das die Kosovo-Albaner vor allem mit Hilfe der Diaspora im Ausland finanzierte. Nachdem Hunderttausende Albaner aus ihrer Heimat vertrieben worden waren, "mobilisierte sich die albanische Bevölkerung des Kosovo im September 1991, Monate nach den Unabhängigkeitserklärungen Sloweniens und Kroatiens von Jugoslawien, an den Wahlurnen: Von den 87 Prozent Wahlberechtigten stimmten 99 Prozent im Referendum für ein unabhängiges Kosovo."

Magazinrundschau vom 02.06.2026 - New Lines Magazine

Mahmoud Habboush führt in die Besonderheiten der Dschahili-Dichtung ein, eine altarabische Kunstform aus der Zeit vor dem Aufstieg des Islam im 7. Jahrhundert nach Christus. Habboush erklärt, dass die Dschahili-Dichtung ein ganz besonderes Merkmal hat, nämlich den Ausdruck "einer Lebenserfahrung vor der modernen Trennung zwischen Mensch und Natur, Subjekt und Objekt, innerem Gefühl und äußerer Welt." Die "alten arabischen Traditionen, die Dichtung als Besessenheit durch einen Dschinn verstanden, bergen eine bemerkenswerte Intuition: Dichterische Rede entspringt nicht einem distanzierten, beobachtenden Selbst, sondern einer Kraft, die den Dichter ergreift und Welt, Körper, Erinnerung und Gefühl zugleich in die Sprache einfließen lässt." Als Beispiel nennt er einige Gedichtzeilen des beduinischen Dichters Imru al-Qays, der als der größte Dichter der vorislamischen Zeit gilt. In seinen Gedichten manifestiere sich diese spezielle "unmittelbare und partizipatorische Präsenz der Natur":

"Und eine Nacht, gleich den Wellen des Meeres, senkte ihre Schleier über mich,
mit aller Sorgfalt, um mich zu prüfen."

Die Nacht "bringt Kummer nicht als abstrakte Idee. Ihre Sorgen kommen mit der Schwere der Meereswellen, die auf seiner Brust lasten. Diese Zeile findet sich etwa in der Mitte des Gedichts, nach einem fulminanten Auftakt, der von einer Klage über Lagerplätze über den Schmerz unerfüllter Liebe bis hin zu erotischem Prahlen über das Verweilen mit hochgeborenen Frauen und das Eindringen in geschützte Räume der Intimität reicht. Hier erinnert er uns daran, dass er nachts, vielleicht wenn er nicht mehr in den Bann einer Geliebten tritt, mit seinen endlosen Sorgen allein ist. Vielleicht liegt hinter dieser Einsamkeit die alte Geschichte seiner Verbannung durch seinen Vater, sofern wir dieser weitverbreiteten Tradition überhaupt Bedeutung beimessen. In der nächsten Zeile, in einem einzigen Akt, als befänden wir uns in einem surrealen Traum, nimmt die vom Meer beschwerte Nacht den Körper eines kamelartigen Tieres an:

"So sprach ich zu ihm, als es seine Lenden ausstreckte,
nachfolgte mit seinen Hinterläufen und stemmte sich mit seiner Brust nach unten."

"Nacht, Meer, Kamel, Trauer und menschliches Bewusstsein sind alle in dieselbe Ordnung eingebunden", so Habboush, sie "wirken aufeinander ein und werden voneinander beeinflusst. Die Nacht gleicht der Welle in ihrer Ausdehnung und Schwere und dem Kamel in seiner Streckung, seinen Hinterläufen und seiner schweren Brust. Trauer kommt nicht nur als inneres Gefühl, sondern wird von dieser Nacht getragen, als wäre sie eine materielle Last, die auf der Brust drückt."

Farea Al-Muslimi zeichnet nach, wie die schiitisch-islamistische Miliz der Huthi als Teil der "Achse des Widerstandes" zwischen Iran, Syrien, aber vor allem mit der Hilfe der Hisbollah im Libanon wuchs und sich verselbstständigte. In den frühen 2010er-Jahren begannen die gemeinsamen Bestrebungen der iranischen Revolutionsgarden und der libanesischen Terrororganisation, ihren Einfluss auf den Jemen auszudehnen und gezielt Huthi-Kämpfer auszubilden. Den Höhepunkt dieser Zusammenarbeit bildete die Einnahme der jemenitischen Hauptstadt Sanaa durch die Huthi, erklärt der Autor. Der Krieg mit Israel führt jedoch zu einer Veränderung der Dynamik: "Die Tötung Hassan Nasrallahs im Jahr 2024 markierte einen bedeutenden Bruch. Weitere Operationen legten Schwachstellen innerhalb der internen Systeme der Hisbollah offen, darunter Geheimdienstlücken, die eine präzise Tötung hochrangiger Kommandeure an mehreren Fronten ermöglichten. Dieser Druck schränkte die Fähigkeit der Hisbollah ein, im gleichen Umfang im Ausland zu operieren. Ihre Präsenz im Jemen wurde eingeschränkt, Kämpfer wurden abgezogen und ihre Sichtbarkeit verringert. Auch das regionale Umfeld veränderte sich. Der Zusammenbruch des Regimes von Baschar al-Assad in Syrien entfernte eine zentrale Säule des Hisbollah-Netzwerks. In diesem Kontext gewannen die Huthi an Bedeutung. Sie sicherten sich die territoriale Kontrolle, weiteten ihren Einflussbereich aus und entwickelten ihre militärischen Fähigkeiten weiter. Sie benötigten die Hisbollah nun deutlich weniger als zuvor." Die Hisbollah hatte ein Monster geschaffen, das sie nun nicht mehr kontrollieren konnte: "Obwohl die Huthis heute dank der Hisbollah (und damit indirekt auch des Irans) regional und innenpolitisch deutlich stärker sind, agieren sie lokal und international, unabhängig vom Schicksal ihrer Verbündeten. Ihre Angriffe im Roten Meer im Jahr 2023 sind ein Beispiel dafür: Der Iran, der eine Eskalation fürchtete, bat sie, keine Angriffe auf internationale Lieferungen zu starten. Doch ungeachtet dessen und mit den durch den Iran und die Hisbollah gewonnenen Kapazitäten handelten die Huthis nach ihren eigenen Prioritäten."

Magazinrundschau vom 19.05.2026 - New Lines Magazine

Sophie Neiman blickt nach Sudan, wo neue Drohnen-Technologien einen erbarmungslosen Krieg noch grausamer und anonymer machen. Sie haben "den Krieg im Sudan verändert, zu höheren Opferzahlen geführt und die Verantwortlichkeit verwischt. Sie sind auch ein Zeichen für den wachsenden internationalen Einfluss in dem Konflikt. Den sudanesischen Streitkräften (SAF) sollen Drohnen von Ägypten und der Türkei geliefert worden sein, ihren Rivalen, den Rapid Support Forces (RSF), von den Vereinigten Arabischen Emiraten." Drohnenangriffe verschleiern die Verantwortlichkeit in einem Krieg, "in dem beide Seiten ohnehin relativ ungestraft agieren. Es ist oft schwer zu erkennen, wann sie gezielt auf Zivilisten gerichtet waren - was die Angriffe nach internationalem Recht zu einem Kriegsverbrechen machen würde - und wann Todesfälle im Kriegswirrwarr stattfanden." Oft finden Tötungen in Gebieten statt, die "zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und den RSF heftig umkämpft sind, sodass beide Seiten die Täter sein könnten." Es sei "'ohnehin schon schwierig, Einzelpersonen für all die im Sudan begangenen Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen', erklärt ein Mitarbeiter von Amnesty International. 'Wenn die Konfliktparteien durch den Einsatz von Technologien wie Drohnen eine weitere Ebene der Komplexität hinzufügen, verkompliziert das die Frage der Verantwortlichkeit erheblich.'" Insgesamt wurden zwischen 2023 und 2025 rund 780 Zivilisten durch Drohnenangriffe der RSF getötet, so Neiman, weitere 1.800 starben bei Angriffen der SAF, wie aus einem Bericht von Al Jazeera hervorgeht, der sich auf zusätzliche Daten der Forschungsgruppe Armed Conflict Location and Event Data (ACLED) stützt.

Die Historikerin Ana Sekulić untersucht die komplexe Geschichte hinter den traditionellen Tätowierungen katholischer Bosnierinnen. Sie glaubt, die jungen Frauen sollten so unter der osmanischen Besatzung daran gehindert werden, zu Islam zu konvertieren: "Der Glaubenswechsel erforderte nicht nur eine spirituelle Neuorientierung, sondern auch das Wachsenlassen einer völlig neuen Haut. Die Tätowierung diente als Erinnerung - und Versprechen - an den Schmerz, der mit dem Verlassen der Gemeinschaft einherging. Nicht, dass die Muslime vor dem Kreuz geflohen wären; vielmehr mussten die Katholiken ständig daran erinnert werden."

Magazinrundschau vom 12.05.2026 - New Lines Magazine

Am 25. September 1507 begann mit der Ankunft einer portugiesischen Flotte geführt von Afonso de Albuquerque die Geschichte des globalen Kampfes um die Vorherrschaft über die Straße von Hormus, deren wichtigste Stationen Amelia Hankins nachzeichnet. Sie erzählt auch vom sagenumwobenen arabischen Herrscher und Piraten Rahmah ibn Jabir, außerdem ein Dichter und Politiker, den der Kaufmann James Silk Buckingham einst als "den erfolgreichsten und vielleicht am meisten tolerierten Piraten, der jemals ein Meer heimgesucht hat" beschrieb. Im Jahr 1816 hatte Buckingham eine denkwürdige persönliche Begegnung mit Jabir. Er "hielt sich in Maskat auf, als der dort ansässige britische Diplomat Rahmah ibn Jabir und einige seiner Anhänger zum Tee empfing. Diese Begegnung ist  bemerkenswert nicht nur wegen des Bildes eines kampferprobten Mannes in einem 'großen schwarzen Ziegenhaarmantel', der eine Tasse englisches Frühstück an die Lippen führte, sondern auch, weil die Briten sich seit Jahren über Angriffe Jabirs beschwert hatten. Buckingham, der sich dabei etwas überfordert fühlte, beschrieb Jabirs Gesicht als 'von Natur aus wild', seine Arme und Beine als 'von Säbel-, Speer- und Kugelwunden zerschnitten und durchbohrt' und dessen offensichtliches Beharren darauf, sich kleidungsmäßig nicht von seinen Anhängern zu unterscheiden, als 'widerlich'. Jabir wird oft auch der prestigeträchtige Titel des ersten Piraten zugeschrieben, der nachweislich eine Augenklappe trug. Er hatte sich zudem gerade von einer schweren Armverletzung erholt, die ihn vom Ellbogen bis zur Schulter knochenlos gemacht hatte. Als ihn einer der Engländer fragte, wie er mit einem solchen Arm seinen Feinden entgegentreten wolle, zog Jabir seinen Dolch und wirbelte mit seinem gesunden Arm den schlaffen Arm, den Dolch in der Hand, im Kreis herum, während er erklärte, er freue sich darauf, weitere Kehlen durchzuschneiden."

Magazinrundschau vom 05.05.2026 - New Lines Magazine

Surbhi Gupta beleuchtet die neue Rolle Pakistans im Nahen Osten. Bei den Friedensgesprächen zwischen den USA und Iran nahm das Land eine wichtige Rolle als Vermittler ein, resümiert Gupta, gleichzeitig nähern sich Staaten wie Saudi-Arabien Pakistan als potentiellem Partner an: "Experten zufolge signalisiert Pakistans zunehmendes diplomatisches und militärisches Engagement im Nahen Osten eine Neuausrichtung seiner strategischen Identität und erweitert seine Rolle über Südasien hinaus. Es entwickelt sich neben Saudi-Arabien und der Türkei zu einer aufstrebenden 'dritten Säule' in Südwestasien - eine Entwicklung, die durch die Konfrontation mit Indien im Mai 2025 beschleunigt und sowohl durch den zwölftägigen Krieg zwischen Israel und dem Iran als auch durch den aktuellen Krieg gegen den Iran weiter geprägt wurde. Diese neue Phase des pakistanischen Engagements in Südwestasien ist jedoch auch von einer veränderten Sicherheitslage am Golf geprägt, wo jüngste iranische Angriffe Schwachstellen offengelegt haben." Ungeachtet "des Ausgangs des Konflikts sind Experten der Ansicht, dass das Ansehen der USA in der Region gelitten hat. 'Dies fühlt sich wie ein Wendepunkt an, an dem sich ältere Sicherheitsstrukturen verschieben und die Rolle der USA als Sicherheitsgarant weiterentwickelt', sagt Fahd Humayun, Assistenzprofessor für Politikwissenschaft an der Tufts University." Da "Staaten hinterfragen, ob sie ihre eigene Abschreckung gewährleisten können - die nur durch Nuklearwaffen vollständig sichergestellt werden kann -, wenden sie sich externen Partnern zu. 'Doch die Optionen sind begrenzt', sagte Humayun. 'Die Glaubwürdigkeit der USA hat gelitten, und auch die Rolle Europas und Großbritanniens als Vermittler war in dieser Krise auffallend schwach.' Dies hat Pakistan eine Chance eröffnet."

Magazinrundschau vom 21.04.2026 - New Lines Magazine

Die Regierung in Kuwait hat in den letzten zwei Jahren eine so noch nie dagewesene Kampagne zur Aberkennung von Staatsbürgerschaften lanciert, berichten Fatimah Muhammed und Sultan Alamer. Die Nationalisten um den Emir Meshal al-Ahmad, haben laut "der Newsroom Initiative, einer unabhängigen Medienorganisation aus der Golfregion, die die im kuwaitischen Amtsblatt veröffentlichten Dekrete verfolgt", bis April 2026 über "71.059 Menschen die Staatsbürgerschaft entzogen. Dies entspricht 4,6 Prozent der offiziellen Bevölkerung Kuwaits von 1,545 Millionen", so die Autoren. Betroffen sind vor allem Doppelstaatler, eingebürgerte Personen, Frauen und die sogenannten Bidoon, die "zu Stämmen im Norden Kuwaits gehören, deren Siedlungsgebiet sich über Teile Kuwaits, des Irak und Saudi-Arabiens erstreckt." Der Grund ist weniger Rassismus, meinen die Autoren, als die Schwächung von oppositionellen Kräften in der Nationalversammlung, denn mit der Staatsbürgerschaft wird auch das Wahlrecht und das Recht ein politisches Amt zu bekleiden, entzogen. Schon früher wurde in Kuwait mit Staatsbürgerschaften Politik gemacht, erklären die Autoren, vor allem geht diese politische Maßnahme auf den ehemaligen Emir Jaber al Sabah zurück, der sich mit einem Staatsbürgerschaftscoup Chancen auf den Thron sichern wollte, indem er massenhaft Beduinen die Staatsbürgerschaft verlieh. 

Sami Zaïbi blickt auf den Irak, wo die schiitischen Milizen - nach der teilweisen Zerschlagung der Hamas, der Hisbollah und den Huthis im Jemen - das letzte Überbleibsel der vom Iran gesteuerten "Achse des Widerstandes" sind: "Im Zentrum dieser Koalition stehen die Volksmobilisierungskräfte (PMF), ein Dachverband von etwa 60 überwiegend schiitischen Milizen, die größtenteils im Krieg gegen den Islamischen Staat entstanden sind. Diese Gruppen üben in weiten Teilen des Landes sowohl militärische als auch wirtschaftliche Kontrolle aus. Die in den letzten Jahren institutionalisierte PMF erhält jährlich über drei Milliarden US-Dollar vom irakischen Staat, der sie als integralen Bestandteil des nationalen Sicherheitsapparats betrachtet. Einige ihrer Anführer bekleiden Regierungsämter und Parlamentssitze, und ihre Flaggen sind in Bagdad allgegenwärtig. Während manche Iraker sie als Garanten für die lokale Sicherheit sehen, verurteilen andere sie als eine Art Mafia. Die kleinste und radikalste Gruppierung ist der 'Islamische Widerstand' im Irak, ein Bündnis dreier radikaler Milizen: Kataib Hisbollah, Harakat al-Nujaba und Sayyid al-Shuhada." Zaïbi spricht mit einem hohen Funktionär des "Islamischen Widerstandes", der allerdings anonym bleiben will: "'Dies ist ein existenzieller Krieg', sagte er. 'Die Vereinigten Staaten und Israel zielen auf den Schiismus selbst. Dieser Krieg hat eine religiöse Dimension. Wir glauben, er wird zur Rückkehr des Mahdi führen. Wir sehen die Zeichen.' Im Zwölfer-Schiismus glaubt man, dass der Mahdi - der verborgene zwölfte Imam - über ein Jahrtausend lang im Verborgenen gelebt hat und zurückkehren wird, um dem Unrecht ein Ende zu setzen. Der Überlieferung nach wird seine Erscheinung inmitten von Kriegen gegen ungerechte Kräfte stattfinden und von drei Gestalten angekündigt werden: al-Yamani, einem rechtschaffenen Führer aus dem Jemen; al-Sufyani, einem aufstrebenden Tyrannen in Syrien; und al-Khorasani, einem Militärführer aus der Region Chorasan, der mit al-Yamani verbündet ist."