
Im Nouvel Obs in dieser Woche großes
Sarkozy-Bashing. Ein ganzes Dossier
widmet sich ausführlich der Sondierung des Phänomens, dass die Republik allmählich sarkophob
wird. In der Abteilung Reflexions
ventiliert der Philosoph
Daniel Bensaid im Gespräch das "
Unbehagen an Sarkozy" und analysiert dessen Aktivismus in Zeiten des ökonomischen Despotismus und der Krise der Politik.
Ebenfalls in einem Gespräch
entschlüsselt der
Soziologe Jean-Pierre Le Goff, der dieser Tage bei Gallimard seine Studie "La France morcelee" (die Zersplitterung der französischen Gesellschaft) veröffentlicht, den Sarkozysmus als
hochriskante Entweihung des Präsidentenamts. "Man hat seine 'bonapartistischen' und 'populistischen' Aspekte betont, seinen Flirt mit bestimmten Gedanken des Front National... Tatsächlich sprengt Nicolas Sarkozy stets die Schublade, in die man ihn stecken will. Die Realität erscheint mir manchmal rüde, vielleicht fällt es uns deshalb so schwer, sie zu glauben: Man sucht nach einer
Kohärenz, wo es keine gibt. Seine Persönlichkeit erklärt sich nicht aus einem homogenen Zusammenhang. Nicolas Sarkozy reichert seinen Ehrgeiz ohne Rücksicht auf den Zusammenhang mit
Doktrinsplittern an und liebt es, wie Jean-Pierre Raffarin schrieb, 'im Zentrum einer Ideenschleuder' zu sein. Das zersplitterte Frankreich und ein solcher Patchwork-Präsident sind die Spiegelungen. Ein neues politisches Gemisch gruppiert sich um einen auf seine Person zentrierten Voluntarismus
und einen Manager-Pragmatismus, der sich von
jeglicher Ideologie befreien will."