
"Wie kann man noch
links sein?", fragt das Titeldossier des
Nouvel Obs und bringt unter der gleichen Überschrift zunächst einen
Vorabdruck aus dem neuen Buch von
Bernard-Henri Levy "Ce grand cadavre a la renverse" (Grasset), in dem der Autor seine Definition von Linkssein ausbreitet. Gar nicht leiden kann er demnach das, was er "
chauvinistische Linke" nennt: "Ich mag die Art nicht, in der diese Linke sich souveränistisch nennt, um nicht zu sagen
anti-europäisch. Ich mag ihre Art nicht, wie sie vom Feldrand aus '
Republik! Republik!' schreien, als ob irgendwer daran dächte, sie ihnen wegzunehmen, ihre Republik."
Die "chauvinistische Linke" meldet sich in einem anschließenden, teilweise recht polemischen,
Pro und Contra unverzüglich zu Wort. So
poltert etwa der
Philosoph Michel Onfray gegen die "
syllogistischen Geschütze", die Levy in seinem Buch auffahre. "Wer könnte noch wagen, nicht wie BHL zu denken? Was steckt also dahinter? Die Verabscheuung der Linken 'von links' im Namen seiner Linken 'von rechts'; der
Fetischismus eines liberalen Europas; eine Leidenschaft für Amerika als Trägerin der wahren Werte - ah! - dieser Satz, glänzend wie das
Fallbeil der Guillotine: 'Antiamerikanismus ist eine Metapher des Antisemitismus'; (...) anders gesagt: ein
ideologischer Korpus, sehr kompatibel mit der liberalen Rechten von Bayrou und Sarkozy - wenn nicht mit der 'Linken' von Segolene Royal..."
Ergänzt wird das Dossier um ein
Gespräch zwischen Bernard-Henri Levy und dem Philosophen
Alain Finkielkraut.
Weitere Artikel: der ehemalige Premierminister
Dominique de Villepin plaudert mit dem Philosophen
Regis Debray über die Eroberung und die Ausübung von
Macht in Demokratien.
Hingewiesen wird außerdem auf eine
Zeitschriftenneugründung: die zweimonatlich erscheinende, ambitionierte
Revue internationale des livres & des idees.