Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

338 Presseschau-Absätze - Seite 21 von 34

Magazinrundschau vom 18.01.2005 - Outlook India

"Ja, es geht ihr prächtig, der Anthropologie, sie lebt auf den Inseln und macht gerade einen Ausflug in die Nachrichtensendungen." Bissig kommentiert Kai Friese die Konjunktur des rassistischen und kolonialistischen Vokabulars in den Medien, wenn es um die Ureinwohner der Andamanen und Nikobaren geht: "Willkommen auf den Andamanen, wo Genetik und Genozid, neolithische Stämme und Neanderthaler-Funktionäre in einer ebenso düsteren und chronischen Farce miteinander herumtollen. Ich war nicht mehr dort seit der Flutwelle, aber ich war früh genug dort um zu begreifen, dass die einheimischen Stämme ihre 'Überlebenstricks' in einem Tsunami namens Indien gelernt haben. Es ist eine Tatsache, dass die ethischen Dilemmata, die mit der Frage des Überlebens der Ureinwohner verbunden sind, immer schon wie ein Tierschutzproblem behandelt wurden. 'Keine wilden Tiere, nur wilde Menschen' wurde mir am Jirkatang Gate der Andaman Trunk Road mitgeteilt, einem Bau, der in den Achtzigern einen kleinen, aber blutigen Krieg mit den Jarawas auslöste."

Mehr zu den Nachwirkungen des Tsunami: Sheela Reddy hat provisorische Waisenhäuser besucht, mit Kindern und Betreuern gesprochen und erfahren, dass massenhaft Anträge zur Adoption aus zweifelhaften Quellen vorliegen. Ihrer Ansicht nach sind die Waisen in den staatlichen Häusern oft besser aufgehoben als bei Verwandten. Vor allem sind sie dort vor Kinderhändlern sicher. Seema Sirohi betrachtet die Spendenbereitschaft des Westens als Sieg der Menschen über ihre Regierungen.

Außerdem: Pramila N. Phatarphekar berichtet aus dem Keoladeo National Park in Rajasthan, ein Vogelschutzgebiet mit 540 Arten, das von der UNESCO zum Welterbe gezählt wird: Offizielle Stellen haben die Wasserversorgung eingeschränkt, mit der Folge dass tausend Nester verlassen wurden, und Krähen die Eier fressen. Namrata Joshi gibt einen hoffnungsfrohen Überblick über die Filme des neuen indischen Kinojahres: "Auf dem Papier erscheint 05 reich an interessanten neuen Themen und Stilen, nicht nur an den Rändern des Filmzirkus, sondern auch im Zentrum des Mainstreams."

Magazinrundschau vom 11.01.2005 - Outlook India

Bei Outlook hat man verständlicherweise im Moment wenig Raum für Kultur - nur für zwei magere Rezensionen. Doch immerhin ist eine davon einem "Phänomen" gewidmet: Ved Mehta, der mit vier Jahren erblindete, ohne sich davon abhalten zu lassen, an den besten Universitäten zu studieren, 24 Bücher zu schreiben und 33 Jahre lang beim New Yorker zu arbeiten. Am besten ist er immer, meint Khushwant Singh, wenn er über seine Familie schreibt. Auf "The Red Letters", eine Art fiktionaler Nachtrag zur Biografie seines Vaters, trifft das nur halb zu - und so kann der Rezensent das Buch auch nur eingeschränkt empfehlen.

In einer zweiten Besprechung macht der britische Reporter Mark Tully auf eine tatsächliche Biografie aufmerksam: Uma Mesthries Würdigung ihres Großvaters Manilal Gandhi, der wenig bekannte Sohn des Mahatma, der die Arbeit seines Vaters in Südafrika fortsetzte, Einfluss auf den Kampf des ANC nahm und so zu einem der geistigen Väter der Politik von Truth and Reconciliation wurde.

Der Schwerpunkt der Ausgabe liegt auf den Nachwirkungen des Seebebens. Andreas Harsono beschreibt, wie in der indonesischen Provinz Aceh, der am schlimmsten betroffenen Region, religiöse und ethnische Antagonismen sowie Korruption die dringend benötigte Hilfe beeinträchtigen. So hat der indonesische Vizepräsident Jusuf Kalla die schnelle Adoption von verwaisten Kindern unterbunden, um zu verhindern, dass womöglich nichtmuslimische Familien muslimische Kinder bei sich aufnehmen; währenddessen kontrolliert das Militär nach eigenem Gutdünken die Verteilung - oder Einbehaltung - von Hilfsgeldern. Saikat Datta war auf der Inselgruppe der Andamanen und Nicobaren (Karte) unterwegs und berichtet von Fehlern und Verzögerungen bei der Hilfeleistung, aber auch vom Zusammenrücken verschiedenster Menschengruppen. Und von dem Mädchen Tsunami, das in einem Flüchtlingscamp das Licht einer aus den Fugen geratenen Welt erblickte: "Sie ist die wahrscheinlich einzige Person, die bei der Nennung des Wortes lächeln wird."
Stichwörter: Südafrika, Aceh, Tsunami, Anc, Adoption

Magazinrundschau vom 28.12.2004 - Outlook India

Zum Jahreswechsel eine echte Schmökerausgabe mit zwei Schwerpunkten. Der eine ist besonders schön: das Glück. Wie zum Beispiel wird man glücklich? Jedenfalls nicht durch Geld allein, erklärt uns der Psychologe Edward Diener, laut Outlook die weltweit größte Autorität in der Erforschung des "individuellen Wohlbefindens". Doch ohne wird es ebenfalls schwierig. Vielleicht noch schwieriger zu beantworten: Was soll das überhaupt sein, das Glück? Der Schriftsteller Sasthi Brata hat sich in der amerikanischen Verfassung den berühmten Satz über den "pursuit of happiness" näher angeschaut und ihn gegen die Lebenspraxis der Gründungsväter gehalten, wobei er plötzlich seltsam hohl klang. Oder man stelle sich vor, Europas oberste Ratsherren in Brüssel würden sich an einer Definition des Glücks für alle Bürger versuchen. "Der bloße Surrealismus des Gedankens genügt, um Joseph Conrads Verzweiflungsschrei aus dem Herz der Finsternis heraufzubeschwören: 'The horror! The horror!'" Es bleibt dabei, meint Brata: "Glück ist der Puddding, den man nicht an die Wand nageln kann."

Der Psychoanalytiker Sudhir Kakar (Bücher) versucht es dennoch und zitiert sich von chinesischer Weisheit bis zu Freud durch die Weltgeschichte, um seine These zu belegen: Glück liegt irgendwo im Bermudadreieck von Liebe, Arbeit und Hoffnung. Anil Thakraney ist 2500 Kilometer durch Indien gereist, um es zu suchen, und hat viele Momentaufnahmen in Text und Tusche gezeichnet. Und Namrata Joshi hat es im Kino gefunden.

Oder muss man den Schmerz des vergangenen Glücks spüren, um es zu erfahren? Im schönsten Text der Ausgabe geht Sandipan Deb (mehr) all den unbestimmten Gefühlen nach, die manchmal von etwas Heiligem und Hohem flüstern und manchmal von der absoluten Bedeutungslosigkeit - je nachdem. Und schließlich: Indien? Glück? Zwei verschiedene Galaxien, meint der Dichter C. P. Surendran, der keine Gedichte mehr schreibt, seit er weiß, dass die Realität nicht Glück heißt, sondern Unglück.

Der zweite Schwerpunkt ist ein thematisch gut gemischter Jahresrückblick - hier geht es zum Inhalt.
Stichwörter: Geld, Kakar, Sudhir, Surrealismus

Magazinrundschau vom 21.12.2004 - Outlook India

Eigentlich wollte Sonia Gandhi ihren Geburtstag am 9. Dezember in aller Stille begehen, doch dann wurde eine Riesenparty daraus: Lange Reihen von Ministern nahmen Aufstellung, "Parteiarbeiter stimmten Gesänge an und tanzten unter gigantischen Plastikschildern, die Gandhi als 'Heilige, Mutter, Mutter Indien, Stern und Stolz' priesen", schreiben Smita Gupta und Sheela Reddy. Nun diskutiert das Land, ob es sich bei solchen Verehrungsexzessen um einen "nationale Wesenszug der Unterwürfigkeit" handelt oder um eine politische Kultur. Gupta und Reddy zitieren den selbstanklagenden Kommentator Inder Malhotra: "Jawaharlal Nehru tat sein Bestes, um dies zu verhindern. Wenn jemand seine Füße berührte, brachte ihn das furchtbar auf - im Gegensatz zu vielen anderen Parteiführern, die ihre Füße noch vergrößert hätten, nur um besser derart angefleht werden zu können. Indira Gandhi unternahm selbstverständlich niemals etwas dagegen, aber sie war kultiviert genug, nicht über das seltsame Verhalten ihrer Anhänger erfreut zu sein. Aber nun verbreitet es sich überall wie ein Geschwür. Es ist ein Maßstab für unseren nationalen Verfall."

Eric Hobsbawm spricht im Interview über das barbarische letzte Jahrhundert, die derzeitige dreifache Weltkrise (Internationale Anarchie, Globalisierung, Armut) und das Ende der Geschichte: "Die Schnelligkeit des Wandels ist so groß, dass die traditionellen Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart verschwunden sind. Dafür ist auch die moderne Technologie verantwortlich. Im 20. Jahrhundert diente sie als ein Modus der Problemlösung, für den Geschichte irrelevant war. Man hat uns glauben gemacht, dass es für jedes Problem eine technische Lösung gibt, von der Errichtung einer Brücke bis zur Errichtung einer Demokratie. Geschichte ist also nicht mehr notwendig."

Weitere Artikel: Sadanand Menon schreibt einen poetischen Nachruf auf die bedeutende geistliche Sängerin Madurai Shanmukhavadivu Subbulakshmi, deren Karriere sieben Jahrzehnte währte. Rajesh Ramachandran ist den Spuren des legendär brutalen und vor kurzem nach einer jahrzehntelangen Laufbahn erschossenen Wilderers, Schmugglers und vielfachen Mörders Veerappan gefolgt, um herauszufinden, was aus dessen lukrativem Handel mit Sandelholz geworden ist. Und Prem Shankar Jha schaltet sich in die seit Wochen andauernde Debatte um die Inhaftierung des unter Mordverdacht stehenden hohen Hindu-Priesters Jayendra Saraswati und fragt: "Was, wenn er unschuldig ist?"

Nur im Netz: die Nominierten für den diesjährigen Bad-Sex-Award der Londoner Literary Review - mit den entsprechenden Textstellen.Gewinner ist übrigens Tom Wolfe.

Magazinrundschau vom 07.12.2004 - Outlook India

Homecoming! Massenweise kehren im Ausland lebende Inder nach Hause zurück, und das hat nicht nur, entkräftet Sugata Srinivasaraju die nahe liegendste Vermutung, mit dem Zusammenbruch der amerikanischen IT-Branche in den vergangenen Jahren zu tun. Viele entscheiden sich gerade deshalb zur Heimkehr, weil sie es sich leisten können oder weil sie ihre Kinder im Mutterland aufwachsen sehen wollen oder weil Indien ihnen inzwischen weit bessere berufliche Möglichkeiten bietet - und nicht zuletzt, weil die im Ausland erlangte ökonomische Sicherheit ihnen die Möglichkeit bietet, soziale oder künstlerische Herzensprojekte in Angriff zu nehmen. Mit anderen Worten: "Diese NRIs (Non-Residential Indians) kommen nach Indien zurück, weil sie wollen, und nicht so sehr, weil sie müssen."

So auch in "Swades", dem neuen Film des "Lagaan"-Regisseurs Ashutosh Gawuriker, den Namrata Joshi vorstellt: Superstar Shahrukh Khan (mehr) spielt darin einen NASA-Wissenschaftler, der in Indien nach seinem Kindermädchen sucht und in einem Dorf im Norden sein persönliches "vergessenes Indien" wiederfindet. "Überwältigt von den dortigen Problemen, entscheidet er sich, zu bleiben und etwas zu verändern. In einem von Dogmen regierten Dorf überwindet er die Kastentrennung, trägt zur Lösung von Energie- und Wasserproblemen bei und rettet die örtliche Schule vor der drohenden Schließung. Er bringt die Dorfbewohner dazu, eine Bewegung zur dörflichen Selbstverwaltung auf die Beine zu stellen. Ein Willkommen für die New-Age- NRI-NGO: trendy, aber bescheiden, jet-setting, aber verwurzelt!"

Weitere Artikel: Mit der Verhaftung des hochstehenden Hindu-Mönchs Jayendra Saraswati haben die indischen Behörden offensichtlich einen Erdrutsch an weiteren Offenbarungen über Saraswati und einige seiner engen Mitarbeiter ausgelöst - zum Verdacht des Mordes am früheren Manager von Saraswatis Tempels kommen offensichtlich weitere Fälle von Mord, versuchter Mord und Kindesmissbrauch, berichtet S. Anand in der Titelgeschichte. Maria Cuoto kann die Neuauflage von Manohar Malgonkars Coffee-Table-Klassiker "Inside Goa" höchsten wegen der Illustrationen von Mario Miranda empfehlen. Und Shashi Deshpande gratuliert Anita Desai (mehr) dazu, in ihrem neuen Roman "The Zigzag Way" nicht länger am Schauplatz Indien festzuhalten, wie es so viele im Ausland lebende Autoren ewig und drei Tage tun.

Magazinrundschau vom 30.11.2004 - Outlook India

"Nicht ist besser, als gemeinsam zu weinen - es hilft, die Dämonen zu vertreiben und die Seele zu reinigen. Ist es das, was Bollywood im Sinn hat?" Die Rede ist von Yash Chopras Film "Veer-Zaara", in dem die Liebe und die Tragik ganz selbstverständlich indisch-pakistanische Grenzen überschreitet. Allzu lange, schreibt Namrata Joshi, reflektierte das Kino die Feindschaft und die Hassliebe Indiens zu Pakistan. Jetzt ist der Inder bereit, für sein pakistanisches Mädchen zu sterben. Kein großer Film, meint Joshi, eher Dutzendware, aber gerade deshalb komme die simple Botschaft an: Inder und Pakistanis sind Menschen, und Menschen sind gut. Wer weiß: Vielleicht kommt bald der erste Bollywood-Hit mit einem pakistanischen Helden und einem indischen Mädchen?

Inder Malhotra bespricht eine kompakte, gekürzte, aber immer noch gehaltvolle Ausgabe des monumentalen Briefwechsels zwischen Jawaharlal Nehru und seiner Tochter Indira Gandhi, herausgegeben von Sonia Gandhi. Viel ließe sich zu diesen Briefen sagen - über die menschlichen Dynamiken zwischen Vater und Tochter, über den Humor der Briefe, über die politischen Ereignisse, die in den Briefen gespiegelt werden, über die parallelen Lektüren der beiden. Doch Malhotra hat wenig Platz und beschränkt sich deshalb auf ein paar Beispiele, die belegen, wie energisch Gandhi zuweilen schon als junge Frau ihrem Vater widersprach. Und zieht das Fazit: "Dieses Buch hat die Qualität eines Jahrgangsweines. Es verlangt danach, langsam genossen, nicht hinuntergekippt zu werden."

Und Saba Naqvi Bhaumik sieht die Oppositionsparteil BJP trotzig nach jedem hindu-nationalistischen Strohhalm greifen - im Moment ist das die Sache der Verhaftung des mordverdächtigen "Hindu-Papstes" Jayendra Saraswati.

Magazinrundschau vom 23.11.2004 - Outlook India

Pramila N. Phatarphekar hat den Postboten Khetaram auf seinen meilenweiten Gängen durch die Wüste Thar begleitet, zu Haushalten, die durch ihn an ihre Familien angeschlossen bleiben. Und an die spärlichen Tropfen von Geldströmen, die anderswo fließen. "Etwa 120 Kilometer hinter der letzten Bahnstation im Barmer, 50 Kilometer hinter dem letzten Telefon und zehn Kilometer hinter der Stelle wo die Barmer-Chohtan-Straße unvermittelt im Sand verläuft, der so fein ist, dass nicht einmal Fahrräder weiterkommen, dort erscheinen die Fußabdrücke des 55-jährigen Khetaram zwischen Sandtälern und Dünen. Nur sein körperlicher Einsatz stellt sicher, dass die Post - vom Postzug auf Busse weitergeleitet, bevor sie auf seine Schulter geladen wird - innerhalb von 24 Stunden ab dem 330 Kilometer entfernten Jodhpur - bis zur 2,5 Kilometer entfernten indisch-pakistanischen Grenze ausgetragen wird."

S. Anand widmet sich in der Titelgeschichte dem Thema, das Indien dieser Tage in Atem hält: den Hintergründen der Verhaftung von Jayendra Saraswati, der mächtigsten klerikalen Figur des Hinduismus, der beschuldigt wird, den Mord an Sankararaman Anantakrishnasharma, einem früheren Funktionär seines Tempels in Auftrag gegeben zu haben. Der hatte seit Jahren auf finanzielle Unregelmäßigkeiten im Kanchi Shankara Math aufmerksam gemacht und beabsichtigte nach Informationen der Polizei, mit Enthüllungen über Saraswati an die Öffentlichkeit zu gehen. (Hier ein Interview mit Saraswati über das Verhältnis zwischen Hinduisten und Moslems aus dem Juli 2003)

Schließlich zwei Rezensionen: Sam Miller hatte eine weitere Hagiografie und jede Menge "hyperbolischen Quatsch" erwartet und ist daher angenehm überrascht, dass das von Rajiv Mehrotra herausgegebene Buch "Understanding the Dalai Lama" nüchterne Einblicke in das Leben des 14. Dalai Lama bietet, der sich ja im Übrigen selber gar nicht als Inkarnation Buddhas betrachte. Und Sandipan Deb gibt sich nicht der Illusion hin, dass Indien auf knapp dreihundert Seiten zu erfassen wäre, doch "The Granta Book of India", eine Sammlung von Reportagen, Erzählungen und Erinnerungen, komme dem Unmöglichen doch so nahe, wie es geht.

Magazinrundschau vom 16.11.2004 - Outlook India

Die Industrie der Zukunft, erklärt Soma Wadhwa in der Titelgeschichte dieser Woche, ist die Zukunftsindustrie. Genauer gesagt: die Astrologie, die derzeit einen ungeahnten Boom erlebt: "Wir sprechen hier von Call Centern, in denen sich Hellseher dicht drängen, um den Anrufern an ihren Handys die Zukunft vorauszusagen. Von den Laboren der Computerindustrie, wo immerzu neue Software entsteht, die die akkuratere Berechnung von Horoskopen ermöglicht. Von Universitäts-affiliierten Kursen, die voll sind mit Möchtegernorakeln. Von schicken Seminaren in edlen Hotels, in denen Experten mit prätentiösen Berufsbezeichnungen Powerpoint-Präsentationen ihrer Prognosen vorführen. Von Fernsehstudios, die unaufhörlich in die Haushalte senden, was die Planeten so in petto haben. Astrologen, Handleser, Zahlenkundler, Tarot-Karten-Leger, aalglatte PR-Experten vornedran."

Eher unbeachtet und von den Geschehnissen um den Mord an Theo van Gogh deutlich überschattet, hat in Den Haag gerade ein indo-europäisches Gipfeltreffen stattgefunden, berichtet Sheela Reddy. Und zwar ein aus indischer Sicht ganz außerordentlich bedeutsames: "Als Premierminister Manmohan Singh am 8. November bei einer Pressekonferenz im Außenministerium der Niederlande gemeinsam mit Jan Peter Balkenende und Romano Prodi aufs Podium trat, hatte sich etwas für immer verändert: Indien war in den exklusiven Club aufgenommen, dem nur weiter fünf Mitglieder angehören (USA, Kanada, Russland, Japan und China), mit denen Europa eine 'strategische Partnerschaft' hat."

Weitere Artikel: Namrata Joshi bereitet die Leserschaft auf einen aufregenden Bollywood-Winter vor. Ram Gopal Varma ("Company") will mit "Naach" die Bollywood-Romanze revolutionieren, gerüchteweise stark angelehnt an Wong Kar-Weis "In the Mood For Love". Erfolgsregisseur Yash Chopra hat mit "Veer-Zaara" eine indo-pakistanische Liebesgeschichte im Angebot, ein weiterer Film, "Aitraaz" erzählt eine durch die Belästigungsvorwürfe gegen den US-Basketballer Kobe Bryant inspirierte Pulp-Story. Und dann kommt in einer digital restaurierten Fassung einer der größten Klassiker des indischen Kinos wieder auf die großen Leinwände: "Mughal-e-Azam", aus dem Jahr 1960. Besprochen wird darüber hinaus ein Buch über Guru Dutt (mehr), einen der ganz großen indischen Regisseure.

Magazinrundschau vom 08.11.2004 - Outlook India

Zweimal Thema Film: Amitabh Bachchan steht gerade als Mauritier vor der Kamera und versetzt den kleinen Inselstaat mit seiner Anwesenheit in helle Aufregung. Es wird ein Bollywood-Film, schreibt Namrata Joshi, der nicht von Indien handelt - sondern von Konflikten zwischen der französischstämmigen (und natürlich mächtigen) Minderheit und der indo-mauritianischen Mehrheit: Rassismus, Dünkel und verbotene Liebe. Tatsächlich sind auf Mauritius siebzig Prozent der Bevölkerung indischstämmig. "Während ihre Gemeinde ständig an Status gewonnen und die politische und administrative Macht übernommen hat, kontrolliert die kleine französischstämmige Gemeinde den größten Teil der Wirtschaft. Auf die daraus resultierenden Konflikte zielt der Film."

Meghnad Desai hat Bunny Reubens Biografie des Schauspielers Pran gelesen, der in mehr als 350 Filmen den Bösewicht gab, wobei er meistens besser aussah als der Held, was auch den Frauen nicht entging, auch wenn sie am Ende dem Good Guy in die Arme sinken mussten. "Er war kultiviert und gut angezogen - selbst im unvermeidlichen weißen Jacket - und er war böse bis hinab zu den Absätzen seiner weißen Gentleman-Schuhe." Ein Mann mit einer langen Karriere im frühen indischen Kino (sage und schreibe sechzig Jahre), mit vielen negativen Rollen und einem großem Anhang - und jetzt auch einem "würdigen Tribut" in Form dieses Buches.

Dann das Bush-Wiederwahl-Paket inklusive Vinod Mehtas Titelgeschichte, dem es angst und bange wird, da mag der republikanische Sieg noch so "gut" sein für Indien. Sunil Khilnani, Leiter der Fakultät für Südasienstudien an der John Hopkins University, gibt einen präzisen und wohlüberlegten Ausblick auf die nächsten vier Jahre, und Michael Albert, Mitbegründer des Z Magazine, analysiert ausführlich die Lage der amerikanischen Linken (weiter geht?s!)- das allerdings nur im Netz.

Schließlich hat Anita Nair ein wahres Kleinod ausfindig gemacht: einen Lyrikband, der Kinder und sogar Lyrik-Ignoranten entzücken und mit leichter Hand für die Poesie gewinnen wird. Er stammt von Ruskin Bond und heißt "A Little Night Music". Hier ein paar ganz wundervolle Beispiele.

Magazinrundschau vom 01.11.2004 - Outlook India

William Dalrymple hat ein "umfangreiches, ungewöhnliches, schwieriges und ambitioniertes Buch gelesen, eine Mischung aus Memoiren, Reisebeschreibung, philosophischer Studie und spiritueller Suche" - Pankaj Mishras "An End to Suffering: The Buddha in the World". Mishra will, schreibt Dalrymple, "nicht nur eine Einführung in den Buddhismus geben und die Geschichte seiner eigenen Suche nach Bedeutung erzählen, sondern zeigen, warum Buddhas Philosophie, die in einer Phase drastischer Veränderungen und sozialen Aufruhrs entstand, auch in unserer schwierigen Gegenwart relevant ist, wie sie Antworten auf Fragen persönlicher Identität, Entfremdung und vor allem Leiden liefern kann." Wer, wenn nicht Mishra, der kluge Essayist, renommierte politische Kommentator und ausgezeichnete Prosaist, sollte das schaffen, fragt Dalrymple und ist traurig, vermelden zu müssen, dass es dennoch nicht gelungen ist - trotz einer thematischen Breite, die von Hobbes bis bin Laden reicht und alles von den Veden bis zu Borges einschließt. Möglicherweise gerade deshalb: zu viele Namen, zu wenig Ordnung.

Ansonsten ist es eine Ausgabe der leichten Lektüre: Smita Guptas Titelgeschichte ist erstklassischer Tratsch, der nach einem Schlüsselroman über die kulturelle und politische Elite Indiens schreit. Denn seit 1987 sind der mächtigste politische Clan - die Gandhis - und die Familie von Amitabh Bachchan, dem größten Filmstar des Subkontinents, verfeindet, nachdem sie vorher eine bis in die vierziger Jahre zurückreichende Freundschaft verband. Das wissen die Inder natürlich längst, doch was genau die Gründe waren, darüber wurde immer nur gemunkelt. Kürzlich ist die Fehde erneut aufgeflammt - Grund genug für Outlook, die höchst komplizierte Geschichte der Feindschaft noch einmal aufzurollen.

Weitere Artikel: In den vergangenen Monaten gab es einige Ereignisse, die unter indischen Filmschaffenden eine Debatte pro und contra Zensur ausgelöst hat. Die meisten, berichtet Sanghamitra Chakraborty, sind dagegen, aber so einfach ist es nicht: Es geht nicht allein um Redefreiheit vs. politische Zensur, sondern auch um hate speech und Gewalt. Sugata Srinivasaraju schreibt über den Tod des Banditen Koose Munisamy Veerappan, der auf vier Jahrzehnte krimineller Karriere zurückblicken konnte, als er vor zwei Wochen erschossen wurde. Und Hari Menon hat interessante Neuigkeiten für Himalaya-Fans: Der Fall des geheimnisvollen Skelette von Roopkund, einem See in 5054 Meter Höhe, ist aufgeklärt - ein Hagelsturm hat den massenhaften Tod verursacht, und zwar im 9. Jahrhundert.