Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

338 Presseschau-Absätze - Seite 22 von 34

Magazinrundschau vom 18.10.2004 - Outlook India

Bollywood oder Hollywood? Oder auch gar nichts von beiden, denn "Bride and Prejudice", der neue Film von Gurinder Chadha ("Kick it Like Beckham") ist nicht Fisch noch Fleisch und kann offensichtlich auch niemanden zufriedenstellen, jedenfalls kriegt er in England verheerende Kritiken. Was also, fragt sich Namrata Joshi, wird jetzt aus den Hollywood-Plänen der wunderschönen, aber möglicherweise doch minderbegabten Aishwarya Rai, die sich von "Bride and Prejudice" das Ticket dorthin versprochen hat? Fest steht, so Joshi, dass sie "entweder kichert oder lächelt oder spöttisch grinst oder mit gespielter Abscheu die Nase rümpft. Oder dekorativ weint." Was es sonst noch zu dem Film zu sagen gibt, sagt ebenfalls Joshi in einem zweiten Artikel: Bollywood ist schlichtweg nicht Chadhas Genre. "Chadha kann den Geist von Bollywood nicht einfangen und so steht sie am Ende mit einer Parodie da. (...) Selbst die Tanznummern wirken gewollt, und es ist auch nicht unbedingt von Vorteil, dass Anu Malik seinen am wenigsten orhwurmverdächtigen Soundtrack der letzten Zeit beigesteuert hat. 'Bride und Prejudice' ist noch nicht einmal Möchtegern-Bollywood, sondern bloß ein Haufen Kitsch - bunt, schablonenhaft, plump. Und Chadhas Stimme: kaum zu hören." Es ist wohl Bollywood, so das Fazit - aber ohne seine Seele.

Und zweimal ein Blick voraus auf die US-Wahlen: In der Titelgeschichte fragt sich Seema Sirohi, ob Bush oder Kerry besser für Indien wären, während Gita Mehta mit Blick auf die voraussichtlich niedrige Wahlbeteiligung darauf hinweist, wie ironisch es ist, dass es einem Großteil der Amerikaner an grundsätzlichem Demokratieverständnis mangelt - sie vertraut aber auf die Selbstheilungskräfte der Nation. Und was die Frage ihrer Kollegin angeht: "Die am wenigsten paranoide amerikanische Führerfigur ist die beste für Indien."
Stichwörter: Bollywood, England, Parodie

Magazinrundschau vom 04.10.2004 - Outlook India

Kulturpessimismus in Outlook: Prem Shankar Jha erinnert an den Schriftsteller Mulk Raj Anand, einen der großen Männer der neuen indischen Literatur, der am 28. September verstarb. Und er erinnert an das kulturell selbstbewusste Indien, dass nationalistische Idealisten wie Anand und Mahatma Gandhi zum Leitbild erhoben, dass aber, so der Autor, schon bald in der Trivialität der neuen Eliten versank, so dass heute Bollywood nationale Identität verkörpert: "Ihr Indien erwies sich als Totgeburt. Seinen Platz nahm ein anderes Indien ein - ein rohes, verwirrtes Land, dessen Bewohner nicht wissen, was sie in Ehren halten oder welche Richtung sie einschlagen sollen, und die diese Leere mit Selbstinteresse, Materialismus und Gier zu füllen suchen."

Der Panchayat oder "Rat der Fünf" ist eine traditionelle Institution der dörflichen Selbstverwaltung - eine ländliche Gemeindeverwaltung, die jahrhundertelang von den landbesitzenden Kasten dominiert wurde. Und das ist, so der erschreckende Befund von Soma Wadhwas Reportage, vielerorts noch immer so; obwohl es gewählte Panchalyats gibt, haben oft die Kasten-Panchayats große Macht und wenden sie vor allem gegen Frauen und Mitglieder "niederer" Kasten an: "Der Ältestenrat der Gemeinde - bestehend aus fünf oder mehr Mitgliedern, meist hochstehenden Kasten angehörend und ausnahmslos männlich - spricht Recht nach eigenen Maßstäben - um Streitfälle zu schlichten, die Regeln des Anstands festzulegen und die feudal-patriarchale Ordnung zu erhalten. Diese Kastengremien bestrafen auf der Basis einer mittelalterlichen Moral: durch Ächtung und öffentliche Entehrung. Sie zwingen schuldig Gesprochene, Exkremente zu kauen und sich auszuziehen, sie zwingen Frauen, nackt herumzulaufen, sie ordnen Folter und Verstümmelungen an, die lassen vergewaltigen und sogar töten."

Weitere Artikel: 62 Prozent aller Jungs in Delhi denken, dass ein Mädchen nicht schwanger werden kann, wenn sie nur ein- oder zweimal Sex hat, 29 Prozent aller indischen Teenager sind sich sicher, dass nur Schwule und Prostituierte Aids bekommen können, und Outlook macht sich Sorgen - die Titelgeschichte von Sanghamitra Chakraborty. Anniruddha Bahal sieht Anzeichen dafür, dass das Massaker von Beslan eine Introspektion in der islamischen Welt ausgelöst hat. Und Khushwant Singh hat eine atemlose Lektüre hinter sich: Lucy Moores "Maharanis: the Lives and Times of Three Generations of Indian Princesses".

Magazinrundschau vom 27.09.2004 - Outlook India

In Indien ist die drittgrößte muslimische Bevölkerung der Welt zu Hause, doch ihr öffentliches Image bezeugt eher ihren geringen gesellschaftlichen Einfluss. Das Stereotyp ist universeller Standard: "Ein Bild verschleierter Frauen und betender Männer. (...) Eines rückständigen, rückwärts gewandten Volkes, das sich vermehrt wie die Karnickel und jegliche Veränderung scheut." Ein Outlook-Autorenkollektiv zeichnet in der Titelgeschichte ein neues Bild: religiöse Integrität ohne Fundamentalismus, kombiniert mit modernem Lifestyle = Ankunft im Mainstream.

Das Taj Mahal feiert den 350. Geburtstag, doch die offiziellen Feiern geraten zur traurigen Veranstaltung: Sheela Reddy berichtet von jammernden Ladenbesitzern und einer sterbenden Stadt. Aber, immerhin: Die Substanz des Gebäudes ist im hervorragendem Zustand.

Seema Sirohi war beeindruckt von Premierminister Manmohan Singhs erstem internationalen Auftritt in New York (UNO, Bush) und bescheinigt ihm ein sicheres Auftreten auf der Weltbühne, Gefühl für den richtigen Ton und "politische Nerven aus Stahl". Seine Aufgabe war nicht leicht, vor allem für einen Politker mit linken Koalitionspartnern; sie bestand darin, "die Götter des Kapitalismus für Indien einzunehmen und den Pantheon der Macht im Weißen Haus zu beeindrucken". In der Netzausgabe ist außerdem Singhs Rede vor der UNO-Vollversammlung dokumentiert.

Ebenfalls nur im Netz, eine Übernahme von Znet: "Reality Check" mit Michael Moore. "Schluss mit dem Händeringen! Schluss mit der Unkerei! Muss ich kommen und euch persönlich beruhigen? (...) Bush IST so gut wie weg - wenn wir alle aufhören zu jammern und zu zittern wie ein Haufen ängstlicher Volltrottel. Das ist peinlich, verdammt!" Klar ist Kerry ein mickriger Kandidat. Aber - Moore erklärt's auf unvergleichliche Art an einem Beispiel, das alle verstehen - mit einem Pontiac kann man eine Zeitlang prima fahren, auch wenn's kein Cadillac ist. Also, bitte: "Kein negatives Wort mehr bis zum 3. November!"

Magazinrundschau vom 20.09.2004 - Outlook India

Der neue Naipaul, und ein Verriss, der sich gewaschen hat: Shashi Deshpande sieht den Nobelpreisträger als Gefangenen seiner eigenen Themen, Exil und Heimatlosigkeit, und damit auf dem traurigen Altenteil der Selbst-Parodie angekommen. In "Magic Seeds" begegnet der Leser Willie Somerset Chandran wieder, dem Protagonisten aus "Ein halbes Leben"; Chandran geht nach Indien, um sich einer revolutionären Organisation anzuschließen, gerät aber versehentlich auf die falsche Seite und geht auch sonst wie ein Tourist durch die Szenarien seines Lebens - eine Distanz, die Deshpande dem Autor zuschreibt. Das Ergebnis: Belanglosigkeit, Umständlichkeit, Anfängerfehler. Deshpandes Fazit: "'Magic Seeds' bietet leider nicht mehr als unzusammenhängende Erfahrungen und Ideen in Romanform. Ist das unvermeidlich bei einem Autor, der einen solchen Status erreicht hat, dass niemand mehr seine Werke lektoriert? Ist das die tragische Einsamkeit des Erfolgreichen? Oder eher die Lässigkeit dessen, der sich seines Publikums sicher sein kann? Was auch immer die Gründe sind, der Roman lässt einen Autor erahnen, der seinen eigenen hohen Standards nicht mehr entspricht.

Smita Gupta fragt sich, ob der offizielle Säkularismus der Kongresspartei nicht heimliche Zugeständnisse an die Hindutva-Vertreter enthält. Minu Ittyipe hat die Lehren und liturgischen Praxen neuer christlicher Gemeinden unter die Lupe genommen, die den katholischen und syrischen Kirchen die Anhänger abspenstig machen. Der Erzbischof von Verapoly nennt das "Schafe stehlen". Ittyipe ist eher der Ansicht, dass die Hirten ihre Herden nicht richtig zusammenhalten.

Und nur im Web: der Wortlaut der Rede über die "Öffentliche Macht im Zeitalter des Empire", die Arundhati Roy kürzlich in San Francisco hielt.

Magazinrundschau vom 13.09.2004 - Outlook India

Wo Satyajit Ray seine Aufmerksamkeit dem Individuum schenkte, betrachtete Mrinal Sen die indische Gegenwart mit dem Bewusstsein von Klassengegensätzen, und doch ist es, schreibt Sandipan Deb, unmöglich, über einen der beiden großen Filmmacher zu schreiben, ohne den anderen zu erwähnen - ihr Alter, ihre Liebe zu Kalkutta und eben ihre Gegensätze verbinden sie. In diesem Artikel aber steht Sen im Mittelpunkt, der unter dem Titel "Always Being Born" seine Memoiren veröffentlicht hat - "mit großer Leidenschaft geschriebene Erinnerungen, vom Herzen kommend und ohne alle Bedenken, der Öffentlichkeit den Blick ins Innerste der Seele zu gestatten."

"Gutes Design kann beinahe jeden besser aussehen lassen" und Indien hat eine ebenso reiche wie lange Tradition der Mode. Grund genug für Outlook, in einem Dutzend Kategorien die besten Designer des Subkontinents zu küren. Shobita Dhar listet die Gewinner auf und stellt die Nummer 1 vor: Ritu Kumar, deren "Stoffe, Technik, Schnitte und Farben Indien verkörpern".

Weitere Artikel: Seit dem 2. September, dem Beginn des neuen Schuljahres, ist in französischen Schulen das Tragen religiöser Symbole untersagt. Das bedeutet unter anderem, dass Sikhs keinen Turban mehr tragen dürfen. Die betroffenen Schüler und Studenten, berichtet Ranvir Nayar, wollen sich damit nicht abfinden. Amitava Kumar legt den Lesern Nadeem Aslams Roman "Maps for Lost Lovers" ans Herz: weil er - ein Fingerzeig für Hinduisten - Courage hat, und weil seine Sprache "mit der Schönheit von Urdu-Poesie parfümiert" ist.
Stichwörter: Kalkutta

Magazinrundschau vom 06.09.2004 - Outlook India

Der "dirty old man" der indischen Literatur kann es auch mit 90 Jahren nicht lassen: Khushwant Singh hat ein neues Buch mit Kurzgeschichten ("Paradise and Other Stories") veröffentlicht, in denen wie immer, schreibt der Rezensent Sam Miller, Brüste und Penisse prominente Rollen spielen, wobei sie dieses Mal hinter einem anderen Thema zurücktreten müssen. Denn Singh hat es auf "religiöse Irrationalität (inklusive Astrologie, Numerologie und Tarot-Karten)" abgesehen, und herausgekommen sind ein paar mäßige und ein paar richtig gute (und teilweise teuflisch komische) Erzählungen, die Miller zum Anlass nimmt, die Karriere des oft verkannten Autors zu bilanzieren. Er lobt ihn als glänzenden Stilisten und schließt wie folgt: "Wie der verstorbene Dom Moraes (...) ist er besessen von weiblichen Brüsten. (Wurden sie nicht lange genug gestillt?) Doch sollte man Singhs Beschäftigung mit Sex als Angriff auf die Heuchelei bei diesem Thema deuten. Schließlich ist das moderne Indien das Ergebnis von einer Milliarde Geschlechtsakten. Nicht zu vergessen die vielen Milliarden, die nicht zur Zeugung von Nachwuchs führten - wenn das kein Thema für Khushwant Singhs nächsten Bestseller ist."

Ein Fall für Singh wäre folgende Angelegenheit: "Selbst Götter kommen mit einem vorherbestimmten Schicksal zur Welt" - zumindest ist Arun K. Bansal dieser Ansicht, seines Zeichens "Vater der Computerastrologie in Indien". Bansal hat Programme entwickelt, mit deren Hilfe er das Geburtsdatum Krishnas bestimmt hat: Es ist der 21. Juli 3228 vor Christus. Smita Mitra hat sich angeschaut, was für den Göttlichen in Sachen Liebe, Partnerschaft und Laufbahn in den Sternen stand. (Mehr über Bansal hier und hier.)

Außerdem: Zwei Mal Indiens Gegenwart. Sheela Reddy beobachtet anerkennend, wie der neue Premierminister Manmohan Singh, angetreten als Ersatz für Sonia Gandhi, immer mehr an Profil gewinnt: entschlossen, sicher im Auftreten und standhaft, wenn es sein muss - "die Tage des gesichtslosen und schüchternen Manmohan sind gezählt." Und es sieht nicht so aus, als hielte er den Regierungsstuhl nur warm für Rahul, den jüngsten Gandhi mit Ambitionen aufs höchste Amt. Und Anita Pratap bricht eine Lanze für den Säkularismus, der wieder zu Kräften zu kommen scheint, nachdem er in den vergangenen Jahrzehnten in Misskredit geriet: "Der Kongress hat ihn in Verruf gebracht, die BJP hat ihm die Schlinge um den Hals gelegt." Immer wieder hieß es, Säkularismus diene nur der Beruhigung von Minderheiten oder sei religionsfeindlich. Nicht wahr, meint Pratap: Säkularismus bedeutet Trennung von Kirche und Staat - und Hinduismus Toleranz. Ganz im Gegensatz zur Hindutva-Ideologie (mehr hier und hier).

Magazinrundschau vom 30.08.2004 - Outlook India

Die Demontage einer Gedenktafel hat einen schwelenden ideologischen Grundsatzstreit um indische nationale Identität entflammen lassen, und er dreht sich um einen Mann, der seit fast 40 Jahren tot ist - aber nicht in der kollektiven Erinnerung. Doch während Vinayak Damodar "Veer" Savarkar, der Vater des Hindu-Nationalismus, den einen als Nationalheld, Freiheitskämpfer und brillanter Autor in Erinnerung ist, gilt er den anderen als Inspiration oder sogar Anstifter des Attentats auf Mahatma Gandhi (er wurde nie verurteilt, aber seine Beteiligung gilt als erwiesen). Savarkar war ein führender Aktivist des antikolonialen Widerstands gegen die Briten, die ihn 1921 zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilten; elf Jahre war er im berüchtigten Cellular Jail auf den Andaman-Inseln inhaftiert, und ebendort wurde vor wenigen Monaten eine Statue eingeweiht, der eine Reihe von Tafeln mit Zitaten nationaler Figuren beigeordnet waren. Das Pikante: Die Gedenkstätte war von einem BJP-Minister in Auftrag gegeben worden, und es war sein Nachfolger von der Kongresspartei, der jetzt die Savarkar-Zitate entfernen ließ - und durch Worte Gandhis ersetzt hat. Saba Naqvi Bhaumik und Smruti Koppikar spekulieren über mögliche Auswirkungen. Und hier in aller Kürze das Wichtigste zu Savarkar.

Weitere Artikel: Der Schauspieler Amitabh Bachchan hat einen seltenen Auftritt im Wirtschaftsteil, und zwar als "Ein-Mann-Markenindustrie", der allen von sechs bis sechzig, und zwar quer durch die Schichten und überall auf dem Subkontinent, alles verkaufen kann: Stifte, Schmuck, Schokolade, und sogar Pepsi-Cola, die gerade einen Pestizidskandal hinter sich hat. Sanghamitra Chakraborty kann verstehen, warum. Bishwadeep Moitra hat die indische Band Orange Street (Hardrock plus Sufi-Poesie) auf ihrer Europatour begleitet und ist voller Enthusiasmus über die Reaktionen des Publikums von Tallinn bis London: "They like it. Hey, hey my, my, they LIKE THIS!" Hier was zum Hören! Und Manjula Padmanabhan lobt Shashi Deshpandes neuen Roman "Moving On".

Magazinrundschau vom 23.08.2004 - Outlook India

In dieser Woche, am 26. August, sind es fünfzig Jahre seit dem Erscheinen von Satyajit Rays erstem Film "Pather Panchali", dem Auftakt der Apu-Trilogie - Anlass für Outlook, dem großen Humanisten hinter der Kamera ausführlich Tribut zu zollen. "Vergessen Sie den technischen Jargon von Montage und mise en scene, Fade Outs und Jump Cuts", schreibt Sandipan Deb - "besser als jeder andere Inder erfüllte Ray die Grundpflicht eines Filmemachers: Er kommunizierte. Und er berührte. Ray, der im Innersten so britisch und brahminisch war, der freiherzige Gefühlsäußerungen und Körperkontakt scheute, und wahrscheinlich der einzige Mann, der bei der Verleihung der Legion d'Honneur dem französischen Präsidenten den Kuss verweigerte - er berührte andere."

Namrata Joshi und David Robinson haben sich den Film, mit dem alles begann, noch einmal angeschaut, um die Wirkung von Rays Filmsprache zu ergründen. Joshi schreibt: "Für mich ist 'Pather Panchali' pures Kino. (...) Es sind allein die Bilder, zusammengehalten vom Wechsel der Stille und der Geräusche, die anhaltende Gefühle der Ergriffenheit auslösen - intime Gefühle, die so greifbar werden, dass man sie förmlich von der Leinwand nehmen und in den Händen halten kann." Der Schotte David Robinson, Englischprofessor an der Winona State University und Veteran der internationalen Filmkritik, sah "Pather Panchali" kurz nach seiner Fertigstellung - als einer der ersten in Europa, erinnert er sich. Damals war er begeistert und erstaunt über ein Regiedebüt, das in allem das Werk eines kompletten Künstlers war. Heute schwärmt er von seinen Lieblingsszenen.

Weitere Artikel: S. K. Singh, früherer Außenminister, erinnert anlässlich von dessen Geburtstag an Rajiv Gandhi - und versucht den Ruf des früheren Premiers ein wenig zu rehabilitieren. Und Yubaraj Ghimire hat ein exklusives Interview mit einem der berüchtigtsten Serienmörder des 20. Jahrhunderts geführt: Charles Sobhraj, der in den siebziger Jahren in Südostasien etwa ein Dutzend Touristen ermordet haben soll und alt wurde, ohne je dafür gebüßt zu haben - bis er in diesem Jahr in Nepal zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Doch Sobhraj (mehr hier) ist überzeugt, frei zu kommen - und will sich an die UNO-Menschenrechtskommission wenden.

Magazinrundschau vom 16.08.2004 - Outlook India

"Was wäre, wenn die Amerikanische Revolution nicht stattgefunden hätte? Was wäre, wenn John F. Kennedy überlebt hätte? Was wäre, wenn Pontius Pilatus Jesus verschont hätte?" Alles interessante Fragen, gibt der Historiker Ramachandra Guha zu - aber für Indien hätte nichts davon einen Unterschied gemacht. Die längste Zeit hätte auch kein Geschichtswissenschaftler, der auf sich und seine Disziplin hält, eine solche Frage zu stellen gewagt; schließlich, so Guha, galt in der Historiographie seit Leopold von Ranke das Ethos der Objektivität, zumindest bis der Branche vor ein paar Jahrzehnten auffiel, dass Quellenstudium immer auch Interpretation bedeutet. Und seit ein paar Jahren fragen immer mehr Historiker: Was wäre, wenn? Outlook folgt in dieser Ausgabe ihrem Beispiel und stellt Fragen nach schicksalhaften Wendungen in der indischen Geschichte - denn regiert nicht der Zufall unser aller Leben?

Zum Beispiel: Was wäre, wenn Indien nicht geteilt worden wäre? Zunächst, rekapituliert der Columbia-Historiker Ainslie T. Embree die Ereignisse am Vorabend der Unabhängigkeit, sah es nämlich gar nicht danach aus. Dann aber kam es doch so - leider, meint Embree. Denn wenn nicht, wäre die indische Außenpolitik nicht von der Beziehung zu Pakistan dominiert worden, zum Kaschmir-Konflikt wäre es nicht gekommen und Militärdiktatoren hätte es nicht gegeben. Wenn also alles ganz anders hätte kommen können, versucht Embree eine Lehre aus dem Gedankenspiel zu ziehen, warum sollte man dann nicht die Gegenwart ändern können?

Gefragt wurde außerdem: Was, wenn Mahatma Gandhi das Attentat überlebt hätte? (Er hätte einen besseren Staat auf den Weg gebracht, meint sein Enkel Rajmohan Gandhi, er wäre "zum frustriertesten Mann Indiens geworden", ist sich M. V. Kamath sicher.) Und wenn Indien 1962 den Krieg gegen China gewonnen hätte? (Es war nicht so ausgeschlossen, wie alle immer behaupten, meint Rajeev Srinivasan.) Und wenn ab 1970 jedes indische Paar im Durchschnitt nur zwei Kinder bekommen hätte? Denn, hat Manu Joseph nachgerechnet, die Welt hat 454 Jahre benötigt, um von einer Bevölkerung von 345 Millionen auf 1 Milliarde zu kommen - Indien brauchte nur 52.

Und der schönste Artikel der Ausgabe: Sunil Menons Feier des Pidgin-Englisch - let's subvert "Oxford English Dick"!

Magazinrundschau vom 09.08.2004 - Outlook India

Seema Sirohi feiert eine Premiere: Hollywoods ersten Film mit gleich zwei asiatischen Amerikanern, indischer und koreanischer Abstammung, in den Hauptrollen. Und das ist noch nicht alles: Die beiden sind nämlich ganz normale Kiffer, die ununterbrochen an Mädchen denken und Hamburger in sich reinstopfen. Mit anderen Worten: "Desi ist kein Nerd, kein Kassierer bei 7/11, noch nicht einmal Motelbesitzer", sondern ein amerikanischer Slacker von der Stange und damit inmitten all der bewährten ethnischen Stereotypen Hollywoods ein kleines Wunder. Und das Allerbeste: Der Film - "Harold and Kumar Go To White Castle" - ist wirklich witzig.

Die Olympischen Spiele sind auch in Indien Titelthema, doch da die Chancen der sportlichen Delegation nur begrenzt Gesprächsstoff abwerfen, hat Sanjay Suri in Athen die Gedanken ein wenig schweifen lassen. Schließlich gibt es einige Gemeinsamkeiten zwischen Griechenland und Indien. "Es scheint den Griechen beinahe geholfen zu haben", schreibt Suri, "dass jeder sie als ewige Verlierer wahrnimmt - wie die Inder. Das Skript der Erwartung sieht für die Griechen vor, mit dem Bau der Stadien nicht rechtzeitig fertig zu werden und anschließend keine Medaillen zu gewinnen." Zumindest bis zur Fußball-EM - jetzt nämlich denken die Athener zwischen ihren Baustellen, dass nichts sie aufhalten kann. "Es ist schon komisch", sinniert Suri. "Ein Typ tritt gegen den Ball, ein zweiter köpft, und eine Nation fängt an, besser über sich selbst zu denken."

Sandipan Deb hat sich ein bisschen gefreut und ein bisschen geärgert über die zweite "Weekenders"-Anthologie - dieses Mal hat der Daily Telegraph die jungen und zumeist preisgekrönten britischen Autoren nach Kalkutta geschickt. Am meisten hat er sich über die Erzählung von Colm Toibin gefreut, am meisten geärgert hat er sich darüber, dass in quasi jeder zweiten Geschichte Straßenkinder auftauchen. Und so bleiben gemischte Eindrücke, und die "schreckliche Schönheit" der Stadt wartet auf genauere Beobachter. Allerdings: "Nicht das es Kalkutta kümmern würde."

Nur im Netz: ein Artikel des Independent-Reporters Robert Fisk über die "neuen Lügen", die die amerikanische und britische Regierung über den Irak verbreiten.