
Kulturpessimismus in
Outlook: Prem Shankar Jha
erinnert an den Schriftsteller
Mulk Raj Anand, einen der großen Männer der neuen indischen Literatur, der am 28. September verstarb. Und er erinnert an das
kulturell selbstbewusste Indien, dass nationalistische Idealisten wie Anand und Mahatma Gandhi zum Leitbild erhoben, dass aber, so der Autor, schon bald in der Trivialität der neuen Eliten versank, so dass heute Bollywood nationale Identität verkörpert: "Ihr Indien erwies sich als
Totgeburt. Seinen Platz nahm ein anderes Indien ein - ein
rohes, verwirrtes Land, dessen Bewohner nicht wissen, was sie in Ehren halten oder welche Richtung sie einschlagen sollen, und die diese Leere mit
Selbstinteresse, Materialismus und Gier zu füllen suchen."
Der Panchayat oder "Rat der Fünf" ist eine traditionelle Institution der
dörflichen Selbstverwaltung - eine ländliche Gemeindeverwaltung, die jahrhundertelang von den landbesitzenden Kasten dominiert wurde. Und das ist, so der erschreckende Befund von Soma Wadhwas
Reportage, vielerorts noch immer so; obwohl es gewählte Panchalyats gibt, haben oft die
Kasten-Panchayats große Macht und wenden sie vor allem
gegen Frauen und Mitglieder
"niederer" Kasten an: "Der Ältestenrat der Gemeinde - bestehend aus fünf oder mehr Mitgliedern, meist hochstehenden Kasten angehörend und ausnahmslos männlich - spricht Recht nach eigenen Maßstäben - um Streitfälle zu schlichten, die Regeln des Anstands festzulegen und die
feudal-patriarchale Ordnung zu erhalten. Diese Kastengremien bestrafen auf der Basis einer mittelalterlichen Moral: durch Ächtung und öffentliche Entehrung. Sie zwingen schuldig Gesprochene,
Exkremente zu kauen und sich auszuziehen, sie zwingen Frauen, nackt herumzulaufen, sie ordnen Folter und Verstümmelungen an, die lassen vergewaltigen und sogar töten."
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nicht schwanger werden kann, wenn sie nur
ein- oder zweimal Sex hat, 29 Prozent aller indischen Teenager sind sich sicher, dass nur Schwule und Prostituierte
Aids bekommen können, und
Outlook macht sich Sorgen - die
Titelgeschichte von Sanghamitra Chakraborty. Anniruddha Bahal
sieht Anzeichen dafür, dass das
Massaker von Beslan eine Introspektion in der islamischen Welt ausgelöst hat. Und Khushwant Singh
hat eine atemlose Lektüre hinter sich:
Lucy Moores "
Maharanis: the Lives and Times of Three Generations of
Indian Princesses".