
"Willkommen in der wachsenden Welt der
neuen Singles",
begrüßt Sanghamitra Chakraborty die Leser dieser Ausgabe und stellt klar, dass es nicht um
wunderliche Junggesellen oder altjüngferliche Tanten geht, sondern um einen
soziogischen Trend, der mit steigenden Einkommen und globalen kulturellen Werten auch in indischen Großstädten an Bedeutung bewinnt: "Die Singles von heute sind keine Soziophoben oder unvermittelbare Heiratswillige." Sie haben ein ausgefülltes Leben, interessante Jobs, Freunde, und sie werden sogar geliebt. Sie fühlen sich einfach
besser ohne Partner, und seitdem existenzielle Versorgung und Identität des Individuums nicht mehr an die Institution der Ehe gebunden sind, haben sie
die Wahl. Was viele Inder noch misstrauisch stimmt, wie Chakraborty feststellt. Er zitiert einige Vorurteile: Die scheuen doch nur die Verantwortung! Oder sind sie vielleicht homosexuell? Und ob sie sich wohl
regelmäßig waschen?
Dürfen
Bilder von Katastrophenopfern im Fernsehen und in der Presse zirkulieren? Es hängt davon ab,
schreibt Paul Danahar, der Bürochef der
BBC in Südasien, ob sie zum
Verständnis des Ereignisses beitragen oder voyeristische
Unterhaltung liefern. Der Tsunami zum Beispiel sei ein Ereignis gewesen, bei dem die Vorstellung der Zuschauer auf keine gespeicherten Bilder zurückgreifen konnte. Anlass für seine Überlegungen war der Artikel einer großen indischen Tageszeitung, in der den internationalen Medien
Rassismus vorgeworfen wurde - sie hätten ohne Vorbehalte
Leichen abgelichtet, weil es sich um
Asiaten handelte. Danahar weist die Vorwürfe, was die
BBC angeht, zurück und verweist seinerseits darauf, dass im indischen Fernsehen zwar kein Sex, aber
jede Menge tödliche Gewalt zu sehen ist, und zwar zu allen Tageszeiten.
Seema Sirohi ist Berichten
nachgegangen, wonach finanzkräftige amerikanische christliche Organisationen die Bedürftigkeit von Tsunamiopfern nutzen, um vor Ort
aggressive Missionarsarbeit zu verrichten - zum Teil sollen sie ihre Hilfe sogar von religiöser Konversion abhängig gemacht haben. Beim Blick auf die Websites einiger Gruppen haben sich ihre Befürchtungen bestätigt: "Indien wird häufig als Land der Dunkelheit und der
Götzenanbeter beschrieben, als
reif für Erlösung."
Und noch zwei Rezensionen: Sunil Sethi ist ganz
mitgenommen von
Vikas Swarups "Q and A", einer "schmutzigen Saga über
Kinderschänder, Räuber,
Betrunkene, minderjährige Prostituierte, alternde,
masochistische Bollywoodstars, herzlose Provinzprinzessinen und
australische Geheimagenten." Doch leider ohne eine Erzählstimme, die den Hype um das Buch gerechtfertigen würde. Und
Nilanjana S. Roy ist
sehr beeindruckt von
Shauna Singh Baldwins Romanversion des Lebens von
Noor Inayat Khan, einer geheimnisvollen Inderin, die im Zweiten Weltkrieg als
Agentin der französischen Resistance tätig war und wahrscheinlich in Dachau starb.