Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

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Magazinrundschau vom 26.04.2005 - Outlook India

"50 Jahre nach dem Abzug der Briten ist Englisch in aller Stille zu einer indischen Sprache geworden. David Dalby, der in 'Linguasphere' diese Entwicklung bezifferte, sagt voraus, dass Indien im Jahr 2010 das Land mit dem meisten englischsprachigen Menschen sein wird." Gurcharan Das begrüßt diese Entwicklung und gibt ihr einen Namen: "Inglish" - die umgangssprachliche Verquickung von Englisch und Hindi. Im Unterschied zu anderen Sprachhybriden ist Inglish kein verachteter Bastard der Gosse, sondern die lingua franca der indischen Mittelschichten und Medien. Doch ob Englisch oder Inglish - Das plädiert - gegen "Mundartsstalinisten" und andere Traditionalisten - dafür, der sprachlichen Entwicklung keine politischen Steine in den Weg zu rollen, denn zum einen "weiß jede indische Mutter, dass Englisch der Ausweis ihres Kindes in die Zukunft ist", zum anderen erhofft sich Das noch einiges mehr: britisches Englisch, schreibt er, war die Weltsprache des späten 19. Jahrhunderts, amerikanisches Englisch die heutige - möglicherweise ist Inglish die des 21. Jahrhunderts?

 Und noch mehr Indisches für die Welt: Shobita Dhar registriert die internationale Präsenz indischer Mode. Die Kleider hängen schon mal in der Fifth Avenue. Notwendiger nächster Schritt: Erfolg und Einfluss - zumindest sind das die "globalen Träume" der lokalen Designer.

Die großen Stars des tamilischen Kinos, Rajnikanth and Kamalahaasan, sind 55 beziehungsweise 51 Jahre alt, und das Publikum kann nicht genug von ihnen kriegen, obwohl ihre Liebhaberinnen ihre Töchter sein könnten - eigentlich nicht unsympathisch, findet S. Anand, und auch nicht ungewöhnlich für einen Staat, "in dem der erste Anwärter auf den Posten des Ministerpräsidenten bei den Wahlen 2006 der 82-jährige M. Karunanidhi ist". Allerdings hat er seine Bedenken, ob das noch lange gut gehen kann.

Weitere Artikel: "Großstädtische Inder öffnen sich der Innenschau" - in der Titelgeschichte berichtet Soma Wadhwa von der zunehmenden gesellschaftlichen Akzeptanz der Psychotherapie. V. Sudarshan ist auf dem neuesten Stand, was die möglicherweise bahnbrechenden Annäherungen zwischen Indien und Pakistan im Streit um Kaschmir betrifft. Und nur im Netz: ein Gespräch von Nayan Chanda mit dem New York Times-Kolumnisten Thomas L. Friedman über sein neues Buch "The World is Flat".

Magazinrundschau vom 19.04.2005 - Outlook India

Das Erstaunen bei Outlook über die neuen Töne aus Bollywood hält an. Jetzt diagnostiziert Namrata Joshi in einer ersten Bilanzierung des laufenden Kinojahres gar das Ende des Erfolgschemas der Hitfabrik: Das Bewährte wird zum Ladenhüter, der "Standard-Masala-Mix - Sex-Kittens, Action-Helden, die große Liebe, die unter einem schlechten Stern steht - hat sein Verfallsdatum überschritten." Und so kommt es, dass Karan Johars erfolgsverwöhnte Produktionsfirma demnächst einen Film ohne Lieder und Tanz, ohne Emigranten, dafür aber mit Blut herausbringt ("Kaal"). Eine neue Formel ?

Weitere Artikel: Der indische Oberste Gerichtshof bearbeitet derzeit einen Antrag auf Aufhebung der Kriminalisierung von Homosexualität; Saleem Kidwai, Autor eine Buchs über Homosexualität in Indien, schreibt schreibt, auch im Hinblick auf Aids: "Der Oberste Gerichtshof hat schon mehrfach seine Bereitschaft gezeigt, im Sinne der Menschenrechte zu intervenieren. Diesmal muss er es tun. Die Rechte von Millionen von Menschen stehen auf dem Spiel, und eine schwere Gesundheitskrise sollte nicht noch verschlimmert werden."

Weitere Artikel: Auch Faizan Ahmad berichtet von einem Gerichtsentscheid: Die Familie von Kanchan Devi hat um legale Zustimmung zur Sterbehilfe für die junge Frau ersucht, die seit sechs Jahren im Wachkoma liegt. Doch Kanchan Devi ist nicht Terri Schiavo; ihr Fall hat nicht nur medizinische und ethische Aspekte, sondern auch und vor allem ökonomische - sie war zu arm, um medizinisch einwandfrei versorgt zu werden (was zu ihrem Zustand führte), und ihre Familie ist zu arm, um sie am Leben zu erhalten.

Magazinrundschau vom 12.04.2005 - Outlook India

Eine Filmveröffentlichung wird zum Fall für die Gerichte, berichtet Namrati Joshi: "Vergangene Woche erhielt einer der der talentiertesten jungen Filmemacher Bollywoods, Anurag Kashyap, einen neuen Beinamen: verhext. 2001 wurde sein Debütfilm 'Paanch', ein schockierendes Porträt der hässlichen Seiten der großstädtischen Jugend, wegen seiner drastischen Gewaltszenen, seiner anstößigen Sprache und seiner Darstellung von Drogenmissbrauch von den Zensoren auf den Index gesetzt (mehr). Jetzt steht sein zweiter Film 'Black Friday', eine kompromisslose Rekonstruktion des Bombenanschlags vom 12. März 1993 in Bombay, vor dem Aus - trotz eines positiven Bescheids vom Zensor. (...) 'Black Friday' bewegt sich auf schwierigem Terrain, im Zentrum der Konfrontation zweier delikater Angelegenheiten - einerseits der kreativen Autonomie eines Filmemachers, andererseits der juristischen Rechte der Angeklagten." Deren Anwälte nämlich haben durchgesetzt, den Filmstart aufzuschieben, bis der Prozess gegen die Angeklagten beendet ist. Dagegen klagen nun wiederum die Produzenten des Films.

Edward Luce ist hocherfreut über die Auswahl, die Pankaj Mishra für seine Anthologie "India in Mind" - Texte ausländischer Autoren über Indien - getroffen hat: Luce hatte keine Ahnung, dass nicht nur Naipaul, Kipling und Orwell, sondern auch Paul Bowles, Claude Levi-Strauss oder Andre Malraux den Subkontinent bereist und beschrieben haben. Und Smita Mitra war auf Indiens wachsendem "Makeover-Basar" unterwegs - der boomenden Industrie der kosmetischen Selbsterfindung vom Komplett-Styling bis zur Schönheitsoperation. Doch was sind die Folgen für den indischen Schönheitsbegriff?

Magazinrundschau vom 05.04.2005 - Outlook India

"In der Literatur, wie auch beim Sex, gilt: Größe ist nicht alles." Dennoch hat "The Alchemy of Desire" das neue Buch von Tarun Tejpal, Indiens Gonzo-Vitalisten, seine Wirkung auf Anita Roy nicht verfehlt. Schon, weil es ihr solchen Spaß macht zu verfolgen, ob Tejpals großer Wurf womöglich auf der nächsten Seite ganz unheroisch im literarischen Abseits landet. Aber der Autor hat seinen Erzähler, ebenfalls ein Schriftsteller mit übermäßigen Ambitionen, mit Ausdauer ausgestattet, so Roy. Und jeder Menge Testosteron. Genau: Sex - "heterosexuell, homosexuell, voyeristisch, bestialisch, quasi-tantrisch, sogar Sex mit Geistern", zwei Drittel des Buches lang, dann setzt der Plot ein. "Tejpal will hinter ein paar ewige Wahrheiten über Liebe, Handeln, Geld, Begehren und schließlich über die Wahrheit selbst kommen." Kommt er? Die Rezensentin überlässt das abschließende Urteil dem Leser. Aber: Was für ein Buch!

Klar doch, Romane von indischen Hausfrauen im Ausland - Ira Pande kennt die Formel: Im Mittelpunkt steht ein junges Mädchen, dazu kommt "ein Sortiment hysterischer oder hellseherisch begabter bengalischer Frauen" für die Küche und die Entschlüsselung von Omen, und keinesfalls fehlen dürfen "sexueller Missbrauch, Kulturschock und klebrige Nostalgie". Wer's mag, hier kommt ein neuer von einer der Altmeisterinnen des Genres, Chitra Divakaruni. Er heißt "Queen of Dreams". Mögen dürften sowas vor allem Filmproduzenten, ist der Rezensentin aufgefallen: Alles, was man noch machen muss, ist Aishwarya Rai casten, ein bisserl Banghra-Pop dazutun und die digitalen Bearbeiter ranlassen.

Weitere Artikel: N. S. Madhavan porträtiert O. V. Vijayan, das Genie der malayalamisch-sprachigen Literatur. Soma Wadhwa fragt sich, ob die indischen Teenager wirklich so wild, lebensmüde und unzugänglich sind, oder ob die Eltern irgendwas nicht kapieren. Und Kersty Katrak reiht sich bei den vielen ein, die sich über Amerika wundern: "Ein Land, das sich seiner Grundwerte unsicher ist, verbissen in einen gnadenlosen Krieg mit sich selbst."

Schließlich, nur im Netz: Ein Gespräch von Danilo Mandic mit Noam Chomsky darüber, warum die Wahlen in Irak alles in allem ein Erfolg waren, warum Anti-Globalisierung schon als Begriff Quatsch ist, und warum keine politischen Bücher von ihm auf den Leselisten amerikanischer Universitätskurse stehen.

Magazinrundschau vom 29.03.2005 - Outlook India

Eine Sonderausgabe: Indiens Aufstieg 1995-2005. Viel Wirtschaft, viel Finanzen, und Shankar Acharyas Einführung ins Thema. Zwischendrin: Sandipan Debs mahnende Bestandsaufnahme der indischen Konsumgesellschaft und Paromita Shastris Bericht über die große Masse der Armen, die von den Wirtschaftsreformen der letzten Dekade herzlich wenig hatten: "Es gibt Dinge in Indien, die ändern sich nie. Als ich an einer vielen Ampeln der Hauptstadt zum Stehen komme, auf einer Straße, die viel glatter ist als 1995, in einem Fahrzeug mit dem neuesten globalen Qualitätszertifikat, umgeben von Luft, die viel sauberer ist als vor einem Jahrzehnt, und gut angezogene Menschen, die auf Laptops schreiben oder in Mobiltelefone sprechen - da klopft eine dünne, kleine Hand an mein geschlossenes Fenster. Der kleine Junge möchte eine Rupie."

Die Schauspielerin, Drehbuchautorin und Dichterin Seema Rahmani hat einigen "bekannten Bollywood-Gentlemen" bei einer Unterhaltung über die sogenannte "Casting-Couch" zugehört. Und während sich ein paar in der Runde wissend gaben, stritt einer von ihnen ab, das Schauspielerinnen von Regisseuren oder Produzenten zum Sex genötigt werden: "Die Casting-Couch existiert für Flittchen", so seine Gewissheit - "nicht für Schauspielerinnen". Rahmani wundert sich: "Wenn das so ist, dann muss ich mich als jemand, der mit der Casting-Couch konfrontiert worden ist, fragen, was genau eine Schauspielerin von einem Flittchen unterscheidet."

Und: Girish Karnad, einer von Indiens bedeutendsten Dramatikern, führt nach über 35 Jahren, wieder bei einem seiner Stücke Regie - Sugata Srinivasaraju hat ihn getroffen.

Magazinrundschau vom 01.03.2005 - Outlook India

Wenn Indien und Pakistan gegeneinander Kricket spielen, ist das Outlook allemal eine Sondernummer wert. Schließlich geht es um so viel mehr als nur um einen sportlichen Vergleich - die bevorstehende Spielserie wird auf einem schmalen Grat von nationaler Rivalität und offizieller Diplomatie ausgetragen. Für die Beteiligten könnte ein Endspiel um die Weltmeisterschaft nicht wichtiger sein, wie Suveen K. Sinha betont: "Regelmäßig nach einem Aufeinandertreffen der beiden Länder verlieren Kapitäne und Trainer ihre Posten, werden Karrieren beendet." Oder, wie es ein ehemaliger Spieler sagt: "Niemand verzeiht dir, wenn du gegen Pakistan verlierst."

Zwei Artikel verorten die indisch-pakistanische Kricket-Rivalität historisch und global. Einerseits, schreibt Boria Majumdar, ist Sport mit seiner Fähigkeit, Massen zu mobilisieren, hervorragend geeignet, die Botschaft von Verständigung und Frieden zu verbreiten. Andererseits - und aus exakt dem selben Grund - wirken sportliche Wettbewerbe als Verstärker nationaler Befindlichkeiten, als Medium der populären politischen Imagination. Man führe sich nur den Text der schottischen Rugby-Hymne zu Gemüte und stelle sich ein Match gegen England vor: "O flower of Scotland/ When will we see/ Your like again/ That fought and died for/ Your wee bit hill and glen/ And stood against him/ Proud Edward's army/ And sent him homeward/ Tae think again. Those days are passed now/ And in the past they must remain/ But we can still rise now/ And be the nation again."

Brian Stoddart trägt weltweite Beispiele für solche Rivalitäten zusammen - Celtic vs. Glasgow Ranger, Real Madrid versus Barca, Neuseeland versus Australien im Rugby - und zeigt, dass sie, obwohl ursprünglich politisch motiviert, mittlerweile enorme ökonomische Faktoren darstellen. Währenddessen bewahrt der krude Symbolismus seine Wirkungsmacht: "Viele solcher Repräsentationen sind genau das - Repräsentationen. Beispielsweise im spanischen Fußball: Natürlich sind die politische Komplexitäten vielschichter, als es eine schlichte Gleichsetzung von Athletic Bilbao und baskischem Separatismus glauben machen könnte. Doch Millionen Menschen erhalten dank solcher Repräsentationen die Möglichkeit zum Ausdruck tief verwurzelter Ansichten, Ambitionen, Vorurteile und Feindschaften."

Magazinrundschau vom 22.02.2005 - Outlook India

Die Bewohner der Andamanen und Nikobaren sehen noch immer kaum Licht am Horizont, wie Outlook recherchiert hat: "In der sengenden Hitze eines Auffanglagers schwitzt Shobita Khar, im neunten Monat schwanger, die Launen des Schicksals aus. Sie und ihr Mann Gobardhan, registrierte Tsunami-Opfer, haben Ende des vergangenen Jahres alles an die entfesselte See verloren. Fast zwei Monate später sind die Medienvertreter längst wieder auf das Festland zurückgekehrt, die NGOs haben ihre "Dispute" mit den regionalen Regierungsstellen beigelegt, die Offiziellen haben sich gegenseitig auf die Schultern geklopft - nur Shobita wartet noch immer auf anständige Unterkunft." Und nicht nur sie: Fast alle der überlebenden Inselbewohner befinden sich noch immer in Auffanglagern.

Die Regisseurin Aparna Sen dreht gerade ihren neuen Film "15 Park Avenue", "ein komplexes und vielschichtiges Drama über eine schizophrene Frau und die schwierige Beziehung zu ihrer Familie". Labonita Ghosh war am Set dabei und liefert die Fakten: Der Film wird in englischer Sprache gedreht um die Marktchancen zu erhöhen, und die Besetzung ist erstklassig: Shabana Azmi, Konkona Sen Sharma, Waheeda Rehman, Rahul Bose, Shefali Shah, Dhritiman Chatterjee ...

Auch Indien sucht seit einiger Zeit nach dem Superstar, während jeder Sendung stimmen 3 Millionen Zuschauer ab, welcher Sänger nach Bollywood oder zurück in die Obskurität soll. Bei Sony, das "Indian Idol" mit großem Aufwand produziert, klingeln die Kassen. Saumya Roy nimmt den Erfolg der Show ernst und meint: "In einem Land, in dem die meisten Stars aus Familien von Stars zu stammen scheinen, hat die Möglichkeit, selbst einen echten Star zu kreieren, eine große Attraktivität."

Magazinrundschau vom 15.02.2005 - Outlook India

Namrata Joshi feiert - in Übereinstimmung mit dem indischen Publikum - den Film, der in Bollywood in Sachen Filmkunst ein neues Kapitel aufschlägt: Sanjay Leela Bhansalis "Black" mit Rani Mukherjee und Amitabh "Big B" Bachchan in den Hauptrollen: "Es ist ein einzigartiger Mainstream-Film über zwei körperlich behinderte Menschen. Ihre Beziehung entgeht den vorgeprägten Kategorien, die erfahrenen Schauspieler werden zu seltener emotionaler Tiefe animiert, und das Drama entfaltet sich vor einem komplexen Zusammenspiel atemberaubender Bilder - und nicht vor Schweizer Bilderbuch-Landschaften."

Weitere Artikel: "Nepal ist in Aufruhr. Bangladesch versinkt in blutigen politischen Fehden. Pakistan schottet sich ab" - in der Titelgeschichte sieht V. Sudarshan Indien in gefährlicher Nachbarschaft und fürchtet, dass die politische Instabilität auf Indien selbst übergreifen könnte, wenn das Land nicht eine aktivere Rolle in der Region übernehme. Saumya Roy war in den Slums von Bombay unterwegs, die eigentlich nicht für ihren guten Geruch bekannt sind, und berichtet von öffentlichen Toiletten, die sich einen Namen als Touristenattraktion gemacht haben. Und Jaswant Singh empfiehlt in einem langen Essay Stephen Philip Cohens Buch "The Idea of Pakistan".

Nur im Netz: Tariq Ali erklärt in einem Kommentar die Wahlen im Irak zu einem imperialen Täuschungsmanöver, das mehr darauf angelegt gewesen sei, den Westen zu einigen als den Irak voranzubringen. "Nach Bushs Wiederwahl brauchten Frankreich und Deutschland eine Brücke zurück nach Washington. Werden ihre Bürger diese Propaganda schlucken?"

Magazinrundschau vom 01.02.2005 - Outlook India

Ob die neuerliche Attraktivität und Popularität des Lebens von Alexander dem Großen ein Hinweis auf die Renaissance des imperialen Reiches ist? Oliver Stones irischer Alexander sieht jedenfalls aus wie George W. Bush, stellt Zareer Masani, der Biograf von Indira Gandhi, in einem interessanten Kommentar fest. Doch die Attraktivität des Empire ist nicht nur zeitlos, sie sie auch universell - Alexander wird in vielen Kulturen als historische und mythische Figur bewundert, und mit Sicherheit nicht als antiker Cowboy, wie in der Hollywood-Version. In Zeiten der Globalisierung, argumentiert Masani, reflektiert das einen weltweiten "Wunsch nach einer neuen Form von imperialer Kontrolle, ohne die Exzesse der Ausbeutung, die den Imperialismus des 19. Jahrhunderts kennzeichneten".

Warum sind die Neanderthaler ausgestorben? Weil sie selten älter als dreißig Jahre alt wurden und folglich kaum Wissen an die nächsten Generationen weitergeben konnten. Die mussten dann erneut lernen, dass "Feuer brennt, Säbelzahntiger beißen und bestimmte Pilze giftig sind". Daniel Lak erzählt diese evolutionshistorische Anekdote, um darauf aufmerksam zu machen, was Indien an Khushwant Singh hat, dem über neunzigjährigen Schriftsteller (mehr), dessen neuestes Buch sich zwar um den Tod dreht, diesem aber eher den Rücken zuwendet, als sich ihm zu ergeben. "Death At My Doorstep" ist eine Sammlung von Nachrufen aus vielen Jahrzehnten, und bevor Singh den "Gaunern, Familienfreunden und Berühmtheiten, den unbekannten Heiligen und Sündern" letzte Worte widmet, kommt erstmal der Nachruf auf sich selbst und fällt wie alles in diesem Buch "pietätlos, aufrichtig, witzig und vor allem weise" aus. "Ohne Übertreibung", schreibt Lak, "kann man Singh als Mark Twain Indiens bezeichnen: ein unermüdlicher, talentierter Autor mit einer unheimlichen Fähigkeit, in jeder Ära und zu jeder Zeit den Nagel auf den Kopf zu treffen."

Weitere Artikel: Larry Jagan erinnert sich an längst vergangene Zeiten, als Phuket das irdische Paradies der Hippies und die Strände noch nicht übervölkert waren. Jetzt fragt er sich, ob die todbringende Welle möglicherweise die Idylle wieder hergestellt hat - und spricht dabei tatsächlich von einer Rückkehr zur Unschuld. Und Hari Menon porträtiert "Indiens neues Pin-up-Girl": die Tennisspielerin Sania Mirza.

Magazinrundschau vom 25.01.2005 - Outlook India

"Willkommen in der wachsenden Welt der neuen Singles", begrüßt Sanghamitra Chakraborty die Leser dieser Ausgabe und stellt klar, dass es nicht um wunderliche Junggesellen oder altjüngferliche Tanten geht, sondern um einen soziogischen Trend, der mit steigenden Einkommen und globalen kulturellen Werten auch in indischen Großstädten an Bedeutung bewinnt: "Die Singles von heute sind keine Soziophoben oder unvermittelbare Heiratswillige." Sie haben ein ausgefülltes Leben, interessante Jobs, Freunde, und sie werden sogar geliebt. Sie fühlen sich einfach besser ohne Partner, und seitdem existenzielle Versorgung und Identität des Individuums nicht mehr an die Institution der Ehe gebunden sind, haben sie die Wahl. Was viele Inder noch misstrauisch stimmt, wie Chakraborty feststellt. Er zitiert einige Vorurteile: Die scheuen doch nur die Verantwortung! Oder sind sie vielleicht homosexuell? Und ob sie sich wohl regelmäßig waschen?

Dürfen Bilder von Katastrophenopfern im Fernsehen und in der Presse zirkulieren? Es hängt davon ab, schreibt Paul Danahar, der Bürochef der BBC in Südasien, ob sie zum Verständnis des Ereignisses beitragen oder voyeristische Unterhaltung liefern. Der Tsunami zum Beispiel sei ein Ereignis gewesen, bei dem die Vorstellung der Zuschauer auf keine gespeicherten Bilder zurückgreifen konnte. Anlass für seine Überlegungen war der Artikel einer großen indischen Tageszeitung, in der den internationalen Medien Rassismus vorgeworfen wurde - sie hätten ohne Vorbehalte Leichen abgelichtet, weil es sich um Asiaten handelte. Danahar weist die Vorwürfe, was die BBC angeht, zurück und verweist seinerseits darauf, dass im indischen Fernsehen zwar kein Sex, aber jede Menge tödliche Gewalt zu sehen ist, und zwar zu allen Tageszeiten.

Seema Sirohi ist Berichten nachgegangen, wonach finanzkräftige amerikanische christliche Organisationen die Bedürftigkeit von Tsunamiopfern nutzen, um vor Ort aggressive Missionarsarbeit zu verrichten - zum Teil sollen sie ihre Hilfe sogar von religiöser Konversion abhängig gemacht haben. Beim Blick auf die Websites einiger Gruppen haben sich ihre Befürchtungen bestätigt: "Indien wird häufig als Land der Dunkelheit und der Götzenanbeter beschrieben, als reif für Erlösung."

Und noch zwei Rezensionen: Sunil Sethi ist ganz mitgenommen von Vikas Swarups "Q and A", einer "schmutzigen Saga über Kinderschänder, Räuber, Betrunkene, minderjährige Prostituierte, alternde, masochistische Bollywoodstars, herzlose Provinzprinzessinen und australische Geheimagenten." Doch leider ohne eine Erzählstimme, die den Hype um das Buch gerechtfertigen würde. Und Nilanjana S. Roy ist sehr beeindruckt von Shauna Singh Baldwins Romanversion des Lebens von Noor Inayat Khan, einer geheimnisvollen Inderin, die im Zweiten Weltkrieg als Agentin der französischen Resistance tätig war und wahrscheinlich in Dachau starb.