Magazinrundschau - Archiv

Rest of World

5 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 07.09.2021 - Rest of World

Die Ahmadiyya ist eine Religionsgemeinschaft in Pakistan, die im späten 19. Jahrhundert auf dem indischen Subkontinent entstand und derzeit über vier Millionen Mitglieder in Pakistan zählt. Sie betrachten sich selbst als Muslime, erzählt Alizeh Kohari, von der Mehrheitsgesellschaft werden sie allerdings nicht als solche anerkannt, wie der 25-jährige Siraj, selbst Ahmadi, im Gespräch von seinen Kollegen erfahren musste, die einen Teenager dafür bewunderten, dass er den wegen Blasphemie angeklagten 57-jährigen Ahmadi Tahir Ahmad Naseem im Gerichtssaal erschossen hatte. "Die meisten Ahmadis in Pakistan führen ein Schattendasein und halten sich bedeckt. Viele geben sich außerhalb der Gemeinschaft nie zu erkennen: Jeder Ahmadi kennt schließlich jemanden, der aus der Universität, von der Arbeit oder aus dem Land gejagt wurde, nachdem er geoutet wurde. In Pakistan steht es unter Strafe, wenn ein Ahmadi aus dem Koran liest oder lehrt oder seine Gebetsstätte als 'Moschee' bezeichnet. Der Teenager, der Naseem getötet hat, wurde als Held gefeiert: Ein Provinzparlamentarier änderte sein Facebook-Profilbild zu dem Teenager, der mit Rosenblättern beworfen wurde; Polizeibeamte posierten mit ihm auf der Ladefläche eines Polizeiwagens - einige lächelten, einer hielt den Daumen hoch." Besonders fatal für die Ahmadis sind inzwischen die sozialen Medien, so Kohari in ihrer Reportage. "Die Verschleierung der eigenen Ahmadi-Identität auf Facebook kann eine Herausforderung sein. Ahmadi-Nutzer beschreiben die Erschöpfung, die sie empfinden, wenn sie den ständigen Aufforderungen von Facebook, immer mehr zu teilen, ausweichen müssen: Sie entfernen die Markierung von Fotos, löschen Einladungen zu Veranstaltungen und Seiten, vermeiden es, sich bei Freunden anzumelden, und nehmen nicht an Livestreams teil. Yawar zum Beispiel erinnert sich, dass er sein Facebook-Profil kurz vor seinem Umzug nach Karatschi gesäubert und alle Informationen gelöscht hat, die ihn verraten könnten. Wenn er sein Zuhause besuchte, war er besonders vorsichtig: keine Selfies bei der Eid-Gemeinde, zum Beispiel. 'Man weiß ja nie, wer was mitbekommt.' Jahrelang wussten seine engsten College-Freunde nicht, dass er Ahmadi war."

Magazinrundschau vom 18.05.2021 - Rest of World

In einem Bericht des Magazins macht Peter Guest auf das Schicksal von Bloggern, Influencern und jungen Start-up-Unternehmern in Myanmar aufmerksam, die seit dem Putsch kriminalisiert werden: "Ranguns digitale Gemeinde aus Aktivisten, Unternehmern und Tech-Arbeitern ist seit dem Putsch traumatisiert. Viele von ihnen gerieten bei den Protesten in die Schusslinie der Soldaten. Nachdem die Junta die Opposition und alle Dissidenten vertrieben hatte, ging sie gegen die vernetzte Jugend vor, holte sie aus den Häusern und kriminalisierte ihr Tun mittels neuer Gesetze. Abend für Abend werden im staatlichen Fernsehen die Namen von Bloggern, Vloggern, Influencern, Schauspielern, Aktivisten und Oppositionellen verlesen - im Grunde sind das alle mit einem Profil und einer eigenen Meinung. Viele der bekanntesten Medien- und Tech-Persönlichkeiten sind auf der Flucht oder im Gefängnis. Die direkten Attacken der Junta auf die freie Presse, die Aktivisten und ihre Infrastruktur betreffen eine Generation, die gerade erst dabei war, sich politisch, wirtschaftlich und sozial zu formieren und durchzusetzen. Während der letzten zehn Jahre mit einer Zivilregierung haben sie gelernt, die neue Offenheit und Konnektivität im Land für sich zu nutzen, um für ihre Rechte einzutreten, Unternehmen aufzubauen und politische Reformen anzustoßen. In etwas mehr als drei Monaten hat das Militär das alles zunichte gemacht. 'Unsere Ermächtigung war nur von kurzer Dauer', erklärt Nandar, Frauenrechtlerin und Podcasterin auf der Flucht … Das offizielle Staatsfernsehen als einzige Mainstream-Informationsquelle setzt unterdessen auf Verharmlosung und die abschreckende Wirkung der Bilder von brutalisierten Gefangenen und gesuchten Personen. Es heißt, die Junta arbeite an einer neuen Firewall und plane die Löschung von Webseiten. Das würde die nahezu totale Kontrolle des Internets durch das Militär bedeuten."
Stichwörter: Myanmar

Magazinrundschau vom 23.03.2021 - Rest of World

Wer wirklich coden lernen will, sollte Israeli sein und seinen Wehrdienst - nachdem er oder sie die Eingangsprüfungen bestanden hat - bei der Einheit 8.200 machen. Sie hat in der Fachwelt der Spionage-und Überwachungsdienste einen Ruf wie Donnerhall, und viele Unternehmen, die behaupten, sämtliche Handys der Welt abhören und auslesen zu können, ohne dass es einmal Klick macht, sind Start ups, die von Ehemaligen der Kompanie gegründet wurden. Israel, so scheint es, ist nicht zimperlich, was den Verkauf der Software angeht, obwohl man offiziell erklärt, ethische Standards einzuhalten. Gern arbeitet man mit Länder wie den arabischen Emiraten, Marokko oder Russland zusammen. Auch Hongkong-Aktivisten sollen mit israelischer Software abgehört worden sein. Allerdings sind auch die Gegner dieser Deals in Israel nicht ohne, schreibt Amos Barshad, der sich zum Beispiel mit dem Aktivisten Eitay Mack unterhalten hat: "Israel hat eine strenge Militärzensur. Das bedeutet, dass es für Mack als israelischer Staatsbürger eigentlich illegal ist, geheime israelische Militärinformationen zu erhalten. Mack macht also seine gesamte Arbeit auf der Grundlage von Informationen, die er von anderen Aktivisten und aus offenen Quellen bekommt. 'Eine Menge Informationen sind ohnehin schon online', erklärt er leicht belustigt. 'Diese Art von Regimes sind stolz darauf, israelische Technologie zu erwerben.'"
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Magazinrundschau vom 26.01.2021 - Rest of World

In der aktuellen Ausgabe des Magazins berichtet Madeleine Wattenbarger aus Mexiko City, wo es ein perfektes Video-Überwachungssystem namens C5 gibt, aber kaum Erfolge bei der Kriminalitätsbekämpfung, weil die Aufzeichnungen von der Polizei oft vernichtet werden, wenn niemand sie dafür bezahlt: "Einige bekannte Kriminalfälle wurden dank C5 gelöst, aber es kommt öfter vor, dass die Polizei etwaigen Opfern mitteilt, die entsprechende Kamera hätte nicht funktioniert oder das Material sei nicht verfügbar. Nach einer Untersuchung des Thinktanks 'Data Civica' geschehen 60 Prozent aller Verbrechen im Umkreis von 200 Metern einer C5-Kamera, aber die Polizei nutzt das Videomaterial in weniger als einem Prozent der Fälle. Das ist keine technische Frage, die allermeisten Kameras funktionieren. Auch die Speicherung ist nicht das Problem, die Kameras löschen die Aufzeichnungen nur alle sieben Tage, und offiziell ist es Gesetz, dass Aufnahmen, die mit einem Verbrechen in Zusammenhang stehen, gespeichert werden, sobald ein Verbrechensbericht vorliegt. C5 ist ein machtvolles Instrument, doch kann es nur so nützlich sein, wie die Person, die es verwendet. Ebenso wie C5 Untersuchungen stützen kann, kann es auch dazu verwendet werden, Kriminalität zu stützen, Erpressung etwa. Die Polizei hat schon vertrauliches Bildmaterial an die Presse weitergegeben. 'Wenn ein Video der Polizei nützlich ist, wird es an die Medien durchgereicht', sagt Alejandro Jimenez, ein Strafverteidiger, der mit dem System Erfahrung hat. 'Zeigt das Video die Polizei in einem schlechten Licht, lässt sie es verschwinden.' … Juan Manuel Garcia Ortegon, Chef des Überwachungssystems, gibt zu, dass die Kameras eine Sicherheit suggerieren, die sie gar nicht bieten. 'Wenn es um Budgets geht, stehen die Kameras und Outdoor-Fitness-Anlagen immer ganz oben auf der Liste", meint er. Die Leute fühlen sich einfach sicherer mit den Kameras. Allerdings gibt es keinen Nachweis, dass dem wirklich so ist. Was die Kameras dagegen typischerweise machen, erklärt Steve Trush, Fachmann für Überwachung und Menschenrechte: Sie kriminalisieren bestimmte Verhaltensweisen und treffen auf überproportionale Weise arme Menschen.'

Magazinrundschau vom 21.07.2020 - Rest of World

Kaum ein Land baut solchen Karriere-Druck auf wie Südkorea, erfahren wir von Ann Babe: Wer sich in der Schule nicht konsequent anpasst, an der Uni keine Glanzleistungen hinlegt, im Job nicht buckelt und nicht früh heiratet, gelte rasch als Sonderling. Aber kein Druck ohne Gegendruck: In der Subkultur der honjok drückt sich ein biografischer Gegenentwurf aus - bewusst alleine und für sich leben, kein Fokus auf Erfolg in einem entfremdeten Arbeitsverhältnis, mehr Zeit für kreative Selbstverwirklichung, sozialer Kontakt idealerweise unter Gleichgesinnten und am besten via App und Netz. Längst stellt der Trend einen Wirtschaftsfaktor dar: "Überall im Land versuchen Firmen sich auf diesem lukrativen Markt zu etablieren. Banken bieten Single-Haushalt-Kreditkarten an. E-Commerce-Anbieter bieten 'honjok' als eigenständige Kategorie in ihrem Sortiment an und vermarkten dort Angebote wie kleine Waschmaschinen, Mehrzweck-Möbel und für eine Person ausgelegte Geschirr-Sets. Nachbarschaftsläden, von den honjok sehr geschätzt, weil es sie fast überall gibt und sie kleinere Rationen verkaufen, fahren Sonderangebote und bewerben Fertiggerichte und alkoholische Getränke in kleinen Portionen. Bars und Restaurants versprechen, dass sie Gäste, die alleine kommen, nicht komisch ansehen, und für honjok zugeschnittene Etablissements richten Tische extra für diese Bedürfnisse ein. Spezialisierte Karaoke-Bars verfügen über individuelle, mit Münzen betriebene Kammern. Kinos richten Sitzreihe für Single-Plätze ein. Fernsehshows wie 'I Live Alone' und 'Drinking Solo' werfen einen Blick ins Leben der honjok und Nachrichtenseiten wie 1conomy News decken exklusiv Aspekte eines auf sich alleine gestellten Lebens ab."
Stichwörter: Südkorea, Einsamkeit