In Rue89 ist ein kleines Dossier zu dem Anfang August veröffentlichten Abschlussbericht der
Mucyo Commission zu lesen (
hier als pdf), welche die französische Rolle beim Völkermord 1994 in Ruanda untersuchen sollte. In einem Beitrag
stellen Gabriel Peries und David Servenay diesen Bericht in Auszügen vor, zu dem Frankreich bisher offiziell nicht Stellung nahm. Beim Außenministerium war nur von "
unannehmbaren Anschuldigungen" die Rede.
In einem Folgebeitrag
untersuchen die Autoren, inwiefern Frankreich zwischen 1990 und 1994 in Form einer indirekten Strategie tatsächlich einen
heimlichen Krieg geführt habe, der sich an eine in der Militärführung wohlbekannte Doktrin des
revolutionären Krieges anlehnt, die auf einen französischen Offizier im Indochinakrieg 1953 zurückgeht. "Was das alles mit Ruanda zu tun hat, fragen Sie? Die
Parallelen sind so zahlreich, dass sie über den Status harmloser Zufälle hinausgehen... Die französischen Soldaten haben ihr Wissen nie verloren. Trotz eines Verbots, diese Doktrin im französischen Mutterland zu lehren, was De Gaulle nach dem
putsch des generaux (1961 in Algerien) verfügt hatte, trotz politischer Alternativen hielten die
Elitekorps (Truppen der Marine, der Legion und der Polizei) an dieser Errungenschaft fest, vor allem in Afrika." In einem dritten Artikel schließlich
untersuchen sie die "
intellektuelle Matrix" dieser Kriegsdoktrin und werden dabei unter anderem bei dem Buch "Der totale Krieg" des deutschen Militärs, Putschisten und NS-Reichstagsabgeordneten
Erich Ludendorff von 1934 fündig.
Ein weiterer Beitrag geht der Frage nach, ob nach dem Vorpreschen Silvio Berlusconis, der Gaddafi fünf Milliarden Dollar zur Begleichung einer italienischen "Kolonialschuld" zusagte, nun auch auf Frankreich und andere Länder mögliche Entschädigungszahlungen zukommen. Vorläufiges Fazit: "Eine
Büchse der Pandora"