
Jean-Laurent Cassely et Jean-Marie Pottier
stellen das Buch "The Complacent Class" des amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers
Tyler Cowen vor. Er entwirft darin ein Bild seines Landes, in dem die Selbstzufriedenheit
führender Akteure dazu führt, dass es der
Fortschrittsfeindlichkeit und Unbeweglichkeit erliegt. Die Rezensenten überlegen, ob sich dieser Befund auch auf Frankreich übertragen lasse: "Auch auf kultureller Ebene neigen die Franzosen dazu, sich in Gruppen sozial Gleichgestellter zusammenzuschließen, ein
Phänomen der Abschottung und des Rückzugs, das sich keineswegs nur auf die Minderheit hoch Privilegierter beschränkt, die in abgesicherten Vierteln leben. In einem Bericht von 2012 beschreibt Louis Maurin, Leiter des Observatoire des inégalités, einen Prozess der 'wachsenden kulturellen Absonderung, basierend auf dem
Bildungsabschluss'. Die mit den höchsten Abschlüssen konzentrieren
sich zunehmend in einigen Städten und Stadtvierteln, während andere Gebiete mit weniger gut dadurch ebenfalls homogener werden." Bei
npr.org findet sich ein Interview mit Cowen zum Thema.
Für einen sehr instruktiven Hintergrundartikel
hat sich Boris Bastide sämtliche Eigenproduktionen von
Netflix angesehen (die übrigens nur selten reale Eigenproduktionen und meist exklusive Vermarktungen sind) und erforscht auch die
Strategie des neuen Akteurs, der sowohl für die Kinohäuser wie für Fernsehsender eine unheimliche Konkurrenz darstellt. Dazu gehört etwa die
Vorliebe für Dokumentarfilme: "Für Netflix ist dieses Experimentierfeld aus verschiedenen Gründen besonders interessant. Die Kosten sind in der Regel geringer als bei Fiktion, und der Markt ist
völlig zersplittert. 'Außer in sehr großen Städten zeigt kein Kino in den USA Dokumentarfilme', analysiert Thomas Sotinel, Filmkritiker bei Le
Monde. Aber Netflix ist überzeugt, dass dennoch Nachfrage existiert."