
Die
Titelgeschichte, wie stets nur gegen Entgelt zu lesen, dreht sich, man ist früh dran, weil eine Serie draus wird, um den Jahrestag des
11. September. Hübsch
reißerisch die Überschrift über ein Interview mit Bushs Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice: "Die Terroristen hassen auch Berlin."
Als Flop hat sich, so
erfahren wir, das
Green-Card-Angebot an indische IT-Experten erwiesen. Erst kamen sie nicht und dann brauchte man sie nicht mehr. Zum Beispiel Radja Sangpur: "'Die haben mich einfach
entsorgt', sagt er jetzt. 'Wie ein Stück Dreck.' 300 Bewerbungen und vier Monate später ist Sangpur nun wieder in Indien. Seine Möbel hat er verkauft, seine Ersparnisse aufgebraucht, um noch ein paar Wochen zu überleben, bevor er das Rückflugticket kaufen musste, für sich und seine Frau. Manchmal, wenn die
Wut kommt auf sich selbst, weil er seinen gut bezahlten Job in Indien aufgab, dann spricht er von der 'roten Karte' und von 'einer Tragödie, die alles ruiniert hat'. Weil sein Aufbruch nach Deutschland kein Schritt nach vorne war, sondern ein weiter Wurf zurück."
Ohne gewichtige neue Erkenntnisse endet der
Versuch, Licht ins
Intrigenspiel um Springer,WAZ und Leo Kirch zu bringen. Vor allem geht es, von allen Seiten, gegen Springer-Chef
Mathias Döpfner. Leo
Kirch zum einen: "Eines der letzten und größten Steinchen im Mosaik seiner
Fehlentscheidungen, da ist sich der Alte sicher, trägt den Namen von Mathias Döpfner, Vorstandschef des Axel Springer Verlags, an dem Kirch auch nach dem Zusammenbruch seines eigenen Imperiums 40 Prozent der Aktien hält." Die
WAZler zum anderen: "Die Spar-Manager der WAZ verfolgen argwöhnisch die
neokonservative Byzantinistik bei Springer. In Essen kolportieren sie, dass die vier WAZ-Geschäftsführer zusammen nur ein Drittel dessen verdienten, was ihr Kontrahent Döpfner allein kassiere. Auch deshalb würde man ihm gern mal das Sparen beibringen, das in solchen Kreisen nur anders genannt wird: Suche nach Synergien."
Weitere Artikel: Die juristische Aufarbeitung der
G8-Gipfel-Proteste in Genua hat
ergeben: "Um brutale Prügel-Orgien zu rechtfertigen, haben Italiens Ordnungshüter gelogen und gefälscht."
Michael Jürgs, Ex-Chefredakteur von Stern und Tempo, hat eine
Günter-Grass-Biografie geschrieben (die nächste Woche erscheint), der Spiegel druckt einen Auszug, der
Grass' Kriegsjahre beschreibt. Es ist, wie nicht anders zu erwarten bei Jürgs, nicht die Sorte Buch, bei der sich der Autor vornehm zurücknimmt: "Ob ich denn wisse, was ein
Richtschütze sei, fragte mich Günter Grass, als er davon erzählte, und nuckelte an der Pfeife. Ich schüttelte den Kopf, keine Ahnung, Militärisches hat mich noch nie interessiert." Und interessiert
uns das?
Nur im Print: Urs Jennys erster
Bericht aus Venedig - eine ganze Reihe von
Heiligsprechungen hat er erlebt, von Frida Kahlo bis Tom Hanks im ausgiebig gelobten Gangsterfilm "Road to Perdition". Steven Soderberghs Video-Jux "Full Frontal", in dem Brad Pitt und Julia Roberts sich selbst parodieren, ist für ihn allerdings ein "Schuss in den Ofen".