Magazinrundschau - Archiv

Der Spiegel

163 Presseschau-Absätze - Seite 15 von 17

Magazinrundschau vom 12.08.2002 - Spiegel

Jung, erfolgreich und entlassen. Wie das geht, erklärt der Spiegel in seinem Titeldossier. Und Gerhard Schröder erläutert seinen Lösungsvorschlag: die Umsetzung der Hartz-Pläne.

In einem freigeschalteten Interview springt Franz Müntefering dem Kanzler zur Seite und verteidigt die Vokabel des "deutschen Wegs": "Sehen Sie sich doch mal die Wahlkämpfe von Willy Brandt und Helmut Schmidt an: 'Modell Deutschland' - 'Stolz auf unser Land'. Es gab große Debatten damals, in denen es um Schwarz-Rot-Gold ging. Nein, nein, die Sozialdemokraten waren immer ganz ordentliche Patrioten. Das ist nicht unser Problem und hat auch nichts mit Nationalismus zu tun ... Unser deutscher Weg ist ein sozialdemokratischer."

Annette Großbongardt begleitet die israelische Reporterin Amira Hass, die in Arafats Palästinensergebiet lebt und für die israelische Tageszeitung Haaretz berichtet. Zwischen allen Fronten schreibt sie für das Ende der israelischen Besatzung Und ist so zu einer Galionsfigur der Pressefreiheit geworden. "Ihre Berichte aus dem Palästinenseralltag sollen den Israelis die Augen öffnen, was die israelische Politik auch im Kampf gegen den Terror bei den Menschen anrichtet. Journalismus heißt für sie, 'Macht zu überwachen' ... Die Nähe erlaubt es ihr, hinter die Kulissen zu blicken. So sieht sie verzweifelte Eltern von Selbstmordattentätern hinter verschlossenen Türen weinen, nachdem sie vor den Kameras erklärt haben, wie stolz sie auf ihren Märtyrersohn seien."

Weitere Artikel befassen sich mit Gerüchten, denzufolge die USA das gehätschelte Saudi-Arabien künftig weniger sanft zu behandeln gedenken (Öl tanken wir dann im Irak, sagt man sich), und blicken auf die große Wachablösung - ein trauriges Europa: "Wo immer die konservative Option gezogen wurde, ist kalte Realpolitik das Ergebnis - streichen, kappen, Zügel straffen." Bald auch in diesem Theater...

Magazinrundschau vom 05.08.2002 - Spiegel

Titelthema sind die staatlich geförderten Frequent Flyer - in der Luft und auf dem Boden. Wir erfahren, wie in den Parlamenten Europas und der USA Nebenjobs kontrolliert werden und was Wolfgang Thierse über Miles & More-Sünden und die Rücktritte von Özdemir und Gysi zu sagen hat.

Apropos Fliegen. Im Interview streut ein oberzynischer Tom Clancy Salz in die Wunden der amerikanischen Geheimdienste. In Clancys bereits 1994 erschienenen Roman "Ehrenschuld" steuert ein Kamikaze-Pilot einen Jumbo ins Kapitol in Washington und ermordet so fast die gesamte US-Regierung. Und schon vorher war das Szenario bekannt: "Ende der achtziger Jahre habe ich einem General, der für die Luftüberwachung der Hauptstadt verantwortlich war, erzählt, was wir uns überlegt hatten. Er wurde sehr still. Dann meinte er: Wenn es einen Plan für solche Fälle gäbe, dürfte ich nicht darüber reden. Aber wir haben noch nie über eine solche Bedrohung nachgedacht."

In einem anderen Beitrag verfolgt Ulrike Knöfel die klammheimlichen Begehrlichkeiten um Friedrich Christian Flicks sagenhafte Sammlung der Gegenwartskunst. Heimlich, weil Flicks Reichtum als anrüchig gilt: Der Sammler ist einer der Erben des Rüstungsmoguls Friedrich Flick, und mit dem will man in Berlin, wo man nichtsdestotrotz schon weiß, wo die Sammlung untergebracht werden könnte (im Hamburger Bahnhof), zumindest offiziell nichts zu tun haben. "Einerseits will in Berlin lieber niemand als Verhinderer gelten, wenn es darum geht, einen unbezahlbaren Kunstbatzen zu ergattern - andererseits will sich keiner der Hauptstadt-Kulturwächter als später Kriegsgewinnler beschimpfen lassen müssen." Die notorische Klammheit der Berliner Kultur aber, da ist Knöfel fast sicher, wird siegen über das bisschen Gewissen.

Außerdem spricht der Finanzchef des Papstes, Kardinal Sergio Sebastiani, über die Geldnöte seines Chefs und Coca-Cola-Werbung auf Radio Vatikan. Hans-Jürgen Schlamp erinnert an das skandalöse Rechtsempfinden des italienischen Premierministers Silvio Berlusconi. Wir lesen über Saddam Husseins diplomatische Winkelzüge. Und nur im Print äußert sich Wladimir Sorokin über den ihm drohenden Pornografie-Prozess.

Magazinrundschau vom 29.07.2002 - Spiegel

Im Interview spricht Israels Außenminister Schimon Peres über die aktuelle Lage in Nahost, sein Verhältnis zu Ariel Scharon und die Umstände des Angriffs auf Gaza-Stadt, bei dem 16 Unbeteiligte starben und der für ihn immerhin "eine Fehlkalkulation, einen hundertprozentigen Fehler" darstellt: "Wie stoppen Sie einen Krieg, wenn Sie die Krieger nicht stoppen können? Wir haben die Palästinenser wiederholt gebeten, Schahada (der Hamas-Führer Salah Schahada, dem die Bombe galt) zu verhaften, aber sie haben sich geweigert. Es gibt nur einen Weg zum Frieden: Sicherheit und Verantwortlichkeit müssen wiederhergestellt werden."

Carlos Widmann stellt uns einen Briefband vor ("The Letters of Arturo Toscanini", herausgegeben von Harvey Sachs), in dem der Meister-Dirigent Arturo Toscanini kräftig über Bayreuth herzieht ("Die Sänger, unter uns gesagt, sind Hunde") und als blutrünstiger epistolarischer Erotiker zu entdecken ist: "Toscanini pflegte seinen Briefen an Ada Mainardi öfter ein frisches Ziertüchlein beizufügen, in Erwartung einer intimen Erwiderung. Die quittierte er dann enthusiastisch: 'Hättest Du nur sehen können, wie meine Augen den zarten Schleier liebkosten, der bespritzt ist mit Deinem Blut!' Signora Mainardi hatte sich aber nicht in den Finger geschnitten."

Außerdem geht Philip Bethge der Tiefsee auf den Grund - in einem Beitrag über Meeresungeheuer, Hans-Jürgen Schlamp sieht Fiat (Clan und Konzern) auf Crash-Kurs, nur im Print wird die Stasi-Karriere des Ex-"Stern"-Reporters Gerd Heidemann aufgedeckt, und das Titeldossier ist der Monroe gewidmet, die vor 40 Jahren starb und als Mythos weiterlebte. Der Fotograf Douglas Kirkland erinnert sich. Seine Fotos von der Monroe sehen Sie hier.

Magazinrundschau vom 22.07.2002 - Spiegel

Titelthema ist der Kanzler-Solipsismus. Erforscht werden Schröders starkes Ego, seine Chancen auf Wiederwahl (im Interview mit dem Kanzler) sowie Rudolf Scharpings Abgang.

Johannes Salztwedel stellt einen in Britannien erschienenen Sammelband vor, in dem Historiker zeigen, dass Weltgeschichte oft nur knapp so und nicht anders verlaufen ist. Mit einem eines natürlichen Todes gestorbenen Jesus etwa, so eines der Gedankenspiele, wäre dessen Reformjudentum womöglich zur Staatsreligion avanciert, und "statt Christentum, Judentum und Islam gäbe es dann heute noch weltweit einen Einheitsglauben an den Gott Jahwe, der Sabbat wäre heilig, und Konfessionsreibereien existierten nicht". Oder Napoleon III.: Ohne sein Blasenleiden, zitiert Saltzwedel aus dem Buch, hätte er die Provokationen Bismarcks vielleicht souverän ignoriert, der Krieg von 1870/71 samt Gründung des Deutschen Kaiserreichs hätte nie stattgefunden, Erster und Zweiter Weltkrieg wären ausgefallen... Und Hitler wäre ein großer Künstler geworden.

Außerdem: In einem ziemlich fantastisch anmutendem Beitrag dokumentiert Ansbert Kneip den Sündenfall im Paradies des 2000-Seelen-Eilands Norfolk im Pazifik. Nachfahren der Meuterer von der "Bounty" lebten hier quasi jenseits von Gut und Böse - bis ein Mord an einer Gastarbeiterin geschah... Wolfgang Bayer und Roland Nelles lösen das Rätsel um einen Spender, der der Berliner SPD aus Liebe zu Willy Brandt 2,5 Mio Euro vermachte und dafür ein Grab neben seinem Idol bekam. Und nur im Print erläutert Martin Kusej seine "Don Giovanni"-Interpretation zur Eröffnung der Salzburger Festspiele.

Magazinrundschau vom 15.07.2002 - Spiegel

Die lieben Kleinen. Keine Ruhe lässt man ihnen. Erst sind sie zu dumm, jetzt zu zappelig. "Kinder mit Knacks" nennt das der Spiegel auf einfühlsame Art - im Titeldossier über Hyperaktivität und andere seelische Leiden der Knirpse.

Nach den Wirtschaftsskandalen in den USA klingt dem Spiegel das von Bush kürzlich mit großer Geste angekündigte Krisenmanagement dann doch wie Hohn. Nicht nur hätten Bush & Co selbst an den Schaltstellen des maroden amerikanischen Wirtschaftssystems gesessen, ehe sie die Macht im Land übernahmen (Bush als Direktor der texanischen Ölfirma Harken, Cheney als Chef des Öldienstleisters Halliburton), republikanische Politiker, heißt es in einem Beitrag, hätten auch mehr als andere von der Großzügigkeit jener Bosse profitiert, deren Gesetzestreue sie eigentlich hätten kontrollieren müssen. Dass solche Doppelzüngigkeit die Gunst der Wähler beeinflusst, ist klar. "Möglich, dass Bush junior einen ähnlichen Absturz erleiden könnte, wie ihn sein Vater als 41. Präsident der USA erlebte."

Weiter mit den USA: Gerhard Spörl untersucht die merkwürdige, von der Regierung Bush aus wahltaktischen Gründen besonders gepflegte Symbiose zwischen Hollywood und den Militärs in Washington. Seit dem 11. September sei diese "so eng wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr, als John Huston, Frank Capra oder William Wyler dem Patriotismus ihren Tribut zollten". Tröstlich, dass "Militainment made in Washingwood", dessen obskure Funktionsweise aus Sponsoring (von Kriegsgerät) und patriotischer Zensur durch das Pentagon Spörl offenlegt, doch nicht komplett harmonisch ist: "Das notorisch geschichtsklitternde Hollywood ist da gelegentlich geschichtsbewusster als die Filmfreunde im Pentagon."

Weitere Artikel über den "postatomar-grazilen High-End-Fun", den der japanische Modedesigner Yohji Yamamoto neuerdings für Adidas kreiert (mehr hier) und über die fragwürdigen Medienkunst-Projekte der Münchner Kulturreferentin Lydia Hartl. Nur im Print finden Sie ein Porträt des Dirigenten Christian Thielemann, Star der diesjährigen Bayreuther Festspiele.

Magazinrundschau vom 08.07.2002 - Spiegel

Das Böse im US-Wirtschaftsmodell hat einen Namen: Den Raubtierkapitalismus nennt es der Spiegel und erörtert im Titeldossier die Reichweite der Vertrauenskrise amerikanischer Anleger, die Zukunft des angeschlagenen Vivendi-Konzerns und die Flecken auf der Weste des russischen Magnaten Michail Chodorkowski. (Schon von Babcock Borsig gehört?)

In einem anderen Beitrag entwirft Carlos Widmann ein wenig schmeichelhaftes Porträt des greisen indischen Premierministers und Hindu-Nationalisten Atal Behari Vajpayee, der als Verseschmied nicht weniger ambivalent erscheint denn als politischer Rhetor: "Der Wunsch nach Frieden mit Pakistan kommt in den Gedichten ebenso zum Ausdruck wie eine Aversion gegen den Islam, die auf die Unterwerfung Indiens durch die Mogulherrscher zurückgeht. Sein von religiösem Eros durchglühter Patriotismus erinnert an die ritterliche Minne General Charles de Gaulles zu Frankreich und zur Jungfrau von Orleans. Mutter Indien ist für den dichtenden Premier eine von Muslimen und Briten geschändete Frau, deren Ehre wiederhergestellt werden muss." Nötigenfalls mit der Atomkeule.

Ulrike Knöfel führt durch eine vom Buchautor Jürgen Teipel ("Verschwende Deine Jugend") mitgestaltete Ausstellung in der Düsseldorfer Kunsthalle, die den Punk als ähnlich innovativ und befreiend feiert, wie einst die Anti-Kunst der Dadaisten. Und von wegen "No Future": Punk lebt! "In den Extravaganzen der Haute Couture, den wackelig direkten Dogma-Filmen, selbst im Gebaren und den Texten deutscher HipHop-Bands."

Ferner prüft Michael Sontheimer die Euro-Stimmung der Briten, wir lesen Neues über Michael Jacksons Streit mit Sony, und, nur im Heft allerdings, ein Gespräch mit dem neuen Rowohlt-Chef Alexander Fest über die Zukunft des Traditionsverlags.

Magazinrundschau vom 01.07.2002 - Spiegel

Wie das Lernen funktioniert, erklärt uns das Titeldossier. Hauptsache schön bunt, raten die Neurodidaktiker, vor allem verantwortlich, legen die Pisa-Ergebnisse nahe. Das muss doch zu kombinieren sein!

Die zweite Debattenwelle um Walsers neuen Roman kommentiert Elke Schmitter in einem Beitrag. Redigiert ist es ja nun, das Buch, oder ist es doch nur frisiert? Was wie ein Zugeständnis aussieht, meint Schmitter, ist so gar nicht gemeint. "Martin Walser, inzwischen eine Spitzenkraft in der Disziplin 'Interessantes Missverständnis', hat zwar seinen Roman auf den Vorwurf hin redigiert, er sei antisemitisch ... doch weist er den Vorwurf weit von sich, mit jener grüblerischen Selbstgewissheit, die zu seiner Hornhaut geworden ist." Was das Debattieren betrifft, findet Schmitter, kann es gar nicht heiß genug hergehen, schließlich bewährt sich dabei "der legitime Widerstand gegen Versuche, mit den Verbrechen der Nazis robuster umzugehen, als es in den vergangenen 50 Jahren üblich und geboten war". Skandale, so Schmitter, sind hilfreich. "Sie machen, gerade im Politischen, das schwer Durchschaubare verständlich und das Abstrakte erzählbar. Sie bilden Gedächtnis aus, offenbaren Interessen und ziehen Grenzen - und manchmal schaffen sie Klarheit."

Im Spiegel-Gespräch erläutert Gruner + Jahr-Chef Bernd Kundrun den vergangene Woche bekannt gewordenen Plan des Verlags, seine Regionalzeitungen zu verkaufen. Krisenstrategie, meint Kundrun: "Der Kostendruck wird dazu führen, dass - wie bereits in den USA und Großbritannien - Zeitungsketten entstehen. Regionale Zeitungsverlage, die nicht einer solchen Kette angeschlossen sind, werden es künftig sehr schwer haben. Als Großverlag habe ich deshalb nur zwei Möglichkeiten: Ich kann mich zurückziehen - oder ich muss im dreistelligen Millionenbereich in weitere Regionalzeitungen investieren." Dass es am nötigen Kleingeld mangelt, streitet Kundrun aber komischerweise ab. Das Zeitungsgeschäft sei profitabel gewesen, die Bilanzen 2002 hätten sich "deutlich verbessert", und sogar neue Titel seien in Planung. Wie, Kostendruck?

Magazinrundschau vom 24.06.2002 - Spiegel

Im Spiegel-Gespräch lamentiert der US-Schriftsteller Jonathan Franzen über den gesunkenen Stern des Romanciers und die Mühen beim Schreiben. Und er präsentiert eine überraschende Deutung seiner aufsehenerregenden Kollision mit der TV-Buchclub-Betreiberin Oprah Winfrey: "Ich wurde porträtiert als ein leidender elitärer Hochkultur-Schreiber, der die Massen verachtet. Dabei habe ich gerade deshalb so viele Jahre für dieses Buch ("Die Korrekturen") gebraucht, weil ich beides wollte: eine unbestreitbare literarische Leistung und eine Reihe von Charakteren, welche die Gefühle des Publikums ansprechen. Mit anderen Worten - ich tat etwas Ähnliches wie Oprah Winfrey: ernst sein und gleichzeitig zugänglich und aufregend. Psychologisch gesehen war mein Problem, dass ich eine unausgesprochene Rivalität mit Winfrey spürte. Nach dem Motto: Die populäre Herangehensweise ist ein Kennzeichen meiner Arbeit - wozu brauche ich da Oprah? Oprah und ich - wir waren zu nah beieinander."

In einem anderen Interview äußert sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann zum Abtreibungsgesetz als Schlag gegen die katholische Ethik. Das Urteil zeige, "dass die Selektion von Menschen auf Grund ihrer Behinderung in unserer Gesellschaft bereits Realität ist ... Unbegreiflicherweise definiert der Bundesgerichtshof die Geburt eines Kindes mit körperlichen Fehlbildungen als Schadensfall. Diese Entscheidung widerspricht sowohl dem christlichen Menschenbild als auch dem Wertkonsens des Grundgesetzes." Ganz im Geiste dieses Ethos erklärt der Kardinal zur Gebrechlichkeit des Papstes, dass dieser darin "vielen Menschen, die krank und gebrechlich sind, durchaus ein Beispiel gibt, dass man nicht einfach davonläuft, sondern an seiner Stelle bleibt, solange man irgendwie kann".

Nur im Print: der Titel untersucht Bundeskanzler Schröders Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Im Kulturteil wird die "erstaunliche Karriere des Architekten-Duos Herzog und de Meuron" beschrieben.

Magazinrundschau vom 17.06.2002 - Spiegel

Das "Titelpaket" widmet sich der europäischen Einwanderungspolitik: Allenthalben rigide Pläne, die auf dem EU-Gipfel in Sevilla beschlossen werden sollen, wie der einleitende Artikel mitteilt. Dänemarks Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen (die Druckausgabe bringt ein Interview) mit seiner harschen Tour ist da bloß die Speerspitze.

Im Weißen Haus ist die Schonzeit vorüber. Gerhard Spörl sammelt Anzeichen für eine gehörige Schieflage des Präsidentendampfers: Spannungen mit dem Außenminister, Stillstand in den Nahostverhandlungen, Geheimdienstschelte wegen der Versäumnisse vor 09/11. Und dann entpuppte sich auch noch die als dringend benötigter Erfolg ersehnte Festnahme des "dirty bombers" Abdullah al-Muhajir als eher bescheidene Leistung, insofern als die "dreckige Bombe" noch kaum in Planung gewesen ist und der Hinweis aus einer üppigen Quelle stammt: Abu Subeida, Personalchef des Qaida-Netzwerks wird von der CIA in Pakistan eingehend "interviewt".

Ferner stellt uns Lars-Olav Beier die isländische Sex-Komödie "101 Reykjavik" vor ("als wäre der spanische Regiestar Pedro Almodovar in Reykjavik zwischengelandet"), und wir erfahren, welche Vorteile die bevorstehende Übernahme des Musikkanals Viva durch AOL Time Warner für Gorny und Co. mit sich bringt: Sie können mit dem US-Konzern eine strategische Allianz bilden, mit einem Viva-Sender als reinem Musikkanal, und lang gehegte Expansionspläne vorantreiben: eine weltumspannende MTV-Konkurrenz. Viva-Interessent MTV wird also doppelt in die Röhre gucken.

Magazinrundschau vom 10.06.2002 - Spiegel

In der Titelstory begibt sich Jürgen Leinemann probeweise auf den Ego-Trip der Politik und erklärt Wirkungsweise und Folgen der Droge Macht.

Ein anderer Artikel erklärt, welche Konsequenzen eine Eskalation des Kaschmir-Konflikts hätte: "Ein Atomkrieg, dem nach US-Berechnungen zwölf Millionen oder mehr Menschen zum Opfer fallen könnten, würde das Ende bedeuten für den Subkontinent, wie die Welt ihn heute kennt. Er brächte aber auch das jähe Aus für die Jagd auf Osama Bin Laden und seine Gefolgsleute. Sie fänden in einem verwüsteten Pakistan genau jene Bedingungen, unter denen sie erneut Machtpositionen erobern könnten, vielleicht sogar Atomwaffen."

Im Interview lässt Richard Gere durchblicken, was der Buddhismus mit einem anstellt. Keine Freude mehr an Weib, Wein und Gesang: "Mir ist es nie um Geld und Ruhm gegangen; für mich ist das wie ein kleines Restaurant auf dem Weg, in dem man schnell einen Imbiss isst. Das Ziel ist, die innere Befreiung zu erreichen." Befreiung von Hass und Gewalt etwa. Doch selbst das, meint Gere, hat seine Grenzen: "Der Dalai Lama sagt, manchmal sei es sehr schwierig, eine Mücke zu lieben."

Wird Frankreich wieder Weltmeister? Wohl kaum, meint Michael Wulzinger, der den Titelverteidiger schon an seiner Arroganz scheitern sieht. Schließlich seien "Les Bleus" nicht mehr nur Fußballer - "sie sind Stars der Werbung, Figuren des Jet-Set und Lieblinge der Politik ... Wenn die Landesauswahl in Clairefontaine trainiert, lässt sich der Staatspräsident schon mal im Hubschrauber von Paris aus die 50 Kilometer über die Wälder von Rambouillet fliegen, um an der Seite von Zidane zu dinieren."

Offline ferner: Ein Essay von Wolf Biermann über das Verhältnis der Deutschen zu Israel und ein Gespräch mit Bodo Kirchhoff über seinen neuen Roman, in dem ein Kritiker umgebracht wird - ein beliebtes Motiv derzeit.