Magazinrundschau - Archiv

The Times Literary Supplement

327 Presseschau-Absätze - Seite 30 von 33

Magazinrundschau vom 10.03.2003 - Times Literary Supplement

Gleich drei Magazine für russischen Migranten sind in jüngster Zeit in London auf den Markt gekommen, neben zwei Anzeigenblättchen für einsame Herzen auch die ambitionierte Zeitschrift "The Bell". Zinovy Zinik kann dies nur begrüßen, denn abgesehen von ihrer stetig wachsenden Zahl sei das auffälligste Zeichen der russischen Einwanderer ihre Unsichtbarkeit: "Wenn ich britische Freunde frage, ob sie irgendetwas nennen könnten, das man als russischen Beitrag zum britischen Leben bezeichnen könnte, denken sie erst eine Minute lang angestrengt nach und bekommen dann leere Gesichter."

Hugh Wood feiert eine englische Neuübersetzung von Hector Berlioz' Abhandlungen über die Orchestrierung "Berlioz's Orchestration Treatise", die schon Mahler, Elgar, Debussy, und Ravel die Romantik gelehrt hat: "Jüngere Praktiker mögen Berlioz in Umfang und Tiefe übertroffen, didaktisch wirkungsvoller geschrieben haben - aber nie mit mehr Charme."

Christopher Hitchens hat sich anlässlich eines neuen Bandes über "The Free Speech Movement" auf dem Campus von Berkeley umgesehen, wo er gerade eine Gastprofessur innehat. Sein Eindruck: Die Studenten von heute könnten ruhig etwas mehr Unordnung stiften.

Der Ehestreit zwischen Zelda und Scott Fitzgerald geht weiter, zumindest literarisch. Zwei Neuerscheinungen sind ihm gewidmet, einmal Sally Clines Biografie "Zelda Fitzgerald" und der Briefwechsel "Dear Scott, Dearest Zelda". Die Runde sollte eindeutig an Zelda gehen, bemerkt Nicola Shulman, aber wie im Leben sei es auch mit den beiden Büchern: Wenn zänkische Eheleute versuchten, einen auf ihre Seite zu ziehen, steigen die Sympathien meist in umgekehrter Richtung.

Magazinrundschau vom 03.03.2003 - Times Literary Supplement

Literarisches Ereignis der Woche sind für das TLS die Moskauer Tagebücher "Earthly Signs" der russischen Dichterin Marina Zwetajewa (mehr hier, hier und hier). Besonders beeindruckt hat Rachel Polonsky, mit welchem Schneid Zwetajewa im Winter 1920 dem sowjetischen Poeten und Literaturbürokraten Valeri Bryusow (mehr hier und hier) den Krieg erklärte - bei einer Soiree für Soldaten der Roten Armee: "Aus dem allgemeinen Dunst aus Parfum, Kokain und Dekolletee, der normalerweise im Politechnikum herrschte, trat sie in militärischem Gewand heraus, mit Militärgürtel und Pelzstiefeln wie Elefanten-Strümpfen. Nach Bryusovs einleitenden Bemerkungen darüber, wie weibliche Dichtung ganz und gar der Liebe und der Leidenschaft gewidmet sein sollte, und nachdem die lieblichen Gedichte einiger willfähriger 'Dichterinnen' vorgetragen worden waren, entledigte sich Zwetajewa ihrer "Ehrenschuld", indem sie sieben Gedichte vortrug, in denen weder 'Liebe' noch das Pronomen 'Ich' vorkam, und die sie mit einem Klagelied über Russland beendete - und einem Hurra auf den Zaren."

Weitere Artikel: Nach "About Schmidt" ist Clive James nun vollends Jack Nicholsons sardonischem Grinsen erlegen. Der Mann könnte, meint James, "sein eigenes Todesurteil vortragen und würde dabei immer noch komisch klingen". Rosalind Porter jubelt über eine sensationelle Entdeckung, die die Oxford-Studentin Kathryn Laing gemacht hat: Rebecca Wests ersten, unveröffentlichten, aber leider auch unvollendeten Roman über die Soufragetten,"The Sentinel". Stein Ringen sorgt sich anlässlich des neuesten UN-Bevölkerungsbericht um die Zukunft Europas, wenn es selbst die skandinavischen Länder mit ihrer familienfreundlichen Politik nicht schafften, ihre Frauen zum Kinderkriegen anzuregen.

Magazinrundschau vom 24.02.2003 - Times Literary Supplement

Anlässlich der Erinnerungen von Antonio Negri ("Du Retour") und Olivier Rolin ("Tigre En Papier") an ihre revolutionären Zeiten fragt sich Richard Vinen, warum politischer Radikalismus in Italien heute so viel lebendiger ist als in Frankreich, warum Negri ungebrochen dem antifaschistischen Kampf die Stange halten kann, während Rolin sich nur noch an eine "traurige und schäbige Zeit" erinnert. Vinens Antowrt: "Der französische Staat war großzügiger gegenüber seinen Opponenten. Philosophen wurden nicht eingesperrt, wenn sie sich zu Verteidigern des politischen Extremismus oder politischer Gewalt machten. Tatsächlich kam Frankreichs wichtigster Vordenker der radikalen Linke, Louis Althusser, nicht einmal ins Gefängnis, als er seine Frau erwürgte. Weit davon entfernt, durch äußere Repression zerschlagen zu werden, wurde die französische 68-Linke von Selbstzweifeln und inneren Konflikten zerfressen."

Weitere Artikel: Wütende, junge Männer aus der amerikanischen Arbeiterklasse sind in der Literatur bedeutend seltener als in der Wirklichkeit anzutreffen, meint Roz Kaveney und freut sich, dass Dave Eggers mit seinem neuen Roman "You Shall Know our Velocity" diese Lücke etwas kleiner werden lässt - und nebenbei eine wunderbare Elegie auf das Ende der Jugend liefert. Anlässlich einer Biografie erinnert Barry Humphries (mehr hier) an den australischen Impressionisten Charles Conder (1868 - 1909, mehr hier), den er dabei aus unerfindlichen Gründen zum "letzten Bohemien" erklärt. Und Thomas Laqueur diskutiert eine Studie über die frühen Wissenschaften im antiken China und Griechenland.

Magazinrundschau vom 17.02.2003 - Times Literary Supplement

"Ist der Mensch nicht viel seltsamer als seine Geschichte?", fragt Gregory Dart. Und ist die Beziehung zwischen Erfahrung und dem, was jemand daraus zieht, nicht immer höchst indirekt? Zur Klärung empfiehlt er Andrew Motions Roman "The Invention of Dr. Cake", der vordergründig die Geschichte zweier Poesie-Liebhaber erzählt, doch zugleich eine erstaunlich intelligente Meditation über die Biografie sei, ein Zwiegespräch zwischen einem Dichter und seinem Biografen.

Christopher Duggans Eloge auf Nelson Moes Buch "The View from Vesuvius" ist leider nur in Auszügen zu lesen. Es geht um Süditalien oder vielmehr um das Bild, das sich Westeuropa über die Jahrhunderte davon gemacht hat. Immerhin war Süditalien, bevor es "rückständig" und "ein ungelöstes Problem" wurde, das Land, das die Freiheit verhieß, erinnert Duggan, Freiheit von sinnlichen Zwängen für Goethe, Byron und D.H. Lawrence, von Krankheit und Schwermut für Keats und T.S. Eliot. "Nach Süden zu gehen, bedeutete in die Urgründe der griechisch-römischen Kultur (und damit der westlichen) zu steigen. Es hieß aber auch, näher an Afrika zu kommen."

Richtig verärgert zeigt sich Stephen Knight über die neue Edition von Philip Larkins Gedichten "Collected Poems" (mehr hier und hier), die offenbar sämtliche Arbeiten chronologisch anordnet und so mit den achtundreißig bedeutungslosesten Gedichten beginnt: Einer der "sechs besten englischen Dichter des 20. Jahrhunderts" hätte besser behandelt zu werden verdient! Und Roger Cardinal schließlich beschäftigt sich mit der Bedeutung des Ariadne-Mythos für das Werk Giorgio Chriricos.
Stichwörter: Lawrence, D.h., Süditalien

Magazinrundschau vom 10.02.2003 - Times Literary Supplement

Nun gibt es Derrida (sehr Hilfreiches hier) endlich auch als Film, und Christopher Tayler findet die Dokumentation "Derrida - The movie" von Amy Ziering Kofman und Kirby Dick alles andere als enttäuschend. Man sieht Derrida beim Frühstück, lernt seine Frau kennen, seine Familie (die immer noch nicht glauben kann, dass sie solch ein intellektuelles Schwergewicht hervorgebracht hat). Und es gebe durchaus witzige Momente, versichert Tayler, etwa wenn das Filmteam zwischen all den mehrbändigen Philosophie-Wälzern in Derridas Arbeitszimmer einen Stapel von Anne-Rice-Romanen entdeckt. Oder wenn er einer Interviewerin vom südafrikanischen Fernsehen, die es wagt, den Herrn Professor zu fragen, ob er eine Verbindung zwischen seinen Gedanken und Seinfeld sähe, bescheinigt: "Dekonstruktion, wie ich sie verstehe, produziert keine Sit-coms. Hören Sie auf fernzusehen. Machen Sie Ihre Hausaufgaben. Und lesen Sie." Selbst diejenigen, meint Tayler, die Derrida für einen Scharlatan halten, werden zugeben müssen, dass er ein sehr charmanter sei. Und schließlich seufzt er: "Es tut einfach gut 'Black Jacques' zu sehen, scherzend, flüchtig und still crazy after all this years."

Weitere Artikel: David Martin hat verschiedene theologische Publikationen gelesen und festgestellt, dass die heutige Theologie zu den meisten wichtigen Fragen durchaus Erhellendes beizutragen hat. Sie tue es nur leider in einem Tonfall, der immer ein wenig wie Untergrund-Satire klingt. Besonders beeindruckt ist Martin von dem Buch "True Religion" von Graham Ward, der darin anhand von "brillanten" Analysen zu Literatur, Architektur und Film eine fünfhundertjährige Kultur- und Sozialgeschichte der Religion entwickelt. Eugen Weber empfiehlt Michel Carmona Biografie "Eiffel" nur denjenigen, die eine Aneinanderreihung von Geschäftserfolgen und Ingenieursleistungen goutieren können, ohne dabei etwas über den Menschen und seine Umgebung zu erfahren. Und in einer Sammelbesprechung von neuen Büchern zum Thema "Toleranz" kommt der von der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft herausgegebene Sammelband "The End of Tolerance?" ("Ende der Toleranz?") leider besonders schlecht weg. Die Autoren, beklagt Samuel Brittan, würden leider allzu oft der "deutschen Neigung zu Überabstraktion und semipoetischer Prosa" nachgeben, was der Analyse nicht gerade förderlich sei.

Magazinrundschau vom 02.02.2003 - Times Literary Supplement

Peter Baehr empfiehlt jedem, der noch über den Irak mitreden möchte, so schnell wie möglich Kenneth Pollacks Buch "The Threatening Storm" zu lesen. Wie ein "Leuchtfeuer der Vernunft und Verantwortung" ragt es aus dem Nebel der vorurteilsbeladenen Debatte hervor, meint Baehr. Das Buch biete "nicht nur eine scharfsichtige Analyse von Saddams Terrormaschinerie und seiner militärischen Möglichkeiten, sondern auch den Blick eines kritischen Insiders auf die Debatten über den Irak, die innerhalb der Regierungen von Bush Senior und Clinton geführt wurden. Beileibe kein Apologet dokumentiert Pollack unnachgiebig das sträfliche Wunschdenken , das die Politik der USA und des Westens gegenüber dem Irak über Jahre hinweg begleitete." (Der Spiegel druckt gerade in einer Serie Auszüge aus dem Buch.)

Mit einer gewissen Skepsis hat David Schiff die Memoiren "An Improbable Life" des Dirigenten und Strawinsky-Vertrauten Robert Craft gelesen. Überrascht hat ihn die "Enthüllung", dass der eigentümliche Strawinsky/Craft-Sound, für den das Duo so berühmt wurde, von Craft stamme. Gefallen hat ihm diese biografische Version des magischen Realismus aber dennoch. "Crafts Lebensgeschichte ist eine Variante des amerikanischen Traums, aus der kurzen Zeit (nach Jay Gatsby und vor Bill Gates) in der Geschichte der anti-intellektuellen Republik, als ein Geistesleben noch genau so glamourös erscheinen konnte wie ein Landhaus auf Long Island. Aber der amerikanische Traum selbst ist eine Variante der Josephslegende. Ein Niemand, Benjamin Franklin oder Dorothy Gale, kommen in die Großstadt, wo sich Schwächen wundersamerweise in Stärken verwandeln. Als Craft Strawinskys Haus am Sunset Strip betrat, wechselte seine Welt von Schwarz-Weiß in Technikolor."

Weitere Artikel: Erich Segal bejubelt die neue, fünfte Ausgabe des "Shorter Oxford English Dictionary": "Man muss nicht logophil sein, um seine Freude an dieser gigantischen Produktion zu haben. Man muss nur stark genug sein, um die beiden Bände mit ihren 3.751 Seiten und einem Gewicht von 6,19 Kilo zu heben zu können." Und Clive James schließlich lobt Roman Polanskis Film "Der Pianist" als das Werk eines Genies - und zwar auf ganzer Linie.

Nur im Print: Edward N. Luttwaks "Machine-gun memories".

Magazinrundschau vom 27.01.2003 - Times Literary Supplement

Lauro Martines feiert die neun Bände umfassende und in weiten Teilen erstmals publizierte Korrespondenz des Lorenzo de Medici. Darin entlarve sich Lorenzo der Prächtige, der stets als Förderer der Künste und des Humanismus gefeiert wurde, als das, was er wirklich war: ein gerissener Politiker, Meister der Manipulation und Florenz' erster Pate. Aber so sei es ja immer gewesen, meint Martines: "Das Genie der italienischen Renaissance war nicht auf Kunst, Literatur und den Bau von Palästen begrenzt. Außer nach einem Botticelli in Florenz und einem Michelangelo in Rom verlangt die Machtpolitik vor allem rücksichtlose Ziele und knochenharte Taktik."

Rein gar nichts hält Peter Stothard von den Essays des konservativen Kritikers Roger Kimball "Lives of the Mind", der die Amerikaner zu Plutarch und den klassischen Tugenden zurückführen will: "Wir Briten, die wir die USA für ihre Entschlossenheit bewundern, den Internationalen Terrorismus zurückzuschlagen, wir wollen kein Amerika aus lauter Renaissance-Menschen."

Weitere Artikel: Mark Rowland zeigt sich von Mary Warnocks Buch "Making Babies" 100-prozentig überzeugt, in dem die Autorin erklärt, warum es kein Recht auf Kinder gebe. Und David Horspool bespricht neue Bücher über den Fußball, Ajax Amsterdam und die Hooligans.

Magazinrundschau vom 20.01.2003 - Times Literary Supplement

Ziemlich dünn diesmal, das TLS: Samuel Hynes stellt etwas ermüdet den zweiten Band von Bevis Hilliers auf drei Teile angelegten Biografie über den Dichter und Entertainer John Betjeman vor. Zum Poet Laureate hat es Betjeman in diesem Band offenbar immer noch nicht geschafft, Hynes zumindest findet die Gedichte aus dieser mittleren Phase "aufgeblasen und affektiert", wenn er auch feststellt, dass Betjeman inzwischen neben seinen unterhaltsamen inzwischen auch einige erfreulich melancholische Züge trage.

Theodore Rabb feiert die Ausstellung zu Albrecht Dürer im British Museum und natürlich den Künstler selbst, den ersten Bestseller einer Apokalypse. "Niemand zuvor hat beim Druck solche Flüssigkeit erreicht, solche Komplexität der Details, solche Sicherheit über Perspektive, Licht und Schatten", schwärmt Rabb und betont mit Blick auf Michelangelo und Leonardo ebenso wie auf heutige Künstler, dass Dürer bewiesen habe, dass ein Künstler sich sehr wohl seinen Lebensunterhalt selbst finanzieren kann, wenn er nur etwas Geschäftssinn besitzt.

Jerry Fodor würde sich gern über die von Gregory L. Murphy in seinem "Big Book of Concepts" verkündete gute Nachricht freuen, dass die Wissenschaft auf dem Weg zur Erkenntnis einen guten Schritt voran gekommen sei, bezweifelt sie aber. Und Sydney Anglo bescheidet Richard Cohen anlässlich seines Buches über die Geschichte der Fechtkunst, dass Enthusiasmus und Wissen so wenig einen Historiker ausmacht, wie ein Schwert einen Kämpfer.

Magazinrundschau vom 13.01.2003 - Times Literary Supplement

Warum hassen die Franzosen Amerika, fragt Henri Astier im Aufmacher und zieht zur Erklärung Jean-Francois Revels neues Buch "L'obsession anti-americaine" (Plon) heran. Auffällig findet Astier, wie widersprüchlich die Ressentiments gegenüber Amerikanern sind: Angeblich sind sie schrecklich materialistisch, aber auch unerträglich religiös sein, vorherrschend rassistisch und absurd politisch korrekt; langweilige Konformisten und rücksichtslose Individuen. An ihnen kann es also nicht wirklich liegen, meint Astier und vermutet : "Der Zweck des europäischen Antiamerikanismus ist es, eine beruhigende Erklärung für den katastrophalen Statusverlust des Kontinents zu finden. Europa hat im zwanzigsten Jahrhundert praktisch versucht, Selbstmord zu begehen, und Amerikas großes Gewicht in der Welt ist eine direkte Konsequenz aus den selbst beigefügten Wunden. In einem Zeitraum von dreißig Jahren haben die Europäer zwei Weltkriege angezettelt, aus denen die Amerikaner ihnen heraushelfen mussten. Aber anstatt sich dieser traurigen Geschichte zu stellen, ziehen es die Europäer vor, sich als Opfer von Amerikas Streben nach Weltherrschaft darzustellen."

Weitere Artikel: Muriel Zagha stellt Richard Hands und Michael Wilsons Studie über das Grand-Guignol-Theater vor und bedauert den Niedergang dieser "großartigen" Form des französischen Horrors. D.J. Taylor schreibt einen Nachruf auf den "einzigartigen" Dichter John Enright (mehr hier und hier). John Sutherland geht anhand von Stephen Spenders Lyrik der Frage nach, wie historisch korrekt ein autobiografisches Gedicht sein muss, um wahr zu sein. Und Michael T. Ghiselin lobt Janet Brownes "kluge" und "informative" Darwin-Biografie als reinstes Lesevergnügen.
Stichwörter: Antiamerikanismus

Magazinrundschau vom 06.01.2003 - Times Literary Supplement

Diesmal im TLS: Ruth Scurr ist angetan von Annie Proulx' neuem Roman "That Old Ace in the Hole". Wie so oft in Proulx' Romanen entspinne sich die Handlung um die "Faszination eines Ortes", diesmal die Panhandles (was soviel heißt wie "Pfannenstiele" und die ungerade verlaufenden Staatengrenzen bezeichnet) von Texas und Oklahoma, und dieser Ort sei nicht nur das Thema der Handlung, sondern die Handlung sei es, die zum Thema des Ortes werde. Und genauso unaufdringlich wie die Handlung seien die Einsichten und Ideen der Autorin, was das Buch zu einer "einladenden Konstruktion" mache. "Es erschließt eine Fülle von Material über die Panhandles und Amerika im Allgemeinen, und manches davon ist widerlich. Doch der Geist des Buches ist ein Geist der Befragung, der Wertschätzung von Individualität und der Gleichheit. Proulx ist eine Schriftstellerin mit ernsthaften Ideen, doch ihre strenge Ästhetik fordert Zurückhaltung. Sie erlaubt ihren Ideen nicht, ihren Gegenstand zu beherrschen, und sie vergisst nie, dass diejenigen, die ihre Romane besuchen, vor allem für ihre Geschichten kommen."

Weitere Artikel: Die Kritik hat Hugo Williams weitgehend vernachlässigt, wohl aufgrund seiner "scheinbaren Einfachheit" und seines "Mangels an Anspielungen", vermutet Roger Caldwell. Doch gerade das sei es, was Williams' Gedichte so lesenswert machten. Claude Rawson ist regelrecht "verzaubert" von den Amazonen-Mythen in Candace Slaters Studie "Entangled Edens", die den Zusammenhang zwischen der fremden Neuen Welt und den fremden Amazonen der griechischen Mythologie beleuchtet. Howard Davies hält Barry Eichengreens Studie "Financial Crises" für einen wichtigen Beitrag zur Weltwirtschafts-Debatte, und der Frage, die sich nach der asiatischen Krise stellt, "ob der institutionnelle Rahmen zur Überwachung der Finanzmärkte, dessen Ziel es ist, Krisen vorzubeugen, und wenn die Vorbeugung scheitert, sie zu handhaben, angemessen ist".

Nur im Print zu lesen unter anderem Nicholas Whites "Au Bonheur des Dames" und Robert Irwins Artikel über die mystische Literatur Persiens.