Wie kommt es, dass man mit
Sokrates noch immer so gut denken und diskutieren kann?",
fragt sich Michael Trapp. "
?Unser' Sokrates ist der Mann, der einer
fragenden Erziehungsmethode seinen Namen gab, einer Beschäftigung mit den Seelen, einer Fürsorge um das wahre Selbst und einer
bescheidenen Weigerung, irgendein Wissen außer dem des eigenen Unwissens für sich zu beanspruchen. Er ist der
ernsthafte Disputant, der unkonventionelle Theoretiker und mythische Visionär, dessen
gelassen heldenhafte Prinzipien-Ergebenheit einem skandalös unverdienten Prozess und der daraus folgenden Todesstrafe gegenübersteht." Und genau darin liegt für Trapp der Reiz der
Anthologie "The Unknown Socrates", die "einen anderen Sokrates aufdeckt, oder besser gesagt
eine Reihe von Sokraten, die aufgrund ihrer Unvertrautheit
höchst faszinierend erscheinen" und die Sokrates' zu "
Emblem und Galionsfigur einer Aktivität und einer Ideologie" machen, "die unbequemerweise und doch unvermeidlich nahe am Herzen der Kultur liegt, die Aktivität der
Philosophia".
Robert MacFarlane
ist begeistert von
Benedict Allens "The Faber Book of Exploration", in dem er die
Aufzeichungen von Entdeckern und Abenteurern gesammelt hat. Allens "großartige" Anthologie mache deutlich, worum es bei Entdeckungsreisen eigentlich gehe, nämlich "sich den Unwegsamkeiten der unbekannten Landschaft auszusetzen, und so eine
Verwitterung der Persönlichkeit zu bewirken, die den
Kernpunkt des Selbst enthüllt". Auch gehe aus den Texten hervor, was die Entdecker - oftmals Einzelgänger - zum
Schreiben bewege: "Wie man aus dem Umfang dieser Anthologie ersehen kann, sind Erforscher selten schweigsam. Der
Zwang zu erzählen ist groß. Dies ist zum Teil eine natürliche Antwort auf die erlebte
Begegnung mit dem Unbekannten - die
strukturierende Aktivität von Sprache und Erzählung schafft die Möglichkeit, sich dem bedrohlich Unvertrauten zu nähern. Das Erzählen rührt aber auch vom Drang her, eine
vernünftige Erklärung für das zu liefern, was sonst auf gefährliche Weise
zwecklos erscheinen könnte: der Wunsch, einen Berggipfel zu erklimmen, die Mitte einer Eisscholle oder die andere Seite eines Ozeans zu erreichen."
Weitere Artikel: Andrew Porter hat
Nicholas Maws Opern-Adaption von
William Styrons Roman "Sophie's Choice" im Londoner Royal Opera House
gesehen und findet, dass Maw sich
schwer tut, die Erzählperspektive und die verschränkten Erzählzeiten der Romanvorlage szenisch und musikalisch umzusetzen. Und Michael Greenberg
freut sich, dass
Richard Lingeman in seiner Biografie des amerikanischen Schriftstellers
Sinclair Lewis mit dem gängigen, einseitigen Bild des Autors
aufräumt, der "mehr für das in Erinnerung geblieben ist, worüber er schrieb, als für das, was er schrieb."
Nur im Print zu lesen: "Inside the Cuban Revolution" von Mark Falcoff, "Slow Air" von Nicholas Laird und "A Life's Music" von Sam Thompson.