Dass
Deutschland als ehemaliger Verbündeter der Türkei den Völkermord an den
Armeniern benennt, hat für den armenisch-türkischen Journalisten Yetvart Danzikyan im
Gespräch mit Jürgen Gottschlich von der
taz ein höheres Gewicht als die britische oder französische Anerkennung: "Nicht nur symbolisch, sondern auch ganz praktisch. Denn in
den deutschen Akten finden sich ja die Beweise für den Völkermord. Deutschland kann das ja mit viel größerem historischen Gewicht darlegen als Frankreich oder England. Deutschland hätte das viel früher tun müssen."
Burak Yilmaz von den "Heroes Duisburg"
erzählt in einem faszinierenden Text für die
Kolumnisten, wie er mit muslimischen Jugendlichen aus Duisburg, denen von den Eltern oft eine gehörige
Dosis Antisemitismus eingeimpft wurde,
Auschwitz-Reisen vorbereitet: "Auschwitz geht auch sie als diverskulturelle etwas an, denn in Auschwitz werden die Jugendlichen, die an der Fahrt teilnehmen und die in Deutschland nie als Deutsche wahrgenommen werden - ausgerechnet in Auschwitz -
das erste Mal als Deutsche wahrgenommen. Völlig unerwartet wird man auf einmal zum Deutschen. Besonders in der Mischung Deutscher und gleichzeitig Araber bzw. Muslim liegt eine große Spannung, da man in Auschwitz auch das erste Mal Israelis trifft."
Roberto Donetta: Familienporträt, Bleniotal © Fondazione Archivio Fotografico Roberto Donetta, CorzonesoIn der
NZZ empfiehlt Daniele Muscionico eine Winterthurer Ausstellung des glücklosen, in seiner Zeit verlachten Fotografen und Samenhändlers
Roberto Donetta, die nicht nur wunderbare Fotografien des 1936 gestorbenen Tessiners zeigt, sondern auch einiges über die Zeit im
Bleniotal lehrt: "Wer in der
Fotostiftung Schweiz dem Werk des Autodidakten Roberto Donetta gegenübersteht, blickt zurück in eine Zeit und in eine
Randregion der Schweiz, die sozialhistorisch und ethnologisch noch zu entdecken ist. Vornehmlich gilt das für den Einfluss der
Gotthardbahn auf den Alltag der Menschen und ihr hartes Leben in den Tessiner Bergtälern. Im Fall von Roberto Donetta war die Macht der neuen Bahn zweischneidig. Alles, was er für seinen Beruf brauchte, seine Fotochemikalien, seine Samen, brachte sie aus Zürich, aus Genf oder Biel mit. Mit derselben Bahn verließen ihn aber auch seine Nächsten."