Der große Historiker
Fritz Stern, Autor einer berühmten Doppelbiografie über Bismarck und seinen jüdischen Bankier Gerson Bleichröder, ist gestorben. Der Schweizer Historiker Thomas Maissen
würdigt in der NZZ, dass Stern vom "
apolitischen Selbstverständnis vieler deutscher Wissenschafter abwich, die - mit Max Plancks Worten - das Verhängnis nicht sehen wollten, die Goethes feines Schweigen in ein feiges verwandelten und so am Regime der organisierten Lüge teilhatten." Weitere Nachrufe in der
FR (
hier),
Zeit online (
hier), der
FAZ (
hier), der
Welt (
hier) und
vielen anderen Medien.
In der
FR gibt Arno Widmann ein
Gespräch mit seinem Sohn über die
Kulturrevolution wieder. 1966 hatte er als Zwanzigjähriger Maos Versuch, den
neuen Menschen zu schaffen, mit großer Sympathie betrachtet: "Ein sehr unvollkommenes Produkt. Aber doch immerhin, so dachte ich damals, ein erster Versuch, eine Revolution zu revolutionieren. Eine Regierung, die die eigene Abschaffung nicht nur in Kauf nimmt, sondern betreibt. Das fand ich
aufregend."
Von der Begeisterung für gewalttätige revolutionäre Bewegungen kann im
Tages-Anzeiger auch Andreas Tobler
berichten. Es ist nämlich eine
Tonbandaufnahme aufgetaucht, auf der
Axel Azzola, Verteidiger von Ulrike Meinhof, im vollbesetzten Auditorium der Universität Zürich im Nachruf auf die RAF-Terroristin zum bewaffneten Kampf aufruft: "Vom notwendigen 'Kampf' und der '
totalen Negation des Bürgertums' und seinen Institutionen - 'einschließlich des Rechts' - ist in seinem Vortrag die Rede, also auch von Gewalt und dem 'Einsatz des eigenen Lebens', mit dem man für die Freiheit anderer kämpfen könne - eben wie Meinhof. Das 'bürgerliche Gesetz' habe dabei
keine Geltung. Nach Meinhofs Tod könne es sowieso 'nur noch ein Urteil geben', nämlich das der Geschichte. Dies sei 'das einzig Legitime', heißt es am Ende der Rede, die gemäß
NZZ für 'Begeisterungsstürme' sorgte. Vier Dekaden später kann man sich ein Urteil bilden - zumindest von Azzolas Zürcher Rede."
Hier der
Link zur Tonbandaufnahme und einem einleitenden Text von Philipp Messner auf der Webseite der Universität Zürich.
Beim Einblick in die bisher unveröffentlichten
Korrespondenzen Albert Speers mit dem damaligen
FAZ-Herausgeber
Joachim Fest und dem Verleger
Wolf Jobst Siedler bietet sich Volker Ullrich "das Bild einer
publizistischen Komplizenschaft, wie man sie nicht für möglich gehalten hätte", schreibt er in der
Zeit.