In der
taz erinnert Gabriele Lesser auf einer Seite an das Pogrom im
polnischen Kielce vor siebzig Jahren: "Der Mord an mehr als vierzig
Überlebenden des Holocaust und Sowjetunion-Heimkehrer läutete den Massenexodus der polnischen Juden ein. In Panik vor dem Hass der Nachbarn packten Zehntausende ihre Koffer und verließen das Land. Die Täter des Pogroms aber waren polnische Arbeiter, Hausfrauen, Passanten, Milizionäre, Soldaten und Agenten des Geheimdienstes."
In einem zweiten Artikel
erklärt Lesser die Geschichtspolitik der regierenden Nationalpopulisten in Polen: "Die PiS will
per Gesetz verbieten lassen, dass künftig Journalisten, Historiker oder Politiker über die Beteiligung von Polen an Pogromen und anderen Judenmorden sprechen oder forschen... Selbst wenn sich Polen gegen Juden vergangen hätten, sei dies allein auf die vorherigen
Verbrechen der Deutschen zurückzuführen."
Es wäre schön, wäre die deutsche Politik bei der Anerkennung des
Völkermords an den Herero und Nama durch deutsche Truppen im heutigen Namibia so konsequent wie bei der Anerkennung des Völkermords an den Armeniern durch die Türken,
denkt sich Joachim Käppner in der
SZ. Und eine Art Wiedergutmachung schlägt er auch gleich vor: Eine "großzügig ausgestattete" Stiftung der Bundesrepublik könnte "würdigen, dass der Vielvölkerstaat Namibia als einer von ganz wenigen in Afrika seit der späten Unabhängigkeit von Südafrika 1990 einen
ausgesprochen positiven Weg nahm, bei dem Toleranz und Rechtsstaatlichkeit große Fortschritte gemacht haben. Diese Freiheit bewahren zu helfen, wäre eine
späte,
aber angemessene Reaktion auf das, was Deutsche diesem Land einst angetan und genommen haben."