9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Geschichte

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.05.2014 - Geschichte

Thomas Schmid liest für die Literarische Welt Ulrich Herberts monumentale "Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert": "Erhellend ist Ulrich Herberts Darstellung nicht zuletzt, weil es dem Autor gelingt, so vorsichtig wie entschieden das periodische Wiederauftauchen der gleichen Fragen und Probleme herauszuarbeiten. Diese deutsche Geschichte ist voll von Korrespondenzen, von Antworten, die um Jahrzehnte verzögert ankommen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.05.2014 - Geschichte



Roman Hollenstein hat sich für die NZZ eine Ausstellung in Trier zu antikem Städtebau und Stadtleben angesehen (Bild). In der Zeit schreibt Volker Weiss über die große Werkbund-Schau 1914. Und Tilmann Bendikowski erinnert daran, dass vor 300 Jahren erstmals ein Deutscher den englischen Thron bestieg.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.05.2014 - Geschichte

Peter Wensierski präsentiert auf Spiegel online Audio-Auszüge aus den Plädoyers Gregor Gysis im Prozess gegen Rudolf Bahro, dessen Verteidiger Gysi war, im Jahr 1977. Die Frage, ob Gysi Stasi-IM war, wirkt nach dem Hören zweitrangig, jedenfalls liebte er das System: "Endlos lang hört man Gysi im Schauprozess gegen Bahro das DDR-Justizsystem loben. In der kapitalistischen BRD wurde 'seit ihrer Gründung das Recht auf Verteidigung stets weiter eingeschränkt', prangert er umgekehrt den Westen an. 'In der sozialistischen DDR dagegen wurde das Recht auf Verteidigung stets ausgebaut' und von 'allen Beteiligten mit wachsender Sorgfalt und Aufmerksamkeit beachtet'."
Stichwörter: BRD, Stasi

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.05.2014 - Geschichte

Nicht nur in Italien, auch in Frankreich gibt es eine Konfliktlinie zwischen Nord und Süd, die im Ersten Weltkrieg aufbrach, als man den Soldaten aus der Provence erste Niederlagen der französischen Armee anlastete, schreibt Wolf Lepenies in der Welt: "Bereits die französische Niederlage gegen Preußen im Jahre 1870 wird den Soldaten aus dem Midi angelastet; der Philosoph Ernest Renan geht so weit zu behaupten, das Unglück Frankreichs liege im Süden und das Land hätte keine Probleme mehr, wenn es sich endlich vom Languedoc und der Provence trennen würde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.05.2014 - Geschichte

Im NZZ-Interview antwortet Christopher Clark auf seine Kritiker, die ihm vorwerfen, dass er in seinen "Schlafwandlern" nicht den Deutschen die Hauptschuld am Ersten Weltkrieg gibt. Es komme nicht darauf an, allein ein Psychogramm deutscher Eliten zu verfassen, meint er: "Ein solches Psychogramm findet sich deshalb nicht bei mir, weil ich es nicht für wichtig halte, um den Ausbruch des Ersten Weltkriegs darzustellen. ... Im Leben zwischen den Staaten sind nicht nur die Äußerungen des 'Alldeutschen Verbandes' - eines nationalistisch-militaristischen Agitationszirkels - wichtig, sondern die Handlungen der Staaten untereinander. Das ist bis dato viel zu kurz gekommen."

In der FR denkt Arno Widmann in einem dreiseitigen Artikel (hier, hier und hier) darüber nach, was es mit den Plätzen auf sich hat, auf denen die jüngsten Revolutionen stattfanden. In der Ukraine fällt ihm auf, dass der zentrale Platz nicht Plocha irgendwas heißt, sondern Maidan, ein persisches Wort, in dem die Ukrainer wohl "Spuren der griechischen Agora zu erkennen glaubten. Sie wollten raus aus dem Slawischen, rein nach Europa. Ausgerechnet ein persisches Wort markiert die Rückkehr der Ukraine nach Europa. Das ist eine der hübschen Pirouetten, die die Weltgeschichte manchmal dreht. Der arabische Frühling, die Proteste in Istanbul und in Kiew nahmen ihren Ausgang nicht von den Hütten und nicht von den Palästen. Sie entwickelten ihre Wucht nicht in Kirchen und Moscheen. Sie fochten auf Plätzen, einem Import aus Europa."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.05.2014 - Geschichte

Ziemlich kurios liest sich Hans-Ulrich Wehlers Besprechung von Jörn Leonhards monumentaler WK I-Studie "Die Büchse der Pandora" in der FAZ. Wehler nutzt sie vor allem um mit Chistopher Clarks "Schlafwandlern" abzurechnen: "Durch sein Vorgehen verwischt Clark verblüffend einseitig den massiven deutschen Verursachungsanteil an der fatalen Konstellation, die zum Krieg geführt hat. Dem beschönigenden Kommentar des englischen Politikers Lloyd George aus den zwanziger Jahren, alle Staaten seien letztlich in das Unheil 'hineingeschlittert', wird zielstrebig zu neuer Geltung verholfen." Zu Leonhards Buch sagt Wehler eigentlicht weiter nichts als dass es glänzend sei.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.04.2014 - Geschichte

Begeistert, geradezu als Fernsehrevolution, kündigt Lorenz Jäger auf der Medienseite der FAZ Jan Peters heute beginnende Arte-Serie (Trailer) mit Tagebüchern des Ersten Weltkriegs an: "Was dem Autor und Regisseur Jan Peter vielleicht erst im Laufe der Arbeit an dem Projekt klar wurde und was die Filmfolge nun überzeugend einlöst, ist die Ähnlichkeit, ja fast der Gleichklang all dieser Stimmen. Jede der Szenen findet eine Parallele im Feindesland." Auch Claudia Tieschky bespricht die Serie in der SZ wohlwollend.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.04.2014 - Geschichte

Michaël de Saint-Cheron stellt in huffpo.fr einige Bücher zum Genozid von Ruanda vor, darunter die Romane der Autorin Scholastique Mukasonga (die 2012 den renommierten Prix Renaudot bekommen hat) und die Geschichte Englebert Munyanbonwas, die vom französischen Journalisten Jean Hatzfeld erzählt wird. Und "was wird nun aus den Prozessen des Internationalen Gerichtshofs? So wenige wurden bis zum heutigen Tag verurteilt. Zu den bestürzendsten Aspekten dieses Vökermords gehört die Tatsache, dass die Überlebenden Tag für Tag an der Seite der Mörder ihrer Familien leben. Das ist nirgendwo sonst in diesem ausmaß passiert. Wie hält man es aus, jeden Tag bei der Arbiet, auf der Strappe, in den Läden die 'Macabres' zu treffen, die die eigenen Familienangehörigen umbrachten?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.04.2014 - Geschichte

Christiane Schlötzer und Stefan Ulrich begrüßen in der SZ Tayyip Erdogans Erklärung zum Völkermord an Armeniern: "Das Wort Völkermord kommt in seinem Text nicht vor. Aber die Botschaft, die erste eines türkischen Premiers zu diesem Tag überhaupt, enthält Formulierungen, die Schranken abbauen können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.04.2014 - Geschichte

Ara Toranian, Chefredakteur der Nouvelles d'Arménie, begrüßt in BHLs Blog La Règle du Jeu Tayyip Erdoğans Erklärung zum Völkermord an den Armeniern (mehr hier). Auch wenn Erdogan den Völkermord nicht als solchen anerkannte, war die Erklärung doch eine versöhnende Geste. Ein paar Fragen stellen sich aber noch: "Herr Erdoğan ruft zu einem Dialog zwischen der armenischen und der türkischen Gesellschaft auf. Können wir daraus ableiten, dass er bereit ist, die seit zwanzig Jahren geschlossene Grenze zu Armenien wieder zu öffnen? Er bekundet sein Beileid für die getöteten Armenier. Wird er also die Gedenkschilder abschrauben, die an öffentlichen Plätzen in der Türkei zu Ehren der Mörder angebracht wurden?"

Peter Reichel erinnert in der Welt an den polnischen Diplomaten Jan Karski, der heute hundert Jahre alt geworden wäre - einen der ersten, der die Westalliierten - leider folgenlos - über den Holocaust informierte.