Anmutig mäandernd wie je
stellt Alexander Kluge nach Auskunft der
Welt die Frage, "wie die Zivilisation aus
Paradies und Terror entstand". Nebenbei erfahren wir immerhin, woran
Jürgen Habermas gerade arbeitet. Er beschäftige sich mit den Achsenzeiten zwischen 5000 und 3000 vor Christus und dann um 500 vor Christus und mit dem Entstehen von Städten: "Jürgen Habermas sieht diese Phänomene, für deren Entstehen er keinen dezidierten Grund weiß, als den Anfang einer
weltbürgerlichen Gesellschaft, der bis heute weiterwirkt, auch wenn die damit verbundenen Projekte des Neuanfangs unterwegs verloren gingen oder zerstört wurden." Kluges Text entstand aus Anlass der
Tagung "Stadt - Religion - Kapitalismus ", die ab morgen im Haus der Kulturen stattfindet.
In der
SZ vermisst Joseph Hanimann schon jetzt den gestern gestorbenen
Mittelalter-Historiker Jacques Le Goff: "Seine 1996 erschienene Biografie
'Ludwig der Heilige', wohl
sein Meisterwerk, ist ein Buch, das in der Figur Ludwigs IX. das ganze 13. Jahrhundert aufrollt und wie in einem Prisma in seine Spektralfarben zerlegt. Nicht französische, sondern
europäische Geschichte strahlt aus diesem Buch als eine vorzeitige Vision und bezeichnet das Feld, in dem Le Goffs Forschung stets stattfand: programmlos, aber mit klaren Begriffen und unersättlichem Interesse
fürs Disparate." Thomas Régnier
schreibt im
Figaro: "Er hat ein geradezu physisches Verhältnis zu den Wörtern und seinen Forschungsgegenständen. Die Strenge des Historikers koppelt sich bei ihm mit der Kreativität des Schriftstellers. Man muss nur seinen monumentalen 'Ludwig der Heilige' lesen, diese 'totale Biografie', um auf seinen Sinn für
pittoreske Anekdoten zu stoßen." In der
FAZ schreibt Nils Minkmar den Nachruf. Hier der
Nachruf Nicolas Truongs in
Le Monde.