In Deutschland wurde der
weltweit erste Prozess gegen Täter des
syrischen Geheimdienstapparates wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit geführt. Jetzt ist es an der Zeit, auch
Deutschlands Involviertheit zu beleuchten, fordert Ronen Steinke im
SZ-Feuilleton. Von 1948 bis 1954 wurde der Mukhabarat genannte syrische Geheimdienstapparat auch von geflüchteten Nazis mit aufgebaut, später half die
DDR gern, indem sie etwa Syriens "Politische Polizei" in Ostberlin für Trainingsstunden empfing oder die Syrer mit Materialien, darunter ein "
Anti-
Mensch-
Serum", versorgten, so Steinke: "Den Stasi-Leuten fiel zwar auf, wie brutal ihre syrischen Zöglinge waren. Letztlich störten sie sich daran aber kaum, 1988 wünschte der Stasi-Chef Erich Mielke dem syrischen Innenminister 'viel Erfolg im
Kampf gegen Israel'. Allenfalls mäkelten die deutschen Ausbilder, weil sich Syrien
so viele Geheimdienste parallel leistete. So ist es bis heute: Selbst wenn Bürger den Reisepass verlängert haben wollen, müssen sie zu mehreren Diensten pilgern, überall wird ein Tee getrunken, Geld unter dem Tisch zugeschoben. Das hat in Syrien Methode, die Idee ist, dass kein einzelner Dienst allein zu mächtig werden soll. Worüber die Stasi allerdings nur den Kopf schüttelte, das sei ja Arbeitsverschwendung, alles redundant, ineffizient."
Übersetzer haben ein intimeres Verhältnis zu Texten als die Autoren selbst, die oft nicht bedenken, was sie schreiben. Das gilt zumal für
Hitler in "Mein Kampf". Olivier Mannoni hat "Mein Kampf" neu ins Französische übersetzt und nun einen
Essay darüber veröffentlicht, den Niklas Bender in der
FAZ aufschlussreich findet, auch wenn er nicht überall zustimmt. Mannonis Argument etwa, dass "die
Schwurbelsyntax bereits die Täuschungsabsicht offenbare, überzeugt nur bedingt. Es ist eher, wie er später schreibt: dass sie 'ein perverses Denken' anschaulich werden lässt, das alles verbiegt, Logik, Sachverhalte, Syntax - 'die pathologische Argumentation folgt dem
mäandernden Faden verdorbener Sätze'."
Ebenfalls in der
FAZ erinnert Tim Allert an den Soziologen
Theodor Geiger, der schon um 1930 die "
Panik im Mittelstand" diagnostizierte, welche dann für Hitlers Schwurbelsyntax solche Resonanzräume schuf.